{"id":3581,"date":"2016-08-19T06:00:58","date_gmt":"2016-08-19T05:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3581"},"modified":"2016-08-18T20:02:01","modified_gmt":"2016-08-18T19:02:01","slug":"wasserfall-ist-weder-agil-noch-nicht-agil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=3581","title":{"rendered":"Wasserfall ist weder &#8220;agil&#8221; noch &#8220;nicht agil&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder h\u00f6re ich davon, dass die Wasserfall-Methode nicht agil ist. Mit diesem Beitrag m\u00f6chte ich meine Sicht auf diese Aussage spiegeln. Dabei m\u00f6chte ich auf zwei Dinge eingehen. Zum einen kann eine Methode an sich, also ohne Kontext, niemals &#8220;etwas sein&#8221; oder &#8220;etwas nicht sein&#8221;. Zum anderen sollte f\u00fcr einen erfolgreichen Einsatz einer Methode immer Derjenige die Verantwortung \u00fcbernehmen, der diese ausw\u00e4hlt und anwendet, niemals die Methode an sich.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Wasserfall ist weder &#8220;agil&#8221; noch &#8220;nicht agil&#8221; &#8230;,<\/span><\/h3>\n<p>&#8230; genauso wie \u00fcbrigens Scrum als Methode weder &#8220;agil&#8221; noch &#8220;nicht agil&#8221; sein kann. Erst einmal m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich kl\u00e4ren was man mit dem Begriff &#8220;agil&#8221; im Unternehmenskontext eigentlich verbindet. In meinem Beitrag <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1388\">Agilit\u00e4t ist in aller Munde, aber auch im Kopfe?<\/a> habe ich bereits die folgende Definition angebracht.<\/p>\n<blockquote><p>Agil sein oder Agilit\u00e4t bedeutet nicht nur Wandel zu akzeptieren. Agilit\u00e4t geht einen Schritt weiter und fordert Wandel, wenn dies sinnvoll erscheint. Demnach m\u00fcssen zwei Bedingungen erf\u00fcllt sein, damit eine Organisation als agil bezeichnet werden kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Organisation akzeptiert und bew\u00e4ltigt Wandel.<\/li>\n<li>Die Organisation nutzt und l\u00f6st Wandel zum eigenen Vorteil aus.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Alleine, wenn man sich diese Definition zu Herzen nimmt, ist es mir unerkl\u00e4rlich, einer Methode die Bewertung &#8220;agil&#8221; oder &#8220;nicht agil&#8221; zuzuschreiben. Aber dazu komme ich erst im zweiten Teil meines Beitrages. Denn unabh\u00e4ngig von der Definition zu &#8220;agil&#8221; m\u00f6chte ich anmerken, dass eine Bewertung \u00fcber Adjektive ohne Kontext, in diesem Fall die Bewertung einer Methode, sinnentkoppelt ist. Inspiriert f\u00fcr diesen Beitrag wurde ich \u00fcbrigens durch diese Diskussion auf Twitter.<\/p>\n<p>https:\/\/twitter.com\/Thomas_Michl\/status\/765638095626653696<\/p>\n<p>Kontextlos gibt es keinen Unterschied zwischen &#8220;agil&#8221; und &#8220;nicht agil&#8221;. Dazu ein Beispiel. Ein Turner ist beweglich. Ergibt es deshalb Sinn, jeden Fu\u00dfballer, nur weil er nicht so beweglich ist wie ein Turner, als nicht beweglich zu titulieren? Nein, nat\u00fcrlich nicht. Denn es ist essentiell, wie viel Beweglichkeit \u00fcberhaupt sein muss, um erfolgreich in der jeweiligen Sportart zu sein. Und das ist der Kontext, den ich hier ins Spiel bringe.<\/p>\n<p>Daraufhin wurde mir entgegnet, in der obigen Twitter Diskussion nachzulesen, dass die Benutzung von Adjektiven, also Eigenschaftsbeschreibungen wie &#8220;agil&#8221;, auch ohne Kontext Sinn machen. Daf\u00fcr wurde folgendes Beispiel heran gezogen. Wasser ist fl\u00fcssig, w\u00e4re es fest, w\u00fcrde man Eis dazu sagen. Hierbei wurde aber ungeachtet gelassen, dass auch hier ein Kontext verwendet wurde, n\u00e4mlich der Vergleich der Festigkeit zwischen Eis und Wasser. Setze ich andere Kontexte an, bekomme ich andere Wertungen der Festigkeit von Eis und Wasser. Denn Wasser kann auch fest sein. Im Turmspringen beispielsweise wird die Wasseroberfl\u00e4che aufgewirbelt, da diese sonst bei einem fehlerhaften Eintauchen der Springer zu fest w\u00e4re und so zu Verletzungen dieser f\u00fchren k\u00f6nnte. F\u00fcr den Bau einer Br\u00fccke beispielsweise ist Eis eben nicht fest und daher nicht tauglich f\u00fcr eine Verwendung.<\/p>\n<p>Das trifft \u00fcbrigens auf jede Bewertung \u00fcber Adjektive zu. Ohne Kontext bleibt diese Bewertung ohne Bedeutung, da erst der Kontext den Bezugsrahmen f\u00fcr eine Bewertung darstellt, wie Marcus Raitner, ebenfalls in der obigen Twitter Diskussion nachzulesen, anf\u00fchrt. Das glauben Sie nicht? Okay, hier weitere Beispiele.<\/p>\n<p>Usain Bolt wurde gerade Olympiasieger in Rio im 100m Sprint. Man kann ihn also als &#8220;schnell&#8221; bezeichnen. Ist deshalb jeder andere Sportler einer anderen Sportart nicht schnell, nur weil er nicht ansatzweise so schnell wie Bolt ist? Nat\u00fcrlich nicht. Auch hier ist wieder das Heranziehen des Kontextes entscheidend, der angibt, wie schnell man sein muss, um in der jeweiligen Sportart erfolgreich sein zu k\u00f6nnen. Ohne diesen Kontext w\u00fcrde man jeden Handballer als langsam einstufen. Ihnen fallen bestimmt viele weitere Beispiele ein. Oder?<\/p>\n<p>Haben wir die erste Stufe also genommen. Es macht keinen Sinn eine Methode wie Wasserfall oder Scrum als &#8220;agil&#8221; oder &#8220;nicht agil&#8221; zu bezeichnen, wenn man nicht dazu angibt, was man \u00fcberhaupt erreichen m\u00f6chte. Ich werde jetzt nicht darauf eingehen, dass man hier einen Kategorienfehler begeht, da es sich bei &#8220;Wasserfall&#8221; um eine Methode und bei &#8220;Agil&#8221; um eine Haltung handelt. Im Rahmen einer agilen Haltung lassen sich logischerweise auch Wasserfall-Methoden sehr gut anwenden, \u00e4hnlich wie man bei Wasserfall-Methoden von einer agilen Einstellung reden kann, aber nicht muss. Warum denn eigentlich auch nicht? Man muss sich bei der Befriedigung von Kundenbed\u00fcrfnissen, und darum geht es ja im Unternehmenskontext, eben nur die Frage beantworten, wie klar eine umzusetzende Anforderung seitens des Kunden verstanden und abgestimmt und wie zeitbest\u00e4ndig diese ist. Abh\u00e4ngig von dieser Antwort, m\u00fcssen dann die Feedbackschleifen zum Kunden schneller oder langsamer drehen und der Kunde mehr oder weniger eingebunden werden. Abh\u00e4ngig von der Beantwortung dieser Fragen w\u00e4hlt man die passende Methode aus.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #6666ff;\">Verantwortung f\u00fcr Erfolg bleibt immer beim Anwender einer Methode, niemals bei der Methode<\/span><\/h3>\n<p>Ich habe es eben bereits angesprochen. Es geht um das Ausw\u00e4hlen einer passenden Methode. Ein Hammer ist ja auch nicht deshalb als Werkzeug grunds\u00e4tzlich unbrauchbar, nur weil ich mit diesem keine Schrauben in die Wand drehen kann. Und genau f\u00fcr das W\u00e4hlen dieser Methode ist der Mensch verantwortlich. Um es klar zu sagen. Nur weil man im Projekt oder \u00fcbergreifend im Unternehmen feststellt, dass man nicht agil genug ist, sollte man niemals der Methode, wie beispielsweise &#8220;Wasserfall&#8221; daf\u00fcr verantwortlich machen. Denn wir wissen ja, auch mit dieser Methode kann man agil sein. Lesen Sie sich gerne die an den Anfang dieses Beitrages gestellte Definition durch, um sich diesen Fakt zu vergewissern.<\/p>\n<p>&#8220;Agil sein&#8221; reicht als Kontext nicht aus. Hier muss man genauer werden, wie zum Ende des ersten Abschnittes angedeutet. Agil muss ein Unternehmen immer sein. Das ist essentiell f\u00fcr die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit. Dazu ein Analogon, wieder mal aus der Welt des Sports. W\u00fcrden Sie einen Sportler nach der Ursache seines Erfolges fragen und er w\u00fcrde entgegnen, dass es die F\u00e4higkeit w\u00e4re zu atmen, w\u00fcrden Sie wohl schmal schauen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der Durchf\u00fchrung eines Projektes, ob dieses denn nun agil zu geschehen hat oder nicht. Diese Frage ist irrelevant. Klar muss es agil durchgef\u00fchrt werden. IMMER. Nur ist damit der Fakt nicht einhergehend gefestigt, die Wasserfall-Methode nicht einsetzen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wir sollten sehr schnell weg kommen von der Vorstellung, dass weil die Wasserfall-Methode nicht agil ist, diese immer schlecht ist. Es wird aber leider in vielen Beitr\u00e4gen zur Agilit\u00e4t im Netz h\u00e4ufig so dargestellt. Warum ist das wohl so? Meine These ist, dass dies mit der Methodenh\u00f6rigkeit zu tun hat, der wir oft erlegen sind. Wir sollten uns und unseren F\u00e4higkeiten wieder mehr vertrauen und diese nicht auf Methoden projizieren. W\u00e4hrend Denken und Wahrnehmen eine hohe Priorit\u00e4t darauf legen, auf ver\u00e4nderte Anforderungen reagieren zu k\u00f6nnen, was in einer sehr flexiblen Vorgehensweise resultiert, ist das Ziel von Methoden, die Prozesse m\u00f6glichst zu standardisieren und so weit zu vereinfachen, bis nur noch die Elemente \u00fcbrig bleiben, die wesentlich zur Wertsch\u00f6pfung beitragen. An dieser Stelle besteht die Gefahr, die Prozesse <a href=\"http:\/\/www.unternehmensdemokraten.de\/business-cases-als-kontextlose-entscheidungsregeln\/\">als kontextlos enden zu lassen<\/a>.<\/p>\n<p>Verfolgt man eine Strategie, die auf einem Kostenvorteil gegen\u00fcber dem Wettbewerb basiert, sind diese kontextlosen Methoden der richtige Ansatz. Die Vermeidung von Verschwendung f\u00fchrt auch zur Vermeidung von Kosten und schlie\u00dflich zu der M\u00f6glichkeit, dem Kunden einen geringeren Preis anzubieten. Aber was ist das Optimum der Vermeidung von Kosten? Null Kosten. Und was bedeutet das f\u00fcr Unternehmen? Tod.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite eignen sich Vorgehensweisen, die auf Denken basieren, f\u00fcr Differenzierungsstrategien. Wenn der Wettbewerbsvorteil darin bestehen soll, die Bed\u00fcrfnisse der Kunden besser zu kennen, zu verstehen, um sie besser befriedigen zu k\u00f6nnen, hei\u00dft das auch, dass &#8220;Prozesse&#8221; ben\u00f6tigt werden, die ein st\u00e4ndiges Analysieren des Marktes erm\u00f6glichen und viele Gelegenheiten bieten, auf diese Erkenntnisse zu reagieren. Also Denken und Wahrnehmen. Diese Prozesse, deshalb auch in Anf\u00fchrungsstriche geschrieben, bezeichne ich als kontextbasiert.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-3581\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"ec0537c1b5\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_3581_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(3581, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3581_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3581, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3581_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3581, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3581_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3581, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_3581_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_half.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(3581, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>10<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.90<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_3581_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-3581-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder h\u00f6re ich davon, dass die Wasserfall-Methode nicht agil ist. 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