{"id":6559,"date":"2019-12-24T11:54:23","date_gmt":"2019-12-24T10:54:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=6559"},"modified":"2019-12-24T11:59:39","modified_gmt":"2019-12-24T10:59:39","slug":"entscheiden-uber-regeln-und-prinzipien-eine-kleine-anleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=6559","title":{"rendered":"Entscheiden \u00fcber Regeln und Prinzipien: Eine kleine Anleitung"},"content":{"rendered":"<p>Des \u00d6fteren habe ich das Thema der Unterscheidung von Regeln und Prinzipien im Kontext von Entscheidungen aufgegriffen, unter anderem hier in #connysgedanken auf der Leanbase.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Conny Dethloff | Entscheiden - Regeln vs. Prinzipien by LeanBase\" width=\"640\" height=\"400\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?visual=true&#038;url=https%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F561987045&#038;show_artwork=true&#038;maxheight=960&#038;maxwidth=640\"><\/iframe><\/p>\n<p>Auf den Erkenntnissen dieser knapp 6 Minuten m\u00f6chte ich nun aufsetzen und meine Ideen konkretisieren.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in einer bestimmten Situation eine Entscheidung treffen. Dieser zu bewertenden Situation ist nicht inh\u00e4rent gegeben, ob ich diese Entscheidung \u00fcber eine Regel oder \u00fcber ein Prinzip treffen sollte. Genau das entscheide ich, und zwar wie folgt.<\/p>\n<p><strong>Ist es passf\u00e4hig die zu bewertende Situation mit abz\u00e4hlbar vielen Kontexten zu modellieren, die auch noch alle messbar sind, dann kann ich eine Regel definieren, um eine Entscheidung zu treffen. Ist das nicht der Fall, kann ich also die Situation nicht mit abz\u00e4hlbar vielen Kontexten modellieren, um diese nicht zu sehr zu trivialisieren, oder ist mindestens einer der Kontexte nicht messbar, dann sollte ich keine Regel sondern ein Prinzip definieren, um zu entscheiden.<\/strong><\/p>\n<p>Das m\u00f6chte ich an den beiden Beispielen, Seitenaus und Handspiel aus dem Fu\u00dfball, denen ich mich auch im oben zugelinkten Podcast bedient habe, illustrieren.<\/p>\n<p><strong>Seitenaus<\/strong><\/p>\n<p>Ich stelle mir die Frage, wie viele und welche Kontexte ich ben\u00f6tige, um diese Situationen im Spiel passf\u00e4hig zu modellieren. Ich komme zu dem folgenden Kontext:<\/p>\n<ol>\n<li>Hat der Ball die Seitenauslinie \u00fcberquert?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Gibt es weitere Kontexte? Nein, denn es ist beispielsweise egal, wie die K\u00f6rperhaltung des Spielers war, der den Ball ins Aus bef\u00f6rdert hat, oder was sein Motiv war, dies zu tun, oder in welcher Minute sich das Spiel gerade befindet, oder ob es regnet etc. Es gibt genau den einen oben aufgef\u00fchrten Kontext, um diese Situationen passf\u00e4hig zu modellieren. Damit kann ich die folgende Regel definieren, \u00fcber die eine Entscheidung in solchen Situationen im Spiel getroffen werden kann.<\/p>\n<ol>\n<li>Der Ball muss mit dem vollen Umfang die Seitenauslinie \u00fcberqueren, um im Aus zu sein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nun stelle ich mir die Frage, ob dieser Kontext messbar ist und komme zu der klaren Antwort &#8220;Ja&#8221;. Hier helfen unsere immer ausgefeilteren Technologien weiter, um diesen Kontext zu messen. Es ist auch relativ schnell ersichtlich, dass diese Situationen \u00fcber diese Regel maschinenartig entschieden werden k\u00f6nnen, denn hier gibt es eine eindeutige Bewertung einer Entscheidung in &#8220;richtig&#8221; und &#8220;falsch&#8221;. Eigentlich m\u00fcssen diese Situationen gar nicht mehr entschieden werden, da die Entscheidung der Regel bereits innewohnend ist. Die Regel muss nur noch ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Auch wenn ein Schiedsrichter diese &#8220;Entscheidung f\u00e4llt&#8221;, so tut er es doch wie eine Maschine. Klar ist auch, dass die gef\u00e4llten Entscheidungen solcher Situation im nachhinein relativ klar in &#8220;richtig&#8221; und &#8220;falsch&#8221; eingewertet werden k\u00f6nnen. Es gibt dann auch keine gro\u00dfen Debatten. Das konnte man beispielsweise vor einigen Wochen im Spiel &#8220;Borussia M\u00f6nchengladbach gegen Bayern M\u00fcnchen&#8221; beobachten, wo Yann Sommer, der Torh\u00fcter Gladbachs, den Ball haarscharf mit den Fingerspitzen vor der Torlinie gestoppt hat. Auch wenn dieses Stoppen auch noch so knapp war, der Kontext konnte klar gemessen werden und es gab im nach hinein keine gro\u00dfen Diskussionen dar\u00fcber, ob es ein Tor war oder nicht.<\/p>\n<p><strong>Handspiel<\/strong><\/p>\n<p>Wie im obigen Beispiel mit dem Seitenaus stelle ich mir die Frage nach den Kontexten, um diese Situationen im Spiel zu modellieren und komme zu<\/p>\n<ul>\n<li>Hat der Ball die Hand eines Feldspielers ber\u00fchrt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gen\u00fcgt dieser eine Kontext? Ich denke nein, denn mit nur diesem einen Kontext w\u00fcrden wir solche Situationen im Spiel zu sehr trivialisieren. Das wissen wir auch, da wir weitere Kontexte hinzu nehmen, wie zum Beispiel<\/p>\n<ul>\n<li>Hat der Feldspieler seine Hand zum Ball gef\u00fchrt?<\/li>\n<li>Hat der Feldspieler seine K\u00f6rperfl\u00e4che verbreitert?<\/li>\n<li>Hat der Feldspieler den Ball absichtlich mit der Hand ber\u00fchrt?<\/li>\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gehen wir einmal davon aus, dass wir die Situation &#8220;Handspiel&#8221; in den Spielen mit abz\u00e4hlbar vielen Kontexten gut genug modellieren k\u00f6nnen, also meinetwegen mit den oben genannten 4. Nun sollten wir uns die Frage stellen, ob wir zu den 4 Kontexten Regeln definieren k\u00f6nnen, die messbar sind. Daf\u00fcr definieren wir zum 4. Kontext eine Regel.<\/p>\n<ol>\n<li>Hat der Feldspieler den Ball nicht mit Absicht ber\u00fchrt, sondern ist ihm dieser an die Hand gesprungen, so liegt kein Handspiel vor.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ist die messbar? Diese Frage ist relativ klar mit Nein zu beantworten, denn eine Absicht eines Spielers zu messen ist unm\u00f6glich. Demzufolge wird also aus der oben aufgestellten Regel mit dem gleichen Wortlaut ein Prinzip, da nun ein Prinzip und keine Regel f\u00fcr Entscheidungen in solchen Situationen herhalten muss.<\/p>\n<p>Das impliziert aber auch, dass nun nicht mehr maschinenartig entschieden werden kann. Nun ben\u00f6tigen wir Menschen in Form eines Unparteiischen oder eines VARs. Nun ist aber auch klar, dass alle Entscheidungen in diesen Situationen nicht mehr in &#8220;richtig&#8221; und &#8220;falsch&#8221; einwertbar sind, was auch immer wieder zu oft beobachtbaren massiven Diskussionen im Nachgang von Spielen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Zum Abschluss m\u00f6chte ich noch einmal anf\u00fchren, dass Situationen, die einen hohen Anteil formal nicht handlungsleitend beschreibbarer Anteile (komplexe) besitzen, eher \u00fcber Prinzipien als \u00fcber Regeln entscheidbar sind. Regeln ziehen bei eher komplizierten, also formal handlungsleitend beschreibbaren Situationen. Und damit ist auch ersichtlich, dass wir Menschen gerade in Situationen gefragt sind, die einen hohen Anteil an Komplexit\u00e4t aufweisen.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-6559\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"234e5e53c3\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_6559_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(6559, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_6559_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(6559, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_6559_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(6559, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_6559_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(6559, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_6559_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(6559, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>4<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_6559_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-6559-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Des \u00d6fteren habe ich das Thema der Unterscheidung von Regeln und Prinzipien im Kontext von Entscheidungen aufgegriffen, unter anderem hier in #connysgedanken auf der Leanbase. 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