Wie lerne ich mit und durch Bücher?

Haben Sie auch oft das Problem? Sie lesen Bücher, generieren für sich Erkenntnisse aus den Büchern, und in ein paar Monaten haben sie nur noch vage Erinnerungen an diese Erkenntnisse. Sie können sich einfach nicht mehr genau daran erinnern. Sie wissen nicht, in welchem Buch sie diese Dinge gelesen haben und finden diese dann auch nicht mehr.

Mir ging es in der Vergangenheit oft so wie oben beschrieben. Dann hat Alfred Krappel mir von seinen Erfahrungen mit dem Notetaking-Tool Roam erzählt und ich fing an, mit diesem Tool herum zu experimentieren. Nach einer jetzt erst einmal abgeschlossenen Experimentierphase nutze ich ausschließlich Roam, um meine Notizen, egal in welchen Kontexten, zu dokumentieren und mit diesen zu arbeiten.

Meine Erfahrungen im Kontext Buchlesen schildere ich Ihnen jetzt, um Ihnen ein Gefühl für dieses Werkzeug zu geben. Dabei einige Worte vorab. In den kommenden Zeilen erfahren Sie wie ich das Werkzeug Roam nutze. Ich erkläre Ihnen also meine Methode im Umgang mit diesem Werkzeug. Sollten Sie Gefallen am Werkzeug Roam finden, sollten Sie auf jeden Fall Ihre eigene Methode im Umgang mit diesem Werkzeug entwickeln. Deshalb habe ich oben auch vom Experimentieren geschrieben.

Wie erfasse ich meine Notizen zu Büchern?

Als erstes beschreibe ich das Buch, welches ich lese, kurz auf einer eigenen Seite. Auf dieser Seite sind dann auch automatisch alle von mir erfassten Notizen zu diesem Buch auf Tagesebene zugelinkt.

Beim Lesen und immer dann, wenn ich etwas für mich Wissenswertes erfahren habe, erfasse ich meine Notizen dazu. Folgende Dinge sind mir dabei wichtig.

  1. Ich erfasse ich meine Gedanken auf Tagesebene (DAILY NOTES).
  2. Ich vermerke stets die Seite im Buch, um eventuell später noch einmal nachlesen zu können.
  3. Ich übernehme keine Zitate aus Büchern. Ich übersetze das Gelesene in meine Gedankenwelt und schreibe diese nieder.
  4. Meine Notizen lege ich ausschließlich in Deutscher Sprache ab, auch bei Englisch-sprachigen Büchern. Deutsch ist meine Muttersprache, weshalb ich in Deutscher Sprache am strengsten und klarsten denken kann.

Das hilft mir beim tiefen Durchdenken des Gelesenen und beim Lernen daraus.

Wie arbeite ich dann mit meinen Notizen?

In der obigen Abbildung sind einige Wörter in [[…]] dargestellt. Das sind so genannte Schlüsselwörter in Roam. Roam eröffnet automatisch für jedes dieser Schlüsselwörter eine eigene Seite. Beispielsweise sehen Sie [[Eliyahu Goldratt]]. Klicke ich dort, öffnet sich die folgende Seite.

Auf dieser Seite ist Alles zugelinkt, was ich grundsätzlich zu Eliyahu Goldratt in Roam erfasst habe, nicht nur im Kontext dieses Buches. Diese Art der Erfassung meiner Notizen erlaubt mir ein besseres Navigieren durch diese, um so auf neue Erkenntnisse zu kommen.

Welches ist der für mich alles entscheidende Unterschied von Roam zu allen anderen mir bekannten Notetaking-Tools, die ich kenne?

Ich muss mir, bevor ich etwas im Tool erfasse, keine Gedanken zu einer Struktur machen. Ich erfasse Alles auf Tagesebene (DAILY NOTES). Die Struktur ergibt sich dann ganz automatisch beim Schreiben, entweder in dem ich Schlüsselworte beim Schreiben durch „[[…]]“ tagge oder in dem ich mir vom Tool dieses Taggen vorschlagen lasse.

Dadurch wird das Lernen für mich erleichtert, da das Verknüpfen von Themen durch Roam erleichtert wird. Mit der Zeit entsteht dann ein Netzwerk, wo Schlüsselbegriffe miteinander verknüpft werden. Die Ähnlichkeit zum Aufbau unseres Gehirns mit Synapsen etc. möchte ich an dieser Stelle nicht stressen.

Ab sofort werde ich alle mir wichtigen Bücher noch einmal lesen, so wie das oben beschriebene, was ich vor einigen Jahren bereits gelesen habe. Ich habe den tiefen Glauben, daraus noch mehr für mich herausziehen zu können.

Roam nutze ich übrigens, nach einer langen Reise über Evernote, OneNote und Notion, als alleiniges Tool, um mir Notizen in jeglichen mir erdenklichen Kontexten zu machen.

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11 Responses to Wie lerne ich mit und durch Bücher?

  1. Willkommen im Zettelkasten-Universum 🙂

    Deine Erfahrung mit Roam und deine Begeisterung kann ich gut nachvollziehen. Been there, done that, got the t-shirt 😀

    Aber inzwischen habe ich für mich ein noch besseres Tool gefunden: https://obsidian.md/ Obsidian bietet dieselben Features wie Roam, zb Tagesnotizen und “Schlüsselwort”-Links (oder Wiki-Links) und Backlinks. Das alles und noch mehr ist da – aber mit zwei großen Unterschieden:

    1. Bei Obsidian überlässt du dich nicht einem Server in der Cloud. Deine Notizen stecken nicht in einer Datenbank. Obsidian lässt dir deine Notizen auf deinem Rechner (zb in deiner Dropbox). Alle Notizen sind Markdown-Dateien, über die du die Hoheit behältst. Als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen Tools in den nächsten Jahren scheint mir das verlässlicher als der zentralisierte Datenbankansatz von Roam. (Roam bietet zwar Markdown-Export, doch das Ergebnis ist nicht so schön für eine Weiterverarbeitung in anderen Tools.)

    2. Obsidian ist schnell. Immer. Bei Roam bist du von der Belastung von Servern in der Cloud abhängig, bei Obsidian arbeitet der Rechner für dich allein.

    3. Die Weiterentwicklung von Obsidian finde ich transparenter und strukturierter als bei Roam. Da sitzen Leute mit mehr Produkterfahrung dahinter, ist mein Eindruck. Die Community ist lebendig, ohne outspacet zu sein.

    4. Obsidian hat Aspekte hübsch herausrefaktorisiert, finde ich. Du kannst mit dem Desktopeditor anfangen und nur für dich arbeiten. Kostenlos. Wenn du es brauchst, schaltest du die Möglichkeit zur Publikation dazu. Wenn du sync brauchst zwischen Geräten, schaltest du es dazu. Eine Mobile App ist in der Testphase. Plugins sind von vornherein vorgesehen und kein CSS Hack oder so. Es gibt eine ganze Reihe von einfach zuschaltbaren Plugins.

    5. Eines der Plugins bei Obsidian erlaubt das Refactoring von Notizen: extract note. Damit kannst du aus Tagesnotizen Blöcke auslagern in eigene Notizen.

    6. Bei Obsidian hast du nicht nur deine Notizen unter Kontrolle in Form von Dateien in einer Verzeichnishierarchie in verschiedenen “Workspaces” (vaults), sondern auch deine Bilder. Wenn du ein Bild zb aus dem Clipboard einfügst, wird es bei deinen Notizen gespeichert und nicht in einem Server versenkt. (Beim Roam Export nach Markdown kommen die Bilder nicht heraus, sondern bleiben verlinkt bei Roam.)

    Für mich ist das klare Ergebnis: Meine Reise des Verzettelns endet nach Evernote, Bear, The Archive, Notion, Roam jetzt bei Obsidian 😀

    -Ralf

    PS: Zum Umgang mit Büchern beim Erarbeiten eines Zettelkastens kann ich auch die “progressive summarization” von Tiago Forte empfehlen, https://fortelabs.co/blog/progressive-summarization-a-practical-technique-for-designing-discoverable-notes In der haben auch Markierungen am Anfang noch ihren Sinn 😉

    • Danke für Deine ausführliche Reaktion, Ralf. Von Obsidian habe ich auch schon des Öfteren gehört. Schaue ich mir mal an. Dankeschön.

      BG, Conny

    • Boris Reichenbächer says:

      Hallo Ralf,

      vielen Dank für den Tip zu Obsidian. Das Tool habe ich nun ausprobiert und werde ebenfalls dabei bleiben. Ich nutzte bisher Anki (https://apps.ankiweb.net/), wobei der Fokus dieses Tools nicht auf der Philosophie des Zettelkastens liegt; als Lernhilfe bzw. für Prüfungsvorbereitungen aber sehr gute Dienste leistet.

      Grüße aus Tübingen

      Boris

      • Ralf says:

        Ja, Anki ist beliebt für Lernkarteien. Ich hab mich damit aber nie anfreunden können :-/ Bin bei Quizlet hängengeblieben.

        Roam versucht ja auch, in dem Punkt zu punkten. Für Obsidian gibts, glaube ich, ein Plugin für Flashcards. Aber den eigentlichen Zweck bei Obsidian sehe ich woanders. Freut mich, wenn dir Obsidian gefällt. Viel Erfolg damit!

  2. Danke für diesen Beitrag. Ich bin nach einer langen Reise von Evernote (jahrelang Favorit) und OneNote jetzt bei Notion und bin begeistert, weil ich es neben den Notizen auch für viele andere Dinge nutzen kann.

    Roam und vor allen Obsidian werde ich mir noch anschauen. Aktuell notiere ich mir die Zitate sehr stark über ReadWise und bekomme so pro Buch eine sichte über Zitate.

    Aber ich merke auch: Zitieren reicht nicht. Ich muss übersetzen in meine Sprache, in meine Worte. Also werde ich das jetzt üben. Danke für diesen Text!

    • Danke für Deine Reaktion, Andre. Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen. LG, Conny

    • Ralf says:

      Ich habe ein Jahr lang meinen Zettelkasten in Notion geführt und fand das super. Notion bietet da einiges. Doch am Ende habe ich gem. Single Responsibility Principle refaktorisiert 😀 Der Zettelkasten ist vom Zweck her so etwas anderes, dass ich ihn nicht dort führen muss, wo ich auch ganz andere Dinge mache.

      Notion habe ich jetzt auf allgemeine Notizen und strukturierte Daten konzentriert insb wenn es um Zusammenarbeit geht. Mit den Tabellen kann man ja wunderbar viel machen. Und über Workspaces fokussiere ich auf unterschiedliche Projekte. Und aus Notion heraus Prototypen für Websites publizieren, ist so schön einfach.

      Obsidian (vorher Roam) ist dann für mich das Tool der Wahl für den Zettelkasten geworden. (Zwar mache ich darin inzw. auch andere Dinge – soviel zum SRP 🙂 Aber der Fokus ist dort.) Die Möglichkeiten zur Verlinkung finde ich besser; Markdown fokussiert mich mehr auf Inhalt; vor allem jedoch habe ich mit den Markdown-Files den Zettelkasten voll unter meiner Kontrolle. Für den Zettelkasten ist mir das wichtig, weil der “für die Ewigkeit gemacht” ist 😉 Den pflege ich über viele Jahre und will möglichst wenig von Tool-Moden abhängig sein. Markdown auf der eigenen Festplatte scheint mir dafür eine gute Basis. Insofern stimme ich mit der Community überein, die sich bei https://zettelkasten.de/ über sowas austauscht.

      Die progressive summarization kann ich als Experiment empfehlen. Ebenso die Lektüre von “Das Zettelkasten-Prinzip” (https://www.amazon.de/Das-Zettelkasten-Prinzip-Erfolgreich-wissenschaftlich-effektiven-ebook/dp/B06WVSFYB4) als kanonisches Buch zum Thema “note taking”/Knowledgemanagement im Allgemeinen.

      Viel Spaß beim Führen deines Zettelkastens!

  3. Die Diskussion scheint mir zu sehr Tool getrieben.
    Einen Schritt zurück: Wichtig ist erstmal Bücher (Medien) nicht nur zu konsumieren, sondern für sich daraus zu lernen – nachhaltig zu lernen. Also braucht es eine Form der Notiz/des Exzerpts/der Lessons Learned.

    Der nächste Schritt wäre der Reuse. Also das Anwenden und Einsetzen des Gelernten.

    Der übernächste der Transfer.

    Habe mir selbst angewöhnt meine zweckgebundene Lektüre aufzubereiten. Mag deshalb digitales Lesen, weil ich da kopieren kann. Nutze ggf. Diktier-Software, Fotos oder Scanner. Zugegeben zu viele meiner Aufzeichnungen sind Word-basiert, meine Knowledge Base versuche ich mit Evernote und OneNote zu realisieren. Vielleicht gibt es bessere Tools, aber Hauptsache, man macht es…
    Eine meiner weitern Strategien heißt Bloggen. Nicht für Euch da draußen, sondern für mich selbst. Ich “zwinge” mich, mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, darüber zu reflektieren und zu schreiben. Das ihr davon profitiert ist schön für Euch, aber vor allem lerne ich selbst.

    Meine persönliche Success-Story erlebe ich immer wieder, wenn ich merke, dass ich “von mir selbst abschreibe”, aus meinen eigenen Notizen klaue und diese wiederverwende. Darum geht´s. Punkt.

    • Danke für Deine Reaktion, Bernhard.

      Deine Beobachtung allerdings, dass die Diskussion zu tool-lastig geführt wird, teile ich nicht. Tool-lastig würde ich sie beobachten, wenn die Tools zum Selbstzweck angebracht und in die Runde geschmissen werden. Hier werden allerdings klare Use Cases genannt, die durch Nutzung der Tools besser umgesetzt werden können. Und das wird von den Diskutanten auch noch begründet. Damit werden die Tools Mittel zum Zweck.

      Auch bin ich mir sicher, dass Du Deinen Use Case …

      Meine persönliche Success-Story erlebe ich immer wieder, wenn ich merke, dass ich “von mir selbst abschreibe”, aus meinen eigenen Notizen klaue und diese wiederverwende.

      … viel besser mit einem Tool umsetzen kannst. Ich beispielsweise könnte das ohne Tool gar nicht bewerkstelligen, da ich in den jeweiligen Kontexten meine Notizen gar nicht finden würde, um von ihnen abzuschreiben.

      BG, Conny

  4. Vielleicht war meine Formulierung zu scharf. Hab ja nichts gegen Tools und nutze selbst welche. Mein Punkt war nur, dass noch wichtiger als die Toolfrage das Machen (in diesem Fall das nachhaltige Lernen) ist.

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