Griechenlandhilfe – Einmalige Finanzspritzen ohne grundlegende Änderungen verpuffen

Eigentlich wollte ich mich nicht öffentlich zu der Griechenlandkrise äussern. Aber nach der Wahl in NRW und den Reaktionen darauf habe ich mir es dann doch anders überlegt. Alle – und hier kann man ruhig pauschalisieren – Aktivitäten in Wirtschaft oder auch Politik kann man mit einem Gleichnis beschreiben: Das Problem, welches man lösen möchte, ist ein Schiff mit einem Rumpf aus Zucker. Der Schiffsrumpf hat einige Löcher, die da heißen

  • in der Politik: Kopfpauschale im Gesundheitswesen, Mehrwertsteuer etc.
  • in der Wirtschaft: Kostensenkung, Gewinnmaximierung etc.

um einige Beispiele zu nennen. Das Schiff befindet sich auf hoher See und niemand erkennt, das der Schiffsrumpf sich auflöst. Jeder ist mit dem Stopfen seines Loches beschäftigt. Fredmund Malik hat es ähnlich anschaulich beschrieben. Alle Aktivitäten, die wir derzeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wahrnehmen, kann man vergleichen mit der Verabreichung von Alkohol an einen Alkoholkranken. Kurzfristig fühlt sich der Alkoholiker gut, langfristig wird seine Lage verschlimmert. Eine neue Denk-, Fühl- und Arbeitsweise ist also angebracht:

  • Weg von einer kurzfristigen hin zu einer langfristigen
  • Weg von einer reduktionistischen hin zu einer ganzheitlich vernetzten
  • Weg von einer linearen hin zu einer zirkulär nichtlinearen
  • Weg von einer zweiwertigen hin zu einer mehrwertigen

Schaue ich mir die derzeitigen Diskussionen zur Griechenlandhilfe an kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ähnlich wie bei der Finanzkrise spricht man von systemimmanenten Faktoren. Nur haben die Rufer dieser Thesen Kenntnisse aus der Systemtheorie, die dies validieren? Wo sind die Modelle, die diese Systemimmanenz bestätigen? Einmalige Investitionen bringen nämlich dann überhaupt nichts, wenn sich an der Denk-, Fühl- und Arbeitsweise nichts ändert. Diesen Fakt sehen Sie an der Graphik. Das Volkseinkommen pendelt sich nach einer gewissen Zeit wieder auf das alte Niveau ein. Es wurde nichts erreicht, da an den Grundregeln des Systems nicht gerüttelt wurde.

Diese Graphik ist Simulationsergebnis des folgenden CONSIDEO Modells. Natürlich ist dieses Modell sehr vereinfacht. Was dieses Modell aber deutlich macht ist, dass einmalige Finanzspritzen ohne Änderung der Grundregeln des Systems nichts bringen.

Ein ungesundes System kann sich nur gesunden, wenn ein radikaler Wandel vollzogen wird. Dieser beginnt in der Regel und sehr häufig mit einem kompletten Zusammenbruch. Das will natürlich niemand hören. Bei einem ungesunden System ist dieser aber unvermeidbar. Nehmen Sie das Beispiel des Alkoholikers. Aus meiner Sicht wurde aus der Finanzkrise nicht gelernt. Die gleichen Fehler werden wieder gemacht. Wir sind leider zu sehr amerikanisiert. Um Neuerungen anzustoßen, muss als erstes der Misserfolg anerkannt und gelebt werden. Misserfolg ist die Basis und voraussetzung von Weiterentwicklung. Fehler müssen grundlegend und tiefgründig reflektiert werden. Regeln – auch solche die als scheinbar selbstverständlich gelten – müssen stetig hinterfragt werden.

Kurz noch zur Wahl in NRW. Keine Partei kann bei den derzeitigen Rahmenbedingungen etwas ändern. Die Partei, die an der Macht ist, wird abgewählt. Sie kann keinen Erfolg haben. Die 4 oben angesprochenen grundlegenden Änderungen sind essentiell und notwendig.

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