{"id":802,"date":"2011-10-20T07:40:13","date_gmt":"2011-10-20T06:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=802"},"modified":"2012-11-28T07:19:59","modified_gmt":"2012-11-28T06:19:59","slug":"in-der-schule-verlernen-schuler-das-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=802","title":{"rendered":"In der Schule verlernen Sch\u00fcler das Denken"},"content":{"rendered":"<p>Probleml\u00f6sen ist heute in den meisten F\u00e4llen nur noch das ungefilterte und unreflektierte Anwenden von vorgefertigten L\u00f6sungen. In diesen F\u00e4llen haben wir dann auch keine Chance, die tiefgreifenden Probleme unserer heutigen Zeit, wie die Finanzkrise oder die Umweltproblematik, zu l\u00f6sen. Denn es sind neuartige Denkans\u00e4tze notwendig, keine Best Practice, wie <em><strong>Albert Einstein<\/strong><\/em> so sch\u00f6n sagte.<\/p>\n<blockquote><p>Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise l\u00f6sen, durch die sie entstanden sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber warum sind wir Menschen in der Regel dazu nicht mehr in der Lage? Warum k\u00f6nnen wir nicht mehr denken? Aus meiner Sicht ist der Grund daf\u00fcr in unserem Bildungssystem zu suchen. Wir haben das Denken in der Schule verlernt. In der Schule bekommen wir Menschen vermittelt, dass es nicht mehr notwendig ist, seinen eigenen Kopf zu benutzen, sondern dass es ausreicht den Kopf Anderer zu benutzen, in dem Wissen &#8220;gebimst&#8221; wird. Wissen, dass man im heutigen Internetzeitalter in Sekundenschnelle auch &#8220;googeln&#8221; kann.<\/p>\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen. In der Schule werden die Kinder trivialisert. Sp\u00e4ter wundern wir uns dann, wenn in der Mehrzahl nur noch unkreative Menschen ins Arbeitsleben eintreten, die nur noch Antworten liefern k\u00f6nnen, die die betreffenden Probleme trivialisieren. Sch\u00fcler, die beispielsweise auf die Frage &#8220;Was ergibt 5*4&#8221; der Lehrerin\/ des Lehrers mit &#8220;4*5&#8221; oder &#8220;eine gerade Zahl&#8221; antworten, bekommen mit Sicherheit nicht die volle Punktzahl zugesprochen. Die Sch\u00fcler wissen, welche Antwort erwartet wird, n\u00e4mlich &#8220;20&#8221;. Also sagen sie das auch. Ganz einfach. Trivialisierung beschreibt <strong><em>Heinz von Foerster<\/em><\/strong> in seinem Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/KybernEthik-Heinz-von-Foerster\/dp\/3883961116\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1319090082&amp;sr=8-1\">KybernEthik<\/a> wie folgt.<\/p>\n<blockquote><p>Trivialisierung ist Amputation interner Zust\u00e4nde, Blockierung der Entwicklung unabh\u00e4ngigen Denkens und Belohnung von vorschriftsm\u00e4\u00dfigem, also voraussagbarem Verhalten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das oben genannte Beispiel kann man bez\u00fcglich des Lernverfahrens in den Schulen sehr gut verallgemeinern. Es wird stets genau ein Erwartungshorizont in Form einer L\u00f6sung formuliert. Diesen muss der Sch\u00fcler treffen, um nicht durchzufallen. Es wird also genau ein bestimmtes Verhalten der Sch\u00fcler zugelassen. Genau dieses Denkmuster schleppen wir dann unser restliches Leben mit uns herum und k\u00f6nnen es kaum mehr abwerfen. Wenn wir aber bedenken, dass es im Jetzt stets ganz viele m\u00f6gliche Zuk\u00fcnfte gibt, die erst durch unser Agieren zu genau einer Zukunft werden, steht das nat\u00fcrlich kontr\u00e4r unseren Denkprozessen gegen\u00fcber. Wir sind gar nicht mehr in der Lage uns verschiedene Handlungsoptionen vorzustellen. Wir denken und handeln nur noch in dem Wahr-Falsch Schema.<\/p>\n<p>Wenn ich also in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=772\">Entscheidungen: Mit System Dynamics dem BI Wirkkreis Leben einhauchen<\/a> darauf eingehe, dass wir denken m\u00fcssen, um gute Entscheider zu sein und in der Schule das Denken verlernt wird, ist einleuchtend, wo in Bezug auf gute Entscheider f\u00fcr die Zukunft angesetzt werden muss, in der Schule.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte folgend meine Ideen und Gedanken zum Thema Bildung beschreiben. Diese erheben ob der Komplexit\u00e4t des Themas keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Sie sollen aber einige Bausteine eines Fundamentes eines zukunftsweisenden Bildungssystems liefern. Ich m\u00f6chte Sie gerne ermuntern, \u00fcber die M\u00f6glichkeit der Kommentare dieses Fundament vervollst\u00e4ndigen zu helfen.<\/p>\n<p>Als erstes m\u00f6chte ich auf theoretisches Wissen zur\u00fcckgreifen, welches aus dem Fachgebiet des <a href=\"http:\/\/www.radikalerkonstruktivismus.de\/\">radikalen Konstruktivismus<\/a> gewonnen wurde. Dabei gehe ich vor allem auf zwei Themen ein. Zum einen darauf, dass der Lernprozess ein zirkul\u00e4res geschlossenes Agieren ist und zum anderen darauf, dass die Validit\u00e4tspr\u00fcfung des Erlernten stets durch Kommunikationsprozesse geschieht.<\/p>\n<p>Kommen wir zum zirkul\u00e4r geschlossenen Agieren. Aus der Lerntheorie von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Piaget\">Jean Piaget<\/a> wissen wir wie der Lernprozess eines Kind aussieht. Das Kind lernt beispielsweise einen Ball als Ball kennen, in dem es versucht den Gegenstand &#8220;Ball&#8221; unter Kontrolle zu bringen. Es entwickelt dabei eine spezifische sensomotorische Kompetenz, die benannt wird, sobald das Kind ein gewisses stabiles Verhalten in Bezug auf den Gegenstand &#8220;Ball&#8221; erworben hat. In unserem Fall bezeichnet es diese Kompetenz dann als &#8220;Ball&#8221;. &#8220;Ball&#8221; ist der Eigenwert der Folge von unterschiedlichen Einwirkungen auf den Gegenstand komplett unabh\u00e4ngig vom Startwert, sprich wie das Kind begonnen hat, diesen Ball f\u00fcr sich zu begreifen. Das Kind besitzt damit ein Endverhalten in Bezug auf den Ball, welches unabh\u00e4ngig von der initialen Ursache ist. Das bedeutet also, nicht der Reiz ist f\u00fcr das Verhalten des Kindes verantwortlich, sondern das Kind selber. Was lernen wir daraus f\u00fcr das Lernen in der Schule?<\/p>\n<p><strong>1. Das Lernen setzt das Interesse des Lernenden voraus. Es ist unm\u00f6glich, die Wahrnehmung und das Erkennen und somit das Lernen steuernd von au\u00dfen zu beeinflussen.<\/strong><\/p>\n<p>Kommen wir zum Validieren des Erlernten. Das Kind verifiziert, ob sein Eigenverhalten &#8220;richtig&#8221; ist, sprich ob das Ergebnis seiner Lernprozesse in sein Leben passt (viabel ist), in dem es abpr\u00fcft, ob sich seine Modelle, die es sich durch das Lernen von Dingen, Verh\u00e4ltnissen und Vorg\u00e4ngen in der Erlebenswelt aufgebaut hat, in sprachlichen Interaktionen mit Anderen bew\u00e4hren. Ist dies der Fall, bewirkt das eine Best\u00e4tigung und damit eine Verst\u00e4rkung des Erlernten. Hat das Kind beispielsweise einen Ball in der Hand und benennt diesen mit Auto, wird es wahrscheinlich von seinen Eltern ein negatives Feedback bekommen. Mit der Zeit lernt das Kind, das ein Ball rund ist, das ein Auto beispielsweise 4 R\u00e4der hat und so weiter und so fort. Was lernen wir daraus f\u00fcr das Lernen in der Schule?<\/p>\n<p><strong>2. Der Lehrer darf nicht als Au\u00dfenstehender des Lernprozesses, sondern als Teilnehmer gesehen werden. Kommunikative Prozesse zwischen allen Lernbeteiligten, Lehrer und Sch\u00fcler, gewinnen enorm an Bedeutung.<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden eben getroffenen Schlussfolgerungen m\u00f6chte ich nun an 6 von mir beobachteten Paradigmen unseres Bildungssystems spiegeln, die aus meiner Sicht schnellstens \u00fcberdacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>A. Durch Benotung kann Motivation und Pflichtbewusstsein f\u00fcr das Lernen vermittelt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Kinder werden sp\u00e4testens ab der dritten Klasse benotet. Kinder lernen in der Kita beispielsweise noch mit absoluter Freude. Sie probieren aus, lernen Laufen und Sprechen, all dies ohne Benotung. Kinder m\u00fcssen in der Kita nicht explizit inspiriert werden zu Lernen. Sie tun es einfach. Sie m\u00fcssen nicht durch Regeln und auferlegten Pflichten gezwungen werden. Sie lernen aus Enthusiasmus heraus. Warum glauben wir, dass Kinder ab einem gewissen Alter benotet werden m\u00fcssen? Um sie zu motivieren?<\/p>\n<p>M\u00fcssen Sie beispielsweise aufgefordert werden, Ihrem Hobby nachzukommen, quasi pflichtbewusst ihrem Hobby gegen\u00fcber zu sein. H\u00f6rt sich komisch an, oder? Pflichtbewusstsein und Hobby passen nicht zusammen. Und zwar deshalb nicht, weil Sie ihrem Hobby mit Freude nachkommen. Sie versp\u00fcren keine Pflicht, machen es trotzdem. In der Schule wird auf Pflichtbewusstsein gro\u00dfen Wert gelegt und immer wieder darauf hingewiesen. Also geht man wohl schon davon aus, dass Sch\u00fcler in der Regel keine Freude haben am Lernen k\u00f6nnen. Dabei sagen doch <a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/sendungen\/tischgespraech\/s\/d\/28.09.2011-20.05.html\">die neuesten Erkenntnisse aus der Neurologie<\/a>, dass Lernen nur in Zusammenhang mit Freude am besten geht, da das Gehirn nur dann Botenstoffe aussendet, die das Schaffen neuer Verbindungen zwischen Neuronen beg\u00fcnstigen. Und das muss beim Lernen passieren.<\/p>\n<p><strong>B. Wettbewerb ist notwendig, um auf das Leben vorbereitet zu werden.<\/strong><\/p>\n<p>Vor ca. 2500 Jahren setzten die Philosophen <em><strong>Demokrit<\/strong><\/em> und <em><strong>Leukipp<\/strong><\/em> die Auffassung in die Welt, dass die Menschen nur eine Anh\u00e4ufung von Atomen sind und das man alles aus der Wechselwirkung der Atome untereinander erkl\u00e4ren kann. Das ist der Anfang der rein materialistischen Sicht auf die Welt. Dieses Denkschema hatte ihre Bl\u00fctezeit in der Industrialisierung. Diesen Ideen h\u00e4ngen wir in der Bildung heute immer noch an: Messen, Objektivierung, Mechanisierung etc.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns der St\u00e4rke, etwas objektivieren zu k\u00f6nnen, kaum entziehen. Basis f\u00fcr den Wettbewerb in der Bildung sind Zensuren und Beurteilungen. Kinder m\u00fcssen vergleichbar sein. Man ben\u00f6tigt f\u00fcr die Vergleichbarkeit eine Entscheidungsgrundlage, mit der man sp\u00e4ter sehr gut Verantwortung daf\u00fcr abgeben kann. Wenn also ein Kind doch schlechter oder besser ist als erwartet, ist das Messverfahren der Zensuren und Beurteilungen schuld. Geht ja gar nicht anders. Kinder werden wie Maschinen behandelt. Man muss stets besser sein als der Andere. Und dann wundern wir uns, wenn die Kinder in sp\u00e4teren Jahren nicht selbst\u00e4ndig denken k\u00f6nnen, nicht kreativ oder nicht teamf\u00e4hig sind. Kooperation wird zwar oft gelobhudelt, aber gehandelt wird nicht danach. Es geht stets nur um gr\u00f6\u00dfer, schneller, weiter, besser. Denn darauf kommt es doch im Leben an. Oder? Wo uns das hinf\u00fchrt, nehmen wir hoffentlich alle derzeit wahr. Heute Morgen erst habe im TV wieder einmal die Ausschreitungen in Griechenland mit Erschrecken gesehen.<\/p>\n<p>Ich muss nicht wissen wie gut mein Kind ist. Ich muss nur wissen, ob mein Kind gl\u00fccklich ist. Kinder werden <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=765#comments\">in jungen Jahren schon Stress ausgesetzt<\/a>. In der zweiten Klasse haben Sie durchschnittlich 5 Unterrichtsstunden pro Tag. Sie bekommen Hausaufgaben ohne Ende auf. Derzeit h\u00f6ren wir in den Medien einige Debatten \u00fcber Burnout. Kinder werden doch bereits in ganz jungen Jahren darauf vorbereitet, stets auf Hochtouren laufen zu m\u00fcssen. Kinder haben doch aber das gute Recht darauf, einfach mal keine Lust auf etwas zu haben. Oder? Warum denn auch nicht? Bitte nicht damit verwechseln, dass ich Kinder in Watte gepackt sehen m\u00f6chte. Sie ben\u00f6tigen aber Freiraum, um einen Sinn in den Aufgaben zu erkennen und deshalb Lust und kein Frust beim Lernen versp\u00fcren.<\/p>\n<p>Bildung ist kein Nullsummenspiel, bei dem der Gewinn eines Spielers vollst\u00e4ndig durch die seitens des anderen Spielers erlittenen Verlustes kompensiert wird. Sport ist beispielsweise solch ein Nullsummenspiel. Es gibt Gewinner und Verlierer. In der Bildung gibt es aber kein Entweder-Oder, sonder ein Sowohl-als-Auch. In der Bildung k\u00f6nnen auch Alle verlieren, oder eben Alle gewinnen. Derzeit sieht es nach ersterem aus.<\/p>\n<p><strong>C. Unser Gehirn ist vergleichbar mit dem Speicher eines Computers.<\/strong><\/p>\n<p>Schule darf nicht nur reine Wissensvermittlung sein. Schule soll Kinder und Jugendliche auf das Leben vorbereiten. Wissen hat eine immer k\u00fcrzere Halbwertszeit. Allgemeinwissen vermitteln reicht meines Erachtens aus. Kein Auswendig lernen. Kinder und Jugendliche m\u00fcssen also lernen WIE man sich Wissen aneignet, dieses in der Praxis einsetzt und st\u00e4ndig auf Aktualit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>In der Schule werden Kinder\u00a0 und Jugendliche richtig darauf hin getrimmt, nur das wahrzunehmen, was in unser Denkschema passt. Dazu m\u00f6chte ich Ihnen ein Beispiel nennen. Vor geraumer Zeit habe ich meinen Sohn mit dem Auto in die Kita gefahren. An einer Ampelkreuzung wartend, machte er mich darauf aufmerksam, dass im Auto auf der Gegenfahrbahn ein Bekannter von uns sitzt. Im festen Glauben, dass der Bekannte auf Dienstreise ist und er deshalb nicht hier sein kann, verneinte ich seine Vermutung. Im nachhinein stellte sich heraus, dass mein Sohn Recht hatte. Ich sah zwar auch das Auto und den Insassen, habe aber zu unaufmerksam beobachtet und wahrgenommen. Das ist ein Beispiel, wie wir mit der Zeit das verlieren, was Kinder noch beherrschen, das sensible und Beobachten und Wahrnehmen. Wir machen es getreu dem Motto: &#8220;Was nicht sein darf, kann nicht sein&#8221;. Wo lernen wir das? Richtig, in der Schule.<\/p>\n<p><strong>D. Man muss ein generalistischer Spezialist sein, um sein Leben zu meistern.<\/strong><\/p>\n<p>In der Schule werden die Kinder generalistisch zu Spezialisten erzogen. Sie m\u00fcssen in vielen F\u00e4chern Spezialisten sein. Das geht in der Regel weit \u00fcber die Allgemeinbildung hinaus. Reicht es nicht aus im Mathematikunterricht allgemeinbildend bis zur Prozent- und Zinseszinsrechnung zu lehren und zu lernen? Wieviel mussten Sie in ihrem Leben nach der Schule aus dem Bereich der Mathematik anwenden? Ben\u00f6tigen Sie die Differential- oder Intergralrechnung noch? Sicherlich nicht. Es sei denn, Sie haben sich beruflich f\u00fcr einen Weg entschieden, in dem dieses Wissen notwendig ist. Dann lernen Sie das aber auch sp\u00e4ter im Rahmen des Berufes oder Studiums viel schneller und effektiver. Denn Sie haben sich dann bewusst f\u00fcr diesen Weg entschieden und sind mit Freude und Enthusiasmus dabei. Sie erkennen den Sinn.<\/p>\n<p>Mit der Konzentration auf das generalistische Spezialistentum wird der Level f\u00fcr Allgemeinbildung viel zu hoch angesetzt. Resultat ist, dass einfache Themen nicht mehr gekonnt werden, die aber f\u00fcr das Leben wichtig sind. In der heutigen Wirtschaft und Wissenschaft existieren zu viele Spezialisten, die in ihrer eigenen Welt leben und \u00fcbergreifend nicht mehr in der Lage sind zu kommunizieren. Spezialisten verschiedener Fachgebiete verstehen sich einfach nicht. Die L\u00f6sung der Probleme unserer heutigen Zeit bed\u00fcrfen aber Vernetzung von unterschiedlichen Fachbereichen.<\/p>\n<p><strong>E. Kinder m\u00fcssen durch Disziplin und straffe Regeln lernen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/strong><\/p>\n<p>Schule muss Sinn vermitteln, etwas zu lernen. Das tut sie derzeit nicht. Nur wenn Menschen den Sinn einer Sache kennen, sind sie mit Eifer und Leidenschaft dabei. Beispiele sehen wir bei kleinen Kindern, wenn sie laufen oder sprechen lernen. Aber das hatten wir ja schon. Die Schule kennt statt Sinnvermittlung, das Aufstellen von starren Regularien und Strukturen. Alles geht \u00fcber Druck und Angst, nach dem Motto, wenn ihr das nicht k\u00f6nnt, habt ihr sp\u00e4ter auch Schwierigkeiten einen Beruf zu finden.\u00a0 Wurden Kinder in der Kita beim Erlernen von Laufen und Sprechen auch diesem Druck ausgesetzt? Nat\u00fcrlich nicht. Aber warum hat man es dort nicht als angebracht gesehen und\u00a0 in der Schule auf einmal als notwendig? Mit Druck geht die Freude am Lernen verloren. Voraussetzungen des Lernens und Verstehens sind Faszination, Neugierde, Enthusiasmus.<\/p>\n<p>Aus der Systemtheorie kennen wir den Effekt der Selbstorgansiation. Ein Beispiel, welches sich in der Praxis sehr oft bew\u00e4hrt hat sind die Kreisverkehre im Stra\u00dfenverkehr. \u00dcberall dort wo statt Ampeln Kreisverkehre geschaffen wurden, ist der Autostrom flie\u00dfender mit weniger Staus geworden. Mit den Kreisverkehren werden straffe Regeln gebrochen und die Verantwortung in die H\u00e4nde der Autofahrer gelegt. \u00dcberall dort wo Menschen in Gemeinschaften zusammenleben, werden nat\u00fcrlich Regeln ben\u00f6tigt. Aber diese sollten so weit gefasst sein, dass Menschen sich trotzdem frei und kreativ bewegen k\u00f6nnen. Das heutige Bildungssystem bietet diese Feiheit nicht.<\/p>\n<p>Wenn Kinder in der Schule so auf das Leben vorbereitet werden, muss man ja davon ausgehen, dass das Leben &#8220;dreckig und gemein&#8221; ist und wir Menschen grunds\u00e4tzlich nicht in der Lage sind dieses zu meistern. Ich h\u00f6re sehr oft S\u00e4tze wie: &#8220;Das Leben ist kein Ponyhof.&#8221; Aber warum eigentlich nicht? Warum darf das Leben kein Ponyhof sein? Leben wir 80 Jahre, um uns gr\u00f6\u00dftenteils Stress aussetzen zu wollen? Warum darf das Leben kein Spa\u00df machen? Warum darf Lernen kein Spa\u00df machen? Wir sollten nicht vergessen, das Leben in der Gesellschaft, wie es heute existiert, haben wir geschaffen, wir ganz alleine.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf Lernen Spa\u00df machen, werden Vielleicht Einige jetzt sagen. Nur, warum verhindern wir genau das? Wie gesagt, Kinder haben in der Kita noch Spa\u00df am Lernen. Und dann kommt die Schule. Kinder k\u00f6nnen und d\u00fcrfen nicht ausprobieren. Sie werden in ein starres Schema gedr\u00fcckt und sollen sich dann nach dem Schulabschluss f\u00fcr einen Beruf entscheiden. Wenn Sie dann \u00f6fter wechseln, egal ob die Ausbildung, den Beruf oder die Studienrichtung, bekommen Sie oft zu h\u00f6ren, dass sie sich nun endlich einmal durchbei\u00dfen m\u00fcssen, dass sie endlich mal Verantwortung f\u00fcr ihr Leben \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Sie passen dann nicht mehr in dieses starre Schema und werden &#8220;versto\u00dfen&#8221;.<\/p>\n<p><strong>F. Es gab bereits Versuche, neue Ideen im Bildungssystem umzusetzen. Alle sind gescheitert.<\/strong><\/p>\n<p>Das wird mir oft entgegnet, wenn ich in Diskussionen meinen Standpunkt vertrete. Das Scheitern ist doch aber auch logisch, wenn die Kinder danach wieder in das alte kranke, von den oben angesprochenen Paradigmen, wie Wettbewerb und Mechanismus, entlassen werden.<\/p>\n<p>Des Weiteren bekomme ich in Diskussionen oft zu h\u00f6ren, dass unsere Sch\u00fcler &#8220;Dr\u00fcnnbrettbohrer&#8221; w\u00e4ren, die nicht verantwortungsvoll und nicht pflichtbewusst w\u00e4ren und zu Nichts Lust h\u00e4tten, was mit Schule zu tun hat. Deshalb m\u00fcsse man die &#8220;Z\u00fcgel&#8221; anziehen. In dieser Argumentationskette erkennt man das linear-kausale Denkschema, dem wir Menschen sehr oft erlegen sind: eine Wirkung hat eine Ursache. Denn was wird hier missachtet? Die Kinder sind in diesem System gro\u00df geworden und sind jetzt so wie sie sind. Wendet man n\u00e4mlich das nichtlinear-kausale Denkschema an, erkennt man, dass die Wirkung wiederum Ursache wird. Wir haben es hier mit dem Archetyp der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Systemarchetyp#Eskalation\">Eskalation<\/a> zu tun: &#8230; -&gt; Sch\u00fcler sind nicht pflichtbewusst -&gt; Regeln und Druck werden versch\u00e4rft -&gt; Sch\u00fcler werden noch weniger pflichtbewusst, da sie sich nicht ernst genommen f\u00fchlen -&gt; Regeln und Druck werden weiter versch\u00e4rft -&gt; &#8230; Eskalation hei\u00dft der Archetyp deshalb, weil das Problem exponentiell w\u00e4chst. Jetzt wissen wir aber das kein System unbegrenzt wachsen kann, da es durch seine Umwelt begrenzt wird. Es gibt also eine Grenze des Problemwachstums, die auf zwei Arten erreicht werden kann, entweder in dem man bewusst dagegen steuert oder in dem das System aus sich heraus kollabiert. Ich w\u00fcrde doch lieber die erste Methode bevorzugen, obwohl wir leider bereits Anf\u00e4nge der zweiten Art wahrnehmen, wenn wir uns die Ausschreitungen in Gro\u00dfbritannien, Griechenland, Spanien oder in Nordamerika anschauen.<\/p>\n<p>Unser Bildungssystem kann man mit einem Schnellzug vergleichen. Wir m\u00fcssen diesen Schnellzug nicht nur lenken, sondern neu konzipieren. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass dies w\u00e4hrend der Fahrt geschehen muss. Die Mauer naht.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-802\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"f6fd25f1db\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_802_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(802, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_802_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(802, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_802_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(802, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_802_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(802, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_802_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(802, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>6<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_802_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-802-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Probleml\u00f6sen ist heute in den meisten F\u00e4llen nur noch das ungefilterte und unreflektierte Anwenden von vorgefertigten L\u00f6sungen. 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