{"id":1603,"date":"2012-11-07T09:34:27","date_gmt":"2012-11-07T08:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1603"},"modified":"2012-11-27T07:49:52","modified_gmt":"2012-11-27T06:49:52","slug":"der-zauber-des-mia-san-mia-gefuhls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1603","title":{"rendered":"Der Zauber des MIA-SAN-MIA Gef\u00fchls"},"content":{"rendered":"<p>Am Geschehen im Profifu\u00dfball kann man aus meiner Sicht hervorragend Lehren f\u00fcr das F\u00fchren und Managen von Unternehmen extrahieren. Warum? Auf einer gewissen Abstraktionsstufe kann man Fu\u00dfballvereine der oberen Ligen mit Unternehmen aus der Wirtschaft gleich setzen. Des Weiteren erkennt man bei gen\u00fcgender Reflektion Zusammenh\u00e4nge zwischen dem Handeln und Agieren von Verantwortlichen der Fu\u00dfballvereine und den Ergebnissen dieser, was bei Unternehmen der Wirtschaft nicht so gegeben ist, da sie f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit nicht so transparent aufgestellt sind.<\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie sich auch schon des \u00d6fteren gefragt, was das Geheimnis des mittlerweile 40 Jahre w\u00e4hrenden Erfolgs des FC Bayern M\u00fcnchen ist. Denn dass das so ist, muss wohl Jeder zugeben, auch wenn er nicht wie ich Fan dieses Vereins ist. Ich m\u00f6chte diesen Umstand mal an einem Faktor beleuchten, auch wenn mir nat\u00fcrlich klar ist, dass nicht nur ein Faktor daf\u00fcr verantwortlich sein kann, und diesen Faktor dann auf die Wirtschaft spiegeln. Es ist n\u00e4mlich ein Faktor, den man bei allen anderen deutschen Vereinen vergeblich sucht. Es ist das oft gepriesene, wohl auch von Nicht-Bayernfans oft verhasste, MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr steht dieses MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl? Es steht f\u00fcr ein Selbstverst\u00e4ndnis f\u00fcr den Erfolg. Der FC Bayern M\u00fcnchen geht in jede Saison als selbsterkl\u00e4rter Favorit auf den Titel, ganz egal wie die letzte Saison verlaufen ist. Genau dieses Gef\u00fchl verspr\u00fchen die Vereinsoberen auch nach au\u00dfen. Es ist also nicht nur ein Sagen, sondern auch ein Handeln und Agieren dahinter zu erkennen. Alles andere als der Sieg ist nicht akzeptabel. Der zweite Platz ist der erste Verliererplatz. Das MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl bedeutet aber auch ein bedingungsloses verantwortlich sein f\u00fcr den Erfolg aber auch f\u00fcr den Misserfolg. Dieses MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl dr\u00fcckt sich in Herzblut der Verantwortlichen f\u00fcr den Erfolg aus. Beim FC Bayern brennen die Vereinsoberen lichterloh f\u00fcr den Erfolg. Dieses Gef\u00fchl kommt also von tief innen und ist so normal in die Denk- und Handelsweise jedes Einzelnen im Verein integriert wie es Hunger und Durst auch sind.<\/p>\n<p>In den letzten 40 Jahren gab es einige Mannschaften, die \u00fcber einen kurzen Zeitraum dem FC Bayern M\u00fcnchen Paroli bieten konnten. In den 70-er Jahren war es die Mannschaft von Borussia M\u00f6nchengladbach, in den 80-er Jahren war es Werder Bremen und in den sp\u00e4ten 90-ern war es Borussia Dortmund. J\u00fcngstes Beispiel ist wiederum Borussia Dortmund, die in den letzten beiden Spielzeiten die Bundesliga beherrscht haben, das muss ich unumwunden, auch als Bayernfan, zugeben. Sie haben in 5 Spielen nacheinander den FC Bayern besiegt und im letzten dieser 5 Spiele, im DFB Pokalfinale, den FC Bayern gar an die Wand gespielt. Trotzdem gehen die Vereinsoberen der Borussia vor Beginn dieser Saison in die Defensive und wollen nichts vom Meistertitel wissen. Aus ihrer Sicht ist der FC Bayern klarer Favorit, was sie auch immer wieder in den Medien betonen. Das ist aus meiner Sicht in keinster Weise zu verstehen. Wie kann ich den aktuellen Fu\u00dfballer des Jahres, Marco Reus, verpflichten und kein Meister werden wollen? Wie kann ich den FC Bayern in den letzten beiden Jahren dominieren und jetzt kein Meister werden wollen? Das geht nicht. Damit hole ich mir den Nichterfolg von ganz alleine ins Haus. Die Geister, die ich rief. Das wirkt nicht authentisch und man muss sich dann am Ende nicht wundern, wenn man kein Meister wird.<\/p>\n<p>Genau dieses Ph\u00e4nomen des Tiefstapelns habe ich in den letzten Jahren auch bei anderen Vereinen, die kurzzeitig oben waren wahrgenommen. Sie sind nicht offensiv mit Zielsetzungen umgegangen und haben sich so ganz im Sinne einer selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung die faulen Eier selbst ins Nest gelegt. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen Zielsetzungen realistisch sein. Sie m\u00fcssen aber auch herausfordernd sein, da man sonst in seinen Leistungen stagniert. W\u00fcrde der SC Freiburg mit der Marschroute Meister werden zu wollen in eine Saison gehen, w\u00fcrde man dies sicher bel\u00e4cheln, aber nicht bei Dortmund vor Beginn dieser Saison. Ich will damit nat\u00fcrlich nicht sagen, dass Borussia Dortmund jetzt Tabellenerster w\u00e4re, wenn Watzke und Klopp vor der Saison die Meisterschaft als Ziel ausgelobt h\u00e4tten. Da spielen dann auch schon andere Faktoren eine Rolle. Bayern wird ja auch nicht jedes Jahr Meister, nur weil sie dieses als Ziel ausloben. Sie werden es aber h\u00e4ufiger als alle anderen Mannschaften. Und genau auf diese Nachhaltigkeit kommt es letztendlich an.<\/p>\n<p>Die Vereinsoberen von Borussia Dortmund haben in den letzten Jahren viele Dinge richtig gemacht und damit den Weg des Erfolges eingeschlagen, den sie nun aber nicht mehr konsequent weiterverfolgen. Vielleicht haben sie ja die Meisterschaft intern als Ziel festgelegt. Wenn ich das aber nicht nach au\u00dfen verk\u00f6rpere reicht das nicht. In gewissen Momenten gibt man den Spielern dann n\u00e4mlich ein Alibi: &#8220;Wir wollten ja gar kein Meister werden.&#8221; K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, dass Matthias Sammer, angenommen er w\u00e4re vor der Saison zu Dortmund gegangen, dieses \u00f6ffentliche &#8220;Nicht-Meister-werden-wollen&#8221; mitgetragen h\u00e4tte? Ich glaube auf gar keinen Fall. Sammer steht f\u00fcr unb\u00e4ndigen Siegeswillen, weshalb er auch so wahnsinnig gut zum FC Bayern M\u00fcnchen passt. Er bringt dieses MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl schon mit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lehnt man sich mit solch einer Art des Denkens und Handelns sehr weit aus dem Fenster. Denn in der \u00d6ffentlichkeit wird man an seinen Zielen gemessen. Das erkennt man auch am Beispiel des FC Bayern. Werden sie in einer Saison kein Meister, m\u00fcssen sie sehr viel H\u00e4me einstecken, denn sie wollten es ja werden. Werden andere Vereine kein Meister, ist das normal. Sie wollten es gar nicht werden. Als Vereinsoberer eines solchen Vereins wie der FC Bayern ben\u00f6tigt man also sehr viel Pers\u00f6nlichkeit und R\u00fcckgrat. \u00dcbrigens nicht nur die Vereinsoberen, sondern auch die Spieler. Man h\u00f6rt es immer wieder, dass Spieler beim FC Bayern von einer gewissen Atmosph\u00e4re im Verein sprechen, die sie enorm reifen lassen, weil sie mit wahnsinnig viel Druck umgehen lernen m\u00fcssen. Ist es ein Zufall, dass enorm viele ehemalige Spieler des FC Bayern nach ihrer aktiven Spielzeit als Moderatoren oder Experten bei Fernsehsendern engagiert werden?<\/p>\n<p>Mir ist nat\u00fcrlich bewusst, dass genau dieses MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl des FC Bayern gerade bei Nichtfans als arrogant gewertet wird. Das kann ich nachvollziehen. Es ist aber nur konsequent. Im Sport geht es nun einmal um Gewinnen oder Verlieren. Sportliche Wettk\u00e4mpfe sind Nullsummenspiele. Und beim FC Bayern m\u00f6chte man immer gewinnen. Genau nach diesem Motto tritt man nach au\u00dfen authentisch auf. Den Spielern wird genau diese Maxime quasi eingeimpft. In der Regel ist es nun aber so, dass Ziele, im Sinne des Erreichens dieser, gerne nach unten korrigiert werden. Damit gelangt man in einen abw\u00e4rts gerichteten Leistungsstrudel. Detaillierter habe ich dieses Ph\u00e4nomen in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1137\">Verhaltensmuster im Projektmanagement Teil 1: Zielanpassungen<\/a> analysiert. Das MIA-SAN-MIA Gef\u00fchl wirkt diesem Abw\u00e4rtstrend entgegen, da Ziele niemals nach unten korrigiert werden. Es wird stets das maximal Erreichbare und Sinnvolle angestrebt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte eine Prognose wagen. Borussia Dortmund war sicherlich seit langer Zeit wieder einmal so nah wie kein anderer Verein auf dem Level des FC Bayern. Wird dieser jetzt eingeschlagene Weg weiter verfolgt, wird Borussia Dortmund sehr bald nicht mehr auf Augenh\u00f6he mit dem FC Bayern sein. Sie haben dann eine gro\u00dfe Chance verpasst und ben\u00f6tigen wieder viele Jahre, wenn \u00fcberhaupt, um in diese Regionen vorzupreschen. Und das nur weil aus meiner Sicht der Mut fehlte &#8220;richtig&#8221; anzugreifen. Unz\u00e4hlige Beispiele, wie die oben Angesprochenen, belegen diese These.<\/p>\n<p>Damit andere Vereine also \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit dem FC Bayern ernsthaft konkurrieren k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen sie ebenfalls dieses Selbstverst\u00e4ndnis des Siegenwollens. Das ist allerdings nicht so einfach auszuloben oder aufzuoktroyieren. Dieses Gef\u00fchl muss von ganz Oben authentisch vorgelebt werden, damit jede Person dieses Vereins dieses Gef\u00fchl verinnerlichen kann. Zu diesem Vorleben geh\u00f6rt aber auch Niederlagen einzustecken und damit offen und mit breiter Brust umzugehen. F\u00fcr die Entstehung diese MIA-SAN-MIA Gef\u00fchls gibt es auch keine Erkl\u00e4rung \u00e4hnlich eines Rezeptes, da dieser <a href=\"http:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/emergent\">emergent<\/a> ist. Es gibt keine Handlungsvorschriften, die helfen, dieses Gef\u00fchl den Menschen eines Vereines einzupflanzen. Aber genau dieser Faktor ist es, der den FC Bayern ganz besonders von allen anderen deutschen Vereinen unterscheidet und der letztendlich f\u00fcr den langfristigen Erfolg steht.<\/p>\n<p>Wie oben schon angedeutet, m\u00f6chte ich die Ursachen des langfristigen Erfolges des FC Bayern nicht trivialisieren. Viele Faktoren geh\u00f6ren sicher dazu, wie die Kompetenzen der einzelnen Akteure, das vorhandene Geld, die aufgebauten internen Strukturen etc. Allerdings glaube ich ganz fest daran, dass Alleine das Fehlen dieses MIA-SAN-MIA Gef\u00fchls den langfristigen Erfolg nicht realisierbar gemacht h\u00e4tte, wenn alle anderen Faktoren. Dieser ist quasi der Schl\u00fcsselfaktor, der genau diese Langfristigkeit und Nachhaltigkeit erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Was bedeutet das eben Reflektierte nun f\u00fcr die Wirtschaft? Auch wenn die Wirtschaft wie der Sport kein Nullsummenspiel ist, kann man, wie am Anfang angedeutet, Lehren ziehen. Viele Themen habe ich bereits beschrieben, die \u00fcbertragbar sind. Da w\u00e4ren zum einen das <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=490\">Herzblut<\/a> und das Brennen f\u00fcr den Erfolg eines Vorhabens, oder das unbedingte \u00dcbernehmen von Verantwortung. Es ist wichtig, f\u00fcr eine Sache mit &#8220;Haut und Haaren&#8221; einzustehen, wenn man daran glaubt, und diesen Glauben auszustrahlen. Im Erfolgsfall ist das nat\u00fcrlich immer einfach, denn der Erfolg hat viele Eltern, nur der Misserfolg ist ein Stiefkind. Hierf\u00fcr muss eine <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=622\">Fehlerkultur<\/a> im Unternehmen etabliert sein. Gerade f\u00fcr einen Misserfolgsfall, der immer eintreffen kann, ist Mut wichtig, Ziele nicht herunter zu loben, denn man wird stets an diesen Zielen gemessen.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-1603\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"0018c1dff0\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1603_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1603, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1603_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1603, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1603_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1603, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1603_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1603, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1603_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_off.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1603, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(0, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (Keine Bewertungen bislang. 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