{"id":3587,"date":"2016-09-14T05:13:10","date_gmt":"2016-09-14T04:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3587"},"modified":"2016-09-14T05:13:10","modified_gmt":"2016-09-14T04:13:10","slug":"kennzahlen-forcieren-eine-entmenschlichung-der-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3587","title":{"rendered":"Kennzahlen forcieren eine Entmenschlichung der Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Zu meinem j\u00fcngsten Beitrag <a href=\"http:\/\/www.lean-knowledge-base.de\/3-weihnachtsmaenner-plus-4-osterhasen-paradoxon\/\">Was ergibt 3 Weihnachtsm\u00e4nner plus 4 Osterhasen?<\/a> auf der Lean Knowledge Base Plattform habe ich eine Replik bekommen, auf die ich in diesem Beitrag eingehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Zum einen wurde mir entgegnet, dass das Paradoxon von Achilles und der Schildkr\u00f6te schon seit langem aufgel\u00f6st wurde und zwar mit Hilfe der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Infinitesimalrechnung\">Infinitesimalrechnung<\/a>. Zum anderen wurde angemerkt, dass ich wohl auch einem Kategorienfehler aufgesessen bin, weil die Kennzahl Umsatz sehr wohl mathematisch korrekt ausgedr\u00fcckt ist und man sie deshalb auch so verwenden kann. <\/p>\n<p>Beide Themenstellungen werde ich aufnehmen und damit belegen, dass die Verwendung von Kennzahlen, jedenfalls so wie wir es heute tun, Lebendigkeit t\u00f6tet und damit eine Entmenschlichung der Wirtschaft forciert.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Wurde das Paradoxon von Achilles und der Schildkr\u00f6te wirklich aufgel\u00f6st?<\/span><\/h3>\n<p>Ich habe das Paradoxon im oben angerissenen Beitrag bereits ausgef\u00fchrt. K\u00f6nnen wir nun das Ereignis &#8220;Achilles \u00fcberholt die Schildkr\u00f6te&#8221;, welches wir unzweifelhaft beobachten k\u00f6nnen, mathematisch-logisch widerspruchsfrei beschreiben?   <\/p>\n<p>Angenommen Achilles sei 10 mal schneller als die Schildkr\u00f6te, die einen Vorsprung von 100m erh\u00e4lt. Damit muss Achilles zuerst diese 100m Vorsprung zur\u00fcck legen. W\u00e4hrend dieser Zeit legt die Schildkr\u00f6te 10m zur\u00fcck. Damit hat Achilles sie noch nicht eingeholt. Nachdem Achilles auch diese 10m zur\u00fcck gelegt hat, ist die Schildkr\u00f6te noch 1m voraus. Setzt man diese Kette fort, w\u00fcrde Achilles die Schildkr\u00f6te niemals \u00fcberholen k\u00f6nnen, was, wie wir ja wissen, Unsinn ist, da empirisch widerlegbar. Denn wir beobachten ja etwas anderes. Wir erkennen also, dass wir die beiden Sichtweisen, die empirisch-physikalische, was wir beobachten, und die mathematisch-logische, was wir begrifflich beschreiben, hier noch nicht vers\u00f6hnen k\u00f6nnen. Deshalb sprechen wir von einem Paradoxon.<\/p>\n<p>Nehmen wir mal an, dass Achilles die 100m in 10s zur\u00fccklegt, dann ist es relativ einfach ersichtlich, dass er nach sp\u00e4testens 12s die Schildkr\u00f6te \u00fcberholt hat. Denn wenn er die ersten 100m in 10s zur\u00fccklegt, dann ben\u00f6tigt er f\u00fcr die n\u00e4chsten 10m eine Sekunde und f\u00fcr den noch fehlenden Meter 0,1s usw. In Summe w\u00e4ren das dann 10+1+0,1+0,01+&#8230; Sekunden = 11,111&#8230; Sekunden. Darum ging es Zenon bei diesem Paradoxon aber gar nicht. Warum? Weil wir hier einen Begriff zur Beschreibung nutzen, n\u00e4mlich die &#8220;Unendlichkeit&#8221;, die wir weder beobachten noch denken k\u00f6nnen. Denn, eine unendliche Reihe kann eine endliche Summe haben. Das ist bekannt. Oder anders ausgedr\u00fcckt. Die Summe der Teile einer endlichen Strecke, die man unendlich oft teilt, bleibt endlich. Wir f\u00fchren also im Rahmen der Infinitesimalrechnung den Begriff des &#8220;Grenzwertes&#8221; ein, der letztendlich die Unendlichkeit substituieren soll und glauben damit das Paradoxon aufzul\u00f6sen. Damit bin ich nicht einig.<\/p>\n<p>Wir beobachten, dass Achilles auf einer endlichen Strecke in endlicher Zeit die Schildkr\u00f6te \u00fcberholt und m\u00fcssen uns dem Begriff der &#8220;Unendlichkeit&#8221; bedienen, um dieses beobachtete Ph\u00e4nomen mathematisch-logisch auch erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Skurril, oder? Das Paradoxon ist also noch nicht widerlegt worden. Es ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass wir scheinbar triviale Vorg\u00e4nge in der Natur, wie die Bewegung, nicht widerspruchsfrei denken k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Und noch einmal m\u00f6chte ich den Fakt anbringen, den ich in meinem Beitrag auf der Lean Knowledge Base Plattform ausgef\u00fchrt habe. Die physikalisch-empirische L\u00f6sung im Rahmen der Infinitesimalrechnung verwendet die Ma\u00dfeinheiten &#8220;Meter&#8221; und &#8220;Sekunde&#8221;, ja sogar das Verh\u00e4ltnis &#8220;Meter pro Sekunde&#8221;, ohne dies mathematisch-logisch gerechtfertigt zu haben. Es wird hier k\u00fcnstlich eine Ma\u00dfeinheit eingef\u00fchrt, was mathematisch, genauer im Rahmen der Zweiwertigen und damit monokontexturalen Logik, nicht abgesichert ist. Wir begehen einen Kategorienfehler. Denn wenn ich &#8220;Meter durch Sekunde&#8221; rechne, sollte ich auch &#8220;Meter minus Sekunde&#8221; rechnen d\u00fcrfen. Denn jede Multiplikation bzw. Division l\u00e4sst sich in geeigneter Weise auf die Operationen der Addition bzw. Subtraktion zur\u00fcckf\u00fchren. Aber welche neue Ma\u00dfeinheit soll das sein? Was soll hier herauskommen?  <\/p>\n<p>Detailliertere Information zu dieser Argumentationskette erhalten Sie in dem Beitrag <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/anmerkungen_achilles_ger.pdf\">Warum das Unendliche im Endlichen &#8230; und das Endliche im Unendlichen liegt<\/a> von Prof. Dr. Erberhard von Goldammer.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Wie ist das nun mit dem Umsatz?<\/span><\/h3>\n<p>Darf die Kennzahl &#8220;Umsatz&#8221; mit den eben gewonnenen Erkenntnissen einfach so verwendet werden? Nein, nat\u00fcrlich nicht, weil auch hier wieder, wie beim obigen Paradoxon, verschiedene Kontexturen einfach trivialisiert miteinander verbunden werden. Beim Paradoxon waren dass die Kontexturen &#8220;Weg&#8221; und &#8220;Zeit&#8221;, die man beide unabh\u00e4ngig voneinander messen kann. Will man diese aber miteinander \u00fcber Rechenoperationen verbinden, ben\u00f6tigt man eine Mathematik, die verschiedene Kontexturen auch zul\u00e4sst und nicht einfach ignoriert, wie es in unserer heutigen Mathematik der Fall ist, die ja bekanntlich auf der Zweiwertigen Logik basiert.      <\/p>\n<p>Zenon argumentiert bei seinem Paradoxon streng getrennt in den einzelnen Kontexturen &#8220;Weg&#8221; und &#8220;Zeit&#8221;, also monokontextural, und gelangt so in der mathematisch-logischen Dimension zu keiner Aufl\u00f6sung. F\u00fcr eine rein mathematisch-logische Aufl\u00f6sung des Paradoxons muss man die Kontexturen &#8220;Weg&#8221; und &#8220;Zeit&#8221; miteinander verschmelzen und in die Berechnung der Geschwindigkeit hinein denken. Nur dann l\u00e4sst sich die Formel zur Geschwindigkeit auch verwenden, ohne dass man einen logischen Fehler begeht. Prof. von Goldammer hat diesen Fakt in seinem Beitrag (siehe obiger Link) auf Seite 17 ff. detailliert ausgef\u00fchrt.      <\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht es mit dem Umsatz aus. Auch hier werden die verschiedenen Kontexturen in der Berechnung ignoriert, was dazu f\u00fchrt, dass Qualit\u00e4ten ignoriert werden. Was sind beim Umsatz m\u00f6gliche Kontexturen? Beispielsweise w\u00e4ren das die Pr\u00e4ferenzen eines jeden Menschen f\u00fcr ein bestimmtes Produkt. Diese werden heutzutage \u00fcber einen monokontextural, oft sage ich auch kontextlos dazu, definierten Produktpreis trivialisiert, den ein Unternehmen generell festsetzt. Die Menschen werden hier also objektiviert, da exkludiert, und damit eine objektive Pr\u00e4ferenz gesetzt.<\/p>\n<p>In allen Formeln, die wir in der Wirtschaft nutzen, ist der Mensch \u00fcbrigens heraus gerechnet. Das kann man auch an dem einfachen Fakt erkennen, dass diese Berechnungen nicht selbstbez\u00fcglich sind. Sie k\u00f6nnen es nicht sein, da diese Selbstbez\u00fcglichkeit einen Widerspruch produzieren w\u00fcrde, der ja bekanntlich aus der Zweiwertigen Logik ausgeschlossen ist.<\/p>\n<p>Lebendigkeit l\u00e4sst sich nicht formal logisch, genauer mit unserer heutigen Zweiwertigen Logik, darstellen, da Lebendigkeit nicht widerspruchsfrei ist. Kennzahlen, denen wir uns Menschen, wie immer wieder zu beobachten, ausliefern, sind auf Basis unserer heutigen Mathematik berechnet. Ist es da ein Wunder, wenn wir eine fehlende Lebendigkeit und damit Menschlichkeit in der Wirtschaft wahrnehmen? Wenn ich also von zunehmenden technokratischen und menschenabgewandten Gebaren in der Wirtschaft rede, ist die Ursache genau hier zu finden, n\u00e4mlich in der Fokussierung auf Kennzahlen, die in der Berechnung den Menschen ausschlie\u00dfen, ja sogar m\u00fcssen. Unsere heutige Mathematik l\u00e4sst nichts anderes zu.<\/p>\n<p>Diesen Fakt m\u00f6chte ich noch einmal von einer anderen Seite beleuchten, um diesen deutlicher zu machen. In der Schule haben wir gelernt, dass wir nur dann Objekte miteinander addieren k\u00f6nnen, wenn diese die gleichen Eigenschaften (= Kontexturen in obiger Ausf\u00fchrung) haben. Beispielsweise k\u00f6nnen wir &#8220;2 \u00c4pfel + 3 \u00c4pfel&#8221; rechnen und erhalten &#8220;5 \u00c4pfel&#8221;. Hier m\u00f6chte ich auf das Thema Eigenschaften gar nicht n\u00e4her eingehen, denn auch unter den \u00c4pfeln gibt es ja verschiedene Sorten und damit Eigenschaften. Aber was erhalten wir bei der Aufgabe &#8220;2 \u00c4pfel + 3 Birnen&#8221;? Vielleicht sagen wir zum Ergebnis &#8220;5 Obstst\u00fccke&#8221;. Wie auch immer, wir trivialisieren auf jeden Fall, weil wir Eigenschaften verallgemeinern m\u00fcssen. Und genau diesen Fakt meine ich, wenn wir Kennzahlen auf Menschen anwenden, wie in der Wirtschaft Usus ist. <\/p>\n<p>Nun wissen wir wo wir ansetzen sollten. Wollen wir loslegen?<\/p>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Prof. von Goldammer hat sich in seinem Beitrag auf den Beitrag <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/gunther_web\/achilles-tortoise.pdf\">Achilles und die Schildkr\u00f6te<\/a> von Gotthard G\u00fcnther bezogen.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-3587\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"f9b9d4710d\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_3587_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(3587, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3587_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3587, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3587_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3587, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3587_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3587, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3587_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3587, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>6<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_3587_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-3587-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu meinem j\u00fcngsten Beitrag Was ergibt 3 Weihnachtsm\u00e4nner plus 4 Osterhasen? auf der Lean Knowledge Base Plattform habe ich eine Replik bekommen, auf die ich in diesem Beitrag eingehen m\u00f6chte. 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