{"id":458,"date":"2011-04-28T14:35:10","date_gmt":"2011-04-28T13:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=458"},"modified":"2022-01-06T06:42:04","modified_gmt":"2022-01-06T05:42:04","slug":"sintflutalgorithmus-stetes-wachstum-funktioniert-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=458","title":{"rendered":"Sintflutalgorithmus: Stetes Wachstum funktioniert nicht"},"content":{"rendered":"<p>Gleich zu Beginn m\u00f6chte ich Wachstum noch ein wenig spezifischer betrachten. Ich m\u00f6chte n\u00e4mlich zwischen quantitativem und qualitativem Wachstum unterscheiden. Sehr h\u00e4ufig wird in der Praxis Wachstum exklusiv mit quantitativem Wachstum gleich gesetzt. Da geht es dann beispielsweise in der Wirtschaft, um j\u00e4hrliche Steigerung des Gewinns oder j\u00e4hrliche Erh\u00f6hung der Verkaufszahlen eines Produktes. Das quantitative Wachstum zielt dabei eher auf die weichen, jedoch nicht minder wichtigen Faktoren ab. Es geht um Weiterentwicklung und um Fortschritt. Beispiele w\u00e4ren die Modernisierung von Taktstra\u00dfen in Fertigungsbetrieben, die Weiterentwicklung von Produkten oder auch der Wissensaufbau der Mitarbeiter durch Schulungsmassnahmen. Das qualitative Wachstum stellt die Basis f\u00fcr quantitatives Wachstum dar. Man kann also qualitativ wachsen, auch wenn man nicht quantitativ w\u00e4chst, muss es sogar manchmal. Ein stetes qualitatives Wachstum muss man anstreben und das ist auch umsetzbar. Details zu den Wachstumsarten finden Sie auch in meinem Artikel <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Kybernetisches-Changemanagement.pdf\">Kybernetisches Changemanagement<\/a>. <\/p>\n<p>Im Titel spreche ich also genauer \u00fcber das quantitative Wachstum. Stetes quantitatives Wachstum funktioniert nicht. Man erreicht sogar noch mehr das glatte Gegenteil, wenn man danach strebt. Erl\u00e4utern m\u00f6chte ich diese Aussage mithilfe des Sintflutalgorithmus.<\/p>\n<p>Der Sintflutalgorithmus ist ein mathematisches Verfahren zur Optimierung, welches von <strong><em>Gunter Dueck<\/em><\/strong> und <strong><em>Tobias Scheuer<\/em><\/strong> im Jahre 1993 bei der IBM Deutschland erfunden wurde. Der Algorithmus basiert auf dem Paradigma, dass man sich lokal h\u00e4ufig verschlechtern muss, um die Grundlage f\u00fcr eine globale Verbesserung zu schaffen. Wie kann man diese These verdeutlichen? Stellen Sie sich vor, sie sind in den Alpen und m\u00f6chten den h\u00f6chsten Berg erklimmen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Alpen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Alpen.png\" alt=\"\" title=\"Alpen\" width=\"2346\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-full wp-image-459\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gehen Sie nach den vielen Optimierungsverfahren vor, die die Mathematik so kennt, verfahren Sie nach der folgenden Regel: <strong>Immer h\u00f6her steigen<\/strong>. Sie bilden die erste Ableitung der zu optimierenden Funktion. In diesem Fall stellt die Oberfl\u00e4che des Gebirges die Funktion dar. Dann gehen Sie in die Richtung, in der die erste Ableitung gr\u00f6\u00dfer ist als Null. Dadurch lassen Sie ihren Blick automatisch nur in der unmittelbaren Umgebung schweifen. Das verlangen die Verfahren ja auch nur. Sie erreichen also stets einen Berg, wo es nach einiger Zeit nicht mehr steiler nach oben geht. Die erste Ableitung ist Null. Sie stoppen, denn laut der Regel, die Sie befolgen, sind Sie am Ziel. Wie Sie im obigen Bild aber auch erkennen k\u00f6nnen, haben Sie lediglich ein lokales Optimum, in diesem Beispiel aufgrund der Zielsetzung ein lokales Maximum, erreicht. Dieses lokale Maximum ist aber nicht das globale Maximum, was ein Verfehlen des Ziels bedeutet. W\u00fcrden Sie den h\u00f6chsten Berg nach der Regel des Sintflutalgorithmus suchen, h\u00e4tten Sie auch die M\u00f6glichkeit, bergab zu gehen. Sie lassen das Gebirge von unten mit Wasser fluten, daher auch der Name des Algorithmus. Sie verfolgen nun die Regel: <strong>Ich darf keine nassen F\u00fcsse bekommen<\/strong>. Der Wasserspiegel steigt dabei von Schritt zu Schritt, den Sie t\u00e4tigen. Diese Regel verbietet ihnen also nicht, ihren Blick weiter als nur in der unmittelbaren Umgebung schweifen zu lassen. Sie agieren globaler. Weitere ausf\u00fchrende Informationen zu dem Verfahren inklusive praktischer Einsatzgebiete und Simulationen finden Sie <a href=\"http:\/\/digdok.bib.thm.de\/volltexte\/2003\/33\/pdf\/Sintflut.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wollen wir dieses Beispiel auf die Wirtschaft \u00fcbertragen. Die meisten Unternehmen geben Jahr f\u00fcr Jahr eine Gewinnmaximierung als Ziel aus. Wir erkennen, dass damit eine Regel ausgegeben wird, die zu einem lokalen Optimum f\u00fchrt. Warum? Es wird sich exklusiv auf das quantitative Wachstum konzentriert: <strong>Immer nur bergauf<\/strong>. Ausbildungsmassnahmen der Mitarbeiter beispielsweise stehen dem quantitativen Wachstumsvorhaben kontr\u00e4r gegen\u00fcber. Das ist eine zu kurzfristige Sicht, denn wenn die Unternehmen ihre Qualit\u00e4t nicht stetig erh\u00f6hen, werden sie mittelfristig auch nicht quantitativ wachsen k\u00f6nnen. Die Mitarbeiter haben dann einfach kein ausreichendes Wissen mehr. Misserfolg muss also einkalkuliert, ja sogar gefordert werden. Es gibt auch positive Beispiele in der Wirtschaft, die beispielsweise j\u00e4hrlich, den gr\u00f6\u00dften begangenen Fehler, begangen von Mitarbeitern, pr\u00e4mieren. Die Mitarbeiter werden so zur Kreativit\u00e4t animiert. Wie gesagt, man muss auch mal bergab gehen wollen, um h\u00f6her zu kommen. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stelle ich mir sehr h\u00e4ufig die Frage, warum wir im privaten Umfeld, anders als in der Wirtschaft, \u00f6fter unseren gesunden Menschenverstand einsetzen und beispielsweise nach dem Sintflutalgorithmus agieren. Angenommen, Sie sind mit ihrer Familie im Urlaub in den Alpen und machen eine Wanderung. W\u00fcrden Sie bei dem kleinsten H\u00fcgel, von dem es nicht mehr unmittelbar bergauf geht, stoppen mit der Begr\u00fcndung, sie h\u00e4tten die h\u00f6chsten Berg der Alpen erklommen? Nehmen wir ein weiteres Beispiel aus dem Sport. Als der schwedische Skispringer Jan Bokloev Ende der 80-er Jahre den V-Stil erfunden hat und mit diesem gr\u00f6\u00dfere Weiten erzielt hat als die Skispringer mit dem herk\u00f6mmlichen Parallelstil, haben nach einer gewissen Zeit die damaligen Weltklassespringer, wie Jens Wei\u00dfflog oder Matti Nyk\u00e4nen, ebenfalls auf den V-Stil umgestellt. Sie wussten nat\u00fcrlich, dass sie einige Zeit ben\u00f6tigen, um wieder ganz vorne mitzuspringen, wenn \u00fcberhaupt. Aber sie taten es trotzdem, denn sie wussten Sie m\u00fcssen qualitativ wachsen, um die Basis f\u00fcr quantitatives Wachstum zu legen.<\/p>\n<blockquote><p>Fazit: Weg mit dem Kurzfristdenken und -agieren, welches stetes quantitatives Wachstum propagiert, was allerdings nie erreichbar ist. Her mit dem gesunden Menschenverstand, den wir im privaten Umfeld h\u00e4ufig mit Erfolg einsetzen.<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-458\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"a92d3bcb71\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_458_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(458, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_458_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(458, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_458_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(458, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_458_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(458, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_458_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(458, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>2<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_458_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-458-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich zu Beginn m\u00f6chte ich Wachstum noch ein wenig spezifischer betrachten. 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