{"id":1907,"date":"2012-12-05T07:27:21","date_gmt":"2012-12-05T06:27:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1907"},"modified":"2013-01-24T10:14:11","modified_gmt":"2013-01-24T09:14:11","slug":"dialog-zum-thema-burnout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1907","title":{"rendered":"Dialog zum Thema Burnout"},"content":{"rendered":"<p>Ein sehr aktiver Wegbegleiter meiner Reise des Verstehens, Sascha Meyer, hat mich vor geraumer Zeit zu einer Diskussion zum Thema Burnout eingeladen. Nachfolgend m\u00f6chte ich Ihnen diesen anreichen.<\/p>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>bitte entschuldigen Sie, aber ich suche Sie auf, da ich einige Fragen bei der Lekt\u00fcre einiger philosophischer Texte f\u00fcr mich habe. Sollten Sie ggf. Zeit und Lust haben, mir bei der Beantwortung dieser Fragen behilflich &#8211; im Sinne eines Gedankenspiels- zu sein, w\u00fcrde ich mich sehr freuen.<\/p>\n<p>Ich habe im <a href=\"http:\/\/philomag.de\/philosophie-magazin-nr-5\">Philosophiemagazin 5\/12<\/a> von dem Philosophen Byung-Chul Han gelesen, dass die neoliberale Leistungsethik ein wichtiger Faktor f\u00fcr das Ph\u00e4nomen &#8220;Burnout&#8221; sei. Dabei wirke diese Ethik dergestalt, dass es sich nicht wie bei Marx um Fremdausbeutung handele, sondern um Selbstausbeutung, die durch ein Ungleichgewicht zwischen Negativit\u00e4t und Positivit\u00e4t, zwischen Selbstliebe und der Liebe gegen\u00fcber Anderen, die zwangsl\u00e4ufig in einer Depression enden m\u00fcsse, hervorgerufen werde. Die Negativit\u00e4t hie\u00dfe hierbei auch Begrenzung entgegen einer Gesellschaft, in der &#8220;alles m\u00f6glich ist&#8221; und &#8220;du kannst&#8221; als einiges Credo der Werbewirtschaft gelte.<\/p>\n<p>Die digitale Vernetzung bedeute seiner Meinung nach eine Entgrenzung, eine &#8220;Temporalit\u00e4t der Transparenzgesellschaft&#8221;, in der Informationsstau nicht mehr geduldet werde. Aber Visionen brauchen Zeitstau, gelegentlich Stillstand und Innehalten.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte dies vielleicht die Antwort auf die Frage darstellen, warum wir trotz der nahezu unbegrenzten M\u00f6glichkeiten, die wir zur L\u00f6sung unserer heutigen Fragen haben, nahezu hilflos vor den Fragen unserer Zeit stehen?<\/p>\n<p>Vielen Dank und freundliche Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Meyer,<\/p>\n<p>anbei meine Reflektion. Ich m\u00f6chte erst einmal die Geschichte der Menschheit in Zeitraffer und auf 2 verschiedenen Ebenen aus meiner Sicht aufgreifen.<\/p>\n<p><strong>Makrolevel<\/strong><br \/>\nAls erstes m\u00f6chte ich auf die Makroebene eingehen. Gotthard G\u00fcnther hat in Anlehnung an die Ausarbeitungen Oswald Spenglers in seinem ber\u00fchmten Werk <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Der-Untergang-Abendlandes-Oswald-Spengler\/dp\/3491961904\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1349092643&amp;sr=8-1\">Der Untergang des Abendlandes<\/a> darauf immer wieder Bezug genommen, beispielsweise auch in seiner Ausarbeitung <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Gotthard-Guenther_Maschine-Seele-Weltgeschichte.pdf\">Maschine, Seele und Weltgeschichte<\/a>. Auf der Seite 15 dieses Dokumentes, beginnend mit den Worten &#8220;&#8230; An dieser Erfahrung entwickelt sich ein neuer Menschentyp. &#8230;&#8221;, k\u00f6nnen Sie die Ideen und Gedanken G\u00fcnthers dazu nachlesen, die ich nachfolgend kurz in meinen Worten wiedergeben m\u00f6chte.<\/p>\n<ol>\n<li>Die primitive Epoche<\/li>\n<li>Die Epoche der regionalen Hochkulturen<\/li>\n<li>Die Epoche der universellen planetaren Kultur<\/li>\n<\/ol>\n<p>In der primitiven Epoche haben die Menschen Naturereignisse mit Magie und Zauberei erkl\u00e4rt. In dieser Zeit haben die Menschen die Vorg\u00e4nge in der Natur noch nicht auf sich selbst reflektiert. Ausdruck dieser Magie waren unter anderem die Medizinm\u00e4nner. Angst vor den Ereignissen in der Natur war unter den Menschen vorherrschend. Diese Epoche war damit 1-wertig. In der zweiten Epoche, die der regionalen Hochkulturen, wurden die Ursache-Wirkungsbeziehungen eingef\u00fchrt. In dieser hat man versucht alle Ereignisse in der Natur rein rational zu erkl\u00e4ren. Unsicherheiten wurden aus der Wahrnehmung gestrichen. In dieser Epoche hat man also den Gegenpol zur ersten Epoche betreten, von absoluter Unsicherheit hin zu absoluter Sicherheit. Diese Methode hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, allerdings nur f\u00fcr nichtlebende Vorg\u00e4nge. Ihren H\u00f6hepunkt hatte diese Epoche wohl mit dem Irrglauben des franz\u00f6sischen Mathematikers Laplace, der eine Formel erfinden wollte, mit der die Welt erkl\u00e4rbar ist. Es wurde die Angst vor der Natur abgestreift, weil alle Vorg\u00e4nge scheinbar erkl\u00e4rbar waren. Diese Epoche war und ist damit 2-wertig. Aristoteles hat diese mit seiner Logik gepr\u00e4gt. Es wurde dann der \u00dcbergang in die dritte Epoche eingeleitet, die noch in den rudiment\u00e4ren Anf\u00e4ngen steckt. In dieser werden die Ursache-Wirkungsbeziehungen mit Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten unterlegt. Das bedeutet, es werden Subjektivit\u00e4ten eingef\u00fchrt und somit die Modellierung von Vorg\u00e4ngen lebender Organismen m\u00f6glich gemacht. Komplexit\u00e4t bekommt jetzt eine besondere Bedeutung. Diese Epoche ist mehrwertig. Das bedeutet, die notwendige Logik ist standpunktabh\u00e4ngig und mit der bekannten Mathematik, die auf der 2-wertigen Logik beruht, nicht mehr formalisierbar.<\/p>\n<p><strong>Mikrolevel<\/strong><br \/>\nWenn man nun die Flugh\u00f6he ein wenig reduziert erkennt man auf kleineren Zeitscheiben einige Muster. Diese habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=576\">Muster der Gesellschaftskrisen<\/a> thematisiert.<\/p>\n<p><strong>Reflektion auf Ihre Fragen<\/strong><br \/>\nBevor ich auf Ihre Fragen eingehen m\u00f6chte, m\u00f6chte ich etwas Allgemeines zu Burnout sagen.<\/p>\n<p>Das Thema Burnout ist in der jetzigen Zeit ein sehr pr\u00e4sentes Thema. Ich finde allerdings schwierig, Burnout in die Vergangenheit zu projizieren und zu fragen, ob die Menschen erst in unserer heutigen Zeit damit konfrontiert werden. Auf der einen Seite kann man \u00fcber ein Thema erst dann nachdenken und dar\u00fcber diskutieren, wenn es ein Begriff f\u00fcr das Thema gibt. Ohne Begriff bleibt das Thema ein blinder Fleck. Des Weiteren hat die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr den Faktor &#8220;Mensch&#8221; erst in den letzten Jahren so richtig Einzug gehalten, vor allem in der Wirtschaft. In diesem Zuge wurde dann auch der Begriff &#8220;Burnout&#8221; geschaffen. Vielleicht hatten die Menschen in der Vergangenheit auch Erm\u00fcdungs- und Ermattungserscheinungen. Diese wurden aber stets auf etwas Physisches zur\u00fcck gef\u00fchrt. Ebenfalls haben \u00c4rzte auch erst mit dem Kreieren des Themas &#8220;Burnout&#8221; die M\u00f6glichkeit in diese Richtung zu forschen und Menschen zu untersuchen. Dementsprechend bin ich vorsichtig damit zu behaupten, dass Burnout erst im Zuge unserer schnelllebigen Welt entstanden sein soll.<\/p>\n<p>Wir befinden uns aus meiner Sicht in der Phase 5 (Gesetze\/ Steuerlast &#8211; Unruhen). Unsere Volkswirtschaften haben die S\u00e4ttigungsphase erreicht. Sie k\u00f6nnen nicht mehr so stark wachsen, wie sie eigentlich m\u00fcssten um die Kosten des Zinses der Finanzwirtschaft zu decken. Das wird auch wahrgenommen, weshalb auch versucht wird regulatorisch einzugreifen. Allerdings passiert das mit Mitteln, die erst in die Krise gef\u00fchrt haben. Dann verf\u00e4hrt man nach dem Motto &#8220;Immer mehr von dem Gleichen&#8221; (vgl. Dietrich D\u00f6rner: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Logik-Misslingens-Strategisches-ebook\/dp\/B005BP86F0\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1354687111&#038;sr=8-1\">Logik des Misslingens<\/a>).<\/p>\n<p>Aus der Phase 2 nehmen wir den Mindset mit, dass Menschen die Natur beherrschen k\u00f6nnen (&#8220;Alles ist m\u00f6glich&#8221;, &#8220;Du kannst&#8221;). Wenn wir also etwas nicht schaffen, kann das nur an uns liegen. Ich w\u00fcrde hier nicht so sehr die Begriffe Fremd- und Selbstausbeutung bem\u00fchen. Grunds\u00e4tzlich kann es aus meiner Sicht keine direkte Fremdausbeutung geben. Ich bin hier ein Anh\u00e4nger des Konstruktivismus. Menschen reagieren auf Umweltbedingungen. Unsere Umweltbedingungen entstehen aus dem Umstand, dass wir den Gipfel der Pyramide erreicht haben (S\u00e4ttigungsphase des Wachstums der Volkswirtschaften). Wir m\u00fcssen uns neu erfinden, aber mit anderen Mitteln. Da diese Paradigmen nicht umgesto\u00dfen werden, erleben wir eine Ausweglosigkeit und reagieren gehetzt und scheinen keine Zeit mehr zum Verschnaufen zu haben. Hier finde ich das Sprichwort \u201eWenn Du in Eile bist gehe langsam angebracht.\u201c In dieser Art und Weise sehe ich auch die Unterscheidung in Positivit\u00e4t und Negativit\u00e4t. Derzeit gaukeln wir uns die unbegrenzten M\u00f6glichkeiten wegen der scheinbaren Berechenbarkeit der Natur (Phase 2 nach Gotthard G\u00fcnther) nur vor. Wir erkennen diese Unbegrenztheit derzeit noch nicht. Vielleicht sperren wir uns auch, da diese Erkenntnis nat\u00fcrlich Unsicherheit und Angst erzeugen kann.<\/p>\n<p>Wie ist Ihre Sicht?<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>ich w\u00fcrde gerne die Kategorisierung in drei Epochen auf dem Makrolevel zur\u00fcckkommen. Ich sehe die dort eingef\u00fchrte Differenzierung, dass unsere Gesellschaft &#8220;rationaler&#8221; geworden ist als schwierig an, da dies meines Erachtens nur auf der Seite der &#8220;Eliten&#8221; und im begrenzen Rahmen der wissenschaftlichen Forschung sowie der unternehmerischen Umsetzung erfolgt ist. In der &#8220;normalen&#8221; Bev\u00f6lkerung sehe ich eigentlich keine Weiterentwicklung. Wir reagieren immer noch relativ unrational, wenn es um neue, gesellschaftskritische wissenschaftliche Forschungsergebnisse handelt sowie im Umgang mit Minderheiten doch auch ziemlich irrational.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Meyer,<br \/>\nlassen Sie mich den Begriff Rationalit\u00e4t n\u00e4her erl\u00e4utern und dann in Relation zur Emotionalit\u00e4t setzen.<\/p>\n<p>Unter Rationalit\u00e4t verstehe ich die F\u00e4higkeit Gr\u00fcnde anzugeben. Wenn wir Menschen also sagen: &#8220;Ich habe rational gehandelt.&#8221;, m\u00fcssen wir in der Lage sein, diese Handlung \u00fcber Ursache-Wirkungsbeziehungen zu begr\u00fcnden. Hier m\u00f6chte ich ein bisschen weiter hinein bohren.<\/p>\n<p>Als erstes bem\u00fche ich den Wahrheitsbegriff. \u00dcber diesen habe ich in meinem Logbuch des \u00d6fteren geschrieben, beispielsweise in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1251\">L\u00e4sst sich \u00fcber Wahrheit wahr sprechen?<\/a>. Wenn Sie also beurteilen m\u00fcssen, ob ich zu einem bestimmten Kontext rational gehandelt habe, m\u00fcssen wir zu diesem Kontext den gleichen Wahrheitsanspruch, denn einen absoluten gibt es nicht, und das gleiche Wissen um die Herleitung dieses Wahrheitsanspruches haben. Haben wir das nicht, sagen Sie wahrscheinlich mit Recht, dass ich nicht rational, also irrational, gehandelt habe. An dieser Stelle kann ich ihren Ausf\u00fchrungen folgen.<\/p>\n<p>Nun kommt aber noch der Fakt hinzu, dass wir Menschen derzeit nicht alles rational erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, es aber gerne wollen, um unseren Herrschaftsanspruch gegen\u00fcber der Natur zu untermauern. Das ist dann der Antrieb unserer Wissenschaft. Diesem Antrieb schuldend, wird in der Wissenschaft auch gerne verschleiert und gemauert. Denn immer dann wenn wir Ph\u00e4nomene nicht \u00fcber Ursache-Wirkungsbeziehungen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen sto\u00dfen wir ins Reich des Irrationalen vor und dieses wird gerne heraus reduziert. Dazu reiche ich Ihnen gerne einen Artikel namens <a href=\"http:\/\/politsalon.vetomat.net\/wp-content\/uploads\/ak_anna_systemtheorie_systembiologie_chaostheorie.pdf\">Kritik der Systemtheorie, Systembiologie, Kybernetik, Chaostheorie, Spieltheorie<\/a>. In diesem Fall sto\u00dfen wir also ebenfalls ins Reich des Irrationalen vor. Hier aber auf einer h\u00f6heren Ebene als oben beschrieben. Denn dieses Reich des Irrationalen ist auf Konsens aufgebaut. Diese Ebene, so interpretiere ich es, meint Gotthard G\u00fcnther, wenn er von der Phase 2 spricht.<\/p>\n<p>An dieser Stelle macht es auch Sinn \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Emotionalit\u00e4t und Rationalit\u00e4t nachzudenken. Hier sto\u00dfen wir auf die Frage, ob Gef\u00fchle auch Quelle rationaler Gewissheit sein k\u00f6nnen und wenn ja, auf welche Art und Weise? Dazu habe ich vor geraumer Zeit <a href=\"http:\/\/www.milans.name\/home\/philosophy_files\/Emotionen_web.pdf\">einen genialen Artikel im Netz<\/a> gefunden.<\/p>\n<p>Wie sind ihre Gedanken dazu?<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>S. Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dethloff,<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Erl\u00e4uterungen zum Begriff der Rationalit\u00e4t. Ich stimme Ihren Erl\u00e4uterungen dergestalt zu, dass diese einen gro\u00dfen und wichtigen Teil des Verhaltens von Menschen in der Gesellschaft ausmachen.<\/p>\n<p>Sie haben den Begriff der Rationalit\u00e4t berechtigter Weise in den Kontext des Wahrheitsbegriffes gebracht. Interessanter Weise gibt es gerade auf dem Forum &#8220;Philosophie &#8211; wertvoller Grundstoff unseres Lebens&#8221; eine interessante Diskussion auf Xing unter Leitung von Frau Petra Deckart. Dabei ist die Wahrheit nie als absoluter Begriff zu sehen (\u00e4hnlich wie Begriffe wie Gerechtigkeit, Freiheit etc. obwohl diese Begriffe in der Philosophie h\u00e4ufig als absolute bezeichnet werden).<\/p>\n<p>Rationalit\u00e4t steht immer im Kontext der Emotionalit\u00e4t. Schon die Hirnforschung hat nachgewiesen, dass es keine Reizverarbeitung nur \u00fcber den Neokortex gibt. Die Reizverarbeitung verl\u00e4uft je nach Art der Beanspruchung immer \u00fcber mehrere Zentren. Dabei spielen unter anderem meistens das limbische System, mithin die Amygdala und der Hippocampus eine entscheidende Rolle. Der Hippocampus lenkt unsere Wahrnehmung dergestalt, dass wir Vorg\u00e4nge vereinfachend in &#8220;gut&#8221; und &#8220;schlecht\/ b\u00f6se&#8221;, &#8220;angenehm\/ unangenehm&#8221; etc. unterschieden. Dies hilft zum einen f\u00fcr schnelle Entscheidungssituationen. In der Steinzeit etc. mussten J\u00e4ger Situationen schnell einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Andererseits verbauen wir uns \u00fcber diese auf unbewusste, automatisierte Reaktionsmuster ausgerichteten Abl\u00e4ufe eine tiefere Auseinandersetzung mit komplexeren Entscheidungssituationen. Beispiel: Auf einem Wochenmarkt rechnen wir \u00fcberschl\u00e4gig durch vergleichende Berechnungen, welche Produkte an welchem Stand am g\u00fcnstigsten sind. Bei einer komplexeren Forschungsarbeit ist hingegen zu berechnen, welche Entscheidungsmodelle (z.B. zur Einf\u00fchrung eines neuen Verkehrsleitsystems) unter \u00f6konometrischer Sicht am sinnvollsten sind. (Schreibe ich hier am effektivsten = Outputsteuerung oder am effizientesten = Inputsteuerung?). Im letztgenannten Fall ist ein genaueres, das bewusste Denken umfassendes, Reflektieren erforderlich. U.a. hat diese Unterscheidung der Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger und Psychologe Daniel Kahnemann in seinem Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Schnelles-Denken-langsames-ebook\/dp\/B008FRNURA\/ref=sr_1_2?s=digital-text&#038;ie=UTF8&#038;qid=1354687562&#038;sr=1-2\">Langsam Denken-Schnell Denken<\/a> beschrieben. Er zeigt an anschaulichen Beispielen, dass unbewusstes automatisiertes Denken das bewusste Denken beeinflusst, aber auch \u00fcber bewusste Reflektion entstandene neue Sichtweisen in unbewusste Reaktionsmuster \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als weiteres Beispiel m\u00f6chte ich das Priming bei IATs (Implicit Assosiation Tests) nennen. Hier wird versucht, den Probanden z.B. Bilder wie mit dunkelh\u00e4utigen Menschen mit einem &#8220;e&#8221; f\u00fcr &#8220;b\u00f6se&#8221; und hellh\u00e4utige Menschen mit &#8220;i&#8221; f\u00fcr &#8220;gut&#8221; zu pr\u00e4gen. Diese geschieht in einer schnellen (Millisekunden) Abfolge von Bildern, in denen die bewusste Aufnahme von Bildern nicht erfolgen kann. Die Forschungsergebnisse konnten zeigen, dass viele Personen sich von dem Priming in der Folge in der Beurteilung von anderen Bildern beeinflussen lie\u00dfen. Diese Methoden werden u.a. im Neuromarketing eingesetzt.<\/p>\n<p>Was hat dies mit dem Thema Rationalit\u00e4t zu tun? Ich glaube, dass wir in der Tat nur aus der Erkenntnis von Emotionalit\u00e4t rationales Denken entstehen lassen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen aber uns unserer Beeinflussbarkeit durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse bewusst sein. Der \u00d6konom Tomas Sedlacek hat in seinem Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-%C3%96konomie-von-B%C3%B6se-ebook\/dp\/B0076LXS0U\/ref=sr_1_fkmr0_1?s=digital-text&#038;ie=UTF8&#038;qid=1354687655&#038;sr=1-1-fkmr0\">Die \u00d6konomie von Gut und B\u00f6se<\/a> den Zusammenhang von \u00f6konomischen Grundannahmen wie den der unsichtbaren Hand (Gott), dem Homo Oeconomicus (Mensch) und den Lebensgeistern (animal spirits) beschrieben. Ohne den Verfasser auf eine dogmatische Sichtweise zu reduzieren, m\u00f6chte ich kurz den von dem Verfasser dargelegten Zusammenhang zwischen \u00f6konomischen Gesetzen, die auf rationalen Gedanken zu basieren scheinen, und religi\u00f6sen Grundannahmen (eher von der Emotion geleitet), die in der heutigen Gesellschaftsordnung dazu f\u00fchrt, dass wir nicht von diesen in sich ver\u00e4ndernden Konstellationen von Gesellschaft abweichen k\u00f6nnen. Die \u00f6konomischen Grundannahmen haben nach Ansicht des Verfassers (dem ich mich partiell anschlie\u00dfe), die Konstruktion von religi\u00f6sen Annahmen, die nicht hinterfragt werden, angenommen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nun zu meiner Ausgangsthese zum Burnout unserer Gesellschaft zur\u00fcckkommen. In der Lehre des Strategischen Managements habe ich in der Ausbildung zum Rating Advisor in einem Lehrheft gelesen, dass es eine Unterscheidung zwischen der Subkultur eines Unternehmens und der proklamierten \u00f6ffentlichen Kultur (ausgedr\u00fcckt im Strategiepapier und in den Leitlinien sowie in der Unternehmensphilosophie) gibt. Wenn die Subkultur (die eigentlichen Machttr\u00e4ger des Unternehmens) und die offiziellen Entscheidungstr\u00e4ger zu unterschiedliche Werte leben, Informationen sich gegenseitig vorenthalten (Moral Hazard), dann kann ein Unternehmen nicht effizient arbeiten. Es entstehen Auseinandersetzungen. Man sucht nach &#8220;Schuldigen&#8221;. Die findet man meistens in den unteren Angestelltenebenen, die schnell &#8220;abbaubar&#8221; sind.<\/p>\n<p>Meine These ist, dass man dieses Bild auf die &#8220;Staatsebene&#8221; \u00fcbertragen kann, da es meines Erachtens viele Beispiele in der Geschichte gibt, die dies zu rechtfertigen scheinen. Als ein Beispiel m\u00f6chte ich die &#8220;Kriegszitterer&#8221; aus dem 1. Weltkrieg nennen, die als &#8220;Simulanten&#8221; und &#8220;Kriegsverweigerer&#8221; bezeichnet wurden, nennen.<\/p>\n<p>Ich stimme Ihnen voll zu, dass der Begriff Burnout neu ist, aber ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass es in der Geschichte viele Beispiele f\u00fcr Burnouts gegeben hat. Franz Kafkas &#8220;Bericht an eine Akademie&#8221; und Joseph Roths &#8220;Radetzkymarsch&#8221; sowie Dostojewskis &#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221; haben in ihren B\u00fcchern wunderbar \u00fcber Ausgrenzung von Menschen, Suche von Schuldigen (meistens bei den Schw\u00e4cheren) und \u00fcber Anpassung an gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, die zum Schaden aller ist, geschrieben.<\/p>\n<p>Ich finde Ihre Definition von Rationalit\u00e4t v\u00f6llig \u00fcberzeugend und erstrebenswert, glaube aber, dass es noch viel \u00dcberzeugungsarbeit ben\u00f6tigt, um diesen wirklich in der Gesellschaft (Was immer das ist?) einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Meyer,<\/p>\n<p>Ihre Ausf\u00fchrungen zum Beziehungsgeflecht zwischen Rationalit\u00e4t und Emotionalit\u00e4t kann ich voll nachvollziehen. Dem habe ich nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie Ihre Beispiele (Franz Kafkas &#8220;Bericht an eine Akademie&#8221;, Joseph Roths &#8220;Radetzkymarsch&#8221; und Dostojewskis &#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221;) zum Thema Burnout noch einmal n\u00e4her erl\u00e4utern und dabei den Zusammenhang von Burnout und Ausgrenzung von Menschen sowie Suche von Schuldigen genauer herstellen?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen zwei meiner Gedankeng\u00e4nge zum Thema Burnout anreichen.<\/p>\n<p>Zum einen f\u00fchlen sich Menschen unter Stress, wenn ihre eigen gestellten Erwartungen an eine bestimmte Situation und ihre Wahrnehmung von dieser Situation sehr weit auseinander liegen. F\u00fcr beide Seiten, Erwartung und Wahrnehmung, ist direkt der Mensch alleine verantwortlich. Sie merken sicherlich, dass es in die gleiche Richtung geht, die ich in meiner ersten Antwort bereits formuliert habe. Stress ist also etwas rein Subjektives. Dieser Stress f\u00fchrt dann dazu, dass der Mensch Energie aufbringt, diese Kluft zwischen Erwartung und Wahrnehmung zu schlie\u00dfen. Der menschliche K\u00f6rper befindet sich in solchen Phasen quasi in einem Alarmzustand. Nun ist nat\u00fcrlich die Frage in wie weit der Mensch trotz dieser Alarmbereitschaft die Kluft schlie\u00dfen kann. Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich in hohem Ma\u00dfe von den Rahmenbedingungen ab, in denen der Mensch sich bewegt. Hat er zu wenig Freiraum, um aktiv zu gestalten und damit seine Erwartungen zu treffen, die sich dann in der Wahrnehmung niederschlagen, wird der menschliche K\u00f6rper eine Art Notfallprogramm starten, die da hei\u00dfen Flucht, Angriff oder Starre. Dieses Notfallprogramm sichert das kurzfristige \u00dcberleben. Da Flucht und Angriff in einer Gesellschaft meistens nicht zielf\u00fchrend sind, ist Starre das Ergebnis, was wir als Burnout bezeichnen. In Phasen des Burnouts ist der K\u00f6rper also in Alarmbereitschaft, aber handlungsunf\u00e4hig, \u00e4hnlich wie wenn man in einem Auto sitzt und gleichzeitig Vollgas gibt und auf die Bremse tritt.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich eben bereits eine Ma\u00dfnahme gegen Burnout genannt. Menschen ben\u00f6tigen Freiraum zum Gestalten. Sie m\u00fcssen diesen Freiraum aber auch an- und wahrnehmen. Das bedeutet, hier kommen wieder Grundz\u00fcge des Konstruktivismus zum Tragen. Menschen m\u00fcssen ihre Rolle in ihrer Umgebung richtig einsch\u00e4tzen lernen. Sie m\u00fcssen die F\u00e4higkeit besitzen, zu erkennen, was es wert ist erreichen zu wollen und auch zu k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen also in bestimmten Situationen auch mal loslassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Darlegung best\u00e4tigt mich in der These, dass es auch fr\u00fcher schon Burnout gegeben hat, wir nur jetzt in der heutigen Zeit einen Begriff f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen gefunden haben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das Thema Leistung ins Spiel bringen und damit ein bisschen provokant werden. Im Dialog zwischen Richard David Precht und Christian Lindner zum Thema <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=J0xIyc6nxDw\">Gerechtigkeit, Fairness und Freiheit<\/a> spricht Precht davon, dass das Ideal der Leistungsgerechtigkeit nicht erstrebenswert sein darf, unabh\u00e4ngig davon ob dies praktisch m\u00f6glich w\u00e4re oder nicht. Denn dies w\u00fcrde voraussetzen, dass Leistung objektiv messbar w\u00e4re, was es nicht ist. Aber ich m\u00f6chte dieses Gedankenexperiment fortsetzen. G\u00e4be es Leistungsgerechtigkeit w\u00fcrde man den Menschen die Ausreden f\u00fcr ihre, wenn es denn so w\u00e4re, missliche Lebenslage nehmen. In diesem Fall sind sie komplett verantwortlich f\u00fcr die Lage, in der sie sich befinden. G\u00e4be es diese Leistungsgerechtigkeit nicht, und das nehme ich in unserer Gesellschaft so wahr, k\u00f6nnen Menschen ihre Misslichkeit anderen Gr\u00fcnden, die sie scheinbar nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen &#8220;unterjubeln&#8221;. Damit entledigen sie sich der Verantwortung, auch wenn dies nur konstruiert ist, aber es beruhigt das Gewissen. Wenn sie diese Rolle, die sie sich zuschreiben, dann auch noch richtig in ihre Umgebung einordnen, k\u00f6nnen sie sich ebenfalls gegen Burnout sch\u00fctzen. Durch diesen Schutz mindert man aber auch seine Erwartungen an sein eigenes Leben.<\/p>\n<p>Bedeutet das also, und nun komme ich zu meiner Provokation, dass Gerechtigkeit das Risiko Burnout zu bekommen steigert?<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Sascha Meyer<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich kann Ihre Gedankeng\u00e4nge zum Burnout, der Stressentstehung und dem Zusammenhang zum Konstruktivismus voll nachvollziehen und diesem voll zustimmen. Ich habe hierzu mein erstes Buch, das ich \u00fcber Burnout gelesen habe (<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Bevor-Job-krank-macht-Arbeitswelt\/dp\/3466307333\/ref=sr_1_cc_1?s=aps&#038;ie=UTF8&#038;qid=1354688068&#038;sr=1-1-catcorr\">Bevor der Job krank macht<\/a> von Prof. Unger aus der psychiatrischen Abteilung der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg), wunderbar nachvollziehbar schon einmal durchdenken k\u00f6nnen. Der Zusammenhang zwischen Eustress (positiv empfundener Stress) und Distress (negativ empfundener Stress) wurde dort anschaulich an Beispielen beschrieben. So hat dort ein Beamter von seiner pers\u00f6nlich als schwer belastende Situation gesprochen, da sein Chef ihm st\u00e4ndig Aufgaben \u00fcbertrage, die ihn unterforderten und bei Entscheidungen ihn regelrecht &#8220;sitzen lasse&#8221; und nach au\u00dfen hin der &#8220;Pr\u00fcgelknabe&#8221; der B\u00fcrger sei, die die mangelnde Entscheidungsfreudigkeit dem &#8220;armen&#8221; Sachbearbeiter anlasteten. In diesem Fall war der Burnout vorprogrammiert, da der Betroffene sich nicht mehr als &#8220;Herr der Lage&#8221; sah, die Widerspr\u00fcchlichkeiten nach au\u00dfen aber immer wieder abfedern musste. Hingegen war in einem anderen Fall von einem Manager die Rede, der nicht nur acht Stunden (wie der Beamte) arbeitete, sondern 10 bis 12 Stunden (mit Erreichbarkeit im Privatleben), dies aber als Erf\u00fcllung ansah, da er einen zumindest gef\u00fchlten Einfluss auf den Erfolg seiner T\u00e4tigkeit hatte.<\/p>\n<p>Hierin sehe ich den entscheidenden Unterschied. Nat\u00fcrlich ist das Leben vielf\u00e4ltig und dies sind nur zwei sehr kontr\u00e4re Konstellationen. Die Vereinfachung soll nur modellartig zeigen, dass es sich um pers\u00f6nlich empfundenen Stress handelt, der sich einerseits aus den \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen, andererseits aus der pers\u00f6nlichen, individuellen Konstitution des Betroffenen zusammensetzt. Die pers\u00f6nliche Konstitution ist wiederum zum gro\u00dfen Teil entstanden aus dem Umgang mit \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen, der Interaktion mit Menschen, Institutionen etc. Dies nennen wir Sozialisation. Die Sozialisation ist gleichzeitig Begrenzung als auch die M\u00f6glichkeit der Freiheit des Willens. Warum Begrenzung? Weil wir uns einen Habitus aneignen, der sich daraus ergibt, dass die Interaktion mit unserem Umfeld uns pr\u00e4gt. Sprache, Ausdrucksformen (z.B. Kiezdeutsch vs. Gehobene Bildungssprache) bringt Ungleichheiten in den Startbedingungen unserer Bildungsgesellschaft. Freiheit des Willens durch Sozialisation entsteht nach Kant vor allem durch Bildung, da die M\u00f6glichkeiten der m\u00f6glichen Gedanken potenziert werden. Rousseau setzt dem entgegen, dass Vernunft und Sinnlichkeit (heute hei\u00dft das Emotion) zusammengeh\u00f6ren und dass wir im Prinzip schon als Kind alles in uns tragen. Durch Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen werden diese Ideen nur geweckt und bewusst gemacht.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle Habermas ins Spiel bringen. Wir waren uns ja einig, dass Habermas kein Ethiker im eigentlichen Sinne ist. Nichtsdestotrotz hat er ja vertreten, dass ein Diskurs (wenn kein verst\u00e4ndigungsorientiertes Handeln zwischen den Diskutanten zustande kommt) auf dem besseren Argument und symmetrischen Kommunikationsanteilen beruhe. Dies waren die Voraussetzungen einer idealen Sprechsituation. Diese Anteile seiner Theorie machen ihn f\u00fcr mich partiell zum Ethiker, weil er meines Erachtens hiermit &#8220;Diffamierung und Ausgrenzung&#8221; als Methoden des &#8220;Rechtbehaltens&#8221; im Diskurs ablehnt. Die Realit\u00e4t sieht aber anders aus. Der M\u00e4chtige setzt sich meistens eher durch als derjenige mit dem rational besseren Argument. Hier wird der Konstruktivismus, der uns zum Menschen macht, meines Erachtens ad absurdum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gerne zum Schluss in aller K\u00fcrze den Zusammenhang zu den drei von mir genannten Schriftstellern benennen. &#8220;Der Bericht an eine Akademie&#8221; v. Franz Kafka beschreibt einen Affen (fiktiv), der zum Menschen dressiert wurde. Dieser Affe beschreibt seinen Werdegang vom &#8220;Eingefangen werden&#8221; in Afrika \u00fcber seine Lehrjahre der Domestizierung hin zu seiner Karriere als Professor. Diese Geschichte ist eine Metapher auf unsere Gesellschaft, wie scheinbar tierisches Verhalten, von dem Affen als kreativ-intuitiv beschrieben, uns Menschen nach und nach &#8220;abgew\u00f6hnt&#8221; werden und wir zu &#8220;Sklaven&#8221; der gesellschaftlichen Zw\u00e4nge, Kultur und Ordnungen werden. Es steht nicht nur Kritik hinter dieser Geschichte, sondern es wird auch eine gewisse Notwendigkeit der &#8220;Erziehung&#8221; gesehen. Der Autor beh\u00e4lt es dem Leser vor, weiter \u00fcber die Notwendigkeit der Kultivierung zu reflektieren.<\/p>\n<p>Der Umfang des &#8220;Radetzkymarsches&#8221; w\u00fcrde hier den Rahmen sprengen. Joseph Roth hat sich vor allem mit der KuK-Monarchie der Habsburger Monarchie ausgelassen. Er galt als &#8220;linker Revolution\u00e4r&#8221;, da er die starre Gesellschaft der auf Krieg und Ehre ausgerichteten Gesellschaft kritisierte. Seine Beschreibungen der fr\u00fchen Jahre widmen sich vor allem den Kriegsgesch\u00e4digten, den Menschen, die z.B. im Krieg ihre Arme und Beine verloren hatten und daf\u00fcr keine ausreichende Entsch\u00e4digung vom Staat erhielten. Es spricht aber auch viel Enthusiasmus aus den B\u00fcchern Roths. Vor allem Ehre und der Wille sich am Wohl und Erfolg der Gesellschaft zu beteiligen, dies aber auch nicht angemessen gew\u00fcrdigt werde.<\/p>\n<p>&#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221; von Dostojewski ist ein sehr langes Werk, das sehr vielschichtig ist. Ich m\u00f6chte hier nicht auf die spezielle Geschichte Russlands eingehen, sondern die Themen extrahieren, die f\u00fcr mich zum Thema passen. Es geht um einen Mord. Ein Mord, der aus einem moralischen Dilemma entsteht. Der Student Raskolnikow hat kein Geld, um seine Wohnung zu bezahlen. Der Student wendet sich an eine Pfandleiherin. Er h\u00e4lt die Pfandleiherin f\u00fcr eine &#8220;Halsabschneiderin&#8221;, da er in Erfahrung bringen konnte, dass diese viele andere Menschen ins Elend getrieben hat. Raskolnikow ist ein sehr intelligenter Mensch, der sich sehr wohl viele Gedanken um Moral, Anstand, Ehre macht. Dabei ist er besessen, aus seiner Armut, der Armut der Mutter und seiner Schwester, herauszukommen. Sein Anspruch, etwas Besonderes zu leisten und etwas Besonderes zu werden, verschaffen ihm gleichzeitig Schuldgef\u00fchle aufgrund seiner eigenen schwierigen Lebenssituation und gleichzeitig ein Gef\u00fchl, sich erheben zu d\u00fcrfen gegen das aus seiner Sicht unmoralische Verhalten der Pfandleiherin. Aus dieser Konstellation entsteht ein Mordgedanke, der von einem Menschen mit einem umfangreichen moralischen Anspruch, dass ein solches Verhalten eigentlich ablehnen m\u00fcsste, tats\u00e4chlich vollzogen wird. <\/p>\n<p>Man muss zu diesem Werk sagen, dass es haupts\u00e4chlich um die Beschreibung des Zustandekommens eines solchen Mordes geht, vor allem unter den Voraussetzungen der sehr feudalisierten, ungerechten Gesellschaft im Zarenreich Russland. Im Prinzip ist dieses Werk ein Standardwerk f\u00fcr jeden angehenden Juristen, da es in dezidierter Weise Schuld, Schuldf\u00e4higkeit, Motivbeschreibung und -entstehung vereint und gleichzeitig die menschliche Seele vermisst. Die Beschreibungen des Autors passen auch sehr gut zu neuesten Forschungsergebnissen der Hirnforschung (Beispiel: Die Insular im Gehirn ist bei Gewaltverbrechern h\u00e4ufig nicht aktiv, dasselbe passiert bei Menschen mit geringem Schmerzempfinden.). Letztgenanntes hat nur bedingt etwas mit Burnout zu tun. Ich habe das Buch als Beispiel genommen, da es die &#8220;gef\u00fchlte Moral&#8221; ist, die &#8220;gef\u00fchlten Stress&#8221; ausl\u00f6st und uns in eine Position des &#8220;Entweder oder&#8221; bringen kann. Reflektion und Konstruktivismus sieht aber anders aus. Somit kann das Buch ein Lehrbeispiel daf\u00fcr sein, einen moralischen Anspruch auf sich zu beziehen und kreative andere Wege zu gehen.<\/p>\n<p>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nSascha Meyer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>C. Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Hallo Herr Meyer,<\/p>\n<p>vielen Dank f\u00fcr die Anreichung Ihrer Gedanken und Ideen.<\/p>\n<p>Dem gibt es aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nichts hinzuzuf\u00fcgen au\u00dfer einer Empfehlung eines Buches von Peter Bieri namens <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Handwerk-Freiheit-Entdeckung-eigenen\/dp\/3596156475\/ref=sr_1_1?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1354688365&#038;sr=1-1\">Das Handwerk der Freiheit<\/a>. In diesem Buch diskutiert der Autor das Thema Willensfreiheit am Beispiel des Werkes von Dostojewski &#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221; sehr detailliert und umfassend. Meine Gedanken dazu habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=425\">Kann ein freier Wille bedingt sein?<\/a> reflektiert.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nConny Dethloff<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-1907\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"cc2e84b0fd\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1907_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1907, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1907_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1907, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1907_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1907, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1907_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1907, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1907_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1907, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>1<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>4.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_1907_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-1907-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sehr aktiver Wegbegleiter meiner Reise des Verstehens, Sascha Meyer, hat mich vor geraumer Zeit zu einer Diskussion zum Thema Burnout eingeladen. 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