{"id":245,"date":"2010-11-05T18:29:45","date_gmt":"2010-11-05T17:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=245"},"modified":"2012-11-28T07:38:15","modified_gmt":"2012-11-28T06:38:15","slug":"ist-denken-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=245","title":{"rendered":"Ist Denken out?"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article8794529\/Aufbruch-in-kuenstliche-Gedanken-Welten.html\">Artikel<\/a>, gefunden in der Welt, suggeriert das jedenfalls. Aber stimmt das? Ist Denken wirklich out, weil Maschinen bald das Denken f\u00fcr uns \u00fcbernehmen werden? Ich sage ganz klar NEIN. Warum, werde ich jetzt ausf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Wahrnehmen ist von unseren Denkprozessen gepr\u00e4gt, und diese bauen auf unsere Logik auf. Wir beschr\u00e4nken die F\u00e4higkeit unseres Gehirns durch unsere Logik. Unser Gehirn k\u00f6nnte viel mehr. Aber unser Denken, welches auf der zweiwertigen Logik von Aristoteles aufgebaut ist, unterdr\u00fcckt es. Unser Gehirn kann mit Heterarchien (nebengelagerte simultan ablaufende Prozesse) und Selbstbez\u00fcglichkeiten, die in unserer heutigen Mathematik ausgeschlossen sind, da sie zu Paradoxien f\u00fchren, umgehen. In unseren bewussten Denkprozessen k\u00f6nnen wir das aber nur sehr schwer, weil wir uns limitieren. Wir denken bewusst nur in Hierarchien. In erster Linie m\u00fcssen wir uns also bewusst mit neuen Denkarten auseinandersetzen, um in Zukunft neue Themen f\u00fcr uns erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Aber warum?<\/p>\n<p>Haben wir eine andere Logik, dann k\u00f6nnen wir auch anders wahrnehmen, sicherlich auch Dinge, die wir heute noch garnicht sehen. Aber nicht nur deshalb ben\u00f6tigen wir eine neue Logik. In dem Artikel der Welt wird davon gesprochen, dass Maschinen irgendwann das Denken f\u00fcr die Menschen \u00fcbernehmen werden. Wir sind aber noch sehr weit davon entfernt, Maschinen zu konstruieren, die denken k\u00f6nnen. Derzeit wird in der KI- und Gehirnforschung ausschlie\u00dflich der Denkinhalt untersucht. Dieser l\u00e4sst sich auch monokontextural, also in der zeiwertigen Logik, die unsere Mathematik komplett vereinnahmt hat, darstellen. Der Denkinhalt ist messbar und beobachtbar. Der Denkprozess wird allerdings nicht untersucht. Dieser l\u00e4sst sich n\u00e4mlich nicht mehr monokontextural darstellen, da die Prozesse selbstbez\u00fcglich und nebengestellt (heterarchisch) sind. Es gilt hier nicht mehr das Transitivit\u00e4tsgesetz (Aus A kleiner als B und B kleiner als C folgt nicht automatisch A kleiner als C). Die Prozesse des Gehirns lassen sich also nicht mehr sequentiell darstellen. Die Gehirnforschung vereinfacht derzeit in allen Untersuchungen und Experimenten das Gehirn zu einer trivialen Maschine. Es werden Input und Output gemessen. Das Gehirn wird also als operativ offen trivialisiert. Was noch erschwerend dazu kommt ist, dass Untersuchungsergebnisse irgendwie kommuniziert werden m\u00fcssen. Das passiert u.a. durch Sprache. Denkinhalte k\u00f6nnen durch die Sprache, wie sie heute bekannt ist, ge\u00e4u\u00dfert werden. Alle bekannten Sprachen sind aber steng sequentiell. Das bedeutet, die Denkprozesse im Gehirn k\u00f6nnen garnicht durch die derzeitigen Sprachen erkl\u00e4rt werden, da die Prozesse im Gehirn eben nicht sequentiell sind. Es wird also auch eine neue Sprache ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Alle KI-Modelle, die derzeit existieren und das menschliche Gehirn simulieren sollen, beschreiben Zust\u00e4nde und keine Prozesse. Ein Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass sich nichts ver\u00e4ndert. Die Physik beispielsweise beschreibt Zust\u00e4nde von bona fide Objekten und ein physikalischer Prozess ist lediglich ein \u00dcbergang von einem physikalischen Zustand in einen anderen. Das sehen sie beispielsweise auch bei System Dynamics Modellen, egal was man modellieren m\u00f6chte oder wie klein die Simulationsschrittweite auch immer gew\u00e4hlt wird. Man erh\u00e4lt stets diskrete Modelle. Es werden also kontinuierliche Vorg\u00e4nge im Modell diskretisisiert. Anders w\u00e4ren diese garnicht modellierbar. Details dazu finden Sie in diesem <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Diskrete-und-Kontinuierliche-Modellierung.pdf\">Artikel<\/a>, den ich vor geraumer Zeit geschrieben habe. Ein Denkprozess des Menschen ist aber immer etwas Prozessuales. Hier macht es also keinen Sinn von einem Zustand im Sinne der Physik zu sprechen. K\u00fcnstliche Modelle, die das menschliche Gehirn nachbilden sollen, d\u00fcrfen die mentalen Prozesse niemals gegenst\u00e4ndlich, sondern stets in Relationen &#8220;denken&#8221;. Wir ben\u00f6tigen also kontinuierliche Modelle.<\/p>\n<p>Mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft, die wie gesagt auf der zweiwertigen Logik basiert, kann das Leben, und damit das Denken, nur vorsausgesetzt werden. Will man aber menschliche Gehirne k\u00fcnstlich konstruieren, ist das der falsche Ansatz. Es m\u00fcsste also, um zum Ziel zu gelangen, der  Wissenschaftsansatz fundamentaler gedacht werden, und dabei f\u00fchrt prinzipiell kein Weg an der Logik vorbei. Gesucht ist also ein Logiksystem, das nicht nur allen wissenschaftlichen Disziplinen zugrunde liegt, sondern der es vor allem erm\u00f6glicht, die selbstr\u00fcckbez\u00fcglichen, die selbstreferentiellen prozessualen Strukturen lebender Systeme widerspruchsfrei zu modellieren und zu simulieren, und der letztendlich zu operationsf\u00e4higen Implementationen, zu technischen Artfakten f\u00fchrt. Wir ben\u00f6tigen also eine standpunktabh\u00e4ngige Logik, die die zweiwertige Logik nach Aristoteles nicht ist. F\u00fcndig wird man an dieser Stelle bei der Polykontexturalen Logik von Gotthard Guenther. Details dazu finden Sie in der Sektion <a href=\"http:\/\/www.conny-dethloff.de\/erkenntnistheorie.html\">Erkenntnistheorie<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Fazit: Die Funktionsweise des Gehirn ist derzeit f\u00fcr uns Menschen nicht denk- und formalisierbar. In dieser Situation davon zu reden, wir w\u00e4ren schon am Limit unseres Denkens angekommen, weil wir es garnicht mehr brauchen, ist fatal. Das zweiwertige Denken ist am Ende. Das stimmt. Aber das mehrwertige, besser mehrstellige, Denken ist erst im Aufbau begriffen. Allerdings wird die Notwendigkeit daf\u00fcr noch nicht erkannt.<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-245\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"e6232bb9ca\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_245_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(245, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_245_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(245, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_245_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(245, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_245_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(245, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_245_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(245, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (Keine Bewertungen bislang. Geben Sie doch die erste ab.)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_245_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-245-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel, gefunden in der Welt, suggeriert das jedenfalls. Aber stimmt das? Ist Denken wirklich out, weil Maschinen bald das Denken f\u00fcr uns \u00fcbernehmen werden? Ich sage ganz klar NEIN. Warum, werde ich jetzt ausf\u00fchren. Das Wahrnehmen ist von &hellip; <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=245\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[84,39,32,47,40,29],"class_list":["post-245","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denken","tag-denken","tag-kunstliche-intelligenz","tag-logik","tag-polykontexturalitat","tag-robotik","tag-wahrnehmen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=245"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1789,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/245\/revisions\/1789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}