{"id":2436,"date":"2013-03-06T11:27:03","date_gmt":"2013-03-06T10:27:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=2436"},"modified":"2013-03-07T07:15:32","modified_gmt":"2013-03-07T06:15:32","slug":"kennzahlen-in-unternehmen-eine-versohnung-ist-angebracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=2436","title":{"rendered":"Kennzahlen in Unternehmen \u2013 eine Vers\u00f6hnung ist angebracht"},"content":{"rendered":"<p>Der Artikel <a href=\"http:\/\/wirdemo.buergerstimme.com\/2013\/03\/ein-unternehmen-ohne-ampeln-werte-als-kraftfeld-von-entscheidungen\/\">Ein Unternehmen ohne Ampeln \u2013 Werte als Kraftfeld von Entscheidungen<\/a> der Plattform <a href=\"http:\/\/wirdemo.buergerstimme.com\/about\/\">Initiative Wirtschaftsdemokratie<\/a> hat mich motiviert, meine Gedanken und Ideen zum Thema Kennzahlen in Unternehmen zu konkretisieren.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich lasse ich mich beim Analysieren und L\u00f6sen von Problemen immer mehr vom Vers\u00f6hnungsgedanken leiten. <a href=\"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~gerbrehm\/GG_Seite.htm\">Gotthard G\u00fcnther<\/a>, den ich bereits des \u00d6fteren in meinem Blog erw\u00e4hnt habe, hat mich mit seinem Zitat<\/p>\n<blockquote><p>Wenn ein Problem wieder und wieder auftaucht und keine L\u00f6sung gefunden werden kann, dann sollte man nicht danach fragen, was die Vertreter gegens\u00e4tzlicher Standpunkte voneinander unterscheidet, sondern was sie gemeinsam haben. Das ist der Punkt, wo die Quelle des Missverst\u00e4ndnisses liegen muss.<\/p><\/blockquote>\n<p>in diese Richtung geleitet.<\/p>\n<p>Ich stelle mir beim L\u00f6sen von Problemen stets ein Band vor. Das Problem befindet sich auf der einen Seite des Bandes. Die L\u00f6sung aber nicht auf der anderen Seite, sondern h\u00e4ufig in der Mitte zwischen beiden Polen. H\u00e4ufig wird aber genau so vorgegangen, dass beim Probleml\u00f6sen eine komplette Kehrtwende eingeschlagen wird und Alles verteufelt wird, was mit dem Problem in Verbindung gesetzt wird.<\/p>\n<p>Beim Probleml\u00f6sen sollte man also weder<\/p>\n<blockquote><p>das Kind mit dem Bade aussch\u00fctten<\/p><\/blockquote>\n<p>noch<\/p>\n<blockquote><p>sollte man Angst vor Wasser haben, wenn man sich waschen m\u00f6chte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vers\u00f6hnung bedeutet also weg vom <b>ENTWEDER-ODER<\/b> hin zum <b>SOWOHL-ALS-AUCH<\/b> Denken. Das m\u00f6chte ich an dem Beispiel der Unternehmensf\u00fchrung andeuten und mich dabei auf den im ersten Satz gelinkten Artikel (im Folgenden als Referenzartikel bezeichnet) beziehen.<\/p>\n<p><b>Ergebnis- vs. Prozessorientierung<\/b><\/p>\n<p>Wie schafft man Orientierung in einem Unternehmen im Sinne eines gemeinsam gewollten Ganzen? Bei der Besch\u00e4ftigung mit dieser Frage fokussiert man sich zun\u00e4chst auf einen Zielzustand: Was soll erreicht werden? Man argumentiert ergebnisorientiert. Wurde hier Einigung erzielt, wird ausgearbeitet, wie dieser Zustand (diese Zust\u00e4nde) erreicht werden soll(en). In dieser Phase geht man dann in die Prozessorientierung \u00fcber. Die Orientierung erreicht ihre Reife im Sinne eines Prozessmanagements. Es werden Rollen, Aktivit\u00e4ten, Verantwortlichkeiten etc. definiert und diese gesteuert.<\/p>\n<p>Hat man einen bestimmten und gew\u00fcnschten Zielzustand in der Zukunft im Fokus (Ergebnisorientierung), sind Aktivit\u00e4ten, diesen zu erreichen, Mittel zum Zweck. Geht man in die Phase der Prozessorientierung \u00fcber, werden diese Aktivit\u00e4ten ganz schnell zum Selbstzweck. Diese Pfadabh\u00e4ngigkeit kann man dann auch nicht mehr so einfach verlassen, da Rollen und Verantwortlichkeiten und damit Existenzen von Menschen daran gekoppelt sind.<\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich das Beispiel der Verkehrsregeln aus dem Referenzartikel anf\u00fchren. Wenn wir unseren Kindern das \u00dcberqueren einer Stra\u00dfe mit Ampel erlernen lassen m\u00f6chten, geben wir ihnen ein Ziel mit auf dem Weg: &#8220;Unbeschadet auf der anderen Stra\u00dfenseite ankommen.&#8221; Nat\u00fcrlich ist die Ampel ein Referenzobjekt, an dem sich die Kinder ausrichten. Bei ROT auf jeden Fall stehenbleiben. Bei GR\u00dcN kann man gehen, allerdings abh\u00e4ngig vom Stra\u00dfenverkehr. Wir w\u00fcrden nicht ansatzweise auf die Idee kommen unseren Kindern ein Prozessmodell mit allen m\u00f6glichen Parametern<\/p>\n<ul>\n<li>Art der Fahrzeuge<\/li>\n<li>Beschaffenheit der Stra\u00dfe<\/li>\n<li>Wetterverh\u00e4ltnisse<\/li>\n<li>Tageszeit<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<p>erlernen zu lassen. Warum? Weil wir wissen, dass wir nicht im Stande sind, alle Eventualit\u00e4ten durchzudeklinieren. Es k\u00f6nnen Umst\u00e4nde auftreten, die wir nicht vorhersehen k\u00f6nnen. Das wissen wir. Vor \u00dcberraschungen sind wir nicht gefeit.<\/p>\n<p>Ist es in Unternehmen denn anders? Nat\u00fcrlich nicht. Nur warum handeln wir im beruflichen Umfeld anders? Warum negieren wir im beruflichen Umfeld \u00dcberraschungen? Prozessmanagement und Planung tr\u00e4gt beispielsweise zum Nicht-Anerkennen-Wollen von \u00dcberraschungen bei.<\/p>\n<p>Mit jeder Aktivit\u00e4t, die in einem Unternehmen ausgef\u00fchrt wird, sollte stets die Frage einhergehen, welchen Mehrwert im Sinne des gew\u00fcnschten gemeinsam gewollten Zielzustandes diese Aktivit\u00e4t stiftet. Die Aktivit\u00e4ten, f\u00fcr die eine Beantwortung nicht gegeben werden kann oder wo man sich damit schwer tut, sind Streichkandidaten.<\/p>\n<p>Ich steuere beispielsweise meine Projekte, f\u00fcr die ich als Projektleiter verantwortlich bin, grunds\u00e4tzlich nur \u00fcber Ergebnisse und Teilergebnisse, niemals \u00fcber Aktivit\u00e4ten. Die Verantwortlichen der einzelnen Ergebnisse machen sich nat\u00fcrlich dediziert Gedanken, wie sie die Ergebnisse und Teilergebnisse am besten erreichen k\u00f6nnen. Sie sind auf Aktivit\u00e4ten- und damit auf Prozessebene unterwegs.<\/p>\n<p>Es muss also stets ein gesunder Mix zwischen Ergebnis- und Prozessorientierung bestehen. Ohne Prozessorientierung gibt es erst gar kein Ergebnis und ohne Ergebnisorientierung verkommen Prozesse zum Selbstzweck. Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p><b>Ergebnisorientierung ist nicht gleich Ergebnisorientierung<\/b><\/p>\n<p>Das folgende Zitat des Referenzartikels<\/p>\n<blockquote><p>Kennzahlen, Ziele, Anweisungen, Prozessvorgaben, Checklisten, sie wirken alle wie Scheuklappen. Ich spreche mich nicht grunds\u00e4tzlich gegen diese Instrumente aus. Als Mittel der Selbstorganisation k\u00f6nnen sie n\u00fctzlich sein. Als Mittel der Fremdsteuerung sind sie jedoch fahrl\u00e4ssig. Denn sie ignorieren die Dynamik unserer Welt. Sie nehmen an, die Welt sei perfekt.<\/p><\/blockquote>\n<p>sollte man am besten in Schriftgr\u00f6\u00dfe 50 und fett unterstrichen auff\u00fchren. Allerdings m\u00f6chte ich dieses Zitat folgend differenzierter betrachten, da in diesen S\u00e4tzen Ergebnis- und Prozessorientierung vermengt wird. Das wir bei Anweisungen, Prozessvorgaben, Checklisten etc. (Prozessorientierung) Nebel erzeugen, der uns bei der Wahrnehmung der Vorkommnisse in der Umwelt hinderlich ist, habe ich oben aufgezeigt.<\/p>\n<p>Im Folgenden m\u00f6chte ich mich auf Kennzahlen (Ergebnisorientierung) st\u00fcrzen und aufzeigen, dass auch hier der Nebel sehr leicht aufziehen kann.<\/p>\n<p><em>Was ist eigentlich der Sinn und Zweck von Kennzahlen?<\/em><\/p>\n<p>Kennzahlen reduzieren Komplexit\u00e4t, wie in dem Referenzartikel auch angemerkt. Genauer gesagt reduzieren sie die Eigenkomplexit\u00e4t eines Unternehmens. Mit dieser Reduktion schaffen sie eine Basis f\u00fcr ein gemeinsames Handeln. Man k\u00f6nnte auch sagen, dass mit Hilfe der Kennzahlen ein Abbild des Marktes erzeugt wird, nach dem ein Unternehmen sich ausrichtet und agiert. Kennzahlen reduzieren aber nicht direkt die Fremdkomplexit\u00e4t des Marktes (Details: <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1079\">Dialog zu den Themen Komplexit\u00e4t, Entropie, (Nicht)Wissen und ihre Auswirkungen auf Ethik und Entscheidungen<\/a>). Denn, wird innerhalb eines Unternehmens streng nach bestimmten Kennzahlen gesteuert, hat das einen Einfluss auf die Mitarbeiter des Unternehmens. Sie schr\u00e4nken dadurch den Optionsraum der Handlungen der Mitarbeiter ein und reduzieren so die Eigenkomplexit\u00e4t des Unternehmens. Allerdings hat diese Handlungsleitung keinen direkten Einfluss auf den Markt (Kunden, Lieferanten, Wettbewerber). Der Markt h\u00f6rt nicht auf diese Kennzahlen, auch wenn wir es gerne h\u00e4tten. Die Fremdkomplexit\u00e4t bleibt also erst einmal konstant und damit wird die Schere zwischen Eigen- und Fremdkomplexit\u00e4t gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Allerdings muss man bei der Komplexit\u00e4tsreduktion bedenken, dass <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=635\">nicht alles messbar<\/a> ist, was wir gerne messen w\u00fcrden. Hier wird der Br\u00fcckenschlag von der toten zur lebendigen Wissenschaft zu kurz gefasst. In dem wir etwas messbar machen, reduzieren wir die Komplexit\u00e4t des zu Messenden, und hier meine ich dann wieder die Eigenkomplexit\u00e4t des Unternehmens, nicht die des Marktes, denn dem Markt ist relativ egal, wie das Abbild von ihm im Unternehmen ausschaut. Das kann dann dazu f\u00fchren, dass die Eigenkomplexit\u00e4t so gering ist, dass sie nicht mehr im Einklang zur Fremdkomplexit\u00e4t steht und damit Unternehmen nicht mehr lebensf\u00e4hig sind (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ashbysches_Gesetz\">Gesetz von Ashby<\/a>).<\/p>\n<p>Auf der einen Seite sollte also nicht mit aller Wucht ALLES, was gesteuert werden soll, in Kennzahlen abgebildet werden, besonders die Themen nicht, die nicht messbar sind und das sind in der Regel die Themen, die massiv von Menschen abh\u00e4ngen (Man k\u00f6nnte nun nat\u00fcrlich die Diskussion aufmachen, ob nicht Alles in Unternehmen von Menschen abh\u00e4ngt. Ja tut es.). Diese werden in der Literatur oft als softe Faktoren hervorgehoben. Zum Anderen werden aber Kennzahlen genutzt um Handlungsf\u00e4higkeit herzustellen, da sie Basis f\u00fcr Verst\u00e4ndigung herstellen. Auch hier ist also eine Vers\u00f6hnung angesagt.<\/p>\n<p>Kennzahlen sind also grunds\u00e4tzlich notwendig. Allerdings d\u00fcrfen sie nicht zum Selbstzweck mutieren. In einem Unternehmen sollte nicht agiert werden, um einen gewissen Wert f\u00fcr eine Kennzahl zu erreichen, \u00e4hnlich wie Kinder in der Schule nicht lernen sollten, um eine gute Zensur zu erreichen.<\/p>\n<p>In gewisser Weise kann man Kennzahlen mit unserer Sprache und unserer Schrift vergleichen. Beim Sprechen und beim Schreiben wird auch eine Projektion in ein Abbild der Umwelt durchgef\u00fchrt, welches als Verst\u00e4ndigungsbasis dient. Alleine schon das Sprechen und das Schreiben bedeutet Komplexit\u00e4tsreduktion. Nur weil im Rahmen von Kommunikation Missverst\u00e4ndnisse aufkommen, w\u00fcrden wir auch nicht auf die Idee kommen, Sprache und Schrift abzuschaffen.<\/p>\n<p>Diese Notwendigkeit einer Vers\u00f6hnung l\u00e4sst mich auch stets ganz oft zu dem Satz hinrei\u00dfen, dass wir niemals Komplexit\u00e4t beherrschen k\u00f6nnen, allenfalls k\u00f6nnen wir sie handhaben.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-2436\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"ca4694a50e\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_2436_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(2436, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_2436_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(2436, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_2436_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(2436, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_2436_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(2436, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_2436_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(2436, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>4<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_2436_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-2436-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel Ein Unternehmen ohne Ampeln \u2013 Werte als Kraftfeld von Entscheidungen der Plattform Initiative Wirtschaftsdemokratie hat mich motiviert, meine Gedanken und Ideen zum Thema Kennzahlen in Unternehmen zu konkretisieren. 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