Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingt …

… heißt das Buch, welches ich Ihnen heute vorstellen möchte. So viel vorweg. Das Buch ist für Jeden geschrieben, der sich im Leben stetig weiter entwickeln möchte, ganz egal ob im privaten oder im beruflichen Umfeld.

Haben Sie es auch schon öfter erlebt? Sie diskutieren mit anderen Menschen und tauschen Standpunkte aus. Stets dann, wenn Sie Argumente gegen den Standpunkt der anderen Diskursteilnehmer anbringen, wird sofort induziert, dass sie den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen. Wir diskutieren in Gegensätzen, streng nach dem Motto: “Entweder-Oder”.

Heinz-Peter Wallner, ein Wegbegleiter meiner Reise des Verstehens, thematisiert mit seinem Kollegen Kurt Völkl im neuen Buch “Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingt”

Buch - Das innere Spiel

unter anderem genau diesen Aspekt. Sie plädieren und belegen an praktischen Beispielen den Fakt, dass wir wegkommen sollten vom Denken und Handeln in “entweder-oder” hin zu “sowohl-als-auch”. Sie nennen es Prinzip der Polarität, welches eines der Erfolgsrezepte im Spiel der Veränderungen ist. Aber dazu gleich mehr.

Das Buch finde ich deshalb so faszinierend, da mich genau dieses oben genannte Erfolgsrezept seit längerer Zeit auf meiner Reise des Verstehens begleitet. Unter der Thematik Polykontexturalität finden Sie eine Reihe verschiedener Posts, in welchem ich immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchte, warum es uns Menschen so schwer fällt, sich in den Sog zwischen die Pole zu begeben. Das hat nämlich damit zu tun, dass wir von klein auf an mit der zweiwertigen Logik von Aristoteles aufwachsen. Entweder etwas ist gut oder böse, hässlich oder schön etc. Ein Dazwischen, sprich ein Drittes, lassen wir selten zu. Wir bewegen uns also zu oft im Bereich der Pole und nicht dazwischen, um es mit den Worten der beiden Autoren zu schreiben.

Falls Ihnen noch nicht ganz eingängig erscheint, was mit diesem Erfolgsrezept gemeint ist, möchte ich Ihnen zwei Fragestellungen anreichen, die ich in einigen meinen Posts bereits dargelegt habe.

Wie sollten wir mit Komplexität umgehen?

Wir sollten Beides tun, unsere Eigenkomplexität erhöhen aber auch senken, stets in Anpassung an unsere Umwelt, sprich der Fremdkomplexität. Eigenkomplexität, die keinen Mehrwert auf Lebenserhalt generiert, sollte gesenkt werden. Am Beispiel der Unternehmensführung wären das unnötige Abstimm- und Genehmigungsschleifen in Prozessen. Eigenkomplexität, die aber einen Mehrwert generiert, sollte natürlich erhöht werden. Auch hier wieder ein Beispiel. Im Rahmen von Kundenselektionen im Kampagnenmanagement kann die Vielfalt der Kundengruppen nicht hoch genug sein, um die Kunden adäquat zu erreichen. Bestenfalls wird jeder einzelne Kunde individuell angesprochen, was logischerweise nicht umzusetzen ist.

Sehr häufig werde ich gefragt: “Conny was denn nun, Komplexität erhöhen oder senken?” Mit der Antwort “Beides” können die wenigsten Menschen etwas anfangen. Details finden Sie unter anderem im Manuskript meines letzten Vortrages auf dem Modeler Camp in Berlin mit dem Titel Handhaben von Komplexität im Handel.

Wie sollten wir mit Zielen umgehen?

Auf der einen Seite benötigen wir Ziele, damit Menschen, die zusammen im Sinne einer gemeinsamen Sache agieren, eine Kommunikations- und Handlungsbasis haben. Auf der anderen Seite aber sollten Ziele so gesetzt sein, dass sie nicht erreichbar sind, um nicht stets im Mittelmaß zu enden. Auch dies scheint auf dem ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Warum soll ich mir Ziele setzen, wenn ich sie sowieso nicht erreichen kann? Wir befinden uns zwischen den Polen. Möchten Sie zu dieser Fragestellung mehr wissen lesen Sie gerne meinen Post Ziele sollten als unerreichbar gesetzt werden, aber als erreichbar wahrgenommen werden.

Die nachfolgende Abbildung stellt das Spielbrett des Spiels der Veränderungen dar. Diese habe ich dem Post von Heinz-Peter Wallner zu seinem Buch entnommen (Link)

Das innere Spiel - Spielbrett

In der Abbildung erkennen sie in der Mitte die 4 Spielregeln

  1. Neues Denken,
  2. Neue Haltung,
  3. Neue Erkenntnis und
  4. Neues Tun

die Basis dieses Spiels bilden und die die beiden Autoren auf der Seite 20 des Buches einführen und erklären. Alle diese 4 Spielregeln habe ich in vielen meiner Posts bereits thematisiert und reflektiert. Deshalb ist es mir auch sehr leicht gefallen, sofort Anschluss an die Argumentation der beiden Autoren zu knüpfen und für mich weitere Erkenntnisse zu generieren.

Mit der ersten Spielregel, Neues Denken, ist grundsätzlich gemeint, über den Tellerrand hinaus zu blicken und weg zukommen vom linearen Denken hin zu einem ganzheitlichen Denkmuster. Hier geht es auch darum, integrierend und nicht separierend zu denken. Detaillierte Erkenntnisse meinerseits können Sie im Post Kybernetik – die Versöhnung zwischen dem Rationalen und dem Humanen nachlesen.

Die zweite Spielregel, Neue Haltung, sagt aus, dass wir nicht zu voreilig urteilen und bewerten sollten. Tun wir das, beschränken wir zu schnell unseren Wahrnehmungsfokus und damit den Möglichkeitsraum an Handlungen. Damit sind wir dann nicht mehr offen genug für weitere Optionen. Mit dem Einnehmen dieser Haltung hören wir auch auf in Kategorien „wahr “ und „falsch“ zu denken, da es diese zum Zeitpunkt einer Entscheidung sowieso nicht geben kann.

Die dritte Spielregel, Neue Erkenntnis, trägt der Komplexität des Lebens Rechnung. Hat man das Thema Komplexität verinnerlicht, wird einem auch bewusst das Wissen immer mehr an Bedeutung verliert und Erfahrung und Können immer mehr an Bedeutung gewinnt. In komplizierten Systemen, wie einer Uhr oder einer Heizung, ist Wissen essentiell, um diese zu beherrschen. Komplexe Systeme sind nicht zu beherrschen, da hier das Wissen nicht entscheidend ist.

Die vierte Spielregel, Neues Tun, beleuchtet unter anderem die Fähigkeit Fehler machen zu wollen. Da wir in einem komplexen Umfeld die Zukunft nicht vorhersagen können und auch nicht unser Wissen anwenden können, welches wir aus Erfahrungen der Vergangenheit generiert haben, müssen wir uns langsam vortasten, wie im Nebel. Hier geht es eher darum stetig die Auswirkungen eigener Handlungen zu reflektieren und daraus zu lernen.

Die letztgenannten 3 Spielregeln habe ich im bereits oben vermerkten Manuskript meines letzten Vortrages in Bezug auf Handlungsmuster in der Wirtschaft angerissen.

Die 4 Spielregeln sind miteinander verbunden. Dadurch kommt die Dynamik mit ins Spiel. Und das ist für mich das Faszinierende an dieser Darstellung, die ich schon länger von Herrn Wallner kenne aber erst mit diesem Buch verstanden habe. Genial.

Die Verbindung wird durch die liegende Acht in der oberen Abbildung des Spielbrettes dargestellt. Mit dem Spiel startet man in den beiden rechten Quadranten, dem Neuen Denken und der Neuen Haltung. In diesen Bereichen geht es darum, Änderungsimpulse zu generieren und zuzulassen. Geht man der liegenden Acht nun weiter entlang, kreuzt man den Nullpunkt. Das ist der Punkt der ersten Entscheidung. Man entscheidet sich an dieser Stelle für das Zulassen eines ersten Änderungsimpulses und gelangt in die beiden linken Quadranten, dem Neuen Tun und der Neuen Erkenntnis. In diesen Bereichen geht es darum, die Änderungsimpulse zur Umsetzung zu bringen und die Passfähigkeit mit der Umwelt zu überprüfen. An diesem Punkt kommt man zum Punkt der zweiten Entscheidung, dem angepassten Weitermachen. Änderungsimpulse kommen nämlich nur dann zur Entfaltung, wenn sie stetig wiederholt werden. Mit dieser Entscheidung gelangt man dann wieder in die rechten beiden Quadranten. Dieser Prozess steht sinnbildlich für das Leben der Menschen. Denn Leben bedeutet im steten Fluss zu sein.

Da man in einem vollständigen Kreislauf zweimal entscheidet, nennen die Autoren dies auch das Prinzip der doppelten Entscheidung. Ganz besonders faszinierend finde ich, dass sie den Begriff “Entscheidung” in diesem Zusammenhang schärfen und sich dann auf die für Menschen in Veränderungsprozessen besonders wichtige Art von Entscheidungen stürzen, nämlich die, die prinzipiell unentscheidbar sind. Für solche Art von Entscheidungen gibt es zum Zeitpunkt der Entscheidung kein “richtig” oder “falsch”. Würde es diese Kategorisierung geben, müsste der Mensch nicht mehr entscheiden, da die Entscheidung bereits gefallen ist.

Mit den Spielregeln haben die beiden Autoren den Rahmen für das neue Spiel gegossen. Ein Einhalten der Spielregeln befähigt erst einmal nur zum Mitspielen, nicht automatisch zum erfolgreichen Mitspielen. Zu diesem Zwecke wurden in dem Buch im Kapitel 6 Erfolgsrezepte, die Sie ebenfalls auf dem Spielbrett die Spielregeln umkreisend finden, offen gelegt. Zwei dieser Erfolgsrezepte habe ich bereits reflektiert, nämlich das Prinzip der Polarität und das Prinzip der doppelten Entscheidung. Die weiteren 4 Rezepte lauten.

  1. Das Prinzip Anfang und Ende
  2. Das Prinzip Resonanz
  3. Das Prinzip Wiederholung
  4. Das Prinzip Ordnungsmuster

Diese 4 Erfolgsrezepte möchte ich in diesem Post im Sinne der Länge nicht weiter ausführen. Ich kann Sie nur ermutigen das Buch zu lesen. Die beiden Autoren untermauern die Erfolgsrezepte sehr anschaulich mit Praxisbeispielen und machen diese damit sehr eingängig und nachvollziehbar.

Die Erkenntnisse des Buches spiegeln die beiden Autoren in einem speziellen Kapitel auf die Führungsarbeit in Unternehmen. Hier ziehen sie konsequent die Unterscheidung zwischen stabilen und instabilen Zeiten, in denen sich Unternehmen immer wieder abwechselnd befinden. Liest man dieses Kapitel sorgfältig und lässt es genüsslich auf sich wirken, wird klar, warum vielen Changevorhaben in Unternehmen scheitern und sogar scheitern müssen. Für das herkömmliche Change Management in Unternehmen werden nämlich Werkzeuge und Methoden angewandt, die nur in stabilen Zeiten anwendbar sind und entsprechend auch nur in stabilen Zeiten erfolgreich greifen können. Change Management ist aber dafür ausgelegt in instabilen Zeiten Anwendung zu finden, logisch. Diesen Knoten muss man lösen, um erfolgreiche Wandel zu vollziehen.

Wie am Anfang des Posts bereits angedeutet kann ich dieses Buch wärmstens und uneingeschränkt empfehlen. Es nimmt den Leser auf eine wundervolle Reise durch die Wellen des Wandels mit und stellt so in unnachahmlicher Weise dar, dass erfolgreicher Wandel nur mit Begeisterung und Freude vollzogen werden kann. Lassen Sie uns also spielen.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 Bewertung(en), Durchschnitt: 5.00 von 5)
Loading ... Loading ...
This entry was posted in Management und Leadership and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

3 Responses to Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingt …

  1. Pingback: Hierarchien sind Trivialisierungsstrukturen | Initiative Wirtschaftsdemokratie

  2. Pingback: Wir kann Veränderung in Projekten gelingen? › Projektmanagement Blog

  3. Pingback: Arbeit = Hobby? Geh' Zum Arzt Und Lass' Dich Heilen! | Initiative Wirtschaftsdemokratie

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *