{"id":4507,"date":"2019-03-20T06:55:18","date_gmt":"2019-03-20T05:55:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=4507"},"modified":"2019-03-22T06:00:55","modified_gmt":"2019-03-22T05:00:55","slug":"unternehmen-neu-denken-um-den-digitalen-wandel-erfolgreich-zu-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=4507","title":{"rendered":"Unternehmen NEU denken, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Menschen, die lieber h\u00f6ren als lesen, eine kleine Information vorab. Den Inhalt dieses Blogposts habe ich in ein wenig abgewandelter Form in <a href=\"https:\/\/leanbase.de\/publishing\/connys-gedanken-zu\/denkrahmen-wertstrom\">diesem Podcast<\/a> meiner Serie #connysgedanken reflektiert.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Welchen Denkrahmen schl\u00e4gt die BWL vor und warum?<\/span><\/h3>\n<p>Es gibt viele Sichten und Modelle, \u00fcber die wir Unternehmen denken k\u00f6nnen, nicht nur die eine, die uns die BWL vorgibt. Und diese unz\u00e4hligen Modelle sind an sich weder gut noch schlecht, sondern bezogen auf den g\u00fcltigen Marktbedingungen jeweils passf\u00e4hig oder eben nicht.<\/p>\n<p>Wie sieht der Denkrahmen aus, den die BWL uns lehrt und welchen Pr\u00e4missen liegt diesem Rahmen zu Grunde? Die BWL hat jahrzehntelang genau eine Sicht gepr\u00e4gt, n\u00e4mlich den funktionalen Aufbau von Unternehmen in Einkauf, Vertrieb, Produktion, Controlling, Logistik, Service, HR etc. Die Grundbedingung, die diesem Aufbau zu Grunde liegt, ist, dass die lokalen Optima in den funktionalen Bereichen stets zu einem globalen Optimum aus Unternehmenssicht f\u00fchren. Diese Pr\u00e4misse war f\u00fcr damalige Marktverh\u00e4ltnisse der Industrialisierung passf\u00e4hig. Um das zu verstehen, sollte man sich den Markt zu dieser Zeit anschauen.<\/p>\n<p>Anfang des 19. Jahrhunderts, kommend aus der Manufaktur auf dem Weg zur Industrialisierung, begann der Markt sich zu einem Verk\u00e4ufermarkt zu entwickeln. Unternehmen konnten unabh\u00e4ngig der Kundenw\u00fcnsche und -bed\u00fcrfnisse produzieren und haben sich erst nachtr\u00e4glich um den Absatz der Produkte k\u00fcmmern m\u00fcssen. Hergestellte Produkte und Services wurden schon irgendwie verkauft. Das war nicht das Problem. Es war klar, was hergestellt werden musste, es musste nur schnell und kosteng\u00fcnstig geschehen. Effizienz war Trumpf. Kundenbed\u00fcrfnisse standen hinten an. Taylor hat diese Art, Unternehmen zu denken, gepr\u00e4gt und zur Perfektion getrieben (Taylorismus).<\/p>\n<p>Man sollte nun nicht den Fehler begehen, <a href=\"https:\/\/www.microtool.de\/projektmanagement\/taylor-hatte-doch-unrecht\/\">welchen auch ich manchmal in der Vergangenheit begangen habe<\/a>, diesen Denkrahmen schlecht zu reden. F\u00fcr damalige Marktbedingungen war dieses Modell, Unternehmen zu denken, erfolgreich, sonst h\u00e4tte es sich auch niemals durchgesetzt. Mit der Digitalisierung haben sich aber nun die Umweltbedingungen f\u00fcr Unternehmen massiv ge\u00e4ndert und in diesem Zuge sollte man auch den Denkrahmen von Taylor auf die Probe stellen und ggf. durch einen neuen und passf\u00e4higeren ersetzen. Genau dieses \u00dcberpr\u00fcfen und Justieren des Denkrahmens ist in meinen Augen der Hebel f\u00fcr viele derzeitige Transformationsinitiativen in Unternehmen. Es kommt darauf an, das vorhandene Potential in den Unternehmen passf\u00e4hig zu lenken. Und das geschieht durch einen neuen Denkrahmen, also durch eine neue Art Unternehmen zu denken.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Warum ist dieser Denkrahmen in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr passf\u00e4hig zum Markt?<\/span><\/h3>\n<p>Durch die Digitalisierung hat sich der Markt vom Verk\u00e4ufer- hin zum K\u00e4ufermarkt entwickelt. Menschen haben jetzt viel mehr M\u00f6glichkeiten ihre W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Darauf sollten Unternehmen reagieren, wollen sie nicht \u201esterben\u201c. Nun ist es also nicht mehr so einfach, die erzeugten Produkte und Services beim Kunden zu platzieren. Kunden r\u00fccken notgedrungen in den Mittelpunkt des Interesses der Unternehmen. Effektivit\u00e4t wird wichtiger, also die Frage danach, was produziert werden soll, nicht nur wie es getan werden soll. Das bedeutet auch, dass man zu Gunsten der Probleml\u00f6sung f\u00fcr den Kunden das Heben von Synergien im Unternehmen hinten an stellen sollte, was mit dem Fokus auf Effizienz undenkbar w\u00e4re. Diese neue Fokussierung sollte nat\u00fcrlich nicht in Verschwendung ausarten.<\/p>\n<p>Die funktionale Sicht auf ein Unternehmen l\u00e4sst solch eine Neujustierung nicht zu, denn in den einzelnen funktionalen Bereichen an sich kann man den Kunden nicht bedienen, sondern nur im Zusammenspiel dieser. Lokale Optima in den funktionalen Bereichen f\u00fchren nun nicht mehr zum globalen Optimum im Unternehmen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4512\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne.png\" alt=\"\" width=\"2094\" height=\"1169\" srcset=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne.png 2094w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne-300x167.png 300w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne-768x429.png 768w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-1-Taylor-Wanne-1024x572.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2094px) 100vw, 2094px\" \/><\/a><\/p>\n<p>An der obigen Darstellung erkennt man relativ leicht diese beschriebene fehlende Passf\u00e4higkeit des funktionalen Schnittes, da dieser Sollbruchstellen im Wertstrom definiert. Dieser Umstand war in den Zeiten der Industrialisierung nicht hinderlich, da der Markt noch nicht so komplex war. Das bedeutet, der Handlungsraum der Kunden war gering, was letztendlich dazu f\u00fchrte, dass die Erwartungen der Kunden an Services und Produkte der Unternehmen noch nicht so gro\u00df war. Unternehmen mussten gar nicht kundenzentriert agieren, um einen Wert f\u00fcr Kunden zu generieren. In Zeiten der Digitalisierung hat sich der Markt ge\u00e4ndert, was nun zu einer Behinderung des Wertstromflusses f\u00fchrt. Unternehmen m\u00fcssen kundenzentriert agieren, was die Notwendigkeit einer neuen prim\u00e4ren Organisationsform offenbar werden l\u00e4sst, die n\u00e4mlich den Wertstrom, \u00fcber den Kunden gl\u00fccklich gemacht werden, unterst\u00fctzt und nicht durchtrennt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Welcher Denkrahmen w\u00e4re passf\u00e4higer zum Markt?<\/span><\/h3>\n<p>Um diese Frage zu beantworten, m\u00f6chte ich eine grunds\u00e4tzliche Sicht einnehmen. Die Daseinsberechtigung von Unternehmen ist es, Probleme von Kunden zu l\u00f6sen und W\u00fcnsche der Kunden zu befriedigen. Nur wenn Kunden merken, dass Unternehmen ihnen helfen, ihre Probleme zu l\u00f6sen und zwar besser als andere es k\u00f6nnen oder wenn sie es alleine t\u00e4ten, kommen sie wieder. Denn sie erkennen den Wert, den das Unternehmen ihnen stiftet und daf\u00fcr sind sie dann auch bereit Geld zu bezahlen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr f\u00fchre ich nun den Begriff des Kontextes der Interaktion zwischen Unternehmen und Kunde ein. Je Kontext ist es Aufgabe des Unternehmens Kunden gl\u00fccklich zu machen. Dabei kann ein Unternehmen mehrere Kontexte bedienen. Im Beispiel eines Handelsunternehmens k\u00f6nnte das zum Beispiel \u201eShopping\u201c sein. Kontexte sollten abh\u00e4ngig der notwendigen Aktivit\u00e4ten und der Erwartungen der Kunden in puncto der jeweiligen Probleml\u00f6sung gesetzt werden. Denn aus diesen unterschiedlichen T\u00e4tigkeiten und Erwartungen leiten sich auch unterschiedliche Handlungen ab, die innerhalb des Unternehmens orchestriert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Definieren dieser Kontexte geht nicht rezeptartig, auch gibt es daf\u00fcr kein richtig oder falsch. Es ist und bleibt eine unternehmerische Entscheidung. Beispielsweise k\u00f6nnte man den Kontext \u201eShopping\u201c noch weiter unterteilen in \u201eShopping Fashion\u201c und \u201eShopping M\u00f6bel\u201c. Warum? Weil der Kunde beispielsweise unterschiedliche Erwartungen je dieser beiden Kontexte hat und im Unternehmen darauf unterschiedlich reagiert werden sollte. Des Weiteren k\u00f6nnte man definieren, dass \u201eEinrichten\u201c etwas anderes ist als \u201eShopping\u201c und man deshalb noch einen weiteren Kontext, n\u00e4mlich \u201eEinrichten\u201c definiert. Wie gesagt, die Definition der Kontexte ist Definitionssache und damit Teil des Definierens des USPs eines Unternehmens: Wo und warum m\u00f6chte man als Unternehmen mit Kunden in Interaktion treten und ihnen einen Wert generieren und sich damit von anderen Unternehmen unterscheiden?<\/p>\n<p>Je definiertem Kontext existiert dann genau ein Wertstrom, \u00fcber den Kundenprobleme gel\u00f6st werden. Sind im Unternehmen 3 Kontexte definiert, dann existieren also auch 3 dieser Wertstr\u00f6me. Diese Wertstr\u00f6me befinden sich in der Wertstromebene 1 und sind oft auch unter dem Begriff \u201eCustomer Journey\u201c bekannt. Die folgende Abbildung stellt diese These schematisch mit 2 Kontexten dar. Die 3 Punkte auf der rechten Seite deuten an, dass es noch mehrere Kontexte geben kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4513\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1.png\" alt=\"\" width=\"2092\" height=\"1171\" srcset=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1.png 2092w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1-300x168.png 300w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1-768x430.png 768w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-2-Wertstromebene-1-1024x573.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2092px) 100vw, 2092px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Rahmen dieser jeweiligen Customer Journeys befinden sich<\/p>\n<ul>\n<li>Aktivit\u00e4ten des Kunden (Suchen von Produkten, Lesen von Produktbeschreibungen, Vergleichen von Produkten etc.),<\/li>\n<li>Aktivit\u00e4ten von OTTO Mitarbeiter (Mitarbeiter im Relation Center beantworten Fragen zu Bestellungen und geben Produktberatung, Pakete werden nach Hause zugestellt etc.),<\/li>\n<li>Aktivit\u00e4ten, die automatisiert ausgef\u00fchrt werden (Suchalgorithmus auf otto.de, etc.).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weil diese Aktivit\u00e4ten sich je Kontext unterscheiden, muss es je Kontext eine eigene Customer Journey und damit einen eigenen Wertstrom erster Ebene geben. Allerdings sollte man sich diese Aktivit\u00e4ten nicht standardisiert und linear auf einer Kette aufgezogen vorstellen. Es ist gar nicht machbar, alle m\u00f6glichen Aktivit\u00e4ten auf dieser Wertstromebene in eine richtige Reihenfolge zu bringen, abgesehen davon, dass dies aufgrund der Optionsvielfalt gar nicht m\u00f6glich ist. In erster Linie dienen sie als Denkrahmen, der es erlaubt gemeinsam im Unternehmen in eine Richtung zu denken, nicht als standardisiertes Prozessmodell, dass man 1:1 bedienen kann und muss.<\/p>\n<p>Je Kontext und damit je Customer Journey in der Wertstromebene 1 besteht nun die Aufgabe, im Unternehmen die dort gelagerten F\u00e4higkeiten so zu verbessern, dass die Kunden ihre Probleme stetig besser l\u00f6sen k\u00f6nnen. Diese Sicht ist dann Ausgangspunkt f\u00fcr eine unternehmens\u00fcbergreifende Priorisierung. Diese gefundenen F\u00e4higkeiten werden dann innerhalb des Unternehmens in Wertstr\u00f6men der Ebene 2 neu erstellt oder angepasst. Stellt man beispielsweise fest, dass die Produktberatung innerhalb einer Customer Journey ein Engpass ist, dann sollten Mitarbeiter des Relation Centers in puncto Produktberatung geschult werden. Stellt man fest, dass die Suche im Onlineshop der Engpass ist, dann sollte der Suchalgorithmus angepasst werden.<\/p>\n<p>In der Wertstromebene 2 werden F\u00e4higkeiten ausgebildet, die in der Wertstromebene 1, den Customer Journeys zum produktiven Einsatz kommen. Um die Schwachstellen oder Engp\u00e4sse in den Wertstr\u00f6men erster Ebene zu finden verweise ich gerne auf die Methodik der Theory of Constraints (ToC). <a href=\"https:\/\/leanbase.de\/publishing\/leanmagazin\/business-systemics-steuern-und-regeln-der-wertstro\">In diesem Beitrag<\/a> meiner Serie Business Systemics finden Sie gerne mehr dazu. Das Suchen und Finden und das anschlie\u00dfende Verbessern der F\u00e4higkeiten sollte nach einem gemeinsam vereinbarten zeitlichen Zyklus geschehen, also beispielsweise alle x Monate, in dem dann der Backlog aktualisiert wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4514\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2.png\" alt=\"\" width=\"2093\" height=\"1169\" srcset=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2.png 2093w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2-300x168.png 300w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2-768x429.png 768w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abbildung-3-Wertstromebene-1-und-2-1024x572.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2093px) 100vw, 2093px\" \/><\/a><\/p>\n<p>An dieser Stelle reiche ich gerne ein Analogon zum Fu\u00dfball an. Die Wertstromebene 1 bilden die jeweiligen Punktspiele in den jeweiligen Wettbewerben ab, die Wertstromebene 2 das Training, wo F\u00e4higkeiten wie Passspiel, Zweikampf, Standards etc. verbessert werden. Der Unterschied zwischen Wirtschaft und Fu\u00dfball ist allerdings, dass beim Fu\u00dfball Wettkampf und Training niemals zeitlich parallel ablaufen. In der Wirtschaft laufen Wertstromebene 1 und 2 zeitlich parallel, was die Komplexit\u00e4t der Interaktion zwischen den beiden Wertstromebenen innerhalb der Wirtschaft erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Zwei andere bekannte Begriffe kann man auch noch gegen das Modell der Wertstromebenen spiegeln und einzuordnen: Run und Change. Wertstromebene 1 ist Run. Wertstromebene 2 ist Change.<\/p>\n<p>Start des gemeinsamen Denkprozesses f\u00fcr Verbesserungen im Unternehmen ist damit stets der Kunde innerhalb der Customer Journeys (Wertstr\u00f6me erster Ebene)mit der Frage, was man f\u00fcr ihn verbessern kann und sollte. Erst das ist f\u00fcr mich echte gelebte Kundenzentrierung. Produkte und Services, die in den Wertstr\u00f6men erster Ebene produktiv zum Einsatz kommen und damit dort die F\u00e4higkeiten im Kontext Probleml\u00f6sung f\u00fcr den Kunden verbessern, werden in den internen Wertstr\u00f6men der 2. Ebene erstellt. Der Prozess der Erstellung und Livesetzung dieser Produkte und Services endet dann wieder bei den Customer Journeys, denn ohne Einsatz der Produkte und Services werden die F\u00e4higkeiten in der Wertstromebene 1 nicht erh\u00f6ht und damit kein Nutzen f\u00fcr den Kunden generiert. Damit schlie\u00dft sich der Kreis der steten Verbesserung, der sich niemals aufh\u00f6rt zu drehen, es sei denn im Unternehmen wird entschieden, diesen jeweiligen Kontext der Kundeninteraktion nicht mehr zu bedienen und vielleicht einen neuen aufzumachen.<\/p>\n<p>In diesem Fall betritt man dann das Feld der Innovation. Bislang waren wir also im Bereich der Operation, wo F\u00e4higkeiten zu bestehenden Kontexten der Kundeninteraktion (z.B. Shopping) verbessert werden. Im Rahmen der Innovation werden neue Kontexte erschlossen, da Probleme generiert werden, die die Menschen bislang noch gar nicht f\u00fcr sich erkannt und angenommen haben.<\/p>\n<p>Nehmen wir das Beispiel Apple. Apple hat nicht einfach so das iPhone auf den Markt \u201egeschmissen\u201c. Nein, Apple hat den Menschen suggeriert, dass sie doch eigentlich st\u00e4ndig mit Welt verbunden sein wollen, was sie auch irgendwann geglaubt haben und dieses Problem f\u00fcr sich gel\u00f6st haben wollten. Und erst jetzt kommt das iPhone ins Spiel, \u00fcber welches sie genau das erreichen konnten und zwar nun \u00fcber eine neue Customer Journey, in welcher das iPhone eine besondere Rolle spielt. Denn wir wissen ja, mit jedem neuen Kontext gibt es eine neue Customer Journey, die dann mit F\u00e4higkeiten vom Unternehmen bedient werden muss, womit wir dann wieder bei der Operation w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Hat man diese neue Sicht auf Unternehmen verinnerlicht, lassen sich dar\u00fcber viele Fragen im Kontext Steuerung und Regelung von Unternehmen neu beantworten.<\/p>\n<ul>\n<li>Wie verteilen wir unsere Investitionen?<\/li>\n<li>Wie verteilen wir die Teams?<\/li>\n<li>Worauf fokussieren wir uns in der Operation, sprich welche F\u00e4higkeiten in den Customer Journeys m\u00fcssen in welcher Reihenfolge verbessert werden?<\/li>\n<li>Bedienen wir eigentlich noch die richtigen Kontexte der Kunden oder m\u00fcssen wir neue generieren, sprich m\u00fcssen wir innovieren und in welche Richtung?<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Zwischenfazit<\/span><\/h3>\n<p>Ich hoffe, ich habe mit diesem Beitrag einige Impulse gesetzt, \u00fcber unseren bisherigen funktionalen Denkrahmen zu reflektieren. Mich treibt der unbedingte Glaube an, dass gen\u00fcgend intelligente Menschen in den Unternehmen vorhanden sind. Diese bestehende Intelligenz und Kreativit\u00e4t sollte eben nur passf\u00e4hig geleitet werden. Das geschieht durch einen Denkrahmen, also der Art und Weise wie wir Unternehmen betrachten und welche Pr\u00e4missen wir unserem Denken zu Grunde legen. Dieses Hinterfragen ist in meinen Augen Basis f\u00fcr den digitalen Wandel in den Unternehmen. Erst dann kann man sich \u00fcber F\u00fchrungsprinzipien, -leitlinien etc. unterhalten, da diese Ergebnisse dann im neuen Denkrahmen \u00fcberhaupt erst passf\u00e4hig werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist f\u00fcr mich total klar. M\u00f6chte man Themen erledigt bekommen, sollte man Menschen f\u00fcr diese in Verantwortung bringen. Wie wird in Unternehmen nach dem funktionalen Denkrahmen Verantwortung verteilt, also wer entscheidet beispielsweise \u00fcber Vergabe von Budget? Oder wie macht man Karriere und erlangt formale Macht? Richtig, Menschen in funktionaler Verantwortung. Wie wird im Unternehmen Wert f\u00fcr den Kunden generiert? Richtig, cross-funktional. Das passt nicht. Das sollten wir \u00e4ndern, und zwar \u00fcber einen neuen passf\u00e4higen Denkrahmen. Unternehmen, die prim\u00e4r funktional organisiert sind und dementsprechend in funktionaler Richtung Verantwortung und damit formale Macht vergeben, k\u00f6nnen per Definition nicht kundenzentriert sein. Aus Kundensicht generiert diese Struktur organisierte Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Weiterhin ist mir wichtig anzumerken, dass es keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein darf, dass Menschen sich nur ungen\u00fcgend qua ihrer Talente im Unternehmen einbringen k\u00f6nnen. Das ist immer noch sehr h\u00e4ufig der Fall. Daf\u00fcr muss man die Menschen nur fragen. Dieser Fakt liegt ebenfalls an der Art und Weise, wie Menschen zusammen denken und handeln. Und das k\u00f6nnen wir Menschen \u00e4ndern, sollten es sogar falls diese Art nicht passf\u00e4hig zum Markt ist. Diese Wirkung liegt kein Naturgesetz zu Grunde.<br \/>Und zum Ende wiederhole ich es gerne noch einmal. Der funktionale Denkrahmen in den Unternehmen war fr\u00fcher erfolgreich. Nun hat sich der Markt aber ge\u00e4ndert, was dazu f\u00fchrt, dass diese Art des Denkens nicht mehr passf\u00e4hig zum Markt ist.<\/p>\n<p>Auch hier wieder ein Vergleich zum Sport, genauer zum Football und Fu\u00dfball, der belegt, dass andere Umweltbedingungen, in diesem Fall Regeln, andere Organisationsformen bedingen. Beim Football ist Offense und Defense im Wettkampf stets getrennt auf dem Spielfeld. W\u00e4hrend des Spiels k\u00f6nnen beim Football Spielz\u00fcge detailliert besprochen werden. Versucht eine Mannschaft diese Art und Weise des Zusammenspiels beim Fu\u00dfball einzusetzen, wird sie wohl schnell daf\u00fcr bestraft werden. Im Fu\u00dfball w\u00fcrde ein Trainer nicht ansatzweise auf die Idee kommen, Sturm und Abwehr getrennt aufs Spielfeld zu schicken. Aber deshalb ist die Organisationsform beim Football nicht gleich schlechter als die beim Fu\u00dfball oder umgekehrt. Sie ist angepasst an den Regeln. Das m\u00fcssen Unternehmen adaptieren, abh\u00e4ngig von den vorliegenden Marktbedingungen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Ansatzpunkte f\u00fcr einen digitalen Wandel in den Unternehmen<\/span><\/h3>\n<p>Was sind nach diesen Erkenntnissen in meinen Augen die ersten Schritte in einem Unternehmen, um den digitalen Wandel wirklich zu treiben?<br \/>Im ersten Schritt sollten die Kontexte der Interaktion mit dem Markt definiert werden. Dabei helfen Methoden wie das Business Model Canvas (BMC) und Value Proposition Canvas (VPC) weiter. <a href=\"https:\/\/leanbase.de\/publishing\/leanmagazin\/business-systemics\">Hier<\/a> finden Sie gerne mehr dazu.<\/p>\n<p>Im zweiten Schritt sollten dann auf genau diese Kontexte respektive Wertstr\u00f6me erster Ebene (Customer Journeys) formale Verantwortung gesetzt werden.<\/p>\n<p>Das Definieren der internen Wertstr\u00f6me und das Zusammenspiel dieser, um die jeweiligen F\u00e4higkeiten in den Wertstr\u00f6men erster Ebene zu verbessern, ist dann der dritte Schritt. In diesem Schritt betreibt man dedizierte Organisationsentwicklung. Die letzte Abbildung dieses Beitrages stellt kein Organisationsmodell dar, sondern soll die Interaktion beider Wertstromebenen verdeutlichen. Das Herleiten passf\u00e4higer Organisationsmodelle im Kontext der beiden Denkmodelle Viable System Model (VSM) und Theory of Constraints (ToC) w\u00fcrde diesen Beitrag im Umfang sprengen, weshalb ich gerne auf die <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?page_id=4036\">Beitr\u00e4ge 3 bis 6<\/a> meiner Serie Business Systemics verweise.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-4507\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"0d4e534a00\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_4507_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(4507, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.2, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4507_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4507, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.2, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4507_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4507, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.2, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4507_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4507, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.2, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_4507_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(4507, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.2, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>10<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.20<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_4507_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-4507-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Menschen, die lieber h\u00f6ren als lesen, eine kleine Information vorab. Den Inhalt dieses Blogposts habe ich in ein wenig abgewandelter Form in diesem Podcast meiner Serie #connysgedanken reflektiert. Welchen Denkrahmen schl\u00e4gt die BWL vor und warum? Es gibt viele &hellip; <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=4507\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,24,16],"tags":[102,84,99,101,100],"class_list":["post-4507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denken","category-komplexitat","category-management-und-leadership","tag-business-systemics","tag-denken","tag-denkrahmen","tag-organisationsentwicklung","tag-taylor-wanne"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4507"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4529,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4507\/revisions\/4529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}