{"id":982,"date":"2011-12-06T14:19:42","date_gmt":"2011-12-06T13:19:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=982"},"modified":"2012-11-28T07:16:53","modified_gmt":"2012-11-28T06:16:54","slug":"erkenntnisse-der-mathematik-werden-falsch-in-die-wirtschaft-portiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=982","title":{"rendered":"Erkenntnisse der Mathematik werden falsch in die Wirtschaft portiert"},"content":{"rendered":"<p>In vielen Bereichen werden die theoretischen Erkenntnisse der Mathematik nicht richtig in die Praxis der Wirtschaft umgesetzt. Den Grund daf\u00fcr kann ich nicht klar benennen. Entweder den Umsetzern ist dies nicht bewusst, weil sie die Br\u00fccke zwischen Theorie und Praxis unzureichend schlagen und weil es ja schlie\u00dflich schon immer so gemacht wurde. Ein anderer Fakt k\u00f6nnte aber auch sein, dass man sich der Diskrepanz zwischen mathematischer Theorie und praktischer Umsetzung bewusst ist, diese aber ausgeblendet wird, da gewisse Lobbyisten die richtige Umsetzung verhindern.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte folgend einige Beispiele f\u00fcr falsch geleitete Umsetzungen anf\u00fchren. Viele kennen Sie ja weitere Beispiele.<\/p>\n<p><strong>Normalverteilung bei der Leistungsbewertung von Mitarbeitern<\/strong><\/p>\n<p>Es ist g\u00e4ngige Praxis, dass sich die Leistungen von Mitarbeitern innerhalb von Teams einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Normalverteilung\">Normalverteilung<\/a>, auch als Gau\u00dfverteilung oder Gau\u00dfglocke bekannt, ann\u00e4hern m\u00fcssen. Manager und F\u00fchrungskr\u00e4fte werden regelrecht gezwungen diese Verteilung zu erzielen und m\u00fcssen sich rechtfertigen, wenn dies nicht der Fall ist. Das wird nimmt dann teilweise so groteske Z\u00fcge an, wenn Manager und F\u00fchrungskr\u00e4fte betonen, fair bewerten zu wollen. Tja, was denn wohl sonst? Sp\u00e4testens nach dem Studieren der Erkl\u00e4rungen zur Normalverteilung, zu finden in jedem Lehrbuch zu Statistik oder Wahrscheinlichkeitsrechnung, ist diese Praxis zu hinterfragen. Die folgende ist aus dem oben angef\u00fchrten Wikipedia-Link.<\/p>\n<blockquote><p>Das bedeutet, dass man Zufallsvariablen dann als normalverteilt ansehen kann, wenn sie durch \u00dcberlagerung einer gro\u00dfen Zahl von unabh\u00e4ngigen Einfl\u00fcssen entstehen, wobei jede einzelne Einflussgr\u00f6\u00dfe einen im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtsumme unbedeutenden Beitrag liefert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weder sind die Leistungen von Mitarbeitern innerhalb eines Teams unabh\u00e4ngig, noch ist die Anzahl der Mitarbeiter in den Teams gro\u00df genug. Also weg mit dem Streben nach Gau\u00dfverteilung wo keine sein kann.<\/p>\n<p><strong>Wettbewerb innerhalb von Teams<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=957\">Denken und Handeln nach der Kostensicht zerst\u00f6rt die Identit\u00e4t von Unternehmen<\/a> habe ich bereits die beiden unterschiedlichen Mindsets beim F\u00fchren von Unternehmen angesprochen, die Kosten- und die Durchsatzsicht. Unternehmen werden heute zum gro\u00dfen Teil so gef\u00fchrt als w\u00e4ren sie Bestandteil einer Kostenwelt. Profitcenter belegen diesen Fakt. Damit schafft man aber Wettbewerb zwischen den Teilen eines Unternehmens, wo keiner sein darf. Wettbewerb ist n\u00e4mlich nur bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nullsummenspiel\">Nullsummenspielen<\/a> erfolgsversprechend. Ein Nullsummenspiel im \u00f6konomischen Sinne ist eine Konkurrenzsituation, bei der der wirtschaftliche Erfolg oder Gewinn eines Beteiligten einem Misserfolg oder Verlust eines anderen in gleicher H\u00f6he gegen\u00fcbersteht.<\/p>\n<p>In einem Unternehmen gibt es keine Nullsummenspiele, da Unternehmen Teilnehmer einer Durchsatzwelt sind. Die einzelnen Teile d\u00fcrfen nicht nach lokalen Optima streben, sondern m\u00fcssen kooperieren. Entweder es wird zusammen gewonnen oder zusammen verloren. Dazwischen gibt es nichts. Innerhalb eines Systems muss Kooperation herrschen, mit anderen Systemen kann das System im Wettbewerb stehen. Allerdings ist diese Grenzziehung nicht immer eindeutig und abh\u00e4ngig vom Kontext. Belegen m\u00f6chte ich dies am Beispiel Fu\u00dfball.<\/p>\n<p>2 Spieler konkurrieren um einen Stammplatz in einem Verein. Ist die Grenze der jeweilige Spieler, tut Wettbewerb gut. Nur sollte dort die Grenze gezogen werden? Im ersten Moment w\u00fcrde man sicherlich die Mannschaft als System ansehen und dort entsprechend die Grenze ziehen. Dann w\u00e4re Wettbewerb zwischen einzelnen Spielern schlecht. Sehr h\u00e4ufig h\u00f6re ich aber von Trainern, das Wettbewerb um Positionen die Mannschaftsleistung f\u00f6rdert. Das w\u00fcrde ich ganz stark hinterfragen. Spinnen wir den Faden aber weiter. Setzen wir den Fokus auf die Nationalmannschaft und ziehen dort die Grenze. Dann d\u00fcrften auch die Spieler, zumindest die potentiellen Nationalspieler verschiedener Vereine auch im Spiel gegeneinander nicht konkurrieren. Diesen Fakt hat der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque vor geraumer Zeit angesprochen, als er seine Sorge um die Nationalmannschaft ob der bitteren Feindschaft zwischen Real Madrid und FC Barcelona zum Ausdruck gebracht hat.<\/p>\n<p>Bevor man nach Wettbewerb schreit und diesen forciert, muss man sich also ganz genau \u00fcber den Kontext der Situation Gedanken machen und die Grenze zwischen betrachteten Systemen akkurat ziehen, n\u00e4mlich dort wo Nullsummenspiele gew\u00fcnscht sind.<\/p>\n<p><strong>Intelligenz in der Masse<\/strong><\/p>\n<p>Sehr h\u00e4ufig h\u00f6re ich, dass das Arbeiten in Teams bzgl. Entscheidungen die Intelligenz erh\u00f6ht, sprich, dass die Intelligenz der Masse h\u00f6her ist als die Intelligenz jedes Einzelnen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch oft von der Weisheit der Vielen. Allerdings kann diese Weisheit auch schnell in Dummheit umschlagen, dann n\u00e4mlich wenn die Menschen in der Masse sich gegenseitig beeinflussen. Das haben Forscher der <a href=\"http:\/\/www.ethz.ch\/\">ETH Z\u00fcrich<\/a> herausgefunden. Bei Entscheidungen innerhalb von Teams m\u00fcssen die Teammitglieder entsprechend unabh\u00e4ngig voneinander ihre Wahl treffen. Das nehme ich in den seltensten F\u00e4llen in der Praxis wahr. Damit stelle ich nat\u00fcrlich nicht das Arbeiten in Teams in Frage, sondern ausschlie\u00dflich den Entscheidungsprozess, wie er derzeit innerhalb von Teams gelebt wird.<\/p>\n<p>Richtig angewendet wird diese Erkenntnis \u00fcbrigens von G\u00fcnther Jauch in der Sendung &#8220;Wer wird Million\u00e4r&#8221;, wo er die Kandidaten h\u00e4ufig auffordert, beim potentiellen Verwenden des Publikumjokers, die eigenen Gedanken und Ideen nicht zu artikulieren, um das Publikum nicht zu beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Pareto-Prinzip<\/strong><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paretoprinzip\">Pareto-Prinzip<\/a> basiert auf der Pareto-Verteilung, welches das statistische Ph\u00e4nomen beschreibt, wenn eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beitr\u00e4gt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge. Das besagte Pareto-Prinzip besagt damit, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % so erledigen lassen, dass 80 % aller Probleme gel\u00f6st werden. Allerdings gilt dieses Prinzip nur, wenn die Elemente unabh\u00e4ngig voneinander sind. Diese entscheidende Limitation von Vilfredo Pareto, dem Erfinder dieses Prinzips, wird leider \u00fcbergangen, weshalb dieses Prinzip viel zu h\u00e4ufig in falsche Zusammenh\u00e4nge gesetzt. Leider auch in der oben angegebenen Wikipedia-Quelle. Denn dort steht gleich am Anfang<\/p>\n<blockquote><p>Das Paretoprinzip, auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse ben\u00f6tigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aktivit\u00e4ten innerhalb eines Projektes sind aber abh\u00e4ngig voneinander, nicht alle aber, die die es sind, sind entscheidend f\u00fcr das Projekt. <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=957\">Critical Chain Project Management<\/a> setzt diesen Fakt \u00fcbrigens in die Praxis um, in dem der Fokus auf den Engpass und die kritische Kette gelegt wird.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-982\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"d668fa7ffe\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_982_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(982, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_982_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(982, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_982_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(982, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_982_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(982, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_982_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(982, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>5<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_982_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-982-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Bereichen werden die theoretischen Erkenntnisse der Mathematik nicht richtig in die Praxis der Wirtschaft umgesetzt. 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