{"id":1920,"date":"2012-12-06T09:49:44","date_gmt":"2012-12-06T08:49:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1920"},"modified":"2013-01-24T10:12:46","modified_gmt":"2013-01-24T09:12:46","slug":"dialog-zum-thema-freiheit-gerechtigkeit-und-fairness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1920","title":{"rendered":"Dialog zum Thema Freiheit, Gerechtigkeit und Fairness"},"content":{"rendered":"<p>Ein sehr aktiver Wegbegleiter meiner Reise des Verstehens, Sascha Meyer, hat mich vor geraumer Zeit zu einer Diskussion zum Thema Freiheit, Gerechtigkeit und Fairness eingeladen. Nachfolgend m\u00f6chte ich Ihnen diesen anreichen.<\/p>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Dethloff,<\/p>\n<p>hatten Sie schon Zeit, den Video-Podcast sich anzusehen?<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"380\" height=\"215\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/J0xIyc6nxDw\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Mich w\u00fcrde sehr interessieren, wie Sie zu dem von Herrn Christian Lindner definierten Freiheits- und Gerechtigkeitsbegriff stehen? Um es vorweg zu nehmen: F\u00fcr mich ist die Vertragsfreiheit (also die rechtliche Freiheit) nicht gleichzusetzen mit dem gesamten Freiheitsbegriff. Freiheit umfasst immer auch die moralische, soziale sowie die Wirklichkeit umfassende Komponente.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihr Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Meyer,<\/p>\n<p>ich habe mir das Video angeschaut. Es birgt auf jeden Fall Futter f\u00fcr reichlich Gespr\u00e4chsstoff. F\u00fcr eine Diskussion \u00fcber Gerechtigkeit, Fairness und Freiheit ist es unerl\u00e4sslich die Begriffe zu definieren und gegebenenfalls zu s\u00e4ubern. Im ersten Moment finde ich die Unterscheidung, die Christian Lindner trifft, passend.<\/p>\n<p>Fair sein bedeutet, dass man sich an vorher ausgemachte Spielregeln h\u00e4lt. Sehr oft treffen wir den Begriff im Sport an. Im 100-Metersprint der M\u00e4nner beispielsweise m\u00fcssen alle L\u00e4ufer 100 Meter laufen und nach einem Startschuss starten. W\u00fcrde ein Sprinter 10 Meter vor der Startlinie starten d\u00fcrfen oder w\u00fcrde ein Sprinter gedopt sein und dadurch k\u00fcnstlich seine Leistungsf\u00e4higkeit erh\u00f6hen, w\u00e4re das in meinen Augen nicht fair und man m\u00fcsste einschreiten. Allerdings w\u00fcrde man Usain Bolt kurz vor dem Ziel nicht anhalten langsamer zu laufen, damit die anderen Sprinter ihn einholen. Das w\u00fcrde nicht unter Fairness fallen. Auch unter Einhaltung von Spielregeln und damit Fairness k\u00f6nnen also Ungleichheiten entstehen. Sport w\u00fcrde ja sonst keinen Sinn machen.<\/p>\n<p>Wenn fair sein bedeutet sich an Spielregeln zu halten, was bedeutet dann Gerechtigkeit? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem Gesagten zustimmen kann, dass Gerechtigkeit etwas Absolutes in sich birgt und Fairness etwas Relatives. Das Relative bei Fairness w\u00e4ren die Spielregeln, die von Menschenhand und \u2013kopf erschaffen wurden. Was hei\u00dft hier in diesem Zusammenhang absolut? Ist Gerechtigkeit an etwas ausgerichtet, dass nicht von Menschen erschaffen wurde? Das finde ich schwierig zu akzeptieren. Ben\u00f6tigen wir \u00fcberhaupt diese Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Fairness?<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt man beispielsweise das deutsche Wort &#8220;Gerechtigkeit&#8221; ins Englische erh\u00e4lt man unter anderem das Wort &#8220;Fairness&#8221;. Allerdings ist das Wort &#8220;Fairness&#8221; auch eingedeutscht worden. Hat das deutsche Wort &#8220;Fairness&#8221; eine andere Bedeutung als das englische Wort &#8220;Fairness&#8221;?<\/p>\n<p>Bzgl. der Definition und Abgrenzung von Gerechtigkeit und Fairness interessiert mich Ihre Meinung. Wir ben\u00f6tigen aus meiner Sicht eine gemeinsame Basis f\u00fcr eine nachlaufende Diskussion. Anschlie\u00dfend k\u00f6nnen wir dann in den Dialog bzgl. Freiheit, Vertrag und Leistung gehen. Was meinen Sie?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>ich bin begeistert \u00fcber Ihre Abgrenzung der Begriff Fairness und Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist f\u00fcr mich auch kein absoluter Begriff wie Freiheit. Sie stehen immer in Kontexten von gesellschaftlichen Bedingungen.<\/p>\n<p>Ihr Beispiel mit dem 100m-Lauf finde ich wunderbar. Ich w\u00fcrde sogar noch sch\u00e4rfer formulieren, dass am Beispiel der Bildungspolitik in Deutschland (Stichwort PISA-Studien) erkennbar ist, dass bei drei L\u00e4ufern an einem 100m-Lauf einer die Augen verbunden bekommt, einer die Beine und der dritte darf frei laufen. Wie k\u00f6nnte man anders erkl\u00e4ren, dass bei gleichen Leistungen am Ende der 4. Grundschulklasse Kinder aus bildungsfernem Elternhaus \u00fcberproportional eine Real- oder Hauptschulempfehlung erhalten, w\u00e4hrend Kinder aus Akademikerfamilien eine Empfehlung zum Gymnasium erhalten.<\/p>\n<p>Nicht, dass ich die Haupt- und Realschulen abwerten m\u00f6chten. Aber es ist doch de facto so, dass heutzutage selbst f\u00fcr Ausbildungen der dualen Berufsausbildung, in denen vor 10-20 Jahren noch die Realschule als Auswahlkriterium ausgereicht hatte, heutzutage eine allgemeine Hochschulreife Pflicht ist. Dabei entscheidet bei den dualen Berufsausbildungen der Markt. Und je st\u00e4rker die Marktmacht der Ausbildungsnachfrager (Arbeitgeber), um so mehr wird sich die Orientierung an h\u00f6heren Schulabschl\u00fcssen erfolgen. Dadurch werden die Real- und Hauptschulen abgewertet.<\/p>\n<p>Es kommt dazu, dass Sch\u00fcler, die einen Haupt- oder Realschulabschluss abgeschlossen haben, h\u00e4ufig aufgrund erfolgloser Bewerbungen auf dem Arbeitsmarkt gezwungen sind, weiter im Bildungsbetrieb \u00fcber andere zweite Bildungswege einen Abschluss mit einer offiziell \u00e4hnlichen Qualifizierung einer allgemeinen Hochschulreife zu erhalten. Weitere Optionen sind das Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahr. Diese Qualifizierungsma\u00dfnahmen f\u00fchren aber h\u00e4ufig in die &#8220;Bildungssackgasse&#8221;. Sie f\u00fchren leider zu h\u00e4ufig nicht in eine Besch\u00e4ftigung, sondern l\u00f6sen eine Kaskade des ewigen Sch\u00fclers aus, der nicht in die Arbeitswelt integriert wird.<\/p>\n<p>Was hat dies mit Gerechtigkeit und Fairness sowie Freiheit zu tun? Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass das Prinzip &#8220;F\u00f6rdern und Fordern&#8221; eine wichtige Grundvoraussetzung f\u00fcr ein Funktionieren des Staates und gleichzeitig f\u00fcr einen angemessenen Umgang mit freien, verantwortungsbewussten B\u00fcrgern ist. Wir m\u00fcssen in einer freien Gesellschaft die B\u00fcrger zur Selbstverantwortung erziehen. Gleichzeitig m\u00fcssen wir aber auch Voraussetzungen schaffen, damit die Verantwortlichkeit keine Einbahnstra\u00dfe wird. Auch die Wirtschaft und Verantwortliche des \u00f6ffentlichen Dienstes und die Beamten m\u00fcssen sich ihrer Verantwortung in der Bildungsgesellschaft bewusst werden.<\/p>\n<p>Denn \u00f6konomisch ist Bildung ein \u00f6ffentliches Gut, das hei\u00dft es gibt weder eine Rivalit\u00e4t\/ Konkurrenz noch kann man Personen\/ Institutionen, die nicht in Bildung investiert haben, vom Ertrag der Bildung ausschlie\u00dfen. Hier m\u00fcssen wir die Wirtschaft mehr in die Pflicht nehmen. Korporatismus durch selbstverpflichtende Bestimmungen, zustande gekommen an runden Tischen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Vertretern des Bundes und der L\u00e4nder reichen hier nicht mehr.<\/p>\n<p>Ich glaube hier an die Regionalisierung von Bildungsprojekten, wie sie Prof. Dr. Gerald H\u00fcther in Ermangelung des Zustandekommens der Umsetzung seiner Vorschl\u00e4ge im Zukunftsrat Bildung auf Bundesebene vorgestellt hat. Dabei kann das Zentralabitur, das jetzt vorgeschlagen und partiell umgesetzt wurde, keine L\u00f6sung sein. Es ist nur eine Scheinl\u00f6sung, da es wie eine Prozessmodellierung in Unternehmen starre Strukturen vorgibt, die den Menschen und seine Bed\u00fcrfnisse au\u00dfen vorlassen.<\/p>\n<p>Ich glaube an die Selbstbestimmung und F\u00e4higkeit der Menschen zum freiheitlichen und verantwortungsbewussten Denken. Genauso wie dies meines Erachtens Mitarbeiter in Unternehmen auch k\u00f6nnen. Ein Paradigmenwechsel w\u00e4re angebracht.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle den Bogen zum Thema Burnout spannen. Diesen sehe ich vor allem in der Schaffung von Bedingungen der Angst. Ich m\u00f6chte dies kurz an eigenen Erfahrungen erl\u00e4utern. In der Schule hatte ich nie Interesse an Naturwissenschaften und Mathematik. Meine Interessen gingen in den Bereich Geschichte und Philosophie. Sp\u00e4ter merkte ich, dass die Naturwissenschaften auch sehr interessant sein k\u00f6nnen. Die Wissenschaftsjournalisten Harald Lesch, Ranga Yogeswar und Gerd Scobel haben einen gro\u00dfen Anteil an meiner jetzigen Begeisterung f\u00fcr Themen der Physik, Biologie und Chemie (insbesondere Hirnforschung) sowie Astronomie.<\/p>\n<p>Wie kann das sein? War ich immer zu bl\u00f6de daf\u00fcr? Ich glaube nicht. Eher, dass mein Interesse nicht geweckt wurde, weil zu wenig anschaulich von den P\u00e4dagogen gelehrt.<\/p>\n<p>Ich habe immer noch Angst vor der Mathematik. Wenn ich mir \u00f6konometrische Formelreihen ansehe, bekomme ich einen flauen Magen. Ich bin zwar mittlerweile in der Lage, mich damit auseinanderzusetzen, k\u00f6nnte aber nie wirklich beurteilen, wo der Haken an einer komplexen Formelreihe liegt.<\/p>\n<p>Kleine Bemerkung am Rande: Mir hat Ihr Blog zur Einf\u00fchrung in <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=467\">die Welt der Zahlen<\/a> (Abgrenzung reelle, nat\u00fcrliche Zahlen etc. sehr gefallen, da sehr anschaulich. Ich w\u00fcrde mich freuen, mehr davon zu erfahren.<\/p>\n<p>Ist es die alleinige Verantwortung des Kindes, Interesse f\u00fcr alle relevanten Disziplinen aus sich heraus zu entwickeln? Wie stehen Sie dazu?<\/p>\n<p>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Meyer,<\/p>\n<p>bevor ich auf Ihre Fragen zum Thema Bildung eingehe, m\u00f6chte ich noch einmal die Themen Gerechtigkeit und Fairness in unserer Gesellschaft eingehen.<\/p>\n<p>Wie ich in meiner vorigen Antwort angedeutet habe, ist aus meiner Sicht Gerechtigkeit als auch Fairness auf Relativit\u00e4t aufgebaut. Keines der beiden kann absoluten Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen. Deshalb macht auch f\u00fcr mich eine begriffliche Unterscheidung keinen Sinn. Ich m\u00f6chte also ab jetzt den Begriff Gerechtigkeit nutzen.<\/p>\n<p>Christian Lindner sagt in dem Gespr\u00e4ch mit Richard David Precht, dass Gleichheit die Basis f\u00fcr Gerechtigkeit ist. Wenn Menschen beispielsweise den gleichen Zugang zur Bildung haben, sprechen wir in diesem Fall von Gerechtigkeit. Gleichheit in diesem Zusammenhang finde ich schwierig, denn Menschen sind nun einmal nicht gleich. Jeder Mensch ist f\u00fcr sich genommen einzigartig. Menschen haben beispielsweise unterschiedliche Voraussetzungen f\u00fcr die Bildung. Um dieser Unterschiedlichkeit Rechnung zu tragen, m\u00fcssen wir also Menschen unterschiedlich behandeln, um einen gleichen Zugang zu gew\u00e4hrleisten. Um Gleichheit und Gleichberechtigung im Ergebnis herzustellen m\u00fcssen wir also ungleichberechtigt handeln. Nehmen Sie ein anderes Beispiel. Stellen Sie sich vor ein Unternehmenslenker muss Menschen entlassen. In diesem Entlassungsprozess werden beispielsweise sozial benachteiligte Menschen, hier k\u00f6nnen mehrere Faktoren hineinspielen, gegen\u00fcber anderen Menschen bevorteilt. Oder nehmen Sie die Frauenquote beim Besetzen von Managementpositionen in Unternehmen. Es gibt viele weitere Beispiele, die den Fakt der Ungleichbehandlungen mit dem Ziel des Schaffens einer Gleichheit belegen. Details dazu habe ich unter anderem in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1563\">Diversity Management schafft Einfalt statt Vielfalt<\/a> beleuchtet. Aus meiner Sicht ist also das Thema Gleichheit differenzierter zu betrachten und stellt eine H\u00fcrde beim Schaffen von Gerechtigkeit dar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Rawls\">John Rawls<\/a> stellt sich, dass wird auch in dem Gespr\u00e4ch erw\u00e4hnt, einen Urzustand einer Gesellschaft von Menschen vor, in dem diese im Mantel eines Schleiers leben. Die Menschen wissen dementsprechend nicht um ihre St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Interessen. Um daraus eine gerechte Gesellschaft zu erschaffen muss als erstes gegeben sein, dass gleiche Rechte f\u00fcr alle Menschen herrschen. Des Weiteren m\u00fcssen alle Menschen die gleiche M\u00f6glichkeit des Zugriffs auf die Ressourcen haben. Im Laufe der Entwicklung entstehen nun Ungleichheiten aufgrund der Unterschiedlichkeit der Menschen, wie oben angedeutet. Diese Ungleichheiten sind zu tolerieren, solange die von der Ungleichheit Benachteiligten trotzdem in diesem Zustand besser leben, als wenn es diese Ungleichheit nicht geben w\u00fcrde. Das mutet nat\u00fcrlich sehr theoretisch an, da dieser Vergleich praktisch nicht durchf\u00fchrbar ist.<\/p>\n<p>Lindner spricht in diesem Zusammenhang von gleichen Startchancen f\u00fcr alle Menschen. Was bedeutet das? Wann beginnt f\u00fcr Menschen der Start? Mit der Geburt? Oder schon vorher, da ein Mensch ja beispielsweise in eine Familie hineingeboren wird, die etwas erm\u00f6glicht oder eben nicht. Also beginnt der Start mit dem Geburt der Eltern oder der Gro\u00dfeltern usw. usf. In der heutigen Zeit unserer Gesellschaft, wo wir uns schon lange nicht mehr an der Startlinie befinden, ist das Diskutieren \u00fcber gleiche Startchancen eine reine &#8220;Labordiskussion&#8221;. Es ist m\u00fc\u00dfig \u00fcber den Start zu reden, wenn wir diesen bereits verlassen haben und auch nicht mehr dahin zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Einen Supergau m\u00f6chte ich ausschlie\u00dfen, da alle derzeit lebenden Menschen davon nichts h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ganz ehrlich zu Ihnen sein. Derzeit f\u00e4llt es mir schwer, ein Rezept f\u00fcr das Herstellen von Gerechtigkeit nur ansatzweise zu denken. F\u00fcr mich ist Gerechtigkeit etwas Subjektives. Ich bewerte Gerechtigkeit aus meiner speziellen Situation, in der ich mich befinde, gegen meine speziellen Kriterien. Hier komme ich auf die Spielregeln zur\u00fcck. Spielregeln sollten diese konsensgetragenen Kriterien eigentlich abbilden. Daf\u00fcr m\u00fcsste aber JEDER Beteiligte seinen Anteil an der Definition dieser Spielregeln unter Informationssymmetrie leisten k\u00f6nnen (Wir befinden uns nicht mehr an der Startlinie!!!). Ein Beispiel daf\u00fcr ist unsere \u00d6konomie. Es wurde ebenfalls in dem Gespr\u00e4ch das Verteilungsproblem in unserer Gesellschaft angesprochen. Wir haben aber Spielregeln zwischen Finanz- und Realwirtschaft geschaffen, die alleine durch das Befolgen dieser diese &#8220;ungerechte&#8221; Verteilung schaffen und sogar noch bef\u00fcttern. Details dazu habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=329\">Wir schaffen unsere Finanzkrisen durch das Zinsparadigma selber<\/a> formuliert.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich noch zwei Themen kurz anrei\u00dfen, die ich aus dem Video extrahiert habe, und die ich wertvoll finde im Dialog weiter zu verfolgen.<\/p>\n<p>Zum ersten Punkt. Precht merkt an, dass das Ideal der objektiven Bezahlung nach Leistung nicht gewollt sein kann. In diesem Fall kann Leistungsgerechtigkeit nicht erstrebenswert sein. Denn diese Gerechtigkeit l\u00e4sst keine Ausreden der Menschen f\u00fcr ihren derzeitigen Lebensstandard zu. F\u00fcr die jeweilig derzeitige Lebenssituation kann man dann n\u00e4mlich nur noch Gr\u00fcnde anf\u00fchren, die man selber direkt beeinflussen kann. Man ist dann also komplett verantwortlich. Um die Spielregeln wieder ins Spiel zu bringen. In diesem Fall kann man beispielsweise die missliche Situation, in der man sich vielleicht gerade befindet, nicht an Spielregeln abgeben, die man nicht beeinflussen kann, so wie ich das in der heutigen Zeit h\u00e4ufig beobachte. In diesem Punkt sind wir also froh, dass wir keine Gerechtigkeit haben? Das finde ich interessant. Sie auch?<\/p>\n<p>Nun zum zweiten Punkt. Den Begriff Vertragsfreiheit finde ich paradox. Aus meiner Sicht ist mit dem Begriff das Folgende gemeint. F\u00fcr den Akt des Schlie\u00dfens eines Vertrages bin ich frei. Ist dieser aber abgeschlossen bin ich nicht mehr frei. Jetzt muss ich mich an diesen halten. Der Vertrag spiegelt Spielregeln wieder. Halte ich mich nicht daran, handle ich in den Augen meiner Vertragspartner ungerecht. Also in dem Moment, wo ich mich gerecht verhalte, bin ich unfreier. Ich kann nat\u00fcrlich den Vertrag wieder k\u00fcndigen, um freier zu sein. Daf\u00fcr gibt es aber wieder Spielregeln, quasi Metaspielregeln. Aus diesem Kreislauf komme ich nicht raus. Ebenfalls interessant, oder?<\/p>\n<p>Nun zu Ihren Fragen zum Thema Bildung.<\/p>\n<p>Kinder kommen mit einem enormen Wissensdurst auf die Welt. Sie wollen Alles und Jedes erkunden. Sp\u00e4testens mit dem Eintritt in die Schule wird ihnen dieser Wissensdurst genommen, weil ihnen die Freude und die Begeisterung f\u00fcr das Lernen genommen werden. Gr\u00fcnde daf\u00fcr habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1225\">Verdummt noch mal! oder Was Kinder in der Schule wirklich lernen<\/a> angef\u00fchrt. Das beobachte ich derzeit leider ganz massiv bei meiner Tochter. Diese Erfahrung habe ich sicherlich nicht exklusiv. Zu Ihrer Frage. Kinder \u00fcbernehmen Verantwortung f\u00fcr ihr Lernen. Das tun sie beispielsweise beim &#8220;Gehen lernen&#8221; oder &#8220;Sprechen lernen&#8221;. Eltern m\u00fcssen daf\u00fcr keinen Plan aufstellen. Ab dem Schulalter haben wir allerdings Spielregeln aufgestellt, die dazu beitragen, dass Kinder diese Verantwortung nicht mehr nehmen k\u00f6nnen, was dazu f\u00fchrt, dass wir glauben ihnen Verantwortungsbewusstsein durch eben diese Spielregeln einbimsen zu m\u00fcssen. Wir befinden uns also in einer selbstverst\u00e4rkenden Spirale. Das ist ein absolutes Verbrechen an unsere Kinder und damit an unsere Gesellschaft. Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken dazu.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe, Conny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie das Thema Gerechtigkeit (ich nehme hier die Freiheit und die Fairness bewusst mal raus, komme ich sp\u00e4ter zu) in Bezug zur Ungleichheit der Menschen setzen. Genau das sind die Annahmen von Prof. Dr. Gerald H\u00fcther. Wir sind nicht gleich und sollen es meines Erachtens auch nicht werden. Das w\u00e4re &#8220;Kommunismus&#8221;. Den will ich nicht und den will die Mehrheit auch nicht. Im Gegensatz dazu steht die Maxime des Sozialismus in der Form von Marx und Engels &#8220;Jeder nach seinen Bed\u00fcrfnissen, jeder nach seinen F\u00e4higkeiten.&#8221;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das Thema Gerechtigkeit, die genauso wie die Begriffe Fairness und Freiheit keinen Absolutheitsanspruch auf sich ziehen d\u00fcrfen, mit dem Thema Burnout verkn\u00fcpfen, weil ich, wenn ich Sie richtig verstanden habe, wie Sie der Auffassung bin, dass die Ungleichheit der Menschen aus Ihrer Vielfalt heraus entsteht. Dabei hat jeder seine gesellschaftliche Funktion, diese sowohl \u00f6konomisch (z.B. als Konsument) oder als Rollentr\u00e4ger (z.B. Familienvater, ehrenamtlicher Kassenwart etc.). Sir Ralf Dahrendorf hat zur Vielfalt in der Bildung in den 70-iger Jahren ein Memorandum geschrieben, dass die europ\u00e4ische Bildungspolitik heute noch pr\u00e4gt, das Prinzip der Subsidiarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir nicht nur f\u00fcr die \u00d6konomie leben. Der Soziologe Pierre Bourdieu hat dies mit seiner Unterscheidung der Kapitalarten in \u00f6konomisches, kulturelles (inkorporiertes u. objektiviertes) sowie soziales Kapital verdeutlicht. Dabei wird deutlich, dass Bildung als inkorporiertes Kapital nur mit einem Zeitaufwand und pers\u00f6nlichem Einsatz erwerbbar ist, w\u00e4hrend objektiviertes Kapital in Form von Theaterbesuchen, Erwerb von hochwertigen Bildern etc. auch mit \u00f6konomischem Kapital, aber nicht begleitet sein muss vom Verst\u00e4ndnis der kulturellen Werte. Das soziale Kapital ist nichts anders als die heutigen Netzwerke, die Beziehungen zu Menschen, die einen \u00e4hnlichen sozialen Status haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Bourdieu einen &#8220;Kampf im sozialen Feld&#8221; um diese Kapitalien sieht, in denen diejenigen, die aufgrund eines gr\u00f6\u00dferen \u00f6konomischen Kapitals zwar nicht von vornherein bessere Startbedingungen haben, aber sehr wohl eine finanziell gr\u00f6\u00dfere Unabh\u00e4ngigkeit. Dass die M\u00f6glichkeit der Beschaffung von Unterst\u00fctzung bei Lernschw\u00e4chen eher gegeben zu sein scheint, zeigt der Soziologe Ulrich Beck auf, sowie dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Risiken auf einen gr\u00f6\u00dferen Kreis der Gesellschaft verteilt wird. Als Beispiel nennt er globale Umweltprobleme, vor denen selbst reiche Menschen nicht verschont bleiben.<\/p>\n<p>Als weiteres Beispiel nennt Beck das Aufbrechen alter famili\u00e4rer Strukturen und Beziehungsmuster (Frauen erhalten mehr Rechte, die Gesellschaft wird heterogener, es gibt mehr Migranten). Dabei muss jeder einzelne mehr Risiken eingehen. Jeder Einzelne wird individualisiert. Die Unsicherheit des Lebensstils w\u00e4chst und Familien sind kein dauerhaftes Lebensband mehr.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aus beiden Theorien meine Gedanken bilden. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass Ungleichheit gut und wichtig ist. Wir brauchen unterschiedliche Begabungen in einer arbeitsteiligen Welt. Daher finde ich die Tendenz, dass beispielsweise der Abschluss der Realschule und der Hauptschule von Arbeitgebern derart gering gesch\u00e4tzt wird, nicht gut. Das halte ich f\u00fcr ungerechtfertigt. F\u00fcr die Bewerbung zum Steuerfachangestellten brauchte man fr\u00fcher einen Realschulabschluss, heute das Abitur. Es wird so getan, als wenn sich die Anforderungen dieses Berufes enorm erweitert haben. Stimmt aber nicht. Man braucht weder die Integralrechnung noch Statistik oder Boolesche Algebra. Es reicht, wenn man den Dreisatz bilden kann, die Zinses-Zinsrechnung beherrscht und ben\u00f6tigt ein wenig Allgemeinbildung (aber nicht zu viel), um Small-Talk mit den Mandanten halten zu k\u00f6nnen. Was man meines Erachtens viel eher lernen sollte, ist der Umgang mit schwierigen Konfliktsituationen. Warum lernt man dies weder in der Schule noch in der Ausbildung?<\/p>\n<p>Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass wir diversifizierte, modulartige Ausbildungsformen, wie es sie z.T. in neuen dualen Ausbildungsg\u00e4ngen zum Informatikkaufmann, -frau, Systemanalytiker etc. schon gibt, ben\u00f6tigen. Eine Grundausbildung von z.B. einem Jahr. Danach kann man sich spezialisieren, muss man aber nicht. Der Vertrag mit dem Arbeitgeber liefe dann so, dass man eine stufenweise Ausbildung ohne Zwang zum Abschluss der h\u00f6chsten Stufe machen k\u00f6nnte. So bliebe n\u00e4mlich die Freiheit, seinen Lebensweg st\u00e4rker flexibilisieren zu k\u00f6nnen. Unsere Arbeitswelt ruft doch f\u00f6rmlich danach, oder?<\/p>\n<p>Was den Ruf nach Fachkr\u00e4ften, vor allem Absolventen von Fachhochschul- und Universit\u00e4tsstudieng\u00e4ngen angeht, stehe ich dieser Richtung kritisch gegen\u00fcber. Bei \u00c4rzten, Juristen, Architekten und Ingenieuren sehe ich das ein. Daf\u00fcr brauchen wir hochqualifizierte studierte Fachkr\u00e4fte. Aber im Rechnungswesen verstehe ich das gar nicht. Mir hat mein im Studium erworbenes Wissen so ziemlich gar nicht geholfen, wenn es sich um die L\u00f6sung konkreter Aufgabenstellungen handelte. Eher mein kreativer und querdenkerischer Verstand. So habe ich auch manch \u00e4lteren, erfahrenen Kollegen erlebt, der sich weder an Organigramme, vorgegebene Arbeitsabl\u00e4ufe oder sonstige Direktiven gehalten hat. So konnten wir z.B. die Kennzahl Forderungsumschlag in einem bestimmten Trade nicht bilden, da die Ums\u00e4tze nicht monatsweise abgegrenzt wurden und die Forderungen eine Verrechnung mit Kostenbestandteilen enthielt. Aber die Herrschaften an der Front hatten nat\u00fcrlich einen Plan B. Die Ums\u00e4tze aus Ihren Makros zu extrahieren und dann nur die Forderungen aus den Ums\u00e4tzen entgegenzustellen, die noch au\u00dfen stehend waren. Das klingt vielleicht nicht besonders spannend. Auf die L\u00f6sung sind wir aber erst gekommen, als ich mich als \u201eNeuer auf dem Posten\u201c mich mit den operativen &#8220;Jungs&#8221; mal hingesetzt und gesprochen habe. \u00dcber Jahre hinweg wurde das vorher nicht getan. Soviel dazu, dass in einem Konzern alles richtig l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Und so sieht es doch h\u00e4ufig im Leben aus. Wir lernen nicht nur theoretisch, sondern durch die Erg\u00e4nzung von Theorie und Praxis. Insofern sollte man meines Erachtens die Grundausbildung in verschiedenen Berufen verk\u00fcrzen und das Angebot des &#8220;Lebenslangen Lernens&#8221; erweitern, wie dies ja bereits durch zahlreiche Fernstudienangebote m\u00f6glich ist. Dieses Modell entspricht dem Modell der kommunikativen Interaktionsp\u00e4dagogik von John Dewey.<\/p>\n<p>Zum Begriff der Vertragsfreiheit wollte ich nur kurz anmerken. Ist ein Realsch\u00fcler, der auf dem Markt eine Ausbildungsstelle z.B. zum Steuerfachangestellten sucht, wirklich so frei, wie Herr Lindner es postuliert? Oder sind hier nicht die Kr\u00e4fte von Angebot und Nachfrage entscheidend, die mittlerweile ja stark durch globale Verzerrungen des Marktes eingeschr\u00e4nkt sind. Kann ein \u00f6ffentliches Gut wie die Ausbildung rein vom Markt gesteuert werden.<\/p>\n<p>Ich bin ganz ehrlich. Ich finde nicht, dass John Rawls mit seinem Schleier des Nichtwissens zu einer gerechteren Gesellschaft beitr\u00e4gt. Ist es nicht eher so, dass wir die Ungleichheiten der Sozialisation als Chance nehmen m\u00fcssen und diese gerade in die Beurteilung von Leistung mit einbeziehen m\u00fcssen? Ich glaube in einer zuk\u00fcnftigen Gesellschaft wird es weniger um Status als um die F\u00e4higkeit aus &#8220;alten Schuhen&#8221; Neues zu machen, gehen. Dies wird vor allem im Kleinen passieren, da die h\u00f6heren Ebenen einer solch anpassungsf\u00e4higen Sichtweise schwer zug\u00e4nglich zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Ich freue mich auf Ihre Gedanken.<br \/>\nFreundliche Gr\u00fc\u00dfe, Sascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Meyer,<\/p>\n<p>ich kann Ihnen absolut beipflichten, wenn Sie sagen:<\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte aus beiden Theorien meine Gedanken bilden. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass Ungleichheit gut und wichtig ist. Wir brauchen unterschiedliche Begabungen in einer arbeitsteiligen Welt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Ansinnen kann ich beispielsweise auch hinter den aufgesetzten Diversity-Programmen in Unternehmen erkennen. Allerdings wird diese Absicht aus meiner Sicht \u2013 ich glaube eher unbewusst \u2013 unterlaufen, da in diesen Initiativen dann wieder Gleichmacherei im Ergebnis betrieben wird. Um dieses Gleichmacher-Ergebnis zu erreichen, werden dann gewisse Parteien per Spielregel benachteiligt, andere bevorteilt.<\/p>\n<p>Ich bin ebenfalls der Meinung, dass weiche Faktoren in der Schule mehr in den Vordergrund r\u00fccken m\u00fcssen. Kinder m\u00fcssen in der Schule eine Umgebung vorfinden, in der sie ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Miteinander entwickeln k\u00f6nnen. Stattdessen wird eine Umgebung des Wettbewerbs geschaffen, wo es ausschlie\u00dflich um quantitative harte Fakten geht (Zensuren). Es wird nach dem Motto agiert: &#8220;Immer mehr, immer besser, immer weiter, immer schneller&#8221;. Kooperation ger\u00e4t in den Hintergrund. Aus der Spieltheorie wei\u00df man aber, dass Wettbewerb ausschlie\u00dflich bei Nullsummenspielen zutr\u00e4glich ist. Unsere Gesellschaft ist aber kein Nullsummenspiel. Des Weiteren kann man beobachten, dass Wettbewerb die Spezialisierung f\u00f6rdert. In den Bereichen wo ich bereits gut bin, werde ich weiter in mich investieren, da ich kurzfristig einen Erfolg daf\u00fcr erwarten kann. Wettbewerb erzeugt also Fachspezialisten, die sich schwer tun \u00fcber den Tellerrand hinauszublicken. Kooperation hingegen erzeugt Fortschritt und Weiterentwicklung, da sie Ganzheitlichkeit im Denken und Agieren f\u00f6rdert. F\u00fcr Spezialisierung sind Mangelerscheinungen eine zutr\u00e4gliche Motivation, da der Bedarf ausgemacht werden kann diesen kurzfristig zu beseitigen. Fortschritt ist auf Mittel- bis Langfristigkeit und damit nicht auf Mangelbeseitigung ausgelegt.<\/p>\n<p>Ich glaube auch dass unter anderem unser zu laxes Reflektieren und Benutzen der W\u00f6rter uns darin hindert, diesen Fakt zu akzeptieren. Das ist zumindest ein Grund, den ich hier kurz ausf\u00fchren m\u00f6chte. Ich habe eben bereits den Begriff &#8220;Nullsummenspiel&#8221; in den Ring geworfen. Ich m\u00f6chte das Beispiel FC Bayern M\u00fcnchen bem\u00fchen. Ich h\u00f6re gerade in dieser Saison sehr h\u00e4ufig, dass der Wettbewerb innerhalb der Mannschaft auf bestimmten Positionen durch den Kauf neuer Spieler dazu beigetragen hat, dass die Spieler, die in der vorigen Saison bereits an Bord waren, besser geworden sind. Das m\u00f6chte ich so nicht stehenlassen. Hier muss Wettbewerb differenzierter betrachtet werden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Wettbewerb innerhalb einer Mannschaft zutr\u00e4glich f\u00fcr das Anheben der Gesamtleistung der Mannschaft sein kann. Aus meiner Sicht darf man nicht Konkurrenz mit Wettbewerb in einen Topf werfen. Mehrere Spieler k\u00f6nnen um eine Position innerhalb der Mannschaft konkurrieren, dabei aber trotzdem kooperieren, weil sie sich gerne gegenseitig helfen. Und genau darauf kommt es an. Konkurrenz und Kooperation vertragen sich aus meiner Sicht; Wettbewerb und Kooperation nicht.<\/p>\n<p>H\u00fcther f\u00fchrt in vielen seiner Vortr\u00e4ge auch immer wieder in Bezug auf Wettbewerb aus, dass Menschen in unserer Gesellschaft leider von Beginn ihres Lebens auf den Wirtschaftskonsum vorbereitet werden, da dieser den Gedanken des Wettbewerbs befeuert. Eigentlich wurde aber das System Kapitalismus erfunden, um dem Menschen zu dienen. Mittlerweile wird der Kapitalismus als das Nonplusultra gesehen und die Schwierigkeiten, die derzeit bestehen, mit anderen Themen in Verbindung gebracht. Der Mensch ist Sklave des Systems und dient diesem nur noch.<\/p>\n<p>Ihre Aussagen zu den Fachkr\u00e4ften m\u00f6chte ich mit dem eben Ausgef\u00fchrten aufgreifen und aus meiner Sicht konkretisieren. Wir ben\u00f6tigen mehr Generalisten, die das gro\u00dfe Ganze im Blick haben und die Spezialisten der einzelnen Fachgebiete vernetzen helfen. Damit will ich nat\u00fcrlich nicht sagen, dass wir keine Spezialisten mehr ben\u00f6tigen. Der richtige Mix ist entscheidend. Der Kybernetiker Heinz von F\u00f6rster umschreibt diesen Fakt sehr anschaulich in seiner Unterscheidung zwischen &#8220;Science&#8221; und &#8220;Systemics&#8221;. Science kommt aus dem Indoeurop\u00e4ischen und bedeutet so viel wie &#8220;Scy&#8221;, also Trennen, wobei Systemics so viel bedeutet wie Zusammenf\u00fchren. Details finden Sie in diesem <a href=\"http:\/\/mediathek2.bpb.de\/Dokument\/dokument_6159.pdf\">Transkript mit HvF<\/a> ab Seite 2. Dieses Verbinden, was HvF anspricht, beziehe ich ebenfalls auf die Verschmelzung von Theorie und Praxis, die Sie anmerken. Theorie und Praxis m\u00fcssen sich zirkul\u00e4r gegenseitig befruchten, was derzeit nicht beobachtbar ist.<\/p>\n<p>Bei ihren Ausf\u00fchrungen zur Vertragsfreiheit kann ich Ihnen Recht geben. Das habe ich in meiner vorigen Antwort anzudeuten versucht. Es wird stets Spielregeln geben. Die muss es auch geben, sonst w\u00fcrde es niemals zu einer Einigung im Sinne eines Vertrages kommen k\u00f6nnen. Das impliziert aber eben auch das Relative in der Vertragsfreiheit. Dieses Relative f\u00fchrt auch dazu, dass Freiheit niemals unbedingt sein kann. Freiheit unterliegt stets Bedingungen. Kann man Freiheit in Anbetracht dieser Tatsache dann \u00fcberhaupt noch Freiheit nennen? Aus meiner Sicht ja, denn w\u00fcrden wir die Unbedingtheit dem Begriff Freiheit immer noch anlasten wollen, h\u00e4tten wir einen Begriff geschaffen, der ohne praktische Relevanz w\u00e4re. Das macht in meinen Augen keinen Sinn. Man muss nur die Bedeutung des Wortes Freiheit neu \u00fcberdenken und umdefinieren.<\/p>\n<p>Details zur Bedingtheit der Freiheit k\u00f6nnen Sie in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=425\">Kann ein freier Wille bedingt sein?<\/a> einsehen.<\/p>\n<p>Denkerische Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>ich bin v\u00f6llig d\u2019accord mit Ihren Ausf\u00fchrungen zur Notwendigkeit, das Pendel bei der Auswahl von Fachkr\u00e4ften wieder mehr in Richtung Generalisten verschieben zu lassen. Dabei ist auf eine sinnvolle und ausgewogene Erg\u00e4nzung von Spezialisten und Generalisten zu achten. Ich habe es in der Praxis immer wieder erlebt, dass eine Reihe von Spezialisten nicht in der Lage waren, gro\u00dfe Projekte voranzutreiben, weil Sie sich in Details verloren haben, aber die Grundz\u00fcge \u00fcbersehen haben. <\/p>\n<p>Als Beispiel m\u00f6chte ich einen gro\u00dfen Schifffahrtskonzern in Norddeutschland nennen, der unter Hinzunahme von Spezialisten der Lufthansa, Hapag-Lloyd und weiteren namhaften Beratungsgesellschaften es nicht geschafft hat, weder SAP noch ein anderes ERP-System nach sechs Jahren zur Testphase zu bringen. Und bei der Road Show zur Pr\u00e4sentierung des vorgesehenen ERP-Systems konnte man noch nicht einmal Funktionalit\u00e4ten wie die Stammdatenkoordinierung im Zahlungsverkehr mit Konzernstrukturen, die als Beteiligungsgesellschaften auftreten, vorweisen. Im internationalen Verkehr mit Treibstoffgiganten ist das aber \u00fcblich. Und Firmennamen und \u2013strukturen \u00e4ndern sich st\u00e4ndig, sodass bei einer automatisierten Verbuchung der Bankzahlungen keine automatisierte Zuordnung von Bankzahlungen und Rechnungsbuchung hinsichtlich der Firmennamen erfolgen kann, weil die Zahlung an eine andere, den Oberkonzern betreffende Zahlung erfolgt, w\u00e4hrend die Rechnung unter dem Subkonzern erfolgt. Das sollte eine Stammdatenerfassung aber erm\u00f6glichen und ist auch nichts Besonderes.<\/p>\n<p>Des Weiteren sehen wir in der Schifffahrt jetzt eine nachtr\u00e4gliche &#8220;Rache&#8221; des Marktes, da die gro\u00dfen Schifffahrtskonzerne in einer Welle der Begeisterung in der Hochkonjunktur massiv Schiffe und Konzerne aufgekauft haben und jetzt in der Rezession oder abflauenden Konjunktur die Kapazit\u00e4ten nicht auslasten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Also als kleines Fazit meinerseits: Ich stimme mit Ihren Ansichten v\u00f6llig \u00fcberein, vor allem zu Ihren Ausf\u00fchrungen zum Diversity Management. Aus Ungleichheit darf nicht Gleichmacherei gemacht werden. Wir brauchen eine v\u00f6llige Neuorientierung unserer Wirtschaftsweise. Wie diese aussehen k\u00f6nnte, wei\u00df ich noch nicht. Es d\u00fcrfte aber deutlich werden, dass Konsum nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann und darf. Stattdessen sollte vielleicht mehr Bildung in den Vordergrund r\u00fccken. Und eine gr\u00f6\u00dfere Orientierung des Einzelnen hin zu einer \u00f6kologisch und sozial nachhaltiger zustande gekommenen Nahrungsmittelprozesskette. Dadurch k\u00f6nnte vielleicht eine gr\u00f6\u00dfere Kooperation im Umgang mit Wissen erreicht werden. Dabei sollte m\u00f6glicher Weise in Form eines Kurssystems schon relativ fr\u00fch Begabungen in Form der Fr\u00fchf\u00f6rderung aktiviert werden und in Grundf\u00e4chern wie z.B. &#8220;Gl\u00fcck&#8221; (Gibt es schon in Projektform in einigen Schulen), soziale Kompetenzen, aber auch Alltagskompetenzen (Wie organisiere ich meinen Alltagshaushalt? Wie komme ich mit Geld aus? Wie suche ich mir die richtigen Versicherungen aus? Wie bewerbe ich mich? Dabei sollten m\u00f6glicher Weise auch Prospekte aus der Wirtschaft kritisch im allgemeinen Kreis beleuchtet werden. Auch \u00fcber Themen wie Konsum und Lockangebote, Rauchen, PC-Spiele, ethisches Handeln in konkreten Situationen etc. sollte man meines Erachtens in einem \u00fcbergeordneten Fach (und nicht in Spezialf\u00e4chern wie Biologie, Erdkunde etc.) diskutieren. Kritische B\u00fcrger ben\u00f6tigen den fr\u00fchen Dialog.<\/p>\n<p>Eine andere Idee meinerseits ist z.B. auch ein Steuersystem, dass nachhaltig t\u00e4tig werdende Unternehmen steuerlich gef\u00f6rdert werden. So k\u00f6nnte man Unternehmen des Mittelstandes, die eben im Gegensatz zu Lebensmittelketten wie Lidl etc. in Bangladesch zu Hungerl\u00f6hnen Schuhe produzieren lassen und dabei die Umwelt mit giftigen Gerbstoffen durch Abwasserverpestung mit einer Strafsteuer belegen, vielleicht auf den Import. Das wird nat\u00fcrlich Gegner der \u201efreien Marktwirtschaft\u201c auf den Plan rufen. Aber der Handel mit Emissionsrechten, der das Prinzip der Nachhaltigkeit mit der Marktwirtschaft verbinden soll, wird unterlaufen durch m\u00e4chtige Konzerne, die die Preise f\u00fcr die Zertifikate diktieren k\u00f6nnen und sich so schnell aus Ihrer Verantwortung stehlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich bleibe in einem Punkt bei meiner Meinung: \u00d6ffentliche G\u00fcter wie Umwelt, Bildung, Investitionen in Infrastrukturma\u00dfnahmen d\u00fcrfen nicht in marktwirtschaftliche H\u00e4nde. Daf\u00fcr ist meines Erachtens der Staat da.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Meyer,<\/p>\n<p>Ihre Idee der aufgez\u00e4hlten Unterrichtsf\u00e4cher finde ich absolut faszinierend. Da stimme ich voll mit ins Horn. Das ist immens wichtig. Nur leider h\u00e4lt uns wohl unsere immer noch gemeinschaftlich vorherrschende technokratische Sicht auf den Menschen von einer fl\u00e4chendeckenden Operationalisierung ab. Der Mensch wird nun mal als Maschine gesehen. Und wof\u00fcr ben\u00f6tigt eine Maschine Gl\u00fcck?<\/p>\n<p>Dem sonst ihrerseits Gesagten lassen sich von meiner Seite nur noch Daten zuf\u00fcgen, aus denen Sie wahrscheinlich, hier spekuliere ich mal, keine Information mehr generieren k\u00f6nnen, da nichts Neues mehr hinzukommt. Vorerst danke ich Ihnen f\u00fcr den spannenden und erkenntnisreichen Dialog, wohlwissend das dieses Thema noch l\u00e4ngst nicht &#8220;erschlagen&#8221; ist.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-1920\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"334dc41be3\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1920_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1920, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1920_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1920, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1920_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1920, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1920_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1920, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1920_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1920, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>2<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_1920_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-1920-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sehr aktiver Wegbegleiter meiner Reise des Verstehens, Sascha Meyer, hat mich vor geraumer Zeit zu einer Diskussion zum Thema Freiheit, Gerechtigkeit und Fairness eingeladen. Nachfolgend m\u00f6chte ich Ihnen diesen anreichen. S. Meyer Hallo Herr Dethloff, hatten Sie schon Zeit, &hellip; <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1920\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[48],"tags":[72,49,74,89],"class_list":["post-1920","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie","tag-dialoge","tag-ethik","tag-freier-wille","tag-philosophie"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1920","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1920"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1920\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2305,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1920\/revisions\/2305"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1920"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1920"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1920"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}