{"id":1204,"date":"2012-04-04T07:50:17","date_gmt":"2012-04-04T06:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1204"},"modified":"2013-01-24T10:15:46","modified_gmt":"2013-01-24T09:15:46","slug":"verlernen-alter-denkmuster-am-beispiel-des-homo-oeconomicus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1204","title":{"rendered":"Verlernen alter Denkmuster am Beispiel des Homo Oeconomicus"},"content":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich einen Dialog posten, den ich mit einem meiner Weggef\u00e4hrten auf meiner Reise des Verstehens, der anonym bleiben m\u00f6chte, gef\u00fchrt habe. In diesem geht es um das typische Verhaltensmuster der Menschen, wenn es darum geht alte Paradigmen umzusto\u00dfen und neue Wege zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich habe regelm\u00e4\u00dfig Ihre sehr interessanten und lesenswerten Beitr\u00e4ge zu verschiedenen Themen aus Verhaltens\u00f6konomik, Psychologie etc. gelesen. Daher interessiert mich Ihre Meinung zum Modell &#8220;Homo Oeconomicus&#8221; besonders. Ist dieses Modell noch zeitgem\u00e4\u00df? Oder ist es wie mit der katholischen Kirche und Galileo Galilei: man wei\u00df zwar l\u00e4ngst, dass dieser Wissensstand \u00fcberholt ist, kann es aber aus gesellschaftlichen Gr\u00fcnden nicht akzeptieren, dieses Konzept zu verwerfen? Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Einsch\u00e4tzung. \u00dcber den folgenden <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:reaktionen-auf-ftd-interview-volkswirte-streiten-ueber-straubhaars-radikalkritik\/70010630.html\">Link<\/a> k\u00f6nnen Sie eine aktuelle Debatte der \u00d6konomen zu notwendigen \u00c4nderungen in der \u00d6konomie verfolgen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Vielen Dank f\u00fcr Ihr Feedback. Ich denke mit dem Modell des Homo Oeconomicus erh\u00e4lt man sich eine Scheinsicherheit aufrecht, die die meisten Menschen brauchen, um ruhiger zu leben. Dieses Modell ist ein sehr gutes Beispiel, dass wir uns schwer tun, nichtlinear und zirkul\u00e4r zu denken. Wir bevorzugen die lineare Variante. Diese wird ja auch in unseren Bildungseinrichtungen gelehrt. Theorie und Praxis wechselwirken aber beidseitig aufeinander. Man versucht Erscheinungen der Umwelt griffig zu machen und stellt daf\u00fcr eine Theorie auf. Diese Theorie wirkt aber auch zur\u00fcck auf die Praxis, da durch die Theorie Spielregeln aufgestellt werden, an denen sich die Spieler halten wollen oder m\u00fcssen (aber nicht immer). Man erh\u00e4lt das Henne-Ei-Problem, also ein Paradoxon, was aus der zweiwertigen Wissenschaft ausgeschlossen ist, quasi als nicht existent deklariert wird. Nur weil wir aber etwas weg definieren ist es deshalb nicht gleich weg.<\/p>\n<p>Man geht in der Mainstream-\u00d6konomie immer noch von einem komplett rational denkenden und handelnden Menschen aus. Man schafft damit Spielregeln, die die Menschen dann auch so handeln lassen. Das nimmt man dann als Beweis f\u00fcr das Modell. Mit dem Aufstellen von Modellen sind wir aber nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur. Hat man dies erkannt, kommt man auch sehr schnell zu der Einsicht, dass Modelle regelm\u00e4\u00dfig validiert werden m\u00fcssen und niemals fertig sein k\u00f6nnen. Aus der Spirale kommt man nicht heraus. Man zieht aber leider nur den linearen Schluss von der Theorie zur Praxis, leider nicht zur\u00fcck. Verhalten sich Menschen nicht rational, sondern emotional, dann hakt man dies unter Ausnahme oder &#8220;Krankheit des Akteurs&#8221; ab. Die Theorie bleibt unangetastet. Das ist der Fehler.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht kann man nicht entscheiden zu wie viel Prozent Rationalit\u00e4t oder Emotionalit\u00e4t in die Entscheidungen von Menschen einzahlen. Menschen sind n\u00e4mlich &#8220;nichttriviale Maschinen&#8221;. Wenn die \u00d6konomen sich dieses Nichtwissen eingestehen w\u00fcrden, graben sie sich ihrer Meinung aber ihr eigenes Grab. Mehr Demut gegen\u00fcber dem Nichtwissen ist angesagt. Dann kann man auch ganz bewusst mit der Unsicherheit umgehen. Das ist dann aus meiner Sicht der \u00dcbergang von Quantit\u00e4ten zu Qualit\u00e4ten. F\u00fcr Quantit\u00e4ten haben wir Berechnungsvorschriften, die man anwenden kann. Geniale Scheinwelt. F\u00fcr Qualit\u00e4ten haben wir diese Berechnungsvorschriften nicht. Also weg damit. Komplexit\u00e4t muss reduziert werden.<\/p>\n<p>Manchmal helfen Analogons, um eine Problematik plastischer darstellen zu k\u00f6nnen. Ich nehme das Beispiel Fu\u00dfball. Wir haben Spielregeln aufgestellt, wie beispielsweise, dass Tore geschossen werden m\u00fcssen, um zu gewinnen. Also versuchen Spieler Tore zu schie\u00dfen. Niemand wundert sich dar\u00fcber. Theorie wirkt auf Praxis. Spielregeln haben aber auch Schlupfl\u00f6cher, die ausgenutzt werden k\u00f6nnen. Nimmt man wahr, dass ein Spieler kein Tor schie\u00dfen will, hakt man dieses nicht einfach als Ausnahme ab, sondern hinterfragt. Ist hier vielleicht Mauschelei oder Betrug im Spiel? Man \u00e4ndert unter Umst\u00e4nden die Spielregeln, also das Modell, bzgl. Wetten etc. Praxis wirkt auf Theorie. Hier macht man also den R\u00fcckschluss.<\/p>\n<p>Wie stehen Sie zu dem Modell?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich bedanke mich f\u00fcr Ihre Antwort. Ihrem Modell kann ich zu 100 Prozent zustimmen. Gerade Dan Ariely hat mit seinen Forschungsarbeiten in der Altruismusforschung einige wichtige Beitr\u00e4ge (ich dr\u00fccke es jetzt mal nicht fachm\u00e4nnisch aus) zum &#8220;Schummel&#8221;-Verhalten in Gesellschaften und zu m\u00f6glichen Anreizen einer &#8220;fairen&#8221; Welt gegeben. Ihr letztes Beispiel zum Fu\u00dfball dr\u00fcckt dies perfekt aus. Menschen verhalten sich dann kooperativ, wenn sie erwarten, dass andere das auch tun. Es gibt eine tolle Forschungsarbeit mit Trustees und Kunden, wo im Versuchsmodell der Kunde an den Trustee Geld lieh und der Trustee dem Kunden nach einer bestimmten Zeit den &#8220;Gewinn&#8221; auszahlte. Das Ergebnis zeigte, dass sich alle Beteiligten vertrauen, je mehr Vertrauen der Kooperationspartner zeigte. <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte jetzt auch gar nichts mehr dazu sagen, weil Sie alle wichtigen Punkte auf den Punkt gebracht haben. Wie Sie es in einem Ihrer Artikel so sch\u00f6n ausgedr\u00fcckt hatten: Emergenz und Black Box-Problematik etc. (nicht abschlie\u00dfende Aufz\u00e4hlung). Was ich nicht ganz verstehe, ist die Tatsache, dass ein System, das widerlegt worden ist, immer noch mit der Begr\u00fcndung gehalten wird, dass das neue System noch nicht alle Konstellationen erkl\u00e4ren kann und somit unvollst\u00e4ndig ist. Und sich Fachleute wie Michael H\u00fcther und Hans-Werner Sinn sowie Bert R\u00fcrup eine &#8220;goldene&#8221; Nase mit ihren Talkshow-Auftritten verdienen.<\/p>\n<p>Vielleicht muss es noch bessere mathematische Beweise geben, als es sie l\u00e4ngst gibt.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Zu Ihrer Frage am Schluss habe ich folgende Sichtweise. <\/p>\n<p>1. Das Widerlegen der Systeme wird zum gro\u00dfen Teil nicht zugelassen. Ich m\u00f6chte mich auf das Modell des Homo Oeconomicus beziehen. Viele \u00d6konomen sind mit diesem Paradigma gro\u00df geworden. Ihr ganzes Leben und ihre ganze Arbeit basiert auf diesem Modell. Ein Negieren dieses Modells bedeutet zwangsl\u00e4ufig ein Negieren ihres Lebenswerkes. Dass sie das verhindern wollen, kann ich emotional nachvollziehen, was nicht bedeuten soll, dass der Umsturz nicht notwendig ist. Kratzer am Modell werden also nicht zugelassen.<\/p>\n<p>2. Auch wenn man Kratzer zulassen w\u00fcrde, sprich wenn man sich auf eine Diskussion bzgl. Pro und Contra einlassen w\u00fcrde, werden die gefundenen Fakten nicht fair auf die verschiedenen Behauptungen reflektiert. Ich m\u00f6chte das an einem Beispiel konkretisieren, dem Modellieren. Wie Sie wissen, bin ich Verfechter der Methode des Modellierens. Beim Modellieren werden die mentalen Modelle der Diskursteilnehmer offen gelegt, in dem beispielsweise mittels Ursache-Wirkungsbeziehungen die Argumente zu einem Wirkungsnetz vervollst\u00e4ndigt werden. Viele Gegner des Modellierens sagen, dass es unm\u00f6glich ist die Welt zu modellieren und auf dieser Basis objektive Entscheidungen zu treffen. Das ist richtig. Das ist aber grunds\u00e4tzlich richtig. Egal wie ich zu Entscheidungen komme, sie sind stets subjektiv und basieren niemals auf der &#8220;richtigen&#8221; Realit\u00e4t. Ich entgegne, dann stets dass wir nicht nicht modellieren k\u00f6nnen. Auch wenn wir es nicht explizit betonen, aber stets wenn wir unsere Umwelt wahrnehmen und Faktoren gegeneinander abw\u00e4gen und auf dieser Basis Entscheidungen treffen, modellieren wir. Das machen wir dann meistens im Kopf, ohne dass wir diese Beziehungen explizit machen. Dann bleiben diese Beziehungen f\u00fcr die Mitdiskutanten aber unsichtbar. Das Finden einer gemeinsamen Sprache, mit der man Probleme beschreiben und L\u00f6sungen formulieren kann, wird unm\u00f6glich. Man wird mit der Methode des Modellierens im schlechtesten Fall gleich gut bleiben, oft aber besser.<\/p>\n<p>Neue Ideen werden also meist abgeb\u00fcgelt, weil Begr\u00fcndungen gefunden werden, die ein komplettes Heilen der Welt mit diesen Ideen im Wege stehen. Das die derzeitig vorherrschenden Ideen dies auch nicht tun, wird ausgeblendet. Warum blendet man diese aus? Hier ziehen wieder die Fakten aus 1. Wir tun uns leichter alte eingesessene Paradigmen zu best\u00e4tigen. als diese zu hinterfragen. Fakten, die zur Best\u00e4tigung der Paradigmen beitragen werden sehr hoch gewichtet, da sie die eigene Identit\u00e4t best\u00e4tigen. <\/p>\n<p>Welche Erfahrungen machen Sie mit Mitmenschen, die &#8220;Paradigmenreiter&#8221; sind? Die Bezeichnung &#8220;Paradigmenreiter&#8221; soll nicht despektierlich klingen. Ganz im Gegenteil. Wie ich oben bereits ausgef\u00fchrt habe, habe ich Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Menschen, da ich sie nachvollziehen kann. In bestimmten Bereichen kann ich mich sicherlich auch nicht davon frei machen. Wie versuchen Sie mit diesen Menschen umzugehen?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich freue mich \u00fcber unseren Diskurs. Nat\u00fcrlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass Paradigmen in der von Ihnen beschriebenen Weise wirken und Wissen somit nicht objektiv als richtig oder falsch, sondern der jeweiligen Gesellschaftsform und ihren Tr\u00e4gern dienlich sein m\u00fcssen. Aber gerade da finde ich, sollten wir in der heutigen Zeit (mit einem Geschichtsverst\u00e4ndnis, das die alten Fehler der Vergangenheit vielleicht einmal absch\u00fcttelt, um neue, f\u00fcr die Gesellschaft f\u00f6rderliche Sichtweisen und Erkenntnisse vorzubringen). Habermas hat mit seiner Diskursethik (herrschaftsfreie Kommunikation und die in einen Diskurs jeweils neu zu entwickelnden Geltungsanspr\u00fcche durch Aushandeln des &#8220;besseren&#8221; Arguments als den Systemimperativen Macht, Geld oder reiner Zweckrationalismus einen -wie ich finde- wichtigen Beitrag geliefert.<\/p>\n<p>Ich komme auf das Thema eigentlich deshalb, weil ich auf Phoenix eine Sendereihe zur &#8220;Inquisition&#8221; im Mittelalter gesehen habe und mir war gar nicht bewusst, dass es P\u00e4pste (Benedikt IV.) gab, die schon sehr fr\u00fch neue Denkweisen der Naturwissenschaften zulassen wollten, aber von den Kardin\u00e4len, die Angst hatten, die katholische Kirche w\u00fcrde ihre Deutungshoheit verlieren, diese Denkweisen blockierten. Galileos Sichtweisen (hervorgerufen durch Kopernikus) wurden sogar intern in der Kirche als &#8220;allgemeines Wissen&#8221; anerkannt. Nur nach au\u00dfen musste man den Schein wahren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann ich Menschen verstehen, dass Sie Ihren Status und das Wissen, das diesen legitimieren soll, sichern wollen. Aber ich glaube, wir m\u00fcssen in der heutigen Zeit, in der die M\u00e4rkte und die Weltwirtschaft immer erbarmungsloser werden, neues, innovatives Wissen generieren, um wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben. Und das entsteht meines Erachtens nur durch &#8220;Rulebreaker&#8221; (\u00fcbrigens sehr <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Rulebreaker-Menschen-denken-deren-ver%C3%A4ndern\/dp\/3902729090\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1333463378&#038;sr=8-1\">empfehlenswertes Buch<\/a> von S.G. Janszky), die eben nicht nur den Mainstream denken, sondern Innovationen schaffen.<\/p>\n<p>Ich teile Ihre Auffassung zum Modellieren voll. Ich glaube, dass schafft Transparenz im Denken.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich finde unseren Diskurs ebenfalls sehr interessant. Ich bin voll mit Ihnen. Wir m\u00fcssen unsere Denk- und Handelsweise \u00fcberdenken. Das ist eine lange Reise und beginnt bereits im Kindesalter, damit sie nachhaltig sein kann. Es gibt wahrscheinlich viele Ans\u00e4tze. Nur derzeit sehe ich nur verschiedene kleine Puzzleteile, die erst zu einem Bild geformt werden m\u00fcssen. Die Diskursethik von Habermas ist sicherlich eines dieser Puzzleteile. Haben Sie gutes Material dazu? Ich m\u00f6chte mich da ein bisschen n\u00e4her belesen.<\/p>\n<p>Mir fehlt aber wie gesagt der Ausblick, diese vielen sehr guten Ans\u00e4tze zu operationalisieren. Wir sind noch viel zu sehr in der heutigen Welt der Quantit\u00e4ten verwurzelt. Das l\u00e4sst ein Denken in Qualit\u00e4ten zwar zu, jedoch nicht das Handeln. Wo k\u00f6nnten die Hebel sein?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Informationen zu Habermas habe ich Ihnen gesendet. Ich habe in letzter Zeit begonnen, mich mit Akerlof und Stiglitz zu besch\u00e4ftigen, die ein Modell der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Angebot und Nachfrage am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes herausgebracht haben. Dieses Modell haben sie erweitert und \u00fcbertragen auf die Problematik von moral hazard, also gegenseitigem Vorenthalten von Informationen der obersten und untersten Ebene eines Unternehmens und der dadurch entstehenden Informations-L\u00fccke. Hier kann ich auf das Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Animal-Spirits-Wirtschaft-wirklich-funktioniert\/dp\/3593389371\/ref=sr_1_3?ie=UTF8&#038;qid=1333520490&#038;sr=8-3\">Animal Spirits<\/a> verweisen. Dort wird zwar nicht die eigentliche wissenschaftliche Theorie beschrieben, aber die Beschreibung der Ursachen der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 sowie das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten verschiedener Wirtschaftskrisen der Vergangenheit (z.B. Asienkrise) und m\u00f6glicher L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr die Zukunft. Weitere Informationen finden Sie weiterhin <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/konjunktur\/:neue-denker-1-akerlof-abschied-vom-universalmenschen\/50091986.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/wirtschaftswunder.ftd.de\/2009\/10\/30\/george-akerlof-und-joseph-stiglitz-ideen-aus-dem-untergrund\/\">hier<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sie schreiben: &#8220;Habermas hat mit seiner Diskursethik (herrschaftsfreie Kommunikation und die in einen Diskurs jeweils neu zu entwickelnden Geltungsanspr\u00fcche durch Aushandeln des &#8220;besseren&#8221; Arguments als den Systemimperativen Macht, Geld oder reiner Zweckrationalismus einen &#8211; wie ich finde &#8211; wichtigen Beitrag geliefert.&#8221;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte darauf Bezug nehmen, soweit ich Habermas aus den von Ihnen mir zugestellten Dokumenten verstehe. Habermas geht bei seiner Diskursethik von einer idealen Sprechsituation aus. Das bedeutet:<br \/>\n1. Alle Subjekte verhalten sich in der idealen Sprechsituation rational.<br \/>\n2. Alle Subjekte haben die gleiche M\u00f6glichkeit, sich zu \u00e4u\u00dfern. <\/p>\n<p>Widerspricht dass nicht den Erkenntnissen Akerlofs, der klar formuliert, dass Menschen sich nicht rational verhalten, sondern in einem hohen Ma\u00dfe Werte und Normen eine Rolle spielen, und dass Informationen niemals gleichverteilt sind, sondern asymmetrisch? Mir kommt es so vor, als wenn Habermas zwar eine Theorie aufstellt, die Qualit\u00e4ten integriert, diese aber nur in Umgebungen der Quantit\u00e4ten praktisch umsetzbar sind. Man hat also nicht viel gewonnen. <\/p>\n<p>Wie sehen Sie das?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Sie haben vollkommen Recht. Akerlof und Habermas stehen diametral entgegen. Ich habe Habermas in den Diskus gebracht, um zu zeigen, dass wir eben nicht die (wie wir es durch unsere Sozialisation in der Schule, Ausbildung, Universit\u00e4t etc.) postulierten Werte wie z.B., dass es wirklich nach Leistung geht und das bessere Argument sich durchsetzt im Diskurs, leben. Habermas sagt n\u00e4mlich, dass es Subsysteme (wie die Judikative und die Wirtschaft) gibt, die nicht den Regeln des kommunikativen bzw. verst\u00e4ndigungsorientierten Handelns unterliegen. Diese Bereiche nennt er B\u00fcrokratie. Sie unterliegen seiner Meinung nach dem zweckrationalen, nutzenorientierten und auf der Basis von Macht basierenden Kriterien. Dadurch, dass seiner Meinung nach alle anderen Bereiche dem verst\u00e4ndigungsorientierten Handeln unterliegen oder unterliegen sollten, kann es Schwierigkeiten bei der Verst\u00e4ndigung in beiden Bereichen geben. F\u00fcr mich ist Habermas daher weniger ein Philosoph im eigentlichen Sinne, der ein neues Denksystem erschafft, sondern das bestehende aufzeigt. Zu beachten ist auch, dass Habermas zwischen Lebenswelt (a tergo) und System (a fronte) unterscheidet.<\/p>\n<p>Akerlof hingegen entwirft -meines Erachtens- ein Zukunftsmodell, da er den Menschen auf Basis von Forschungsarbeiten aus der Hirnforschung und Verhaltens\u00f6konomik neu definiert (oder vielleicht gerade nicht mehr definiert?!). Er m\u00f6chte darauf aufmerksam machen, dass es einen Herdentrieb gibt, der die Menschen blind macht f\u00fcr Risiken, die die Grundlagen ihrer Gesellschaft zerst\u00f6ren k\u00f6nnen (B\u00f6rsen, Rating, Derivate). Auf der anderen Seite will er aufzeigen, dass Unternehmen besser funktionieren, wenn sie die Mitarbeiter besser in ihre Prozesse einbinden, da diese dann auf der Mikroebene besser und engagierter zusammenarbeiten. Nicht mehr Geld soll ein Anreizsystem f\u00fcr mehr Leistung sein, sondern Beteiligung durch Einbindung in die Unternehmenskultur. <\/p>\n<p>Ich hoffe, ich konnte den Unterschied deutlich machen. Habermas habe ich nur zitiert, da ich die bestehende Wirklichkeit der nicht auf rationaler Basis orientierten, aber so postulierten Diskurskultur kritisieren wollte. Nat\u00fcrlich haben Sie mit Ihrem Einwand recht. Beide stehen diametral entgegen. Ich favorisiere Akerlof, aber bin mir bewusst, dass wir noch meilenweit von dem entfernt sind. Also hoffe ich, dass wir mit Habermas und seinem &#8220;Rationalismus&#8221; die Systeme Geld und Macht etwas verschieben k\u00f6nnen. Ich hoffe, ich konnte diese Ungereimtheit etwas aufkl\u00e4ren.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Die Theorie der asymmetrischen Informationen von Akerlof l\u00e4sst sich m.E. auch auf die Schwierigkeit reflektieren, die besteht, neue Denkrichtungen zu platzieren. Angenommen Ich habe eine neue Idee, die alte Paradigmen umsto\u00dfen. Wenn ich davon ausgehen kann, dass alle Menschen, denen ich diese Idee vortrage, die gleichen Informationen haben, m\u00fcssten sie dieser Idee offen gegen\u00fcberstehen. Das ist aber nicht realistisch. Die Informationen sind ungleichverteilt. Bzgl. alter und neuer Denkweisen stellt sich stets ein Gleichgewicht ein, worauf sich auch auf die Erzeugung neuer Ideen auswirkt, denn die Menschen m\u00f6chten ja, dass sie geh\u00f6rt werden. Eine Spirale nach unten beginnt, was dazu f\u00fchrt, dass &#8220;Inhaber&#8221; radikal neuer Ideen von der Bildfl\u00e4che verdr\u00e4ngt werden. Dadurch verhindern wir einen Umsturz der alten \u00fcberholten Paradigmen. An dieser Stelle ist ein Prozessmusterwechsel notwendig. Aufgrund der ungleich verteilten Informationen ist aber oft nur eine Funktionsoptimierung m\u00f6glich. In einigen Bereichen, vor allem im Sport, kennt man einige Beispiele f\u00fcr diese Prozessmusterwechsel. Ein Beispiel ist der schwedische Skispringer Jan Bokl\u00f6v, der den V-Stil erfunden hat. Vielleicht ist dieses Beispiel nicht ganz passend, denn Bokol\u00f6v hatte im Parallelstil keine Chance vorne mit zuspringen. Also konnte er sich entscheiden, zwischen Mittelma\u00df im Parallelstil oder Ausgrenzung, wegen Verlachens des V-Stils. Sein Risiko zu verlieren war also nicht so gro\u00df, wie beispielsweise, dass eines Wissenschaftlers, der sein ganzes Lebenswerk riskiert, wenn er unpopul\u00e4re Ideen vertritt.<\/p>\n<p>Hier hat man es also mit einem Problem zweiter Ordnung zu tun. Probleme, die wir mit den alten Modellen erkennen, gr\u00fcnden auf dem Vorhandensein von asymmetrischen Informationen. Ein Umsto\u00dfen dieser alten Modelle ist aber genau deshalb schwierig, weil n\u00e4mlich genau diese asymmetrischen Informationen bestehen.<\/p>\n<p>Was denken Sie?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich denke dar\u00fcber genauso, wie Sie es dargestellt haben. Toll finde ich auch immer Beispiele aus dem Sport (wie Ihr Beispiel), weil diese uns eher einleuchten. F\u00fcr mich ist es immer die gleiche Frage, die hinter solchen \u00dcberlegungen steht: Wollen wir effizienter handeln und das bestehende System optimieren oder effektiver werden und etwas Neues wagen. Dem Neuen fehlt nat\u00fcrlich die Akzeptanz und es fehlen praktische Erfahrungen. Deshalb sagen dann viele Menschen (sogenannte selbst ernannte Praktiker), das Neue l\u00e4sst sich praktisch nicht umsetzen. Und so werden Chancen vertan, sich von anderen positiv abzusetzen.<\/p>\n<p>Ich finde auch das Beispiel vom Affen, der eine Banane vom Baum holen will, geeignet. Wenn der Affe immer nur springen w\u00fcrde, bis er vielleicht mal die Banane erreicht hat, wird er lange brauchen. Wenn er aber nachdenkt und sich ein Hilfsmittel sucht, wird er zwar zun\u00e4chst Zeit gebrauchen, um sich dieses Hilfsmittel zu besorgen bzw. ggfs. eine Konstruktion zu bauen, aber er wird letztlich auch wieder Zeit einsparen.<\/p>\n<p>Genauso sehe ich das auch mit Innovationen. Diese sind notwendig, um uns im Wettbewerb auf wirklich wichtige Dinge konzentrieren zu k\u00f6nnen. Etwas Neues zu schaffen bedeutet immer auch Zeitverz\u00f6gerung. Kein Reiz-Reaktions-Schema, sondern ganzheitlicher denken, um sich einen Vorteil zu verschaffen. \u00dcbrigens, ein weiteres Beispiel aus dem Sport sehe ich im Tennis mit Roger Federer. Der spielt seit Jahren ohne Verletzung auf h\u00f6chstem Niveau, weil sein Spiel und seine Schl\u00e4ge so harmonisch sind, dass er weniger Kraft aufwenden muss.<\/p>\n<p>Der Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften Daniel Kahnemann hat herausgefunden, dass der Mensch mehr Angst vor Verlusten hat, als m\u00f6gliche Gewinne einzustreichen. Das hat mit dem Belohnungssystem im Gehirn zu tun. Deshalb haben es Neuerungen besonders schwer, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden.<br \/>\nEs schlie\u00dft sich der Kreis. Wie ich eingangs in meiner ersten Email gesagt habe, bleibt es der Mathematik vorbehalten, den Beweis oder Gegenbeweis des Homo Oeconomicus zu f\u00fchren. Da ich mathematischer Laie bin, m\u00f6chte ich nur kurz stichwortartig Beispiele geben. Vielleicht k\u00f6nnen sie Licht ins Dunkel bringen.<\/p>\n<p>Der Mensch lebt nach dem Modell des erwarteten diskontierten Nutzens &#8211; platt ausgedr\u00fcckt &#8211; vom Nutzen, den er so fr\u00fch wie m\u00f6glich realisiert. Demnach ist der Mensch ungeduldig. Au\u00dferdem schaut er nach dem Modell des Nash-Gleichgewichtes auf die Erwartungen der anderen. Danach handeln sie rational, was in der Praxis so nicht vorkommt. Au\u00dferdem gibt es das Modell der optimalen Lebensplanung nach Samuelson, nach dem sein Vergn\u00fcgen oder Missfallen am Leben durch Konsum ermittelt wird und er demnach vom Standpunkt der Gegenwart aus immer ein begrenztes Vergn\u00fcgen am Konsum hat. Das ist von mir bewusst etwas provozierend formuliert. Ich habe diese Beispiele aus der Fachzeitschrift Spektrum der Wissenschaft Spezial &#8220;Wie entscheiden wir?&#8221; und finde diese geeignet, n\u00e4her zu beleuchten.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Erg\u00e4nzungen. Unsere Unterhaltung gef\u00e4llt mir ungemein, da sie Erkenntnis f\u00fcr mich generiert. Ich m\u00f6chte kurz zusammenfassen, bevor ich auf die derzeitige Mathematik eingehe. Diese Zusammenfassung k\u00f6nnen Sie gerne erg\u00e4nzen oder revidieren, falls Sie eine andere Sicht haben. Wir haben festgestellt, dass das Modell des Homo Oeconomicus l\u00e4ngst \u00fcberholt ist, dies auch von einigen Menschen hergeleitet wurde, die \u00d6konomie aber trotzdem noch an diesem Modell festh\u00e4lt. Folgende Gr\u00fcnde haben wir daf\u00fcr herausgearbeitet. <\/p>\n<p>1. Laut G. Akerlof haben wir es im Markt mit unvollkommenen oder asymmetrischen Informationen zu tun, die das Modell des vollkommen rational handelnden Menschen invalide werden lassen. Die H\u00fcrde, die dem Erkennen des Fehlleitens des Modells im Wege steht, ist wiederum der Aspekt, dass wir es mit asymmetrischen Informationen zu tun haben. Es handelt sich also um ein Problem zweiter Ordnung.<\/p>\n<p>2. Der Mensch ist ungeduldig. Er lebt nach dem Modell des erwarteten diskontierten Nutzens, eines Nutzens, den er so fr\u00fch wie m\u00f6glich realisiert. Prozessmusterwechsel implizieren aber stets eine Zeitverz\u00f6gerung. Funktionsoptimierungen helfen aber nicht immer weiter, gerade dann nicht, wenn es um gravierende \u00c4nderungen geht. Das haben wir am Beispiel Skispringen erl\u00e4utert. Ein anderes Beispiel k\u00f6nnte der Hochsprung sein. Es gab mehrere Arten von Spr\u00fcngen, bis man letztendlich beim Fosbury Flop gelandet ist. Eine \u00e4hnliche Evolutionsstufe m\u00fcssten wir auch beim Neuschreiben eines Modells f\u00fcr die \u00d6konomie durchleben, ein Prozessmusterwechsel.<\/p>\n<p>3. Der Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften Daniel Kahnemann hat herausgefunden, dass der Mensch mehr Angst vor Verlusten hat, als m\u00f6gliche Gewinne einzustreichen. Das hat mit dem Belohnungssystem im Gehirn zu tun. Das Formulieren neuartiger Ideen, die ein allgemein anerkanntes Paradigma umsto\u00dfen k\u00f6nnten, kann zum Ausschluss aus der Gemeinschaft f\u00fchren. Man wird als Verr\u00e4ter eingestuft. Menschen sind &#8220;Herdentiere&#8221; und stufen solch einen Ausschluss als Verlust ein.<br \/>\nSie sprechen an, dass die Mathematik eine Vorreiterrolle \u00fcbernehmen sollte, um die oben angesprochenen H\u00fcrden anzukratzen. Hier sind wir m.E. wieder bei dem Verh\u00e4ltnis Qualit\u00e4t vs. Quantit\u00e4t. Die heutige Mathematik ist auf der zweiwertigen Aristotelischen Logik aufgebaut. Diese kennt nur Quantit\u00e4ten. Qualit\u00e4ten werden von der Mathematik ausgeschlossen. Detaillierter habe ich das in meinem Logbuch der Reise des Verstehens im Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=467\">Behindert unser unzureichendes Zahlenverst\u00e4ndnis unser Probleml\u00f6sen?<\/a> beschrieben. Das bedeutet aber nicht, dass ich Ihnen nicht Recht gebe. Die Mathematik sollte diese Rolle annehmen, nur muss man sich der H\u00fcrde bewusst sein, damit sie eingerissen werden kann.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Wie bereits gesagt &#8211; freue ich mich \u00fcber unseren Diskurs. Zu den Punkten 1 bis 3 herrscht \u00dcbereinstimmung und Klarheit, wie ich denke.<br \/>\nDie Aussage zur Mathematik h\u00e4tte ich wohl eher als Frage formulieren m\u00fcssen. Im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch h\u00e4tte ich durch den Tonfall dieses Aussagesatzes das deutlich machen k\u00f6nnen. Nichtsdestotrotz m\u00f6chte ich eine Aussage des Nobelpreistr\u00e4ger Prof. Manfred Eigen (Bio- und Physikchemiker), der auf dem Gebiet der Kinetik von schnellen biochemischen Reaktionen seinen Nobelpreis erhalten hat, in der Sendung &#8220;So gesehen&#8221; in einem Interview gesagt hat, die Mathematiker seien soweit, die gesamte Welt einschlie\u00dflich sozialwissenschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme in mathematischer Ausdrucksweise zu erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Gleichzeitig glaube ich (ich wei\u00df es aber nicht), dass wir der Mathematik zu viel Glauben schenken. Ich denke, es verh\u00e4lt sich \u00e4hnlich wie mit Habermas Rationalismus. Da alle glauben, Menschen denken und handeln rational, w\u00e4re die Methode von Habermas, dem besseren Argument in einer herrschaftsfreien Umwelt Glauben zu schenken, rational. Dass dem nicht so ist, wissen wir und auch Habermas. Ansonsten h\u00e4tte er nicht konstatiert, dass es Subsysteme wie die B\u00fcrokratie gibt. Ich kann ihre Aussage zum Verh\u00e4ltnis Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t nachvollziehen. Ich glaube aber, dass wir &#8211; soweit ich das beurteilen kann- auch an der quantitativen Aussagef\u00e4higkeit etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, in dem wir transparentere Verfahren schaffen, die durch festgelegte Regeln bestimmt werden, die weniger Methodenwechsel erlauben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gerne noch auf die Erwartungen von Menschen eingehen. Keynes und Nash haben dies sch\u00f6n aufgezeigt. Nach diesem Konzept gehe man im 1. Grad davon aus, dass andere sich keine Gedanken machen. Im 2. Grad geht man davon aus, die anderen denken, man selbst mache sich keine Gedanken. Im 3. Grad entscheidet man, dass die anderen in der Annahme entscheiden, sie machten sich keine Gedanken. F\u00fcr mich klingt das ein wenig wie Herdentreib.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich bei Ihren Artikel \u00fcber Zahlenverst\u00e4ndnis und Probleml\u00f6sen an meine Schulzeit und mein Abitur zur\u00fcckerinnert, wo in Mathematik immer nur \u00dcbungsaufgaben mit theoretischen Aussagewert vorkamen, leider keine Systematik erkl\u00e4rt wurde (wie das in ihrer Darstellung der Fall ist) und keine praxisbezogenen \u00dcbungsaufgaben, womit der Aussagewert f\u00fcr einen Teenager gleich null ist. <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aber auf einen mir wichtigen Punkt noch einmal zur\u00fcckkommen. Das Verh\u00e4ltnis der abh\u00e4ngigen (endogene, erkl\u00e4rte) zur unabh\u00e4ngigen (erkl\u00e4rende, exogene) Variable in Gleichungssystemen. Auf Seite 36 des Buches \u201eAnimal Spirits\u201c von Akerlof wird davon gesprochen, dass Jan Tinbergen. der 1938 ein 48 Gleichungen umfassendes Modell der US-Wirtschaft schuf. 1950 wurde ein weiteres Modell zur Messung der Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten unter Lawrance Klein Ausgangspunkt f\u00fcr ein Projektnetzwerk &#8220;Project Link&#8221;, &#8220;das \u00f6konometrische Modelle aller gro\u00dfen L\u00e4nder weltweit miteinander verkn\u00fcpfte und Tausende von Gleichungen umfasste.&#8221; S. 36 \u201eAnimal Spirits\u201c. Als mathematischer Laie stelle ich mir vor, dass die Herren dort versucht haben, jeweils immer die unabh\u00e4ngige Variable zu erkl\u00e4ren?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Auf ihren letzten Punkt m\u00f6chte ich gerne eingehen. <\/p>\n<p>1. Die Ergebnisse, die ein Modell erzeugt, m\u00fcssen nachvollziehbar sein. Ein Modell ist stets nur ein Ausschnitt einer zu untersuchenden Thematik. Deshalb gibt es in diesen Modellen auch abh\u00e4ngige und unabh\u00e4ngige Variablen. In der Realit\u00e4t existieren aus meiner Sicht keine unabh\u00e4ngigen Variablen, da alles irgendwie mit allem verkn\u00fcpft ist. Ein Modell darf nicht zu schwierig aber auch nicht zu einfach sein. Teilweise habe ich das Gef\u00fchl, dass sich Menschen mit schwierigen Modellen eine Scheinsicherheit aufbauen, frei nach dem Motto: \u201eDas ist so schwierig, das muss richtig sein.\u201c. Wir m\u00fcssen Demut gegen\u00fcber Unsicherheit zeigen. Wir werden Unsicherheit niemals ganz absorbieren k\u00f6nnen, auch nicht mit noch so schwierigen Modellen. <\/p>\n<p>2. Beim Modellieren h\u00e4lt uns unsere lineare Denkweise gefangen. Wir glauben, dass komplexe Muster oder Verhaltensweisen auch nur mit komplexen Handlungsanweisungen erzeugt werden k\u00f6nnen. Das ist aber nicht der Fall. Die Natur lehrt uns das. Ich habe in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=942\">Komplexit\u00e4ten entstehen aus Einfachheiten, sind aber schwer zu handhaben<\/a>. dieses Ph\u00e4nomen beleuchtet. Ein gutes einpr\u00e4gsames Beispiel ist das Fangen eines Balles. In diesem Post stelle ich die Ideen von Stephen Wolfram, den Erfinder von Mathematica, vor, der zu diesem Komplex ein ganzen Buch geschrieben hat, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/A-New-Kind-of-Science\/dp\/B007ETDD5E\/ref=sr_1_sc_3?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1333521185&#038;sr=1-3-spell\">A new kind of science<\/a>. <\/p>\n<p>3. Einen dritten Fehlschluss, den wir ziehen ist, dass wir nicht unterscheiden zwischen Determiniertheit und Vorhersagbarkeit. Das m\u00f6chte ich gerne ausf\u00fchren. Determiniert ist etwas, wenn Ursache-Wirkungsverh\u00e4ltnisse ausgemacht werden k\u00f6nnen. Vorhersagbar ist etwas, wenn man eine Formel definieren kann, die in endlicher Zeit l\u00f6sbar ist und wenn alle Parameter der Formel beliebig genau bestimmt werden k\u00f6nnen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Determiniertheit und Vorhersagbarkeit. Ist eine Situation vorhersagbar muss sie determiniert sein. Der umgekehrte Fall gilt nicht. Es gibt determinierte Situationen, die nicht vorhersagbar sind. Die Chaostheorie hat hier ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht. Dazu empfehle ich Ihnen meinen Artikel <a href=\"http:\/\/conny-dethloff.de\/mediapool\/78\/781999\/data\/Unternehmensfuehrung_und_Chaostheorie.pdf\">Was hat Unternehmensf\u00fchrung mit Chaostheorie und Quantenmechanik zu tun?<\/a><\/p>\n<p>Dazu ein Beispiel aus der Praxis: W\u00fcrfeln ist determiniert, denn die gew\u00fcrfelte Augenzahl h\u00e4ngt ab von der Gr\u00f6\u00dfe des W\u00fcrfels, der Rutschfestigkeit des Untergrundes, Abstand der Hand zum Untergrund, Winkel des Aufpralls des W\u00fcrfels auf dem Untergrund, der Kraft etc. Eine Formel daf\u00fcr kenne ich nicht. Sie ist aber theoretisch denkbar. Aber auch wenn diese Formel in endlicher Zeit l\u00f6sbar w\u00e4re, ist es schwierig, beliebig genau die oben angef\u00fchrten Parameter zu bestimmen. Das W\u00fcrfeln einer Augenzahl ist also nicht vorhersagbar. Statistisch gesehen wissen wir zwar, dass jede Augenzahl mit der Wahrscheinlichkeit 1\/6 f\u00e4llt. Daf\u00fcr ben\u00f6tigt man aber sehr viele Versuche. Es bringt also nichts f\u00fcr einen bestimmten Wurf die Augenzahl vorherzusehen. Es bleibt ein Raten.<br \/>\nEs gibt auch einen <a href=\"http:\/\/www.10man.de\/presse\/110200_RIKES_Working%20Paper_No_3_Keynes-Komplexitaet.pdf\">Artikel im Netz<\/a>, der die Erkenntnisse von Keynes aus der Sicht der Chaostheorie beleuchtet, wirklich sehr interessant.<\/p>\n<p>Die Unterscheidung von Faktoren in abh\u00e4ngig und unabh\u00e4ngig ist also unserer Reduktion der Wahrnehmung der Umwelt geschuldet. In der Realit\u00e4t, die wir niemals wahrnehmen k\u00f6nnen, gibt es keine unabh\u00e4ngigen Variablen. Hier muss man nat\u00fcrlich sehr konkret werden, da man an dieser Stelle das Thema &#8220;Freier Wille&#8221; thematisiert. Details habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=425\">Kann ein freier Wille bedingt sein?<\/a> reflektiert.<br \/>\nIch hoffe ich habe sie jetzt nicht mit Lesestoff \u00fcberladen. \ud83d\ude42<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte einige Punkte kurz herausstellen.<\/p>\n<p>1. In dem Artikel \u00fcber Keynes wurde George Soros erw\u00e4hnt. Der hat mit seiner Boom-\/ Bust-Theorie die Gleichgewichtstheorie widerlegt. Die Gleichgewichtstheorie geht auch mit dem Modell des &#8220;Homo Oeconomicus&#8221; einher. Wir haben dies bisher nicht explizit erw\u00e4hnt, aber diese Theorie ist nat\u00fcrlich auch \u00fcberholt.<\/p>\n<p>2. Wir k\u00f6nnen Komplexit\u00e4ten schon mit einfachen Mitteln \u00fcberschauen: indem wir die Heuristiken der Intuition nutzen.(S. Gerd Gigerenzer) <\/p>\n<p>3. Die Intuition baut auf dem Bewusstsein auf. Hier unterscheiden wir bedachte, unbedachte und unbewusste Zust\u00e4nde. <\/p>\n<p>4. Darauf aufbauend k\u00f6nnen wir die Freiheit definieren durch die Urheberschaft und die Autonomie des Handelnden. Es bleibt aber das sogenannte prozedurale Ged\u00e4chtnis, das auf rein unbewusstem Verhalten (nicht Handeln, das w\u00e4re intentional) basiert. Kann man dies wirklich als frei bezeichnen? Einen Reflex?<\/p>\n<p>5. Freiheit ist begrenzt durch den Habitus &#8211; die \u201esoziale Pers\u00f6nlichkeitsstruktur\u201c &#8211; die den Mitgliedern einer Gruppe gemeinsamen psychischen Merkmale innewohnt&#8221;, Pierre Bourdieu. Aber begrenzt hei\u00dft nicht determiniert. Jeder kann durch Bildung (kritisches Hinterfragen) aus den Schranken der ihm vorgegebenen Wert- und Normvorstellungen heraustreten.<\/p>\n<p>6. Ein Freiheitsbegriff im Sinne der Hirnforschung m\u00fcsste als eine L\u00fccke im Kausalzusammenhang auf neuronaler Ebene zeitigen. Sie haben in Ihren Artikel zur Definition von Freiheit richtigerweise darauf hingewiesen, dass Freiheit nicht durch einen bis in seiner letzten Ursache aufgezeigten Wirkungszusammenhang entsteht. Das zeigen auch die Zusammenh\u00e4nge der Unsch\u00e4rferelation, dass es einen &#8220;unbewegten Beweger&#8221; nicht geben muss, um naturwissenschaftliche Ph\u00e4nomene zu beschreiben. Nichtsdestotrotz k\u00f6nnen Hirnforscher mit Hilfe neuerer, genauerer Verfahren der fMRT, insbesondere durch bessere r\u00e4umliche Aufl\u00f6sung auf unter einem Millimeter, des ASL (Artial Spin Labeling) Aufschluss von Ver\u00e4nderungen der Ergebnisse durch Einnahme von Medikamenten oder Kaffee- und dem Initial Dip (der kurzzeitigen Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Blut, der bis dato nicht angemessen gemessen werden konnte) die Aussagef\u00e4higkeit ihrer Ergebnisse erweitern. Gedankenlesen wird aber hoffentlich nie m\u00f6glich sein. <\/p>\n<p>7. Ich m\u00f6chte Ihnen die Semiotik von Charles Sander Peirce kurz vorstellen, da Sie in einem Ihrer Artikel auf Kommunikationsprobleme hingewiesen haben. Bei der Semiotik von Peirce handelt es sich hierbei um ein sehr differenziertes Kommunikationsmodell, das in der Tradition des Pragmatismus, dem auch Habermas unterliegt, steht. Es geht hierbei um ein Modell, dass Zeichen Ihren Ausdruck in Gedanken, Gef\u00fchlen, Handlungen, Dingen und Situationen in sprachlichen und nichtsprachlichen Kommunikationsmodellen finden. Ausgehend auf einem Modell von John Locke steht eine Erkl\u00e4rung einer triadischen Zeichenrelation (Zeichenmittel, Objekt, Idee), denen wiederum eine Triade von M\u00f6glichkeit, Realit\u00e4t und Regelhaftigkeit von Aussagen gegen\u00fcbersteht. U.a. geht es hierbei darum, dass Zeichen einen Objektbezug sowie eine Metarepr\u00e4sentation der Beziehung zwischen Zeichenmittel und Objekt darstellt.<\/p>\n<p>8. Es gibt in der Genetik eine Unterscheidung zwischen aktuellen (ver\u00e4nderlichen) und potentiellen (praktisch unver\u00e4nderliche) Einflussgr\u00f6\u00dfen und den Begriff der kausalen Spezifit\u00e4t. Jede Ursache hat hierbei eine eindeutige Wirkung. Jede Wirkung nicht zu viele verschiedene Ursachen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Conny Dethloff<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Danke f\u00fcr den offenen Diskurs. Jetzt habe ich wieder ausreichend Stoff zum Nachdenken und Verbinden.<\/p><\/blockquote>\n<span id=\"post-ratings-1204\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"e09f341837\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1204_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1204, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1204_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1204, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1204_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1204, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1204_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1204, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1204_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1204, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>1<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_1204_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-1204-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich einen Dialog posten, den ich mit einem meiner Weggef\u00e4hrten auf meiner Reise des Verstehens, der anonym bleiben m\u00f6chte, gef\u00fchrt habe. 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