{"id":490,"date":"2011-05-30T12:00:56","date_gmt":"2011-05-30T11:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=490"},"modified":"2012-11-28T07:27:22","modified_gmt":"2012-11-28T06:27:22","slug":"projektmanagement-ohne-herz-und-ohne-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=490","title":{"rendered":"Projektmanagement ohne Herz und ohne Kopf"},"content":{"rendered":"<p>Der haupts\u00e4chliche Grund, der allem Scheitern von Projekten zu Grunde liegt, ist aus meiner Sicht im Titel dieses Posts verankert: <strong>Projektmanagement ohne Herz und ohne Kopf<\/strong>. Wenn Sie wissen m\u00f6chten warum, folgen Sie mir auf dieser kurzen Reise. Bevor ich jedoch auf das Herz und auf den Kopf eingehe, m\u00f6chte ich ein von mir immer wieder beobachtetes Ph\u00e4nomen schildern: Viele Projekte werden als Festpreis- und nicht als Zeit- und Materialprojekte durchgef\u00fchrt. Das m\u00f6chte ich n\u00e4her beleuchten.<\/p>\n<p>Bei Festpreisprojekten erstellt der Dienstleister im Rahmen eines Angebotes eine Aufwandssch\u00e4tzung, die er anschlie\u00dfend monet\u00e4r belegt. Es ergibt sich damit ein Betrag, den der Kunde an den Dienstleister zahlt, wenn die Leistung seitens des Dienstleisters erbracht wurde. Bei Zeit- und Materialprojekten erstattet der Kunde dem Dienstleister den entstandenen Aufwand f\u00fcr die Erstellung der Leistungen. Es gibt noch weitere Unterarten und Differenzierungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen m\u00f6chte, denn bereits aus der Definition beider Projekte lassen sich einige Argumente gegenspiegeln, die ich sehr h\u00e4ufig h\u00f6re<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Ich m\u00f6chte ganz genau und heute wissen wieviel ich ausgeben muss, um diese L\u00f6sung zu bekommen.&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Sie haben das doch schon h\u00e4ufig gemacht. Sie m\u00fcssen doch wissen wie lange Sie daf\u00fcr ben\u00f6tigen, oder?&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Vielleicht bezahle ich den Dienstleister daf\u00fcr, dass er nur seine Zeit absitzt.&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Ich muss den Dienstleister ganz fest an die Kandare nehmen, damit er auch arbeitet.&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Startet man mit dieser Einstellung ein Projekt, erreicht man genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist, n\u00e4mlich eine optimale L\u00f6sung bei minimalen Kosten. Ich m\u00f6chte dies nun untermauern.<\/p>\n<p>Der Umsatzausweis in Festpreisprojekten erfolgt nach PoC (Percentage of Completion), das bedeutet proportional zur Kostengenerierung und basierend auf dem geplanten Gewinn. Details zu PoC k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.net\/d\/percentage-of-completion-poc-method\/percentage-of-completion-poc-method.htm\">hier<\/a> nachlesen. Ins Deutsche kann man PoC als Teilefertige Leistungen \u00fcbersetzen. Ich m\u00f6chte die Ausweisung des Umsatzes an einem Beispiel illustrieren. <\/p>\n<p>Nehmen wir an sie haben f\u00fcr ein Projekt folgende Rahmendaten vorliegen. Der geplante Umsatz betr\u00e4gt 2,4 Mio Euro und die geplanten Kosten 1,2 Mio Euro. Daraus ergibt sich ein geplanter Gewinn von 50%. Die Laufzeit betr\u00e4gt 1 Jahr und Sie haben 4 Meilensteine definiert, an den Leistungen ihrerseits final erbracht werden sollen und an denen der Kunde daf\u00fcr zahlt. Der Einfachheit halber also nach dem 3. Monat 600k Euro, nach dem 6. Monat wieder 600k Euro usw. Im Idealfall haben Sie dann nach dem 3. Monat auch genau 50% des Umsatzes an Kosten generiert, besser nat\u00fcrlich weniger. Aber halten wir es wie gesagt einfach. Ihre Istkosten betragen also 300k Euro, am Ende des 1. Monats also 100k Euro. Da der Kunde aber erst fr\u00fchestens nach Ende des 3. Monats zahlt und das auch nur, wenn die Leistungen erbracht und abgenommen wurden, weisen Sie am Ende des 1. Monats bereits 200k Euro aus, obwohl Sie das Geld noch nicht erhalten haben. In einer idealtypischen Welt ist das auch noch alles okay. Aber finden wir idealtypische laborgerechte Umwelten vor, in denen wir die Projekte durchf\u00fchren. Nein, nat\u00fcrlich nicht. Glauben Sie, beispielsweise dass Sie ein Projekt \u00fcber eine Laufzeit von einem Jahr ganz genau durchplanen k\u00f6nnen? Oder glauben Sie, dass Sie die Anforderungen des Kunden so genau verstanden haben, dass Sie auf Anhieb die Meilensteine erreichen und diese auch noch in dem geplanten Kostenrahmen? Was passiert n\u00e4mlich in diesem Fall, sprich in der &#8220;wirklichen&#8221; Welt?   <\/p>\n<p>Haben Sie beispielsweise im ersten Monat 300k Euro Istkosten, m\u00fcssten Sie bereits 600k Umsatz ausweisen, um die Gewinnspanne von 50% zu erreichen. Liefe ab dann alles nach Plan, was eher nicht anzunehmen ist, haben Sie nach 10 Monaten, also 2 Monate vor geplantem Abschluss des Projektes, ihren ehemals geplanten Umsatz nach PoC erzielt. Sie d\u00fcrften also keine Kosten mehr generieren, also nicht mehr f\u00fcr dieses Projekt arbeiten. Haben Sie aber auch die geplanten Leistungen erbracht und wurden diese seitens des Kunden abgenommen? Wohl eher nicht. Bereits ab Ende des 3. Monats ist offen ersichtlich, dass das Projekt in Trouble ist. Der erste Meilenstein ist erreicht. Bestenfalls ist der Meilenstein abgenommen und der Kunde zahlt. Allerdings sind die Kosten zu hoch. Es beginnen uns\u00e4gliche Diskussionen. Der Projektmanager steht von 2 Seiten unter Beschuss, seitens seines Unternehmens, da der Gewinn kleiner ausf\u00e4llt als geplant und seitens des Kunden, weil er diese zu hohen Kosten irgendwie beim Kunden abdecken muss. Er hat ab dann keine Zeit mehr f\u00fcr seine eigentlichen Aufgaben im Projekt. Die L\u00f6sung ist ab sofort aussen vor. <\/p>\n<p>Eine genaue Planung und dicht beieinander liegende Meilensteine sind die Basis f\u00fcr ein fr\u00fchzeitiges Gegensteuern bei Festpreisprojekten. Aber Planung ist hoffen, dass es klappt und wissen, dass es nicht klappt. Oder k\u00f6nnen Sie die Zukunft vorhersagen? Die folgende Graphik stellt die Thematik graphisch dar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Festpreisprojekt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Festpreisprojekt.png\" alt=\"\" title=\"Festpreisprojekt\" width=\"1156\" height=\"350\" class=\"aligncenter size-full wp-image-491\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens ab dem 4. Monat ist die Sicherheit weg, die der Kunde eigentlich erzeugen wollte, in dem er ein Festpreisprojekt ausgeschrieben hat. Festpreise erzeugen finanziellen Wettbewerb zwischen Kunde und Dienstleister, aber nur durch eine Kooperation wird der Projekterfolg sichergestellt. Ich habe das Dilemma der Planung oben bereits angesprochen. Es wird zu sehr auf Planung vertraut, oder besser es muss auf Planung vertraut werden, damit die Regeln der finanziellen Bewertung eines Festpreisprojektes \u00fcberhaupt greifen. Man sollte aber eher den Fokus auf das Ziel eines Projektes legen, also im Zeichen einer Vision agieren. Die innere Einstellung zum Erreichen dieses Ziels ist der Schl\u00fcssel. Der Projekterfolg muss eine Herzensangelegenheit eines jeden Mitarbeiters sein. Ist das Herz nicht dabei, wird es nichts. Ein detailliertes Planen von Aktivit\u00e4ten stellt das Erreichen des Erfolgs nicht sicher. Zum Paradoxon der Planung k\u00f6nnen Sie einige meiner <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?s=Planung\">Posts<\/a> besuchen.<\/p>\n<p>W\u00fcrde der Projektmanager bereits nach dem 1. Monat rekalkulieren, was er m\u00fcsste, w\u00fcrde er den ehemals geplanten Gewinn herabsetzen, denn die Kosten steigen gegen\u00fcber den vorher geplanten Kosten, jedoch bleibt der geplante Umsatz konstant, da nicht davon auszugehen ist, das der Kunde diese Kosten tr\u00e4gt. Wir wissen aber alle, dass in der Wirtschaft Kurz- vor Langfristsicht geht. Morgen ist erst einmal nicht so wichtig. Lasst uns heute ein gutes Ergebnis ausweisen. Vielleicht passiert ja ein Wunder und wir haben im n\u00e4chsten Monat weniger Kosten als geplant. Dann hat sich alles ausgeglichen und wir haben umsonst die Pferde wild gemacht. Wenn ein System auf dieser Basis aufgebaut ist, ist etwas faul. Projekte sind immer etwas Einmaliges. Das sagt sogar PMI. F\u00fcr etwas Einmaliges kann die Aufwandssch\u00e4tzung also nicht valide sein. Damit sind also auch die geplanten Kosten nicht valide. Auf dieser Basis werden aber Ums\u00e4tze ganz offiziell ausgewiesen. <\/p>\n<p>Festpreisprojekte werden vom Kunden gew\u00fcnscht, weil das Vertrauen zum Dienstleister fehlt. Vertrauen ist aber die Basis. Wenn das Vertrauen nicht da ist, sollte man das Projekt mit dem entsprechenden Dienstleister erst gar nicht beginnen. Allerdings ist in der Regel ein Vertrauensvorschuss von N\u00f6ten, den der Partner best\u00e4tigen muss. Empathie von beiden Seiten ist essentiell. Jeder muss sich in den anderen hineinversetzen k\u00f6nnen. Wettbewerb ist sch\u00e4dlich. Kunde und Dienstleister sind ein Team.  <\/p>\n<p>Festpreisprojekte generieren ab einem bestimmten Zeitpunkt viel Diskussion um den Vertrag. Die L\u00f6sung bleibt au\u00dfen vor. Das kommt dem Kunden und dem Dienstleister dann teuer zu stehen. Der Grund, weshalb Festpreisprojekte initiiert werden, n\u00e4mlich minimale Kosten bei optimaler L\u00f6sung, wird in der Regel verfehlt, eben weil man Festpreise ausgehandelt hat. Das soll nicht hei\u00dfen, dass Zeit- und Materialvertr\u00e4ge nach  Aufwand immer erfolgreich sind. Beide Vetragsarten an sich geben keine Sicherheit, das ist ein Trugschluss. Was ist aber nun notwendig, um Erfolg zu haben? Sie ahnen es wahrscheinlich: Herz und Kopf.<\/p>\n<p>Sie haben in ihrem privaten Umfeld mit Sicherheit schon Projekte durchgef\u00fchrt, eine Party veranstaltet oder einen Umzug durchgef\u00fchrt. Haben Sie daf\u00fcr einen Vertrag mit ihren Partnern ben\u00f6tigt? Wahrscheinlich nicht. Sie hatten aber trotzdem Erfolg, denn sie wollten das Projekt unbedingt. Es war eine Herzensangelegenheit f\u00fcr Sie. Sie hatten Spass dabei. Ihr Herz hat gegl\u00fcht.<\/p>\n<p>Wollen Menschen ein Ziel erreichen, definieren sie einen Weg dieses Ziel zu erreichen. Bei der Definition des Weges berufen Sie sich oft auf Best Practice, denn was gestern geklappt hat, muss doch heute auch funktionieren. Stellen Sie fest, dass sie das Ziel nicht erreichen, stellen sie den Weg nicht in Frage, ist ja Best Practice, sondern nur wie sie diesen gehen m\u00fcssen: &#8220;Immer mehr von dem Gleichen&#8221;. Es wird also bestenfalls nur evaluiert, ob die Dinge richtig, nicht ob \u00fcberhaupt die richtigen Dinge getan werden. Wir m\u00fcssen viel h\u00e4ufiger unsere Paradigmen in Frage stellen und validieren, eben auch das Paradigma eines Festpreises f\u00fcr eine L\u00f6sung, die einmalig ist, die sie stets ist. Der Kopf muss gl\u00fchen.<\/p>\n<blockquote><p>Fazit: Engagieren Sie Mitarbeiter mit Herz und Kopf. Dann erledigt sich das Verlangen nach Festpreisprojekten von ganz alleine.<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-490\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"352ae06236\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_490_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(490, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_490_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(490, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_490_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(490, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_490_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(490, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_490_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(490, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (Keine Bewertungen bislang. 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