{"id":454,"date":"2011-04-27T06:45:30","date_gmt":"2011-04-27T05:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=454"},"modified":"2012-11-28T07:28:46","modified_gmt":"2012-11-28T06:28:46","slug":"wie-wird-kultur-in-den-derzeitigen-pm-methoden-reflektiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=454","title":{"rendered":"Wie wird Kultur in den derzeitigen PM-Methoden reflektiert?"},"content":{"rendered":"<p>Kulturelle Aspekte gewinnen im Projektmanagement im Zuge der Globalisierung immer mehr an Bedeutung, da immer h\u00e4ufiger internationale Teams zusammen arbeiten. H\u00e4ufig wird propagiert, wie wichtig das Beachten kultureller Aspekte f\u00fcr den Projekterfolg ist. Nur leider bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Aktionen bleiben aus. Ich m\u00f6chte dies beispielhaft an der deutschen und der amerikanischen Kultur verdeutlichen. Bevor ich aber loslege, m\u00f6chte ich kurz in meinen Worten ausf\u00fchren, was ich unter Kultur verstehe. <\/p>\n<p>Jeder Mensch wird in eine Gesellschaft hinein geboren. Im Laufe der Entwicklung des Menschen wird er massiv von den in der jeweiligen Gesellschaft vorherrschenden Sitten, Ritualen und Moralvorstellungen beeinflusst. Menschen, die dies nicht tun, werden als Outsider der Gesellschaft wahr genommen. Diese ungeschriebenen Regeln sind nicht zu vergleichen mit den Gesetzen, sondern diese beeinflussen diese. Die Sitten und Rituale bestimmen den Mindset der Menschen. Diese werden fast nie hinterfragt und validiert, da sie schon so sehr in die Identit\u00e4t der Menschen eingeflossen sind, dass die Menschen sich selber verleugnen m\u00fcssten, um diese anzuzweifeln. Die Menschen bilden, meist unbewusst, einen Referenzrahmen auf, gegen den sie ihr Denken und Handeln validieren. Es ist also ungemein wichtig, diesen Referenzrahmen zu analysieren, um Gedankeng\u00e4nge und Argumentationen von anderen Personen nachvollziehen zu wollen.  <\/p>\n<p>Ich werde in meinem angef\u00fchrten Beispiel auf die Loyalit\u00e4t eingehen, die sich abh\u00e4ngig von den Kulturkreisen, in denen die Menschen aufgewachsen sind, unterschiedlich ausbilden kann und damit zu Implikationen f\u00fchrt, die man beim Steuern und Handhaben von Projekten beachten muss, um dieses erfolgreich abzuschlie\u00dfen. Wenn ich Erfolg an dieser Stelle anspreche, m\u00f6chte ich nicht vermeiden zu betonen, dass Erfolg immer relativ ist. Was f\u00fcr mich Erfolg bedeutet, kann f\u00fcr einen anderen Menschen einen glatten Misserfolg darstellen. Auch hier spielt der Referenzrahmen f\u00fcr die Bewertung eine gewichtige Rolle. Man muss sich dessen stets und gerade beim Projektmanagement bewusst sein. Aber kommen wir zum Beispiel.  <\/p>\n<p>In der deutschen Kultur ist es ganz normal und legitim, unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen offen auszudiskutieren. Das bezieht sich auch auf die erzielten Projektergebnisse. Hat man das gesteckte Ziel eines Projektes zu arg verfehlt, werden die Endbenutzer diesen Fehlschlag mit einer negativen und offen ge\u00e4u\u00dferten Einstellung zum Projekt danken. Wir wissen glaube ich alle, dass der erste Eindruck, den man von einer neuen Sache gewinnt, extrem pr\u00e4gend f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Umgang mit dieser Sache ist. Das was am Anfang bzgl. der Reputation einer L\u00f6sung vers\u00e4umt wird, ist sp\u00e4ter ganz schwer wieder einzuholen. Die Amerikaner bezeichnen sich in der Regel als loyaler im Gegensatz zu den Deutschen und meinen damit, dass sie \u00f6ffentlich das propagieren, was das Management vorgibt oder was sie im Team in der Vergangenheit verabschiedet haben. Wird also ein Projekt oder eine L\u00f6sung von der F\u00fchrung eines Unternehmens als gut befunden, tut das die Belegschaft auch. Das ist aus meiner Sicht nicht nur ein blindes Nachplappern, sondern es wird auch so von der Belegschaft gef\u00fchlt. Im deutschen Kulturraum bildet sich jeder Einzelne seine eigene Meinung zur G\u00fcte der L\u00f6sung und postuliert diese auch offen. Diese unterschiedlichen Sichtweisen implizieren aber auch unterschiedliche Herangehensweisen in einem Projekt. Und hier wird es interessant. Im Rahmen eines amerikanisch gef\u00fchrten Projektes wird eher nach der Devise <em><strong>Designen und live setzen, danach optimieren<\/strong><\/em> gehandelt. Das funktioniert auch in der Regel, da man nicht Gefahr l\u00e4uft, langfristig die Reputation des Projektes zu verspielen, da das Management die G\u00fcte der L\u00f6sung festlegt. In einem deutsch gef\u00fchrten Projekt ist diese Devise in der Regel nicht erfolgverspechend. Hier muss man eher nach dem Motto <em><strong>Designen und Optimieren, danach live setzen<\/strong><\/em> agieren. Das bedeutet, dass bei einem amerikanisch gef\u00fchrten Projekt der Fokus auf die Erledigung der Aufgaben liegt. M\u00f6gliche Optimierungen, die aber einen negativen zeitlichen Impact auf den Projektplan haben, werden erst gar nicht angedacht. In einem deutsch gef\u00fchrten Projekt liegt der Fokus mehr auf der Qualit\u00e4t der zu erledigenden Aufgaben- und Arbeitspakete, was den Deutschen auch den Ruf einbringt, sie seien zu detailverliebt und sehen Vieles zu negativ. Im Umkehrschluss sprechen die Deutschen den Amerikanern den langfristigen Blick f\u00fcr die L\u00f6sung und eine unzureichende Reflektion ihrer Arbeitsergebnisse ab. Es ist also eine Zwickm\u00fchle, der man nicht entfliehen kann, wenn man nicht eine Metabene h\u00f6her steigt, sprich den Referenzrahmen, in dem man sich befindet, verl\u00e4sst. Was meine ich damit?   <\/p>\n<p>Jeder Beteiligte hat vollkommen Recht und kann auf seinen Standpunkt beharren, wenn er ausschlie\u00dflich die Thematik mit seiner Brille betrachtet, sich also ausschliesslich in seinem Referenzrahmen bewegt. Er hat sehr gute Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Sichtweise, die haupts\u00e4chlich auf die jeweilige Kultur fu\u00dfen. Das bringt beide Parteien in puncto Einigung aber um keinen Schritt voran. Jeder muss verstehen, warum der Andere so denkt und handelt. Dazu muss er seine Brille absetzen und die Brille des Anderen aufsetzen. Er muss sich in den Anderen hinein denken. Das l\u00e4sst sich sehr leicht fordern, ist aber viel schwieriger in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<p>Konflikte dieser Art muss man tiefgr\u00fcndig an der Wurzel packen. Leider suggerieren alle mir bekannten Projektmanagementmethoden eine andere Sicht: <em><strong>Handle nach dieser Methode, nutze die zur Verf\u00fcgung gestellten Vorlagen und Du wirst das Problem l\u00f6sen.<\/strong><\/em> Was ist aber, wenn das Problem nicht von meinem Partner nicht als Problem gesehen wird? Dann wird man auch keinen Aktivit\u00e4tenplan zur Behebung des Problems abstimmen k\u00f6nnen, denn dieser existiert es f\u00fcr mein Partner nicht. Einleuchtend, oder? Und was nun? Die mechanistischen Vorgehensweisen, die in den Projektmanagementmethoden angepriesen werden, f\u00fchren nur dann zum Erfolg, wenn der Mensch mit einer trivialen Maschine gleich zu setzen w\u00e4re, bei der ein gleicher Input immer einen gleichen Output generiert, wenn also davon ausgegangen wird, dass alle Menschen einen gemeinsamen Referenzrahmen haben. Das diese Vorasussetzung aber nie erf\u00fcllbar ist, wissen wir wohl alle. Es ist immer wichtig, zu verstehen warum Jemand handelt wie er handelt. Sind die Anreize daf\u00fcr kulturell bedingt, ist der Antrieb f\u00fcr diese Handlungen sehr tief verwurzelt und sehr schwer, ich will nicht sagen gar nicht, zu \u00e4ndern. Diesen Fakt muss man sich bewu\u00dft machen und nach L\u00f6sungen suchen. Beispielsweise sind meines Erachtens, aufgrund der bedingungslosen Loyalit\u00e4t, amerikanisch gef\u00fchrte Projekte im h\u00f6heren Ma\u00dfe abh\u00e4ngig von der Projektleitung als es deutsch gef\u00fchrte Projekte sind.    <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch einmal betonen, dass ich in dem angef\u00fchrten Beispiel auf keinen Fall werten m\u00f6chte. Es gibt aufgrund der unterschiedlichen Basis f\u00fcr die Bewertung, die kulturell bedingt ist, kein <em><strong>besser<\/strong><\/em> oder <em><strong>schlechter<\/strong><\/em>. Es gibt eher ein <em><strong>angepasst<\/strong><\/em> und <em><strong>nicht angepasst<\/strong><\/em>. Man sollte sich also sehr gut \u00fcberlegen, ob man ein Produkt f\u00fcr einen deutschen Kunden in Amerika designen und umsetzen l\u00e4sst und vice versa. Damit will ich nicht sagen, dass das nicht m\u00f6glich ist. In diesem Zuge sollte man auch Global Delivery mehrdimensionaler und nicht nur aus Kostengesichtspunkten bewerten.<\/p>\n<blockquote><p>Zum Ende m\u00f6chte ich die Frage aus dem Titel dieses Artikels aufgreifen. Derzeit werden kulturelle Aspekte in den Projektmanagementmethoden ignoriert. Ist das mit ein Grund, warum so viele Projekte scheitern?<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-454\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"4b49997491\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_454_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(454, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_454_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(454, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_454_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(454, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_454_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(454, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_454_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(454, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>1<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_454_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-454-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturelle Aspekte gewinnen im Projektmanagement im Zuge der Globalisierung immer mehr an Bedeutung, da immer h\u00e4ufiger internationale Teams zusammen arbeiten. 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