{"id":221,"date":"2010-10-13T16:55:00","date_gmt":"2010-10-13T15:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=221"},"modified":"2017-11-22T07:07:26","modified_gmt":"2017-11-22T06:07:26","slug":"ki-in-wie-weit-moglich-und-wie-gefahrlich-ist-das-konstruieren-intelligenten-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=221","title":{"rendered":"KI &#8211; in wie weit m\u00f6glich und wie gef\u00e4hrlich ist das Konstruieren intelligenten Lebens?"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Rudolf Kaehr<\/em><\/strong>, einer der Sch\u00fcler von <strong><em>Gotthard G\u00fcnther<\/em><\/strong>, spricht \u00fcber den Forschungsstand der K\u00fcnstlichen Intelligenz:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Rudolf Kaehr \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz 1 of 6\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/R9lnSor4QFo?list=PLF68FC3369F08C209\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Zweig der K\u00fcnstlichen Intelligenz versucht seit mehreren Jahren Roboter zu konstruieren, die \u00e4hnlich agieren wie Menschen. Das heisst, es soll intelligentes Leben k\u00fcnstlich kreiert werden. Um zu eruieren, wie weit oder nah die Forschung derzeit davon entfernt ist, muss man sich vor Augen f\u00fchren, was den Menschen, als Sinnbild f\u00fcr intelligentes Leben, charakterisiert. Ich m\u00f6chte hier auf drei Themen eingehen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bewusstsein:<\/strong> Der Mensch kann zwischen sich und seiner Umgebung unterscheiden und dass auch in einer unstrukturierten Umgebung. Das bedeutet, diese Umgebung ist nicht vorher bestimmt und kann sich \u00e4ndern. Aus dieser Sicht ist eine strukturierte Umgebung keine wirkliche Umgebung, denn sie ist in das System &#8220;Mensch&#8221; einprogrammiert. Ein Beispiel f\u00fcr solch strukturierte Umgebung f\u00fcr einen Roboter, der T\u00fcren an Autos zusammenschrauben soll, w\u00e4re das Auto, die T\u00fcren sowie die Schrauben. Diese ist vorbestimmt und Teil des Roboterprogramms, damit also Teil des Systems &#8220;Roboter&#8221;. Eine unstrukturierte Umgebung w\u00e4re die Motorhaube. W\u00fcrden die heutigen Roboter auch Motorhauben der Autos verschrauben k\u00f6nnen, ohne dass der Mensch eingreift?<\/li>\n<li><strong>Lernen:<\/strong> Der Mensch ist in der Lage zu lernen. Er kann sich ein Ziel setzen und kann dieses Ziel aufgrund von Ergebnissen von Selbstreflektionen \u00e4ndern. Der Mensch durchl\u00e4uft beim Lernvorgang einen Prozess, den er selbst\u00e4ndig \u00e4ndern kann. Projeziert auf einen Roboter w\u00e4re dies das selbst\u00e4ndige \u00c4ndern seines Programmcodes. Gregory Bateson hat 3 Begriffe gepr\u00e4gt: Lernen_0, Lernen_1 und Lernen_2. Das Lernen_0 ist kein &#8220;wirkliches&#8221; Lernen, was die Menschen darunter verstehen. Lernen_0 beobachtet man bei einer Heizungsanlage, die mittels des Thermostates und des Reglers eine Isttemperatur auf eine Solltemperatur abstimmt. Beim Lernen_1 wird die zu erreichende Solltemperatur von der Heizungsanlage hinterfragt und kann gegebenenfalls angepasst werden. Dann erst wird die Isttemperatur gegen die Solltemperatur von der Heizungsanlage validiert und ggf. angepasst. Lernen_2 bedeutet in diesem Kontext dass nicht nur die Solltemperatur von der Heizungsanlage validiert und angepasst wird, sondern auch der Prozess, wie die Isttemperatur auf die Solltemperatur abgestimmt wird (vielleicht durch W\u00e4rmeenergie statt durch \u00d6l). Haben wir solch eine Heizungsanlage schon einmal gesehen? Oder sind wir generell einer solchen Maschine schon einmal begegnet?<\/li>\n<li><strong>Ged\u00e4chtnis:<\/strong> Noch immer transportieren unsere Umschreibungen f\u00fcr die perfekte Erinnerung die Vorstellung, Ged\u00e4chtnis sei tats\u00e4chlich in erster Linie ein Speicher, in dem so etwas wie Wissen abgelegt ist. Eine Vorstellung, die zudem noch immer das Ideal der Schulbildung zumindest in der \u00d6ff entlichkeit pr\u00e4gt, man m\u00fcsse den Kindern m\u00f6glichst viel Wissen beibringen. Es bleibt aber in erster Instanz festzuhalten, dass es ein wesentliches Charakteristikum des menschlichen Gehirns ist, m\u00f6glichst alles mit allem zu vernetzen. Unsere Erinnerung sitzt folglich nicht in irgendwelchen Nervenzellen, sondern besteht im wesentlichen aus einer verst\u00e4rkten Verkn\u00fcpfung von Nervenzellen. Also verabschieden wir uns von der       Speicherung von Wissen im herk\u00f6mmlichen Sinne. Es gibt bildlich gesprochen keinen Beh\u00e4lter im menschlichen Gehirn, der Wissen speichert und den man einfach so l\u00f6schen kann \u00e4hnlich einer Badewanne mit Wasser.  Des Weiteren l\u00e4sst sich feststellen, dass der Mensch Erinnerungen auch &#8220;wegschmei\u00dfen&#8221; kann. Das passiert meist unbewusst und ist wichtig, damit der Mensch in seiner Umwelt \u00fcberleben kann. W\u00fcrden wir uns alle Standorte merken, an dem wir jemals unser Auto geparkt haben, h\u00e4tten wir in einer speziellen Situation ein riesiges Problem unser Auto zu finden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als n\u00e4chstes m\u00f6chte ich anmerken, wo derzeit Probleme bestehen, die drei oben genannten Eigenschaften maschinell abzubilden. Die Mathematik, wie wir sie derzeit nutzen, kann Selbstbez\u00fcglichkeit nicht abbilden. Beim Versuch dieses zu tun, erhalten wir Paradoxien. Ein Beispiel ist der Satz: &#8220;Ich l\u00fcge gerade&#8221;. Ich mache eine Aussage \u00fcber eine parallel zum von mir ausgesprochenen Satz ausgef\u00fchrte T\u00e4tigkeit. Wenn ich gerade l\u00fcge erzeugt der Satz die Information, dass ich gerade nicht l\u00fcge. Wenn ich gerade nicht l\u00fcge erzeugt der Satz die Information, dass ich gerade l\u00fcge. Also ein Paradox. Die Russellsche Typentheorie sagt aus, dass in der klassischen zweiwertigen Logik von Aristoteles keine Menge ein Element ihrer selbst sein kann. Darauf baut unsere Mathematik auf, womit Selbstbez\u00fcglichkeiten und Paradoxien quasi ausgeschlossen werden. Bewusstsein zeichnet sich aber durch Selbstbez\u00fcglichkeit aus. Wenn wir uns im Spiegel betrachten, dann erkennen wir unser Spiegelbild als Abbild unser selbst und nicht als unser Original. Das bedeutet wir Menschen sind in der Lage die Unterscheidung zwischen uns und der Umgebung in uns abzubilden.<\/p>\n<p>Wenn das Gehirn \u00fcber das Gehirn nachdenkt, und das muss ja so sein, wenn wir Menschen unser Gehirn nachkonstruieren wollen, dann kann das nie vollst\u00e4ndig sein. Ein Baby kann beispielsweise noch nicht sein Spiegelbild von sich selbst unterscheiden. Malt man einem Baby einen Punkt ins Gesicht und setzt es vor einem Spiegel, dann versucht es den Punkt im Spiegelbild zu ber\u00fchren oder wegzuwischen. Das Selbstbewusstsein wird im Laufe der Zeit gebildet. Aber niemand kann genau sagen, welche Aktionen oder welche Begebenheiten genau und exakt wie dazu beitragen. Es passiert quasi aus sich selbst heraus. <\/p>\n<p>Mit der derzeitigen Mathematik und Logik ist es noch nicht einmal m\u00f6glich, Eigenschaften intelligenten Lebens zu beschreiben, geschweige denn dieses zu konstruieren. Wir ben\u00f6tigen also eine Logik, die Subjektivit\u00e4ten einbezieht. Die zweiwertige Logik leistet dies nicht. Gibt es eine Alternative zur zweiwertigen Logik von Aristoteles? Ja, die gibt es. Ich m\u00f6chte eine &#8211; die <a href=\"http:\/\/www.conny-dethloff.de\/erkenntnistheorie.html\">Polykontexturalit\u00e4tstheorie<\/a> von Gotthard G\u00fcnther &#8211; kurz erl\u00e4utern. F\u00fcr ein detailliertes Erfassen der Ideen von G\u00fcnther verweise ich gerne auf die einschl\u00e4gige Literatur von Ihm oder von Rudolf Kaehr und Eberhard von Goldammer. G\u00fcnther erweitert in seiner Theorie die Logik von Aristoteles um mehrere Kontexturen, deshalb Polykontexturalit\u00e4t. Eine Kontextur wird als zweiwertiger Strukturbereich, also zweiwertige Logik, definiert. Die Logik von Aristoteles befasst sich immer nur mit einer Kontextur, sinnbildlich also nur mit einem Thema. Sie ist monothematisch. Durch die Polykontexturen k\u00f6nnen also subjektive Sichten auf ein und dasselbe Thema abgebildet werden. Jeder Mensch begreift die Welt mit derselben zweiwertigen Logik, aber er begreift sie jeweils mit anderen Subjektivit\u00e4ten. Benutzen alle Menschen dieselbe Logik, aber jeweils subjektiv bewertet, so sind auch die Ergebnisse verschieden. Die zweiwertige Logik unterscheidet zwischen Subjekt und Objekt. Betrachte ich diese Unterscheidung aus meiner Sicht, dann bin ich das Subjekt und alles andere ist Objekt, also auch Sie als Leser dieses Artikels. Nutze ich also die zweiwertige Logik, beispielsweise in einem Gespr\u00e4ch, dann setze ich Sie mit einem Ding gleich. Sie ver\u00e4ndern sich also nicht, \u00e4ndern nie Ihre Meinung. Das ist wohl ein wenig zu arg trivialisiert. Finden Sie nicht auch? Die zweiwertige Logik bleibt innerhalb der jeweiligen Kontexturen unangetastet, wird aber vervielf\u00e4ltigt. Kontextur\u00fcbergreifend gelten die 3 Axiome der zweiwertigen Logik aber nicht mehr: Es kann ein drittes und noch mehr geben und Kontexturen k\u00f6nnen sich widersprechen. Es ergeben sich im einfachsten Fall drei Kontexturen: ICH\/DU, ICH\/ES und DU\/ES. ICH, DU (alle zus\u00e4tzlichen Gespr\u00e4chsteilnehmer) und ES (die Umwelt). Jedes DU ist von sich aus gesehen ein ICH. Mit dieser Theorie k\u00f6nnten also Eigenschaften intelligenten Lebens beschrieben werden.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir intelligentes Leben auch konstruieren? Ein menschliches Gehirn kann, wie oben angemerkt, niemals vollst\u00e4ndig \u00fcber das menschliche Gehirn nachdenken. Ein menschliches Gehirn kann deshalb auch nicht vollst\u00e4ndig von Menschenhand erschaffen werden. Der Mensch kann nur die Rahmenbedingungen kreieren, in welchen sich die Maschine durch Lernen vervollkommnet. Wie das Lernen funktioniert k\u00f6nnen wir ja mit der Polykontexturalit\u00e4tstheorie beschreiben. Allerdings sollten wir bedenken, dass wir nie genau vorhersagen k\u00f6nnen, was Ergebnis des Lernvorgangs der Maschinen ist. Diese Lernvorg\u00e4nge sind dem Versuch-und-Irrtum Prinzip unterlegen, was wir bei uns selbst ja auch feststellen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Aus meiner Sicht m\u00fcssen wir also noch sehr lange auf einen intelligenten Robotfreund warten. Vielleicht ist das ja auch gut so.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-221\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"03a5f785df\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_221_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(221, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.3, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_221_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(221, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.3, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_221_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(221, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.3, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_221_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(221, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.3, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_221_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_half.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(221, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.3, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>3<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.33<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_221_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-221-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rudolf Kaehr, einer der Sch\u00fcler von Gotthard G\u00fcnther, spricht \u00fcber den Forschungsstand der K\u00fcnstlichen Intelligenz: Der Zweig der K\u00fcnstlichen Intelligenz versucht seit mehreren Jahren Roboter zu konstruieren, die \u00e4hnlich agieren wie Menschen. 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