{"id":4641,"date":"2019-06-26T05:00:35","date_gmt":"2019-06-26T04:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=4641"},"modified":"2019-06-26T07:07:00","modified_gmt":"2019-06-26T06:07:00","slug":"das-agile-manifest-ist-ein-beschreibe-kein-wandelinstrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=4641","title":{"rendered":"Das Agile Manifest ist ein Beschreibe- kein Wandelinstrument"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte die folgende These in diesem Beitrag untermauern.<\/p>\n<blockquote><p>Das <a href=\"https:\/\/agilemanifesto.org\/iso\/de\/manifesto.html\">\u201eAgile Manifest\u201c<\/a> beschreibt passf\u00e4higes Arbeiten, um Wert in immer komplexer werdenden Umgebungen zu generieren. Es ist allerdings nicht passf\u00e4hig, um Menschen gen\u00fcgend Hilfe zu bieten, um dieses passf\u00e4hige Arbeiten zu erlernen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Um diese These zu untermauern, k\u00fcmmere ich mich erst einmal um Komplexit\u00e4t. In diesem Foliensatz finden Sie meine Gedanken zu Komplexit\u00e4t, vor allem und insbesondere in einer Gegen\u00fcberstellung zu Kompliziertheit.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Komplexit\u00e4t: Was ist das? Und wie unterscheidet sich Komplexit\u00e4t von Kompliziertheit?\" src=\"https:\/\/www.slideshare.net\/slideshow\/embed_code\/key\/H2kTXsEL0H3xvE\" width=\"427\" height=\"356\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\" style=\"border:1px solid #CCC; border-width:1px; margin-bottom:5px; max-width: 100%;\" allowfullscreen> <\/iframe><\/p>\n<p>Eines von vielen Charakteristiken von je komplexer werdenden Umgebungen ist, dass man in diesen jeder Handlung positive als auch negative Aspekte abgewinnen kann. Man k\u00f6nnte auch formulieren, dass in je komplexer werdenden Umgebungen jede Handlung negative Konsequenzen nach sich zieht.<\/p>\n<p>Halten wir dieses Charakteristikum von Komplexit\u00e4t gerne im Kopf. Wir kommen darauf zur\u00fcck, widmen uns nun aber erst einmal der \u201eAgilit\u00e4t\u201c. Dazu eine kleine Anmerkung. Ich schreibe das Wort \u201eAgilit\u00e4t\u201c in Anf\u00fchrungszeichen, da es in meinen Augen mittlerweile zu einem inhaltsleeren Buzzword verkommen ist, ich es aber trotzdem nutze, um Anschlussf\u00e4higkeit f\u00fcr Verst\u00e4ndigung herzustellen. In meinen Augen, und da wage ich mal eine steile Hypothese, wurden die Prinzipien der \u201eagilen\u201c Arbeitsweisen nicht erst mit dem \u201eAgilen Manifest\u201c gesetzt, sondern sehr viel fr\u00fcher, n\u00e4mlich von Talcott Parsons mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AGIL-Schema\">AGIL-Schema<\/a> in den 50-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ich bin mir nicht sicher, ob die Verfasser des \u201eAgilen Manifests\u201c die Ideen von Parsons kannten. Das ist auch f\u00fcr mich nicht relevant. Viel wichtiger ist, dass ich \u00c4hnlichkeiten entdecke, aber auch einen gewichtigen Unterschied.<\/p>\n<ul>\n<li>Das AGIL-Schema beschreibt Grundfunktionen und F\u00e4higkeiten, die ein Unternehmen, Bereich, Team etc. zur Selbsterhaltung erf\u00fcllen muss.<\/li>\n<li>Das Agile Manifest beschreibt Handlungsprinzipien, die ein Unternehmen, Bereich, Team etc. zur Selbsterhaltung erf\u00fcllen muss.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielleicht wundern Sie sich ein wenig ob meiner Betrachtung des Agilen Manifests. Ja, ich wei\u00df, es ist im Umfeld der Softwareentwicklung entstanden, trotzdem sind in meinen Augen die dort beschriebenen Werte als Prinzipien auf generelle Kontexte \u00fcbertragbar, wo Menschen zusammen Wert generieren wollen.<\/p>\n<p>Einen sch\u00f6nen Beitrag, der das \u201eAgile Manifest\u201c in Verbindung zu der Theorie von Parsons setzt, finden Sie <a href=\"https:\/\/soziopolis.de\/beobachten\/wirtschaft\/artikel\/wie-agil-ist-das-agil-schema\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Das \u201eAgile Manifest\u201c beschreibt Prinzipien. Kommen wir nun zu dem Charakteristikum von Komplexit\u00e4t zur\u00fcck und erkennen das Problem, denn je komplexer eine Situation ist, desto eher kann man jede Handlung als prinzipientreu definieren. Denn hier ist Wahrnehmung von Kontexten entscheidend, um zwischen Ausnahme und Regel zu unterscheiden. Wahrnehmung ist aber stets Wahrheit. Klar, hei\u00dft ja auch WAHRnehmen und nicht FALSCHnehmen. Deshalb sollte man einem Menschen auch niemals entgegnen falsch wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Menschen mit passf\u00e4higer Haltung treffen passf\u00e4hige Unterscheidungen. Sie ben\u00f6tigen das Prinzip nicht mehr, um daraus ihre Handlung abzuleiten. Menschen mit nicht passf\u00e4higer Haltung treffen nicht passf\u00e4hige Unterscheidungen, was man aber nicht thematisieren kann. Sie werden stets behaupten k\u00f6nnen, dass sie nach dem Prinzip handeln. Das definierte Prinzip passt mit h\u00f6her werdender Komplexit\u00e4t f\u00fcr immer mehr Handlungen. Das Dilemma ist nicht aufl\u00f6sbar. Deshalb \u00e4ndert sich auch nichts.\u202c<\/p>\n<p>Dazu gerne ein Beispiel.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: medium;\">Individuen und Interaktionen <\/span><span style=\"font-size: small;\">mehr als Prozesse und Werkzeuge<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>ist ja bekanntlich ein Prinzip im \u201eAgilen Manifest\u201c. Dieses Prinzip gibt nicht vor, wie viele Prozesse und Werkzeuge wann und wo notwendig sind. Die Kontexte fehlen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sogar behaupten, dass wir in der Wirtschaft regelm\u00e4\u00dfig gegen dieses Prinzip versto\u00dfen, wenn wir beispielsweise Rollen \u00fcber Menschen setzen, wenn ich Rollen als &#8220;Strukturen im Au\u00dfen&#8221; zu den Prozessen und Werkzeugen z\u00e4hle. Dazu nur ein Beispiel. Geh\u00e4lter werden direkt an Rollen fest gemacht, nicht direkt an einzelnen Menschen. Ergebnis sind dann Gehaltsb\u00e4nder. Ich k\u00f6nnte jetzt hier unz\u00e4hlige weitere Beispiele nennen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann man meine Behauptung, dass wir gegen dieses Prinzip versto\u00dfen, immer wieder entkr\u00e4ften. Die Zeit dar\u00fcber zu streiten kann man sich sparen. Es f\u00e4llt nicht schwer, die eigene Position auf Basis des obigen Prinzips zu best\u00e4tigen, denn es ist zu schwammig f\u00fcr eine klare Einwertung, was auf der anderen Seite auch wieder passig ist, da sonst eine passf\u00e4hige Beschreibung der Handlungen im \u201eagilen\u201c Zielraum auch nicht m\u00f6glich w\u00e4re, da es zu sehr einschr\u00e4nken w\u00fcrde. Genau deshalb fehlt aber die genaue interpretationsfreie Handlungsleitung in der Beschreibung, weshalb der Wandel hin zu diesem Zielraum nicht befeuert wird.<\/p>\n<p>Es geht mir rein inhaltlich nicht um die Passf\u00e4higkeit des Agilen Manifestes an sich. Das unterschreibe ich glatt und sofort. Es geht mir um die Handlungsleitung f\u00fcr einen Wandel in neue Denk- und Arbeitsweisen hinein. Und diese ist in meinen Augen nicht gegeben. So lange wir also \u201eAgilit\u00e4t\u201c mit Prinzipien gleich setzen wird sich nichts \u00e4ndern und der Begriff verbrannt, was gerade geschieht. Ich beziehe mich lieber auf Parsons und setze \u201eAgilit\u00e4t\u201c mit F\u00e4higkeiten gleich. Hat man eine F\u00e4higkeit nicht, l\u00e4sst sich das nicht verschleiern, egal was man behauptet.<\/p>\n<p>Was ist zu tun, um einen Wandel hin zu \u201eAgilit\u00e4t\u201c zu befeuern? Prinzipien reichen nicht aus. Das habe ich versucht zu zeigen. Fragt man ein Team, Bereich, Unternehmen, wo bereits ein Wandel erfolgreich verlaufen ist, k\u00f6nnten sie mit Fug und Recht ihr Handeln mit passf\u00e4higen Prinzipien beschreiben. Hier ist die eingebaute Freiheit im Handeln, die je unterschiedlichem Kontext notwendig ist, f\u00fcr die Beschreibung passf\u00e4hig. M\u00f6chte ein Team, Bereich, Unternehmen, den Wandel hin zur \u201eAgilit\u00e4t\u201c allerdings erst vollf\u00fchren, mutiert der Freiraum f\u00fcr das Handeln, der durch die Prinzipien aufgespannt wird, zur Beliebigkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Wandel m\u00fcssen Handlungsprinzipien aus den notwendig zu erlangenden F\u00e4higkeiten abgeleitet werden, um diese Prinzipien dann in einen weiteren Schritt in konkrete Regeln zu formen, die interpretationsfreie Handlungsleitung sicherstellen. F\u00fcr diese Regeln gibt es keine Best Practice, sondern bestenfalls Good Practice. Jedes Unternehmen, Bereich, Team sollte seine eigenen Regeln finden, denn es bestehen stets unterschiedliche Kontexte, in denen agiert wird. Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden. Man kann sich auf bereits oft bew\u00e4hrte Praktiken erfolgreicher Unternehmen beziehen, sollte dabei aber nicht stumpf kopieren.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"http:\/\/www.unternehmensdemokraten.de\/alle-reden-ueber-die-wichtigkeit-von-mindset-wie-aber-aendern\/\">Shu-Ha-Ri<\/a> ist diese Erkenntnis inh\u00e4rent eingebaut. In der ersten Stufe \u201eShu\u201c werden klare Regeln definiert, die interpretationsfrei sind. Die Klarheit wird dann mit Stufe \u201eHa\u201c und sp\u00e4testens mit \u201eRi\u201c verlassen, um den notwendigen Freiraum im Handeln zu gestatten, um der Komplexit\u00e4t gerecht zu werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr Details zur Unterscheidung zwischen Regeln und Prinzipien empfehle ich Ihnen <a href=\"https:\/\/leanbase.de\/publishing\/connys-gedanken-zu\/gedanken-zu-entscheiden-regeln-vs-prinzipien\">diesen Podcast<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.unternehmensdemokraten.de\/das-henne-ei-problem-des-wandels\/\">diesen Blogpost<\/a>, in dem ich unter anderem an einem Beispiel beschreibe, wie man von einem Prinzip zu einer Regel kommt.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-4641\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"5c9f2b8b07\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_4641_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(4641, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4641_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4641, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4641_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4641, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4641_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4641, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4641_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4641, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>5<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_4641_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-4641-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte die folgende These in diesem Beitrag untermauern. 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