{"id":635,"date":"2011-09-06T18:04:01","date_gmt":"2011-09-06T17:04:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=635"},"modified":"2012-11-28T07:23:05","modified_gmt":"2012-11-28T06:23:05","slug":"das-fundament-der-naturwissenschaft-tragt-nicht-das-haus-der-wirtschaftswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=635","title":{"rendered":"Das Fundament der Naturwissenschaft tr\u00e4gt nicht das Haus der Wirtschaftswissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Wissen muss auf ein Fundament, dem alles Erkennen und Wissen vorausgeht, basieren, auf welches man Argumentationsketten und Beweise letzten Endes zur\u00fcckf\u00fchren kann. W\u00e4re dieses Fundament nicht gegeben oder zu br\u00fcchig, w\u00fcrden Beweise nie zu einem q.e.d. f\u00fchren. Dieses <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=279\">Fundament<\/a> ist nach <strong><em>Immanuel Kant<\/em><\/strong> die apriorisch reinen Formen Raum und Zeit und die apriorisch reinen Begriffe, die Kategorien. Ausschlie\u00dflich f\u00fcr diejenigen Sachlagen und Probleme, f\u00fcr die ein \u00e4quivalentes Fundament besteht, kann man das Wissen, welches darauf aufbaut, auch auf diese anwenden. Das bedeutet beispielsweise, nur wenn die Naturwissenschaft und die Wirtschaftswissenschaft auf dem gleichen Fundament gebaut sind, l\u00e4sst sich das Wissen der Naturwissenschaft auf die Wirtschaftswissenschaft \u00fcbertragen. Aber tr\u00e4gt das Fundament der Naturwissenschaft die Wirtschaftswissenschaften? Nein. Trotzdem wenden wir die Erkenntnisse der Naturwissenschaft unreflektiert auf die Wirtschaft an. Das bedeutet, wir unterstellen, das Vorg\u00e4nge der Wirtschaft, Naturgesetzen folgen. Das wir hier einem Irrtum erlegen sind habe ich bereits in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=566\">Wie das Messparadigma uns in die Irre f\u00fchren kann<\/a> ausgef\u00fchrt. Umso erfreuter war ich, ein <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/deppert_mythische-formen-in-der-wissenschaft.pdf\">Dokument<\/a> im Netz recherchiert zu haben, in welchem <strong><em>Prof. Dr. Wolfgang Deppert<\/em><\/strong> diese Thematik aufgreift und sehr anschaulich erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Deppert greift die oben angesprochenen Fundamente des Wissens auf und zeigt dass diese f\u00fcr verschiedene Systeme unterschiedlich sein k\u00f6nnen. Deppert nennt diese Fundamente \u00fcbrigens Festsetzungen oder auch wissenschaftstheoretische Kategorien (ref. Seite 2 und 3). Deppert legt auf der Seite 7 Folgendes dar.<\/p>\n<blockquote><p>Der physikalische Reduktionismus, &#8230;, erweist sich als eine wissenschaftliche Sackgasse. Gerade die wissenschaftlich hochkomplexen Probleme der mordernen Zivilisation bishin zu den \u00f6kologischen \u00dcberlebensfragen kann er weder behandeln noch l\u00f6sen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und stellt dementsprechend die Frage.<\/p>\n<blockquote><p>Welche anderen normativen Festsetzungen hinsichtlich der r\u00e4umlichen, zeitlichen und gesetzesartigen Abh\u00e4ngigkeiten sind denkbar und welche Begr\u00fcndungen gibt es f\u00fcr sie?<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Kapitel 6 behandelt Deppert die Zeit. Hier wird es f\u00fcr mich besonders interessant. Es geht konkret um die Metrisierung der Zeit, sprich um die Messbarkeit von Zeit. Deppert erkl\u00e4rt warum es grunds\u00e4tzlich unm\u00f6glich ist, Zeit objektiv zu messen. Darauf bin ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=566\">Wie das Messparadigma uns in die Irre f\u00fchren kann<\/a> auch schon eingegangen. Aber Deppert geht den Weg weiter und erkl\u00e4rt als Ausweg den Begriff der periodischen \u00c4quivalenz.<\/p>\n<blockquote><p>Periodisch \u00e4quivalent sollen zwei periodische Vorg\u00e4nge dann hei\u00dfen, wenn in einem Zeitraum, der durch eine bestimmte Anzahl von Perioden des einen Vorgangs gegeben ist, die Anzahl der Perioden des anderen Vorgangs gleich bleibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vorg\u00e4nge, die periodisch \u00e4quivalent sind geh\u00f6ren zu einer Klasse. So existiert beispielsweise die physikalische Klasse (Schwingungen eines Pendels, Oszillation von Atomen etc.), auf die die physikalischen Naturgesetze wunderbar anwendbar sind. Es gibt aber weitere Klassen, die nicht periodisch \u00e4quivalent zu der physikalischen Klasse sind. Die Perioden gehen also nicht im gleichen Takt. Das w\u00e4ren zum Beispiel die biologische oder auch die der Wirtschaft. Und das ist genau der Punkt, den Deppert auf der Seite 11 so sch\u00f6n ausmalt.<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; so ist es inad\u00e4quat, die physikalische Zeit f\u00fcr die Beschreibung von zeitlichen Verh\u00e4ltnissen eines Organismus zu benutzen. So geschieht es jedoch heute in der Forschung ausschlie\u00dflich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Genauso inad\u00e4quat ist es die physikalische Zeit zur Beschreibung von Vorg\u00e4ngen in der Wirtschaft zu verwenden, da die Klasse der Wirtschaft ebenso wie die der Biologie nicht zu der physikalischen Klasse periodisch \u00e4quivalent ist. \u00c4hnliche Aussagen lassen sich zum Raum treffen. Der Raum einer periodischen \u00c4quivalenzklasse spannt quasi einen M\u00f6glichkeitsraum f\u00fcr Merkmalskombinationen dieser auf. Auch bez\u00fcglich dieser M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume weisen Systeme gleicher periodischer \u00c4quivalenzklassen gleiche Muster auf. Anhand der Kategorien Zeit und Raum lassen sich damit Muster und Strukturen ableiten, die f\u00fcr Systeme gleicher periodischer \u00c4quivalenzklassen identisch sind; sie bilden die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>Und genau an dieser Stelle befindet sich unser &#8220;blinder Fleck&#8221;. Wir \u00fcbertragen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten von einem System auf ein anderes System unabh\u00e4ngig davon ob diese in der gleichen periodischen \u00c4quivalenzklasse liegen. Da n\u00e4mlich die Fundamente unterschiedlich sind, ist auch das Wissen, das auf dieser Basis generiert wird, nicht per se kompatibel und einfach \u00fcbertragbar. Wir m\u00fcssen also annehmen und verinnerlichen, dass das Wissen welches wir aus den Naturwissenschaften generiert haben, nicht vollends und unreflektiert auf andere Bereiche angewendet werden darf. Was passiert, wenn wir es trotzdem tun, sehen wir wohl gerade an der derzeit stattfindenden Gesellschaftskrise, die nicht mehr nur eine Wirtschaftskrise ist.<\/p>\n<p>Es gilt viel mehr die Fundamente der einzelnen Systeme, Natur, Wirtschaft, Medizin etc., zu ergr\u00fcnden und darauf aufbauend das Wissen zu generieren. Die Erkenntnisse, die auf den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der physikalischen Systeme G\u00fcltigkeit besitzen und von den Naturwissenschaften erzeugt wurden, sind nicht grundlegend falsch, sie muss nur erweitert werden, um damit auch das Wissen \u00fcber die Grenzen der Systeme verschiedener periodischer \u00c4quivalenzklassen hinweg anwendbar zu machen. Das Fundament der Naturwissenschaft muss ausgebaut werden. <\/p>\n<p>Ein hervorragendes Beispiel f\u00fcr eine Synchronisation zwischen Systemen verschiedener periodischer \u00c4quivalenzklassen ist der menschliche K\u00f6rper, der sich im Laufe der Evolution an die verschiedenen Zyklen der Natur (z.B. Schlaf-Wach-Periode) angepasst hat.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-635\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"617240a73e\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_635_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(635, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_635_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(635, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_635_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(635, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_635_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(635, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_635_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(635, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>1<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_635_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-635-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissen muss auf ein Fundament, dem alles Erkennen und Wissen vorausgeht, basieren, auf welches man Argumentationsketten und Beweise letzten Endes zur\u00fcckf\u00fchren kann. 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