{"id":3590,"date":"2016-09-16T06:00:28","date_gmt":"2016-09-16T05:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3590"},"modified":"2016-09-15T12:32:56","modified_gmt":"2016-09-15T11:32:56","slug":"fordert-kybernetik-die-steuerungsobsession-von-uns-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3590","title":{"rendered":"F\u00f6rdert Kybernetik die Steuerungsobsession von uns Menschen?"},"content":{"rendered":"<p>In letzter Zeit wird die Diskussion befeuert, dass die Gedanken und Ideen rund um die Kybernetik eine Steuerungsobsession befeuert. Es wird kritisiert, so jedenfalls meine Wahrnehmung, dass auch die Kybernetik, wie viele andere Lehren auch, nur Modelle anreicht, die den Menschen zu Maschinen trivialisieren. In diesem Kontext m\u00f6chte ich Gunnar Sohn <a href=\"http:\/\/www.netzpiloten.de\/interventionen-steuerungsobsessionen-kybernetiker\/\">aus diesem Beitrag<\/a> zitieren.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist an der Zeit, solche Steuerungsheinis in der \u00d6ffentlichkeit mit einer kritischen Debatte zu konfrontieren. Helfen k\u00f6nnten paradoxe Interventionen: Steuerungssysteme entlarven, so dass ihre Modelle ins Leere laufen. Systeme mit Daten zu schei\u00dfen, so dass am Ende falsche Muster rausspringen. Mein eigenes Verhalten kann daf\u00fcr sorgen, dass das System durch die Aufdeckung der dahinter stehenden Logik nicht mehr funktioniert \u2013 ganz ohne Demut.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit meinem heutigen Beitrag m\u00f6chte ich in diesem Thema meine differenzierte Sichtweise darlegen. Verschweigen m\u00f6chte ich nicht, dass Mark Lambertz, einer meiner Wegbegleiter auf meiner Reise des Verstehens und Autor des Buches <a href=\"http:\/\/intelligente-organisationen.de\/buch\">Freiheit und Verantwortung f\u00fcr intelligente Organisationen<\/a>, mich nach dem von Gunnar Sohn arrangierten Google-Hangout <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MQ-D6FqMmz4\">Wie Kybernetik-Technokraten die Welt beherrschen wollen<\/a>, dazu ermutigt hat.<\/p>\n<p>Also legen wir los. Starten m\u00f6chte ich mit Begriffskl\u00e4rungen. Dabei m\u00f6chte ich auf zwei Begriffe dediziert eingehen, n\u00e4mlich auf Steuern und Kybernetik.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Was ist Steuern?<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr die Definition des Begriffes &#8220;Steuern&#8221; m\u00f6chte ich einen weiteren, n\u00e4mlich &#8220;Regeln&#8221; hinzunehmen. Beiden gemein ist, dass ein bestimmtes System, n\u00e4mlich das gesteuerte oder geregelte, einen bestimmten Zweck erf\u00fcllen soll, wodurch sich eine bestimmte Variable in gew\u00fcnschter Weise verhalten soll. Das bedeutet, es wird in das System eingegriffen. Der gro\u00dfe Unterschied zwischen Steuerung und Regelung besteht nun darin, dass bei der Steuerung eine lineare Ursache-Wirkungsbeziehung vorliegt, was dazu f\u00fchrt, dass im Rahmen von Steuerung der erreichte Endzustand der zu steuernden Variable selbst bei starken Abweichungen vom gew\u00fcnschten Verhalten oder Variablenwert ein endg\u00fcltiger ist, also nicht mehr ge\u00e4ndert wird. Es gibt also keinen regulierenden Mechanismus hinsichtlich der Abweichungen des Istwertes vom Sollwert. Der angesprochene regulierende Mechanismus wird auch als negative R\u00fcckkopplung bezeichnet. Auf positive R\u00fcckkopplungen komme ich sp\u00e4ter noch zu sprechen. In der unteren Abbildung erkennt man den Unterschied zwischen Steuerung und Regelung. Bei einer Steuerung existiert keine R\u00fcckkopplung auf den Sollwert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Steuerung_Regelung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Steuerung_Regelung.jpg\" alt=\"Steuerung_Regelung\" width=\"1938\" height=\"400\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2081\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte ich diese Definition auf die F\u00fchrung reflektieren. Dabei m\u00f6chte ich auf Ideen von Maria Pruckner zur\u00fcckgreifen, die sie in ihrem fantastischen Buch <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3735723691\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_-6o2xb6T5608Y\">Komplexit\u00e4t im Management &#8211; InFormation<\/a> dem Leser anreicht. Steuern geht stets vom Input aus, sprich es wird etwas mit einer bestimmen Absicht getan, ohne die Wirkung zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hier geht es also statt Wirkung um die Ursache. Logisch oder? Es fehlt ja die R\u00fcckkopplung. Es gibt keinen geschlossenen Regelkreislauf. Beim Regeln wird vom Output her gedacht, sprich von der Wirkung, und dann bei Abweichung zum Sollwert am Input nachjustiert, eben geregelt. Regeln ist also ein zirkul\u00e4rer Vorgang (Regelkreis). Beim Regeln erkennt man Fehler also als Chance zu lernen und besser zu werden. Beim Steuern hasst man Fehler. Man neigt dann dazu nicht zuzuh\u00f6ren und wahrzunehmen, sondern sein Ding einfach durchzuziehen.<\/p>\n<p>F\u00fchren bedeutet also nicht von Beginn an etwas richtig zu machen, da das nicht funktioniert, sondern das Gemachte so schnell wie m\u00f6glich zu regeln und zu steuern, wenn es als nicht passf\u00e4hig im Kontext Zweck und Ziel wahrgenommen wird. Genau daf\u00fcr m\u00fcssen aber die notwendigen relevanten Informationen schnell vorliegen. Beim Steuern ignoriert man den Menschen, Feedback ist ja egal. Der Mensch wird trivialisiert auf Objektivit\u00e4t, also auf eine Maschine reduziert. Das erkennt man \u00fcbrigens an vielen Regularien und Methodiken in Unternehmen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Was ist Kybernetik?<\/span><\/h3>\n<p>Norbert Wiener gibt die aus meiner Sicht treffendste Definition von Kybernetik, wenn er sagt.<\/p>\n<blockquote><p>Kybernetik ist die Lehre von Regelung\/ Steuerung und Kommunikation im Lebewesen und in der Maschine.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kybernetik hat als erste Wissenschaft angefangen, auf interdisziplin\u00e4re Art und Weise Natur- und Geisteswissenschaften zu verschmelzen. Wenn man \u00fcber Kybernetik spricht, kommt man an Heinz von F\u00f6rster nicht vorbei. Von F\u00f6rster hat die Kybernetik zweiter Ordnung ins Leben gerufen, in dem er den Beobachter mit in die Beobachtungen integriert (&#8220;Jede Beobachtung wird von einem Beobachter gemacht&#8221;). Erstmalig werden also Subjektivit\u00e4t und die Selbstbez\u00fcglichkeit in die Untersuchung von Systemen aufgenommen. <a href=\"http:\/\/conny-dethloff.de\/mediapool\/78\/781999\/data\/TP_Wir_sehen_nicht_dass_wir_nicht_sehen.htm\">Dieses Interview<\/a>, welches Bernhard P\u00f6rksen mit Heinz von F\u00f6rster im Vorfeld des Erscheinen des absolut empfehlenswerten Buches <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wahrheit-ist-Erfindung-eines-L%C3%BCgners\/dp\/3896706462\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1355903882&amp;sr=8-1\">Wahrheit ist die Erfindung eines L\u00fcgners<\/a> f\u00fchrt, stellt die Ideen und Gedanken von Heinz von F\u00f6rster sehr anschaulich dar.<\/p>\n<p>Alleine an der Definition der Kybernetik erkennt man, dass den oben definierten Begriffen &#8220;Steuern&#8221; und &#8220;Regeln&#8221; eine sehr gro\u00dfe Bedeutung beigemessen werden, allerdings differenziert nach Kybernetik erster und zweiter Ordnung, was ich nun detaillierter ausf\u00fchren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>R\u00fccken wir noch einmal &#8220;Steuern&#8221; und &#8220;Regeln&#8221; in den Fokus, und zwar in Bezug auf Kybernetik erster Ordnung. Wir werden sp\u00e4ter noch erkennen, dass Kybernetik erster Ordnung ausschlie\u00dflich auf tote Systeme angewandt werden sollte, was aber h\u00e4ufig missachtet wird, woher auch das Missverst\u00e4ndnis in Bezug zu Kybernetik und Steuerungsobsession resultiert.<\/p>\n<p>Nehmen Sie Ihre Heizungsanlage zu Hause, was ja ein totes System ist. Die eingestellte Solltemperatur f\u00fcr die einzelnen Zimmer ist die F\u00fchrungsgr\u00f6\u00dfe. Die Regelgr\u00f6\u00dfe ist die derzeitige Zimmertemperatur, die vom F\u00fchler, in diesem Fall vom Thermostat, gemessen wird. Stellt der F\u00fchler eine Abweichung der derzeitigen Temperatur zur Solltemperatur fest, so wirkt der Regler, in diesem Falle wieder der Thermostat, dem entgegen. Bei zu niedriger Isttemperatur gegen\u00fcber der Solltemperatur wird die Isttemperatur erh\u00f6ht und vice versa. Dieses Entgegenwirken wird durch die negative R\u00fcckkopplung erreicht. St\u00f6rfaktoren k\u00f6nnten in diesem Fall offene Fenster sein, welche die Isttemperatur in der Regel senken, oder viele Menschen im Raum, welche die Isttemperatur in der Regel erh\u00f6hen. Die Heizungsanlage regelt also die Temperatur im Zimmer. Von Steuern kann man in diesem Kontext nicht reden, da dadurch eine Solltemperatur im Zimmer, wenn \u00fcberhaupt, nur durch Zufall erreicht werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aufgrund der fehlenden Justierung auf einen Zielwert ist es ersichtlich, dass ein irgendwie funktionierendes System nicht auf negative R\u00fcckkopplungen verzichten kann. Einige Teilsysteme eines Systems k\u00f6nnen vielleicht ausschlie\u00dflich gesteuert werden. R\u00fcckkopplungen in Wirkungsschleifen von Systemen sind verantwortlich f\u00fcr nichtlineares Verhalten dieser Systeme. Dazu ein kleines Beispiel. Stellen Sie sich vor Sie h\u00e4tten die Aufgabe ein Blatt Papier von 0,1 mm Dicke 48 mal zu falten. Wie hoch w\u00e4re dann der Stapel Papier den Sie erhalten w\u00fcrden? Man w\u00fcrde auf unvorstellbare 48 Mio km kommen. Zum Vergleich. Der Wert der mittleren Entfernung Erde-Mond betr\u00e4gt 384.401 km. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Menschen im Umgang mit Systemen, welche R\u00fcckkopplungen in den Wirkungsschleifen enthalten, sehr oft kontraintuitives Verhalten aufweisen.<\/p>\n<p>Kann man die Mechanismen, die mit Steuern und Regeln in Bezug zu toten Systemen einhergehen, einfach auf lebende, organische oder soziale Systeme \u00fcbertragen, kann man also durch ausschlie\u00dfliches Steuern und Regeln ein Unternehmen f\u00fchren? Um die Frage zu beantworten, schauen wir uns erst einmal an, welche m\u00f6glichen Fragestellungen wir daf\u00fcr thematisieren m\u00fcssten.<\/p>\n<ol>\n<li>Wie lernt ein lebendes oder organisches System?<\/li>\n<li>Wie erkennt ein lebendes oder organisches System seine Umwelt?<\/li>\n<li>Wie wird in einem lebenden oder organischen System ein einmal gestelltes Ziel revidiert oder korrigiert?<\/li>\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei der Kybernetik erster Ordnung wird das Erreichen einer Stabilit\u00e4t durch eine Kontrollinstanz in den Vordergrund gestellt, was dem F\u00fchren eines Unternehmens nicht gleich gestellt werden darf. Es muss ein Paradigmenwechsel vollzogen werden hin zur Akzeptanz einer instabilen Dynamik von Entscheidungen. Das bringt uns zum Thema der Kybernetik zweiter Ordnung, oder auch Kybernetik der Kybernetik genannt.<\/p>\n<p>Bei der Kybernetik zweiter Ordnung werden die Prinzipien der Kybernetik erster Ordnung wie bereits angemerkt auf Beobachter selbst angewendet. Es wird bezweifelt, dass es da drau\u00dfen objektiv vom Beobachter erkennbare Systeme gibt. Der Beobachter muss als Teil des Kontextes, den er beobachtet, mit konzeptualisiert werden. Hier stehen die beobachtenden Systeme und nicht mehr nur wie in der Kybernetik erster Ordnung die beobachteten Systeme im Fokus. Befasst man sich also mit lebenden Systemen, wie auch Unternehmen welche sind, kommt man nicht umhin sich mit der Kybernetik zweiter Ordnung zu befassen. Es sind nicht mehr nur stabilisierende negative R\u00fcckkopplungen im Fokus der Untersuchung, sondern auch verst\u00e4rkende und aufschaukelnde positive R\u00fcckkopplungsprozesse. Solche aufschaukelnde Prozesse k\u00f6nnen auf der einen Seite zum Chaos f\u00fchren. Auf der anderen Seite sind sie aber Antriebsmotor f\u00fcr die Weiterentwicklung eines Systems. Sie k\u00f6nnen also f\u00fcr ein System zerst\u00f6rend wirken, obwohl sie lebensnotwendig sind. Denn Systeme, die weit weg sind vom Gleichgewicht, also instabil sind, sind offen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und Wandel. Dieses Entfernen vom Gleichgewicht erreicht man durch verst\u00e4rkende positive R\u00fcckkopplungsschleifen. Dieses Ungleichgewicht ist die Triebfeder f\u00fcr Ver\u00e4nderungen. Allerdings sollte dieses Ungleichgewicht nicht stetig anhalten, sondern durch stabilisierende negative R\u00fcckkopplungsschleifen nach einer gewissen Zeit wieder nahe an das Gleichgewicht (genauer Flie\u00dfgleichgewicht) herangef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Aktivit\u00e4ten, die ein System in Ungleichgewicht und Gleichgewicht bringen, wechseln sich stetig ab. Ohne positive Verst\u00e4rkungen ist also kein Fortschritt m\u00f6glich. Reines Agieren innerhalb eines Systems mit der Command-and-Control Philosophie ist gleichzusetzen mit Steuern und Regeln toter Systeme. Dies reicht aber nicht aus, um komplexe Systeme, wie sie Unternehmen nun einmal sind, zu f\u00fchren.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Was ist Selbstorganisation?<\/span><\/h3>\n<blockquote><p>Selbstorganisation ist ein Vorgang, der aus Unordnung Ordnung entstehen l\u00e4sst und den die Elemente eines Systems durch ihr Interagieren von sich selbst heraus aus ansto\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was bedeutet das konkret? Systeme, die einem \u00fcberkritischen, das hei\u00dft mit der momentanen Struktur nicht bew\u00e4ltigbaren, asymmetrischen Energieeintrag (Einfl\u00fcsse aus dem Markt, die durch derzeitig aufgesetzte Prozesse in den Unternehmen nicht verarbeitbar sind) ausgesetzt sind, werden chaotisch. Dieser hohe Energieeintrag wird durch die positiven verst\u00e4rkenden R\u00fcckkopplungsschleifen erzeugt. Das Chaos ist aber nicht das Ende der Geschichte, vielmehr suchen und erfinden Systeme im Chaos neue Strukturen, die geeignet sind, um mit dem asymmetrischen Energieeintrag umgehen zu k\u00f6nnen. Dazu m\u00f6chte ich gerne ein eing\u00e4ngiges Beispiel geben.<\/p>\n<p>Wenn man gleichzeitig mit den Zeigefingern beider H\u00e4nde auf einen Tisch klopft und den Takt immer weiter erh\u00f6ht, kommt man an einen Punkt, an dem die H\u00e4nde ungleichm\u00e4\u00dfig und unrhythmisch trommeln bis sich nach kurzer Zeit ein abwechselndes, rhythmisches Klopfen einstellt. F\u00fcr Unternehmen bedeutet das, dass es eine gute Ausgewogenheit zwischen Effektivit\u00e4t (&#8220;Die richtigen Dinge tun&#8221;) und Effizienz (&#8220;Die Dinge richtig tun&#8221;) schaffen muss. Es m\u00fcssen also die richtigen Dinge richtig getan werden.<\/p>\n<p>Der Grad der Effektivit\u00e4t dr\u00fcckt die F\u00e4higkeit des Unternehmens aus, sich selbst zu organisieren und damit neue Muster (Prozesse, Produkte, Verfahrensweisen etc.) zu erschaffen. Man kann auch sagen, dass Effektivit\u00e4t f\u00fcr eine hohe Eigenkomplexit\u00e4t des Unternehmens steht. Unternehmen k\u00f6nnen beispielsweise in diesem Zusammenhang auf unterschiedlichste Kundenanfragen stets ad\u00e4quat reagieren. Es herrscht eine hohe Vielfalt in den Produkten, Prozessen etc vor. Effizienz steht in diesem Falle f\u00fcr eine geringe Eigenkomplexit\u00e4t. Prozesse sind beispielsweise schmal und kosteng\u00fcnstig angelegt. Das geht dann zu Lasten der Vielfalt. Beides muss im Gleichklang (Flie\u00dfgleichgewicht) gehalten werden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">F\u00f6rdert Kybernetik denn nun die Steuerungsobsession?<\/span><\/h3>\n<p>Ich denke, ich habe die Antwort implizit bereits in den Definitionen und Erl\u00e4uterungen zu den Begriffen gegeben, m\u00f6chte es hier aber noch einmal explizit heraus stellen.<\/p>\n<p>Trivialisiert man Menschen und Unternehmen zu &#8220;tote&#8221; Systeme, l\u00e4sst sich die Kybernetik erster Ordnung anwenden, was aber letztendlich dazu f\u00fchrt, dass dann diese Systeme zerst\u00f6rt werden. Komplexe Systeme widersetzen sich ganz einfach Kontrollversuchen. Leider muss ich feststellen, dass heutige tradierte Managementmethoden genau das tun. Sie sind auf Erkenntnissen der Kybernetik erster Ordnung aufgebaut. In diesem Kontext kann ich der Kritik von Gunnar Sohn absolut verstehen, allerdings diese nicht auf die gesamte Kybernetik ausweiten. Es gibt ja noch die Kybernetik zweiter Ordnung.<\/p>\n<p>In meinen Augen sind diesem Trugschluss, n\u00e4mlich die Kybernetik zweiter Ordnung komplett auszublenden, fast alle Bewegungen rund um Big Data und KI aufgesessen. Wenn beispielsweise Ray Kurzweil behauptet den Punkt der Singularit\u00e4t bald erreicht zu haben, weil <a href=\"http:\/\/www.unternehmensdemokraten.de\/koennen-maschinen-entscheiden\/\">jedwede Entscheidung von Maschinen besser als von Menschen getroffen<\/a> werden k\u00f6nnen, kann er gedanklich Menschen nur zu Maschinen trivialisieren. Anders ist es gar nicht m\u00f6glich solch eine Aussage zu t\u00e4tigen. Zu diesem Thema gibt es eine sch\u00f6ne <a href=\"http:\/\/www.brandeins.de\/archiv\/2016\/digitalisierung\/einleitung-wolf-lotter-der-golem-und-du\/\">brand eins Kolumne von Wolf Lotter<\/a>, aus der ich kurz zitiere.<\/p>\n<blockquote><p>Wer die Digitalisierung nur f\u00fcr ein weiteres Werkzeug der Menschheit auf dem Weg in eine bessere Zukunft h\u00e4lt, begeht beinahe Gottesl\u00e4sterung. Die Digitalisierung, sagen Gr\u00f6\u00dfen wie der Unternehmer, Erfinder und Google-Entwicklungschef Ray Kurzweil, wird uns nicht nur ver\u00e4ndern, sondern \u00fcberfl\u00fcssig machen: Singularit\u00e4t nennt er den Vorgang, bei dem sich k\u00fcnstlich intelligente Roboter als Fortsetzung der Evolution pr\u00e4sentieren. Noch ein paar Jahre, dann es ist so weit. Das ist, neben vielem anderen, der bisherige H\u00f6hepunkt westlichen Kulturpessimismus. Wir sind so schlecht, dass wir uns \u2013 durch unsere Kopie \u2013 selbst abschaffen wollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist aus meiner Sicht fatal, die V\u00e4ter der Kybernetik, wie Stafford Beer oder Heinz von F\u00f6rster, um nur zwei zu nennen, die auch die Kybernetik zweiter Ordnung im Blick hatten, mit beispielsweise Ray Kurzweil auf eine Stufe stellen zu wollen, und ihnen eben diese Steuerungsobsession zu unterstellen. Erkenntnisse der Kybernetik zweiter Ordnung lassen einem bzgl. des Vorhabens &#8220;lebendige&#8221; Systeme steuern zu wollen dem\u00fctig werden. Es ist an der Zeit, die Ideen und Gedanken rund um Big Data und KI zu erden. Denn <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3410\">Maschinen kennen nur das &#8220;Was&#8221;, niemals das &#8220;Warum&#8221;<\/a>.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Warum \u00e4ndern wir denn nicht einfach unsere Sichtweise und gehen zur Kybernetik zweiter Ordnung \u00fcber?<\/span><\/h3>\n<p>Ganz einfach, weil wir diese Erkenntnisse heute nicht technologisch umsetzen k\u00f6nnen. Hier m\u00f6chte ich Ihnen eine weitere Begriffskl\u00e4rung mit auf dem Weg geben, n\u00e4mlich die Unterscheidung zwischen trivialen und nichttrivialen &#8220;Maschinen&#8221;, wie sie Heinz von F\u00f6rster ins Leben gerufen hat. Das Verhalten einer nichttrivialen &#8220;Maschine&#8221; ist stets abh\u00e4ngig vom Zustand dieser und dem Reiz, den diese aus der Umwelt wahrnimmt und verarbeitet. Da f\u00fcr einen externen Beobachter der interne Zustand der nichttrivialen &#8220;Maschine&#8221; zu keinem Zeitpunkt einsichtig ist, ist auch das Verhalten der nichttrivialen &#8220;Maschine&#8221; f\u00fcr einen externen Beobachter nicht vorhersagbar. Bei der trivialen &#8220;Maschine&#8221; ist das Verhalten einzig und allein vom Reiz aus der Umwelt abh\u00e4ngig. Mit einer Analyse der Input- und Outputpaare dieser kann ein externer Beobachter das Verhalten einer trivialen &#8220;Maschine&#8221; vorhersagen. Eine Heizungsanlage ist also eine triviale &#8220;Maschine&#8221;, ein Mensch und damit auch ein Unternehmen eine nichttriviale. Mehr dazu k\u00f6nnen Sie gerne in meinem Beitrag <a href=\"http:\/\/conny-dethloff.de\/mediapool\/78\/781999\/data\/Ist_Objektivitaet_eine_Illusion.pdf\">Ist Objektivit\u00e4t eine Illusion?<\/a> nachlesen.<\/p>\n<p>Lebendigkeit ist von R\u00fcckbez\u00fcglichkeit und damit von Widerspr\u00fcchlichkeit gepr\u00e4gt, die sich aber nun einmal nicht formal-logisch mit unserer heutigen Mathematik abbilden l\u00e4sst, da diese auf der Zweiwertigen Logik aufgebaut ist, die den Widerspruch ausschlie\u00dft. Wir ben\u00f6tigen also eine erweiterte Mathematik, von der wir heute noch weit entfernt sind, obwohl <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard_G%C3%BCnther\">Gotthard G\u00fcnther<\/a>, ein ber\u00fchmter deutsch-amerikanischer Logiker und Philosoph, hier bereits erste entscheidende Schritte gegangen ist. N\u00e4heres dazu finden Sie in meinem j\u00fcngsten Beitrag <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3587\">Kennzahlen forcieren eine Entmenschlichung der Wirtschaft<\/a>. Dieser fehlende wissenschaftliche Entwicklungsstand darf aber nicht der Grund sein, die Kybernetik an sich zu verdammen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Fazit<\/span><\/h3>\n<p>Wenn man \u00fcber Kybernetik urteilt, egal in welche Richtung, sollte man diese differenziert betrachten. Ich m\u00f6chte nat\u00fcrlich nicht behaupten, dass ich mit diesem Beitrag die Differenzierung weit genug getrieben habe. Es ist aber zumindest ein Anfang, den wir gerne zusammen ausbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-3590\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"6171a67653\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_3590_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(3590, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.7, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3590_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3590, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.7, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3590_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3590, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.7, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3590_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3590, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.7, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3590_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_half.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3590, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.7, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>6<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.67<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_3590_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-3590-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit wird die Diskussion befeuert, dass die Gedanken und Ideen rund um die Kybernetik eine Steuerungsobsession befeuert. 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