{"id":3708,"date":"2017-01-30T09:21:12","date_gmt":"2017-01-30T08:21:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3708"},"modified":"2017-01-30T09:21:12","modified_gmt":"2017-01-30T08:21:12","slug":"digitalisierung-ist-mehr-als-nur-0-und-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3708","title":{"rendered":"Digitalisierung ist mehr als nur &#8220;0&#8221; und &#8220;1&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>In meinem heutigen Beitrag werde ich meine Hypothese untermauern, dass wir uns im Zuge der Digitalisierung immer weiter von Maschinen abh\u00e4ngig machen, was letztendlich zu einer Entfremdung von uns selbst und auch von anderen Menschen f\u00fchrt. Ich gebe aber auch einen aus meiner Sicht sinnvollen Ausblick, um diesen Trend umzulenken und so die Digitalisierung f\u00fcr uns Menschen wertgenerierend zu gestalten. In diesem Zuge werde ich auch die immer wieder mal aufkeimende Angst vor Maschinen, dass diese uns n\u00e4mlich irgendwann beherrschen und unsere Arbeit wegnehmen k\u00f6nnten, versuchen zu entmystifizieren.<\/p>\n<p>Dieser Beitrag ist \u00fcbrigens der erste im Rahmen der Blogparade der Otto Group <a href=\"http:\/\/www.ottogroupunterwegs.com\/blog\/blog\/posts\/Blogparade-Digitalisierung-Was-passiert-da-gerade-eigentlich.php\">Digitalisierung: Was genau passiert da eigentlich?<\/a><\/p>\n<p>Eines noch vorweg angemerkt. An bestimmten Stellen reiche ich Links zu weiterf\u00fchrenden Erkl\u00e4rungen meiner Thesen an. Diesen muss man nicht unbedingt direkt folgen, wenn man im Lesefluss nicht gest\u00f6rt werden mag.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Was hat Digitalisierung mit der Entwicklung und dem Fortschritt der Menschheit zu tun?<\/span><\/h3>\n<p>Alles was wir heute wahrnehmen hat seine Ursache in der Vergangenheit, auch wenn wir diese Ursachen nicht immer den heute wahrgenommenen Wirkungen zuordnen k\u00f6nnen, da sie in Raum und Zeit verschoben sind. Dementsprechend m\u00f6chte ich meine kleine Reise in das Thema &#8220;Digitalisierung&#8221; in der Vergangenheit starten. Dabei st\u00fctze ich mich auf Erkenntnisse von Gotthard G\u00fcnther, einem verstorbenen Deutsch-Amerikanischen Logiker und Philosophen, die er in Anlehnung an die Ausarbeitungen Oswald Spenglers in seinem ber\u00fchmten Werk <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Untergang_des_Abendlandes\">Der Untergang des Abendlandes<\/a> adaptiert hat. In der Ausarbeitung <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Gotthard-Guenther_Maschine-Seele-Weltgeschichte.pdf\">Maschine, Seele und Weltgeschichte<\/a> kann man seine Gedanken ab der Seite 15 nachvollziehen, die ich hier kondensiert anreichen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Er unterteilte die Entwicklung der Menschheit in 3 Epochen.<\/p>\n<ol>\n<li>Die primitive Epoche<\/li>\n<li>Die Epoche der regionalen Hochkulturen<\/li>\n<li>Die Epoche der universellen planetaren Kultur<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die drei Epochen habe ich in der unten stehenden Abbildung als Basis f\u00fcr eine nachfolgende Erkl\u00e4rung schematisch dargestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG.png\" alt=\"\" width=\"1561\" height=\"876\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3711\" srcset=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG.png 1561w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG-300x168.png 300w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG-768x431.png 768w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Abbildung-1-3-Epochen-der-Menschheitsgeschichte-nach-GG-1024x575.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1561px) 100vw, 1561px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der primitiven Epoche haben die Menschen Naturereignisse mit Magie und Zauberei erkl\u00e4rt. In dieser Zeit haben die Menschen die Vorg\u00e4nge in der Natur noch nicht auf sich selbst reflektiert. Ausdruck dieser Magie waren unter anderem Medizinm\u00e4nner. Angst vor den Ereignissen in der Natur war unter den Menschen vorherrschend. Diese Epoche war 1-wertig.<\/p>\n<p>In der zweiten Epoche, die der regionalen Hochkulturen, wurden die Ursache-Wirkungsbeziehungen eingef\u00fchrt. In dieser hat man versucht, alle Ereignisse in der Natur rein rational zu erkl\u00e4ren. Unsicherheiten wurden aus der Wahrnehmung gestrichen. Diese Methode hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, allerdings nur f\u00fcr nicht-lebende Vorg\u00e4nge. Ihren H\u00f6hepunkt hatte diese Epoche wohl mit dem Irrglauben des franz\u00f6sischen Mathematikers Laplace, der die EINE Formel erfinden wollte, mit der die Welt erkl\u00e4rbar ist. Es wurde die Angst vor der Natur abgestreift, weil alle Vorg\u00e4nge scheinbar erkl\u00e4rbar waren. Diese Epoche war und ist damit 2-wertig. Aristoteles hat diese mit seiner Logik gepr\u00e4gt. Diese Epoche hat mit dem Aufbl\u00fchen der Naturwissenschaften begonnen. Allerdings haben sich die Menschen mit dem Erkenntnisgewinn \u00fcber die Natur auch begonnen sich \u00fcber diese hinweg zu setzen, sie quasi beherrschen zu wollen. Dazu gleich in kommenden Abschnitten mehr.<\/p>\n<p>Heute stehen wir zwischen der zweiten und der dritten Epoche. Wir erkennen zwar, dass wir Ursache-Wirkungsbeziehungen mit Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten unterlegen m\u00fcssen, setzen diese Erkenntnis aber noch nicht voll umf\u00e4nglich in die Tat um. Diese These l\u00e4sst sich sehr eindrucksvoll an den Forschungen <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3410\">rund um die K\u00fcnstliche Intelligenz<\/a> ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Es geht jetzt um die Modellierung von Subjektivit\u00e4t, also die Formalisierung von Vorg\u00e4ngen in lebendigen Organismen, wie beispielsweise Menschen welche sind. Komplexit\u00e4t bekommt jetzt eine besondere Bedeutung. Diese Epoche ist nicht mehr zweiwertig. Das bedeutet, die notwendige Logik ist standpunktabh\u00e4ngig und mit der bekannten Mathematik, die auf der 2-wertigen Logik beruht, nicht mehr formalisierbar. Der oben angesprochene Gotthard G\u00fcnther hat hier vor bereits mehr als einem halben Jahrhundert mit seiner Polykontexturalit\u00e4tslogik einen Formalismus entwickelt, der in unserer heutigen Gesellschaft leider noch keinen Einfluss entwickelt hat, weshalb wir auch noch <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3694\">auf den \u00dcbergang in die 3. Epoche warten<\/a>. Dieser Wechsel ist aber notwendig, da wir unsere derzeitigen Probleme und Herausforderungen im Kontext Komplexit\u00e4t nur innerhalb dieser Epoche l\u00f6sen werden. Mittels klassischer Maschinen, die auf Zweiwertigkeit beruhen, lassen sich ausschlie\u00dflich komplizierte Probleme l\u00f6sen, keine komplexen. Daf\u00fcr sind, wie G\u00fcnther so sch\u00f6n sagt, transklassische Maschinen notwendig, die auf Basis einer erweiterten Logik basieren. Dazu dann gleich mehr.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Warum hat die Digitalisierung mit dem Aufbl\u00fchen der Naturwissenschaften begonnen?<\/span><\/h3>\n<p>Wir haben uns nicht in der heutigen Zeit f\u00fcr Digitalisierung entschieden, sondern nur die Entwicklung im Kontext unseres Denkrahmens, den wir mit dem Beginn der Naturwissenschaften (2. Epoche), geschaffen haben, konsequent fortgef\u00fchrt. Die Entscheidung \u00fcber Digitalisierung ist viel fr\u00fcher, genauer im 17. Jahrhundert mit dem Aufbl\u00fchen der Naturwissenschaften, gef\u00e4llt worden.<\/p>\n<p>Zur Zeit des 30-j\u00e4hrigen Krieges, in welchem sich die Menschen gegenseitig um der Wahrheit Willen get\u00f6tet haben, hat sich Rene Descartes, franz\u00f6sischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler, die Frage gestellt, ob es keine andere Art und Weise geben kann, \u00fcber Wahrheit zu &#8220;streiten&#8221;. Das war der Impuls f\u00fcr den Beginn der Naturwissenschaften. Es wurde ein Denkrahmen geschaffen, der es erlaubt, \u00fcber Themen und Sachverhalte zu diskutieren. Francis Bacon, englischer Philosoph und Wegbereiter des Empirismus, hat als erster formuliert, dass der Sinn der Naturwissenschaften darin besteht, die Natur zu beherrschen. Descartes hat dieser Forderung Leben eingehaucht, in dem er die Methode von Galileo Galilei fortgef\u00fchrt hat, die aussagt, wie Problemstellungen wissenschaftlich untersucht werden sollten. Diese Methode beruht auf den folgenden S\u00e4ulen.<\/p>\n<ol>\n<li>Gefundene Erkenntnisse m\u00fcssen reproduzierbar sein.<\/li>\n<li>Gefundene Erkenntnisse m\u00fcssen objektivierbar sein. Egal wer ein Experiment ausf\u00fchrt, es kommt stets das gleiche Ergebnis heraus.<\/li>\n<li>Gefundene Erkenntnisse m\u00fcssen quantitativ abgelegt sein, sonst sind diese nicht ernst zu nehmen, da zu schwammig.<\/li>\n<li>Gefundene Erkenntnisse m\u00fcssen kausal \u00fcber Ursache-Wirkung-Denken hergeleitet sein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es ist leicht einzusehen, dass diese Methode eine Trennung zwischen Geist und Materie voraussetzt und nur f\u00fcr die Materie gilt. Grunds\u00e4tzlich ist diese Methode auf den Axiomen der Aristotelischen Zweiwertigen Logik aufgebaut, welche ja Basis f\u00fcr allen Fortschritt in der 2. Menschheitsepoche ist. Dazu kann man <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3511\">hier<\/a> mehr erfahren.<\/p>\n<p>Erkennen Sie jetzt bereits den Zusammenhang zwischen dem Beginn der Naturwissenschaft und der Digitalisierung? Wir identifizieren Digitalisierung viel zu h\u00e4ufig mit der Weiterentwicklung von Technologie. Alle Probleme und Herausforderungen versuchen wir \u00fcber Technologie zu l\u00f6sen. Nehmen Sie nur als Beispiel die Kommunikation in Unternehmen. Stellen wir fest, dass diese nicht gut genug ist, stellen wir gleich die Toolfrage: Welches Tool nutzen wir zuk\u00fcnftig, um vernetzter zu agieren? Das Kommunikation eine zu tiefst menschliche Angelegenheit ist, wird au\u00dfer Acht gelassen.<\/p>\n<p>Sie finden sicherlich weitere Beispiele, die diese These belegen. \u00dcbrigens ist unser gesamtes Managementsystem in Unternehmen auf dem Aristotelischen Denkrahmen aufgebaut. Das k\u00f6nnen Sie sicherlich in Ihrem t\u00e4glichen Berufsalltag leicht nachpr\u00fcfen. Den H\u00f6hepunkt der &#8220;Technologieverliebtheit&#8221; setzt sicherlich Ray Kurzweil, der beispielsweise sagt, dass es unabdingbar w\u00e4re, intelligente Maschinen zu entwickeln, da nur diese alle Probleme unserer heutigen Zeit l\u00f6sen k\u00f6nnten. Diese Aussage ist absolut konsequent, da zu unserem Zweiwertigen Denkrahmen viabel.<\/p>\n<p>Allerdings versp\u00fcre ich alleine beim Aufschreiben dieser These wahnsinnige Schmerzen, da sie unsere Einstellung nur allzu gut verdeutlicht. Wir setzen unser Vertrauen in Maschinen, genauer in klassische, treiben dadurch die Dichotomie zwischen Geist (Subjektivit\u00e4t) und Materie (Objektivit\u00e4t) in die Perfektion und merken nicht, wie wir uns von uns selber und von anderen Menschen entfremden. Dazu nun mehr.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Was macht die Digitalisierung mit uns?<\/span><\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich, und das m\u00f6chte ich vorweg schicken, haben wir im Rahmen des Aristotelisch Zweiwertigen Denkrahmens enorme und f\u00fcr uns auch wichtige Fortschritte erlangt, aber eben nur im technologischen Bereich. Das ist unbestritten und auch gut so. Allerdings fehlt dabei stets eine Komponente, und das ist die Lebendigkeit. Lebendigkeit ist durchzogen von Widerspr\u00fcchen. Ohne Widerspr\u00fcche gibt es keine Lebendigkeit. Lebendigkeit k\u00f6nnen wir in unserem Denkrahmen nicht behandeln, also schlie\u00dfen wir sie aus und damit den Menschen. Dadurch geht Menschlichkeit in unserer Gesellschaft verloren. Und das ist mein Schmerz.<\/p>\n<p>Diese Entmenschlichung erkannt man auch leicht an Handlungsmuster, die f\u00fcr uns im Alltag total normal geworden sind. Wenn wir uns beispielsweise krank f\u00fchlen, greifen wir sofort zum Thermometer, um Fieber zu messen. Wir trauen unserem Gef\u00fchl nicht, sondern m\u00fcssen dieses technologisch nachweisen. Das mag banal klingen. F\u00fcr mich allerdings ist das ein Indiz daf\u00fcr, wie sehr wir uns nicht nur von unseren Mitmenschen entfremden, sondern sogar auch von uns selbst.<br \/>\nDie folgende Abbildung stellt einen von mir wahrgenommenen Teufelskreis dar, an dem ich dieses Entfremden n\u00e4her erl\u00e4utern m\u00f6chte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus.png\" alt=\"\" width=\"1315\" height=\"754\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3705\" srcset=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus.png 1315w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus-300x172.png 300w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus-768x440.png 768w, https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Teufelskreis-Methodizismus-1024x587.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1315px) 100vw, 1315px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Komplexe Probleme sind formal-logisch im Zweiwertigen Denkrahmen nicht beschreibbar, da Komplexit\u00e4t Widerspr\u00fcchlichkeit impliziert und unser Denkrahmen diesen aussperrt. Methoden und Standards basieren nun mal auf Zweiwertigkeit. W\u00fcrden Methoden widerspr\u00fcchlich sein, w\u00fcrden wir diese negieren, da wir ihren Mehrwert nicht sehen. Um also Methoden als L\u00f6sung heran ziehen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir komplexe Probleme in komplizierte transformieren. Diese Transformation ist f\u00fcr uns so normal geworden, dass wir dar\u00fcber schon gar nicht mehr reflektieren. Die gefundene L\u00f6sung dann, die ja auf das transformierte komplizierte Problem beruht, wenden wir dann auf das komplexe Problem an. Dabei begehen wir einen <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3376\">Kategorienfehler<\/a>.<\/p>\n<p>Mit Begehen dieses nicht wahrgenommenen Kategorienfehlers sind wir einem Teufelskreis aufgesessen. Teufelskreis deshalb, weil wir es hier mit einer sich selbst verst\u00e4rkenden Schleife zu tun haben, die ich kurz aus zwei Richtungen heraus erkl\u00e4re.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite merken wir, dass die gefundenen L\u00f6sungen sehr h\u00e4ufig nicht die Probleme l\u00f6sen. Logisch, sie haben ja aufgrund der vorgenommenen Transformation nichts miteinander zu tun. Das befeuert in uns die Unsicherheit, die wir ja eigentlich im Rahmen unserer 2. Menschheitsepoche \u00fcberwinden wollen, und zwar durch Fortschritt durch Technologie. Also wird unser Verlangen nach noch mehr Methodik und noch mehr Standards immer gr\u00f6\u00dfer. Wie gesagt beruhen diese aber auf Zweiwertigkeit und grenzen damit immer weiter die Lebendigkeit aus. Dabei werden unsere Probleme nicht gel\u00f6st, sondern noch versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Beispiel. Steuerung nach Kennzahlen in Unternehmen. Kennzahlen sollten eigentlich als Modell f\u00fcr den Markt genutzt werden und gegen sie gesteuert werden, im Glauben damit auch gegen den Markt zu steuern. Was passiert, wenn dieses Modell falsch oder nicht passf\u00e4hig ist? Indem ein Unternehmen beispielsweise Renditeziele auslobt, also gegen Renditekennzahlen steuert, verliert dieses Unternehmen den Blick auf den Markt. Es wird sich dann im Unternehmen nur noch &#8220;mit sich selbst befasst&#8221;. Die Kundensicht wird damit negiert. Aus systemischer Sicht verliert das Unternehmen den Markt als Teil seiner selbst. Nat\u00fcrlich wird das im Unternehmen niemand zugeben. Allerdings gen\u00fcgt bereits ein bisschen Mathematik, um diesen Fakt zu belegen. <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=529\">Hier<\/a> finden Sie dazu mehr.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite aber gibt es auch eine Wechselwirkung zwischen Modell und Realit\u00e4t. Das bedeutet, wir passen nicht nur unsere Modelle der wahrgenommenen Realit\u00e4t an, sondern unsere Realit\u00e4t auch den Modellen. Da die Modelle aber Lebendigkeit aussperren, modellieren wir unsere Realit\u00e4t, in den meisten F\u00e4llen unbewusst, ebenfalls leblos. Hier kommt das von mir oben Gesagte zum Tragen, dass wir Menschen uns mit dem Verstehen der Natur auch immer mehr \u00fcber diese hinwegzusetzen. Wir gestalten sie. Wir haben also eine operationale Theorie geschaffen.<\/p>\n<p>Beispiel. Der Bau von Autobahnen, um effizient von A nach B zu gelangen. Mittels Karten, und seit neuester Zeit mit Navigationsger\u00e4ten, sind wir sehr gut in der Lage eine Reise von A nach B zu planen. Wir erschaffen quasi ein Modell (Karte) der Realit\u00e4t (Stra\u00dfenverkehrsnetz) und planen die Reise dann gegen das Modell. Wir haben also eine Wirkung der Realit\u00e4t auf das Modell. Es ist aber auch so, dass wir eine umgekehrte Richtung ausmachen k\u00f6nnen. Denn mit der Benutzung der Karte ist es uns m\u00f6glich, immer effizientere Routen zu planen, die dann in der Realit\u00e4t auch umgesetzt werden, in dem beispielsweise Fl\u00fcsse umgelegt werden, W\u00e4lder gerodet werden etc., um beispielsweise Autobahnen zu bauen. Hier hat also das Modell eine Wirkung auf die Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Sie finden sicherlich eine Reihe weiterer Beispiele in der Praxis, die den oben aufgezeigten Teufelskreis, der unserem Fokus auf technologischen Fortschritt inh\u00e4rent ist, belegen. Die Frage an dieser Stelle ist, in wie weit unsere Natur dieses Spiel mitspielt. Denn es ist sicher nicht so, dass wir die Natur zerst\u00f6ren k\u00f6nnten. Wir sollten eher auf uns aufpassen.<\/p>\n<p>Wir schie\u00dfen Sonden zum Mars, was f\u00fcr mich unvorstellbar ist, erzeugen aber auf der anderen Seite immer mehr Krisen, die unser Leben hier auf der Erde gef\u00e4hrden. Im technologischen Bereich entwickeln wir uns immer weiter, im menschlichen Bereich bleiben wir auf der Stelle stehen, ja wir entwickeln uns sogar zur\u00fcck. Wir verharren derzeit in der zweiten Epoche unserer Menschheitsgeschichte, auch und vor allem durch den Fortschritt, den wir durch Technologie errungen haben. Hier ist das Gl\u00fcck also auch gleichzeitig der Schmerz. Denn genau auf dieser Basis haben wir Digitalisierung definiert. Es bedarf also einer Neujustierung.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Wie k\u00f6nnte eine Neuausrichtung der Digitalisierung ausschauen?<\/span><\/h3>\n<p>Wie bereits in diesem Beitrag angesprochen ist der \u00dcbergang in die 3. Menschheitsepoche unabdingbar notwendig, da wir unsere derzeitigen Probleme und Herausforderungen mit Komplexit\u00e4t nur innerhalb dieser Epoche l\u00f6sen werden. Wir m\u00fcssen quasi einen Ausgleich zwischen dem technologischen und dem sozialen Fortschritt schaffen und auf dieser Basis die Digitalisierung neu ausrichten.<\/p>\n<p>Mit den Naturwissenschaften und dem dahinter liegend inh\u00e4renten Denkmuster der Zweiwertigkeit hat sich das lineare Ursache-Wirkungsdenken etabliert. Dieses Denken hat sich mit der Digitalisierung manifestiert, was aber letztendlich hinderlich beim Handhaben von Komplexit\u00e4t ist. <a href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/archiv\/2016\/intuition\/orientierungssinn-vs-gps-das-ziel-ist-der-weg\/\">Dieser brandeins Artikel<\/a> befasst sich mit dieser Thematik und belegt diese These auch mit Beispielen aus der Praxis.<\/p>\n<p>Ich verteufele die Digitalisierung nicht an sich. Ich bin nur der festen \u00dcberzeugung, dass wir auf der digitalen Reise einen Irrweg eingeschlagen haben, den wir nur verlassen k\u00f6nnen, wenn wir unseren Zweiwertigen Denkrahmen erweitern. Maschinen konstruieren und entwerfen wir im Zweiwertigen Denkrahmen. Nach Gotthard G\u00fcnther nenne ich diese &#8220;klassisch&#8221; (siehe obere Abbildung der Einteilung der Menschheitsgeschichte in 3 Epochen). Das geht auch nicht anders, da so nun einmal unsere Computer funktionieren, &#8220;0&#8221; oder &#8220;1&#8221;. Wir Menschen sind aber zu viel mehr im Stande, als der Zweiwertige Denkrahmen zul\u00e4sst, der ausschlie\u00dflich in der materiellen Welt funktioniert, nicht in der geistigen. Wir konditionieren uns im Rahmen der Digitalisierung wie ausgef\u00fchrt auf den Zweiwertigen Denkrahmen und minimieren damit unseren Potentialraum, was dazu f\u00fchrt, dass wir abstumpfen und uns den Maschinen &#8220;nach unten&#8221; ann\u00e4hern. Die Maschinen n\u00e4hern sich uns Menschen nicht &#8220;nach oben&#8221; an.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir aber nun konkret tun? Ich verfolge hier wie so h\u00e4ufig die Maxime &#8220;Gro\u00df denken, klein handeln!&#8221;.<\/p>\n<p>Mit &#8220;Gro\u00df Denken&#8221; verbinde ich die Forderung nach der Erweiterung unserer Zweiwertigen Logik, damit wir im Stande sind, Lebendigkeit formal-logisch modellieren zu k\u00f6nnen und damit auf dieser Basis, ad\u00e4quate Modelle und transklassische Maschinen zum Handhaben von Komplexit\u00e4t zu erstellen. Mit dem Bauen solcher transklassischen Maschinen w\u00fcrde man auch die Mystik von und damit die teilweise vorherrschende Angst vor Maschinen nehmen k\u00f6nnen. Einerseits wird verdeutlicht, an welchen Stellen Maschinen den Menschen wirklich behilflich sein k\u00f6nnen (Objektivit\u00e4t und objektivierbare Subjektivit\u00e4t). Andererseits wird aber auch klar gemacht, wo Maschinen, auch transklassische, den Menschen niemals ersetzen k\u00f6nnen. Hier hat Gotthard G\u00fcnther ja bereits enorme Vorarbeit mit seiner Polykontexturallogik geleistet. Wir m\u00fcssen den Ball hier nur aufnehmen.<\/p>\n<p>Mit &#8220;Klein Handeln&#8221; verbinde ich, dass wir beim Probleml\u00f6sen uns und unseren Mitmenschen mehr vertrauen sollten und nicht immer gleich nach Best Practice oder externen Beratern rufen. Das bedeutet, h\u00e4ufiger selbst\u00e4ndig zu denken und zu f\u00fchlen, und nicht auf die in diesem Beitrag angesprochenen Methoden zu bauen, die ja, weil sie im Rahmen unseres Zweiwertigen Denkrahmens entstanden sind, monokontextural sind. Angewendet auf komplexe Probleme (siehe zweite Abbildung) sind diese dann kontextlos. Ein Beispiel solcher kontextlosen Regeln sind Business Cases im Rahmen von Investitionen. Warum das so ist erfahren Sie bei Interesse <a href=\"http:\/\/www.unternehmensdemokraten.de\/business-cases-als-kontextlose-entscheidungsregeln\/\">hier<\/a>. Wir merken gar nicht, wie wir durch den Einsatz solcher Methoden automatisch die Verantwortung an diese abgeben und uns dadurch auch die Chance zum Lernen nehmen.<\/p>\n<p>Mit dem einsetzenden Begreifen, dass Digitalisierung mehr ist als nur &#8220;0&#8221; und &#8220;1&#8221;, geben wir den Startschuss f\u00fcr die 3. Menschheitsepoche. Und damit ziehe ich den R\u00fcckschluss auf den Anfang dieses Beitrages, nicht vergessend auf ein interessantes Buch hinzuweisen, in welchem die in diesem Beitrag formulierten Ideen und Gedanken noch weiter ausgef\u00fchrt werden, <a href=\"http:\/\/www.metropolis-verlag.de\/Technologische-Zivilisation-und-transklassische-Logik\/1195\/book.do\">Technologische Zivilisation und transklassische Logik &#8211; Eine Einf\u00fchrung in die Technikphilosophie Gotthard G\u00fcnthers<\/a><\/p>\n<p>Ich bin gespannt auf die Diskussionen, die sich im Rahmen dieser Blogparade ergeben.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-3708\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"483160ab64\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_3708_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(3708, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.8, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3708_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3708, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.8, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3708_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3708, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.8, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3708_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3708, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.8, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3708_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_half.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3708, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.8, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>5<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.80<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_3708_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-3708-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem heutigen Beitrag werde ich meine Hypothese untermauern, dass wir uns im Zuge der Digitalisierung immer weiter von Maschinen abh\u00e4ngig machen, was letztendlich zu einer Entfremdung von uns selbst und auch von anderen Menschen f\u00fchrt. Ich gebe aber auch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3708\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,16],"tags":[82,84,87,8,44],"class_list":["post-3708","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denken","category-management-und-leadership","tag-blogparade","tag-denken","tag-komplexitat","tag-krise","tag-leadership"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3708"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3720,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3708\/revisions\/3720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}