{"id":571,"date":"2011-08-05T09:30:11","date_gmt":"2011-08-05T08:30:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=571"},"modified":"2012-11-28T07:24:49","modified_gmt":"2012-11-28T06:24:49","slug":"sollten-manager-schizophren-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=571","title":{"rendered":"Sollten Manager schizophren sein?"},"content":{"rendered":"<p>Komische Frage, oder? Vielleicht ist die Frage auch zu pauschal gestellt? Kann sein. Lassen Sie uns loslegen.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem Geld. Geld wurde als reines Tauschmittel erfunden. Es war in der Zeit als sich bestimmte Berufe herausgebildet haben, die allesamt verschiedene Waren hergestellt haben, die nicht mehr einzig und allein zum Eigengebrauch sondern zum Tausch gegen andere Waren dienten. Da es aber relativ schwer fiel verschiedene Waren im Rahmen eines Tausches miteinander zu vergleichen, ben\u00f6tigte man ein scheinbar objektives Messinstrument, das Geld. In dieser Zeit also hat man Waren hergestellt, um andere Waren zu erhalten. Man spricht hier von <strong>W-G-W (Ware-Geld-Ware)<\/strong>. Geld war also reines Mittel zum Zweck f\u00fcr den Warenerwerb. Sp\u00e4ter gewann das Geld an Wertigkeit, es war nicht nur Tauschmittel, sondern besa\u00df seinen eigenen Wert. In dieser Zeit stellte man also Waren her, nicht um andere Waren zu erhalten, sondern um diese zu verkaufen um Geld zu erhalten. Hier sprach man von <strong>G-W-G (Geld-Ware-Geld)<\/strong>. Der n\u00e4chste \u00dcbergang war einschneidender, jedenfalls aus einer Geldsicht heraus. Es war n\u00e4mlich die Geburt der Finanzwirtschaft. Hier spielten Waren nicht mehr diese gro\u00dfe Rolle, da man erkannte, das auch ohne Waren Geld zu scheffeln ist. Man spricht hier von <strong>G-G (Geld-Geld)<\/strong>. Aus Geld wird Geld und immer mehr Geld, angetrieben durch den Zinseszins. Die Realwirtschaft war im W\u00fcrgegriff der Finanzwirtschaft. Diesen Effekt habe ich detailliert in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=329\">Wir schaffen unsere Finanzkrisen durch das Zinsparadigma selber<\/a> analysiert. Die Wurzel des \u00dcbels war also gepflanzt. Der Mensch ist auf Energieeffizienz ausgelegt. Und Geld &#8220;verdienen&#8221;, bei dem keine Waren produziert oder Dienstleistungen, sieht man mal von der Dienstleistung des reinen Geld Verleihens ab, erbracht werden m\u00fcssen, ist enorm energieeffizient, erfreut sich ergo besonderer Beliebtheit. Der Wurzel des \u00dcbels war also nicht nur gepflanzt, sie begann pr\u00e4chtig gedeihen.<\/p>\n<p>Wir erkennen die K\u00fcnstlichkeit des Geldes, da sie von Menschenhand erfunden wurde. Mittlerweile nimmt aber die Abh\u00e4ngigkeit unserer Gesellschaft von diesem k\u00fcnstlichen Objekt Geld groteske Z\u00fcge an. Denken Sie nur an die j\u00fcngsten Diskussionen und die Aktionen bzgl. der Schuldenkrise in den USA. Einzig und allein weil die Schuldengrenze hoch gesetzt wurde, ist die USA wieder zahlungsf\u00e4hig. Das Problem wird damit nicht gel\u00f6st, sondern verst\u00e4rkt und in die Zukunft verschoben. Die Politiker tun aber so, als sei jetzt alles gut, weil sie nicht tiefgr\u00fcndig denken. Nehmen sie ihren Gehaltszettel hervor und erh\u00f6hen ihr Gehalt, gehen damit zu Ihrem Chef mit der Bitte ab dem n\u00e4chsten Monat genau diesen Betrag ausgezahlt bekommen. Wie w\u00fcrde er reagieren? Grotesk oder? Nichts anderes hat man aber in den USA getan. Nicht zu fassen.      <\/p>\n<p>Ich habe eben bereits den Zinseszinseffekt angesprochen, der der Finanzwirtschaft \u00fcberhaupt erst das Leben erm\u00f6glicht. Der Zinseszinseffekt hat Auswirkungen auf die Dynamik des Wirtschaftens. Alles wird schneller. Investitionen m\u00fcssen sich immer schneller rentieren, Projekte m\u00fcssen immer schneller einen positiven Business Case erbringen. Warum ist das so? Je schneller das Geld wieder in den Umlauf kommt, desto mehr Geld wird generiert. Diesen Fakt habe ich in meinem Artikel <a href=\"http:\/\/conny-dethloff.de\/mediapool\/78\/781999\/data\/Diskrete_und_Kontinuierliche_Modellierung.pdf\">Diskrete und kontinuierliche Modellierung<\/a> ausgef\u00fchrt. Wenn sie beispielsweise ihr Geld mit einem bestimmten Zinssatz p.a. anlegen, generieren Sie mehr Geld, wenn das Geld t\u00e4glich ausgesch\u00fcttet und der neue Betrag weiter verzinst wird, als wenn dies monatlich, oder schlimmer j\u00e4hrlich passiert. Den gleichen Effekt haben Sie wenn Sie einen Kredit aufgenommen haben, um Investitionen zu finanzieren, sagen wir ein Eigenheim. Sie reduzieren ihre Restschuld schneller, wenn ihre Tilgung monatlich gegen diese gerechnet wird, als wenn dies j\u00e4hrlich passiert. Wir erkennen die eben angesprochene Beschleunigung des Wirtschaftens oder gar unseres Lebens. <\/p>\n<p>Vielleicht erkennen Sie jetzt auch die Notwendigkeit des Abgebens von Quartalsberichten, was jeder realen Sinnhaftigkeit entbehrt, da diese viel zu kurzfristig sind. Aus finanzwirtschaftlichen Gr\u00fcnden sind diese aber absolut plausibel. Die Unternehmen reagieren auf diese Kurzfristsicht mit der Abkehr von absoluten Zielen, wie den Gewinn, hin zu relativen Zielen, wie der Profitrate. Denn Unternehmen m\u00fcssen nicht nur immer mehr Gewinn machen, sondern diesen auch noch mit immer weniger Mitteln und in immer k\u00fcrzerer Zeit. Gewinn ist ja bekanntlich gleich Umsatz abz\u00fcglich der Kosten. Auf welchen Bestandteil hat ein Unternehmen sehr schnell sehr gro\u00dfen Einfluss? Richtig, auf seine Kosten. Also versuchen Unternehmen alles um die Kosten zu senken. Diesen Effekt, und das k\u00f6nnen Sie detailliert in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=529\">Renditemaximierung der Realwirtschaft: Antwort auf den Zinsstress mit negativen Implikationen<\/a> nachlesen, sehen Sie auch in der Maximierung der Renditen, wenn Sie n\u00e4mlich die 1. Ableitung der Renditen zu Grunde legen, die ausschlie\u00dflich Kostenbestandteile enthalten. Preise, also die Sicht auf den Markt sind komplett ausgeblendet. Unternehmen richten sich mit einer Renditesicht, ausschlie\u00dflich nach innen aus. Diese Innenausrichtung bewirkt, dass ein Unternehmen die Sicht auf seine Stakeholder, wie Kunde, Lieferant oder Mitarbeiter verliert, und sich ausschlie\u00dflich seinen Shareholdern zuwendet. Was sind die Auswirkungen? <\/p>\n<p>Kostensenkungsprogramme, manchmal verschleiert mit anderen Namen wie Harmonisierung, Standardisierung, Change oder Outsourcing. Um Innovation geht es nicht. Dienstleister werden ausschlie\u00dflich \u00fcber die Kosten ausgesucht. Wenn Ihnen das n\u00e4chste mal Schulungen oder Events gestrichen werden, wissen Sie warum. Aber gehen Sie nicht zu hart mit Ihren Managern ins Gericht. Manager planen Schulungen oder Events guten Gewissens und sind dann immer wieder \u00fcberrascht, dass sie abgesagt werden m\u00fcssen. Wenn man sich \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge, die vom Geld und der Finanzwirtschaft ausgehen, nicht bewusst wird, ist man sich guten Gewissens sicher alles Erdenkliche f\u00fcr seine Mitarbeiter zu tun. Sie sind ja wichtig. Logisch. Nur das System l\u00e4sst das nicht zu.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns die im Titel gestellte Frage schlussendlich beantworten. Die Frage hat haupts\u00e4chlich Relevanz, f\u00fcr Manager, die in Unternehmen arbeiten, die von au\u00dfen durch Investoren beeinflusst sind. Das sind in aller erster Linie b\u00f6rsennotierte Unternehmen. Ja, Manager m\u00fcssen schizophren sein, aber nur wenn Sie die oben aufgedeckten Zusammenh\u00e4nge erkennen. Sehen sie diese nicht, leben sie auch ohne Schizophrenie seelig und gl\u00fccklich. F\u00fcr die Anderen aber, f\u00fcr die Wissenden, ist Schizophrenie der Ausweg, um nicht st\u00e4ndig in Wiederspr\u00fcche zwischen Denken und Handeln zu geraten. Denn wie wollen Manager ihren Mitarbeitern immer wieder ihre Wertsch\u00e4tzung entgegenbringen, wissend, dass sie diese Wertsch\u00e4tzung auf Grund der Renditesicht nicht gerecht werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<span id=\"post-ratings-571\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"164c88f096\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_571_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(571, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_571_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(571, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_571_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(571, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_571_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(571, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_571_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(571, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (Keine Bewertungen bislang. 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