Die Finanzkrise verstehen: Aller Anfang ist schwer aber spannend

Ich habe in meinem Post Die Finanzkrise verstehen: Aufruf zum kollaborativen Modellieren mit dem iMODELER auf das Vorhaben hingewiesen, in dem wir mithilfe des CONSIDEO iMODELERs und der Methode des qualitativen Modellierens die Finanzkrise verstehen wollen.

Am Montag, den 15. Oktober um 20.30 Uhr war es nun soweit. Axel Schröder und ich haben die erste Session abgehalten. Und das vorweg. Es war extrem spannend und hat Lust auf mehr gemacht. Warum? Weil, und das habe ich des Öfteren bereits in meinem Logbuch formuliert, für mich nach der Session einige Thematiken zu hinterfragen und zu beleuchten sind, die vor der Session für mich selbstverständlich schienen. Aber dazu gleich mehr.

Vorweg möchte ich Sie aber noch auf zwei Dinge aufmerksam machen.

Zum einen möchte ich auf den Post von Axel Schröder Finanzkrise verstehen mit dem iModler: Die Effizienzmarkthypothese – und alles kam anders verweisen, der seine Gedanken und Ideen zu dieser Session ebenfalls verschriftlicht hat. Das ist aus meiner Sicht ein spannender Nebeneffekt. Axel und ich (und hoffentlich noch viele weitere Mitstreiter in der Zukunft) gehen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Vorwissen in diese Sessions, was letztendlich zu spannenden Diskussionen aber auch zu unterschiedlichen Einsichten und Erkenntnissen nach den Sessions führen. Dieses Momentum wollen wir für die fortführenden Diskussionen nutzen und damit den entscheidenden Unterschied zu bisherigen Diskussionen zur Finanzkrise setzen, die doch sehr häufig von Eigennutz der Beteiligten geleitet waren.

Zum anderen ist es für Sie wohl nicht minder wichtig zu wissen, wo Sie den derzeitigen Diskussionsstand abgreifen können. Unter https://www.imodeler.info/ro?key=ANj20xoaFsmmRZZUCEbwlKg können Sie stets den aktuellen Ergebnisstand unserer Diskussion, die Axel dankenswerterweise aufgezeichnet hat, nachverfolgen.

Die roten Faktoren in diesem Modell sind Anmerkungen von mir und die gelben Faktoren sind Anmerkungen von Axel, die aus Überlegungen nach den jeweiligen Sessions resultiert sind, und die in nachfolgenden Sessions einer Überarbeitung bedürfen. Des Weiteren werde ich nicht müde zu betonen, dass das Modell noch nicht fertig ist, ja wohl niemals fertig sein kann, da immer wieder neue Erkenntnisse generiert werden, die neu in dem Modell reflektiert werden müssen.

Aber nun zu unserer Session am Montag. Als Ankerpunkt für unsere These haben wir die These Finanzmärkte sind effizient bemüht. Um zu verstehen, was der eigentliche Inhalt hinter diese These ist, haben wir uns angeschaut, was die Effizienzmarkthypothese der Finanzmärkte eigentlich aussagt. Wikipedia “sagt” dazu Folgendes.

Die fundamental geprägte Effizienzmarkthypothese (engl. Efficient Market Hypothesis, kurz EMH) wurde 1970 von Eugene Fama als mathematisch-statistische Theorie der Volkswirtschaftslehre zusammengefasst. Sie besagt, dass die Finanzmärkte in dem Sinne effizient sind, dass vorhandene Informationen bereits eingepreist sind und somit niemand in der Lage zu dauerhaft überdurchschnittlichen Gewinnen ist.

Daraus haben wir geschlussfolgert, dass auf dieser Basis alle Akteure (Staaten, private Haushalte, Unternehmen der Realwirtschaft, Banken, Finanzinstitute und Ratingagenturen) vollständig rational auf Basis gleicher und vollständiger Daten, die auf objektive Methoden basierend zu gleichen Informationen transformiert, agieren müssen. Diese Erkenntnis haben wir dann auch in Faktoren und ihren Wirkungen zueinander verarbeitet.

Danach kamen wir ins Stocken. Ich hatte bereits im Rahmen der Diskussion mit Axel das Bauchgefühl, dass die oben beschriebene Situation niemals eintreten kann. Es geht gar nicht, dass alle Akteure gleichermaßen Zugang zu allen Daten haben und diese dann auch noch in gleicher Art und Weise zu Information transformieren. Noch schlimmer. In dieser Hypothese wird noch nicht einmal zwischen Daten und Information unterschieden. Objektivität, die hier postuliert wird, kann niemals gegeben sein. Mir fiel es nur in der Diskussion schwer dieses Bauchgefühl in dem Modell zu verarbeiten. Ich empfinde diesen Fakt aber keineswegs als negativ, ganz im Gegenteil. Es spornt mich an, diese Gedanken und Ideen für die nächste Session tiefgründig zu durchdenken und dann zur Diskussion zu stellen.

Wahrscheinlich war dieses Stocken in der Diskussion auch der Grund für meinen Shortcut, den Axel in seinem Post als mein starkes Postulat beschrieben hat. Finanz- und Realwirtschaft nehmen unterschiedliche Rollen im gesamtvolkswirtschaftlichen Kreislauf ein, weshalb auch die mögliche (Die Richtigkeit muss aus meiner Sicht auch für die Realwirtschaft evaluiert werden, das aber nicht Bestandteil unserer Betrachtung sein soll) Richtigkeit der Effizienzmarkthypothese für die Realwirtschaft nicht auf die Finanzwirtschaft zu übertragen ist. Alle meine Beispiele

  1. In der Finanzwirtschaft wird mit Produkten, nämlich Geld, operiert, die nicht an Wert verlieren, ganz im Gegenteil durch den Zinseszins sogar gewinnen.
  2. Die Finanzwirtschaft hat die eigentliche Funktion die Realwirtschaft in Bezug auf Investitionen zu unterstützen und nicht aus sich selbst heraus zu agieren.
  3. Die Werte, die sich in der Realwirtschaft in Form von Preise der Produkte bilden, müssen mehrfach aufgrund des Zinseszins von der Realwirtschaft wieder erwirtschaftet werden, weshalb die Realwirtschaft sich nicht aus dem Schwitzkasten der Finanzwirtschaft befreien kann

wurden von Axel immer wieder mit guten Argumenten entkräftet. Auch das sehe ich als Erfolg dieser Session an, da ich noch tiefgründiger die Thematik bei der Wurzel packen muss, was bis zur nächsten Session auf jeden Fall geschehen wird.

Es bleiben also folgende Themen offen, die ich bis zur nächsten Session durchdenken werde.

  1. Die Effizienztheorie muss in ihre beobachtbaren Eigenschaften der Akteure zerlegt werden und diese müssen auf ihre Wirkungen und Ursachen im ökonomischen Kreislauf hin in das Modell einfließen.
  2. Wir müssen das rationale und emotionale Handeln in der Finanzwirtschaft tiefgründiger beleuchten und Ursache und Wirkungen beider Stränge in das Modell einbauen.
  3. Die Rollen von Finanz- und Realwirtschaft müssen detailliert werden und in das Modell einfließen.

Ich hoffe, ähnlich wie Axel auch, dass wir die von uns angesprochenen Themen und Fragestellungen in der nächsten Session mit weiteren interessierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern diskutieren und modellieren können. Wie sie dem Screencast sicherlich entnehmen können, sind wir offen gegenüber jeder Idee und jedem Gedanken in diesem Zusammenhang, da wir nach dem Motto agieren, dass wir nur gewinnen können, da wir Erkenntnis generieren. Ich finde es absolut erfrischend, dass ich mit Axel einen Begleiter meiner Reise des Verstehens gefunden habe, der dieses Motto ebenso schätzt.

Ich freue mich bereits auf die nächste Session. HAPPY MODELING.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Keine Bewertungen bislang. Geben Sie doch die erste ab.)
Loading ... Loading ...
Teilen Sie diesen Beitrag gerne auf Ihren sozialen Kanälen: These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Facebook
  • LinkedIn
  • Twitter
  • XING
This entry was posted in Modellierung, Ökonomie und Wirtschaft and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

4 Responses to Die Finanzkrise verstehen: Aller Anfang ist schwer aber spannend

  1. Pingback: Reise des Verstehens » Blog Archiv » Die Finanzkrise verstehen: Zurück an den Startblock

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *