{"id":1137,"date":"2012-03-09T09:14:25","date_gmt":"2012-03-09T08:14:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1137"},"modified":"2013-03-19T07:36:29","modified_gmt":"2013-03-19T06:36:29","slug":"verhaltensmuster-im-projektmanagement-teil-1-zielanpassungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1137","title":{"rendered":"Verhaltensmuster im Projektmanagement Teil 1: Zielanpassungen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe oft das zu statische Vorgehen nach den alt bekannten Methoden, wie beispielsweise PMI oder Prince2, im Rahmen von Projektmangement kritisiert. Dabei werden n\u00e4mlich Dynamiken nicht erkannt und dementsprechend nicht behandelt. Diese Kritik m\u00f6chte ich zum Anlass nehmen, eine Post-Reihe zu starten, in welcher ich prominente Verhaltensmuster, die wahrscheinlich jeder, der schon einmal in Projekten t\u00e4tig war, kennt, beleuchte. Dies werde ich stets nach dem gleichen Muster tun. Starten werde ich mit der Beschreibung der Verhaltensmuster. Danach werde ich das Verhaltensmuster in einem qualitativen Modell auf Basis der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Systemarchetyp\">Systemarchetypen<\/a> von <strong><em>Peter M. Senge<\/em><\/strong> reflektieren. Abschlie\u00dfend werde ich das qualitative Modell quantifizieren und auf Basis von Simulationen Implikationen der Verhaltensmuster validieren. F\u00fcr die Quantifizierung der Modelle werde ich die System Dynamics Methode nutzen. Die qualitativen und quantitativen Modelle erstelle ich mit dem <a href=\"http:\/\/www.consideo-modeler.de\/werkzeuge.html\">CONSIDEO MODELER<\/a>. Mit dieser Post-Reihe komme ich auch dem Wunsch nach, der mich h\u00e4ufig ereilt hat, n\u00e4mlich aufzuzeigen, wie man von qualitativen zu quantitativen Modellen kommt.<\/p>\n<p>Also legen wir los.<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ein oft von mir beobachtetes Szenario thematisieren. Man startet ein Projekt mit hochgesteckten Zielen. Alle Beteiligten sind motiviert. Nach und nach werden in Statusberichten eine Diskrepanz zwischen dem Status und den Zielen festgestellt. Es werden Ma\u00dfnahmen definiert, diese Diskrepanz zu schlie\u00dfen. Nach einer gewissen Projektlaufzeit, die verbliebende Zeit zum Go Live wird immer k\u00fcrzer und die Ma\u00dfnahmen, die man definiert hat, um den Status zu verbessern, fruchten nicht richtig, werden Scopediskussionen entfacht. Man diskutiert, in welchen Bereichen der Scope des Projektes minimiert werden kann. Einhergehend setzt man das urspr\u00fcnglich gesteckte Ziel des Projektes herunter. Das macht man in dem Glauben, dass dann auf jeden Fall die Diskrepanz zwischen Status und Ziel gestopft wird. Das Datum des Go Live ist heilig, da ein Verschub ja eine gro\u00dfe Au\u00dfenwirkung hat. Kleinere Scopeminimierungen dringen ja nicht so nach au\u00dfen und falls ja kann man sie ja sch\u00f6n reden oder gar wegdiskutieren. Nur sehr h\u00e4ufig stellt man wiederum nach einer gewissen Zeit auch bei dem minimierten Scope eine Diskrepanz zwischen Ist und Soll fest. Eine Abw\u00e4rtsspirale wurde entfacht. Warum ist das so? Qualitativ m\u00f6chte ich dies am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Systemarchetyp#Abrutschende_Ziele\">Systemarchetyp Erodierende Ziele<\/a> erkl\u00e4ren. Die folgende Abbildung zeigt das qualitative Modell dieses Archetyps, erstellt im CONSIDEO MODELER.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Qual-Modell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1140\" title=\"VH im PM1_Qual Modell\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Qual-Modell.jpg\" width=\"644\" height=\"220\" \/><\/a><\/p>\n<p>In dem obigen Modell erkennen Sie 2 ausgleichende oder balancierende Schleifen bezogen auf das Gap zwischen Projektstatus und Projektziel. Innerhalb der linken Schleife wird nach der Wahrnehmung des Gaps zwischen Status und Ziel die Anstrenung erh\u00f6ht, den Status zu verbessern. Das kennzeichnet das &#8220;+&#8221; an den Pfeilen. Man verfolgt damit die Intension, dass, wenn der Status besser wird, das Gap zum Ziel geschlossen werden kann. Das stellt das &#8220;-&#8221; dar. Schauen wir uns die rechte Schleife an. Hier reflektieren wir den Fakt, dass ein Projekt nicht losgel\u00f6st durchgef\u00fchrt wird, sondern innerhalb einer Umwelt, die gewisse Erwartungen in das Projekt setzt. Mit Erwartungen geht nat\u00fcrlich der Druck einher. Wenn also das Gap zwischen Status und Ziel gro\u00df ist, steigt der Druck dieses schlie\u00dfen zu m\u00fcssen. Das kann wahrscheinlich Jeder, der in Projekten gearbeitet hat, bezeugen. Diese Beziehung ist mit dem &#8220;+&#8221; dargestellt. Steigt also der Druck, steigt damit der Zwang, den Scope des Projektes zu verringern, da man dadurch die Ziele heruntersetzt, was wiederum zu einer Verringerung des Gaps f\u00fchrt. Beide Schleifen schwingen sich balancierend auf ein Flie\u00dfgleichgewicht des Gaps ein. Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass das Gap geschlossen wird, was w\u00fcnschenswert ist. Das Gap kann auch ein Flie\u00dfgleichgewicht ungleich Null annehmen. Um zu untersuchen, wann je eine der Varianten eintritt und welche Implikationen diese haben, m\u00fcssen weitergehende Untersuchungen angestellt werden, die man nur durch Quantifizierung des Modells erreicht.<\/p>\n<p>Die folgende Abbildung stellt das <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Finales-Modell.zip\">finale quantitative Modell<\/a> dar. Durch einen Klick auf die Abbildung k\u00f6nnen Sie das Bild vergr\u00f6\u00dfern. Die gr\u00fcn hinterlegten Faktoren sind die Faktoren, die Sie bereits aus dem qualitativen Modell kennen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Fin-Quant-Modell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1146\" title=\"VH im PM1_Fin Quant Modell\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Fin-Quant-Modell.jpg\" width=\"973\" height=\"260\" \/><\/a><\/p>\n<p>Keine Angst, falls Ihnen das Modell zu un\u00fcbersichtlich erscheint. Ich werde jetzt Schritt f\u00fcr Schritt dieses finale quantitative Modell aus dem qualitativen Modell herleiten, um dann Simulationen zu starten, die Aufschluss geben, wann das Gap Null werden kann und wann nicht. Die Bilder zu den Modellen finden Sie in dieser <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Modellentstehung.pdf\">Datei<\/a>.<\/p>\n<p>Die Bilder werde ich auf Grund der \u00dcbersichtlichkeit in diesem Post nicht direkt einf\u00fcgen. Ich beziehe mich in meinen Erkl\u00e4rungen stets auf die Folienseite, so dass Sie die Erkl\u00e4rungen gut nachvollziehen k\u00f6nnen. Des Weiteren werde ich in jedem Schritt, die neu aufgenommenen Faktoren blau hinterlegen.<\/p>\n<p><strong>Schritt 1: Quantifizierung des Modells mit Festlegung der Bestandsfaktoren Projektstatus und Projektziel<\/strong><\/p>\n<p>Die Folie 3 der oben gelinkten Datei stellt dieses Modell dar. Um ein qualitatives Modell zu quantifizieren, muss man entscheiden, welche Faktoren Bestandsfaktoren sein sollen. Daraus abgeleitet, muss man dann in der Regel Faktoren zuf\u00fcgen, die als Flussfaktoren fungieren. Bestandsfaktoren k\u00f6nnen im Sinne von System Dynamics nur durch Flussfaktoren erh\u00f6ht oder gesenkt werden. Manchmal lassen sich auch bereits bestehende Faktoren zu Flussfaktoren umwandeln, aber eher selten. In unserem Fall ist es auch nicht so. Warum habe ich mich nun f\u00fcr Projektstatus und Projektziel als Bestandsfaktoren entschieden? Diese beiden Faktoren sind unsere zentralen Faktoren, \u00fcber die wir Auswertungen, vor allem \u00fcber die Zeit hinweg, machen wollen. Beide Faktoren tragen ihre Historie \u00fcber den gesamten Zeitraum mit, beispielsweise hat der Projektstatus von vor 3 Wochen einen Einfluss auf den Status von heute. Bei Nicht-Bestandsfaktoren, wie beispielsweise der Anstrengung, ist das nur implizit der Fall, \u00fcber die Historie des Projektstatus. Des Weiteren muss noch erw\u00e4hnt werden, dass wir &#8220;Woche&#8221; als Simulationsschrittweite f\u00fcr das quantitative Modell definieren. Die Faktoren werden also bei der Simulation Woche f\u00fcr Woche errechnet. Das macht auch Sinn, da man in der Regel w\u00f6chentliche Statusmeetings durchf\u00fchrt. In diesem <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/System-Dynamics-Introduction.zip\">Dokument<\/a> werden im Kapitel 2 Bestands- und Flussfaktoren sehr lehrreich und anschaulich eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Modell gibt es 3 zus\u00e4tzliche Faktoren, die als Flussfaktoren fungieren. 2 von diesen kann man sich aus dem qualitativen Modell relativ einfach herleiten. Der Faktor &#8220;Verbesserung des Scopes&#8221; erh\u00e4lt eine direkte Wirkung aus dem Faktor &#8220;Anstrengung&#8221; und der Faktor &#8220;Anpassung des Scopes&#8221; aus dem Faktor &#8220;Zwang f\u00fcr Anpassung&#8221;. Der Flussfaktor &#8220;Verschlechtern des Status&#8221; ist aus dem qualitativen Modell nicht so klar herleitbar. Es ist aber einleuchtend, dass der Projektstatus sich bei keinerlei Anstrengung, sprich wenn die Arbeit niedergelegt wird, schleichend verschlechtert. Das dr\u00fcckt dieser Faktor aus.<\/p>\n<p><strong>Schritt 2: Integrieren von Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Folien 3 bis 5 stellen die entsprechenden Zwischenmodelle dar. An den 3 Zwischenmodellen erkennen Sie, dass ich 3 Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen einbauen werde, und zwar sind dies<\/p>\n<ul>\n<li>Wahrnehmungsverz\u00f6gerung des Projektstatus (Folie 3)<\/li>\n<li>Wahrnehmungsverz\u00f6gerung des Gaps zwischen Projektstatus und Projektziel (Folie 4)<\/li>\n<li>Wahrnehmungsverz\u00f6gerung des Anpassungsdrucks des Projektziels (Folie 5)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum macht es \u00fcberhaupt Sinn Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen zu modellieren? Ganz einfach, weil diese in der Realit\u00e4t vorhanden sind. Wir Menschen k\u00f6nnen nur verz\u00f6gert Dinge unserer Umwelt wahrnehmen und verarbeiten. Also warum diese dann nicht modellieren? Grunds\u00e4tzliche Informationen zu Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen und wie diese in System Dynamics modelliert werden, k\u00f6nnen Sie in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=609\">Mit System Dynamics Dynamiken und Verz\u00f6gerungen von Handlungen verstehen<\/a> nachlesen. Im Abschnitt &#8220;Verz\u00f6gerungen nach Typ&#8221; finden Sie Wissenswertes zu Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen, in dem Post als Verz\u00f6gerung in Informationsstr\u00f6men deklariert. Ich m\u00f6chte nur f\u00fcr die erste Wahrnehmungsverz\u00f6gerung, die des Projektstatus, die quantitative Modellierung erkl\u00e4ren. Die anderen beiden Verz\u00f6gerungen lassen sich entsprechend herleiten.<\/p>\n<p>Nehmen Sie sich also bitte die Folie 3 zur Hand. Sie erkennen 4 zus\u00e4tzliche Faktoren (blau hinterlegt). Einer dieser 4, n\u00e4mlich &#8220;Sickerzeit&#8221;, hat nichts mit der Wahrnehmungsverz\u00f6gerung zu tun. Dieser Faktor gibt an, nach wieviel Wochen sich der Status verschlechtert, wenn nichts getan wird. Konzentrieren wir uns auf die 3 Faktoren mit denen wir die Wahrnehmungsverz\u00f6gerung modellieren. Erst einmal ist ersichtlich, dass ein Projektstatus immer nur verz\u00f6gert wahrgenommen werden kann. Es laufen beispielsweise Diskussionen und Ergebnisse dieser m\u00fcssen in Dokumenten zusammengefasst und pr\u00e4sentiert werden. Um den Projektstatus \u00fcberhaupt zu erkennen, m\u00fcssen Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt werden, wof\u00fcr man Zeit ben\u00f6tigt. Nicht nur das. Dieser Status muss dann auch noch verinnerlicht werden. Auch dieser Fakt sollte nicht untersch\u00e4tzt werden. Oft ist es so, dass sich Projektbeteiligte eine Scheinwelt aufbauen, die nur mit M\u00fche und Aufwand umgesto\u00dfen werden kann. Der Projektstatus ist quasi in der &#8220;realen Welt&#8221; vorhanden. Die Projektbeteiligten, in diesem Falle Beobachter, m\u00fcssen zu diesem vordringen. Dazu ben\u00f6tigen sie Zeit. Dieses Vordringen wird mit dem Faktor &#8220;Wahrnehmung des Projektstatus&#8221; dargestellt. Der Kenntnisstand \u00fcber den Projektstatus ist im Modell ein Bestand, weil sich dieser \u00fcber einen Zeitraum aufbauen muss. Das ist der Faktor &#8220;Wahrgenommener Projektstatus&#8221;. Der Faktor &#8220;Wahrnehmungszeit Projektstatus&#8221; gibt die Zeit an, die die Projektbeteiligten ben\u00f6tigen, um den Kenntnisstand aufzubauen. Damit ergibt sich also f\u00fcr den Faktor &#8220;Wahrnehmung des Projektstatus&#8221; die folgende Formel:<\/p>\n<p><em>([Projektstatus]-[Wahrgenommener Projektstatus]) \/ [Wahrnehmungszeit Projektstatus]<\/em><\/p>\n<p>An der Formel kann man erkennen, dass der wahrgenommene Projektstatus niemals gr\u00f6\u00dfer sein kann als der Projektstatus. Dieser n\u00e4hert sich Schritt f\u00fcr Schritt dem Projektstatus an. Wir haben es hier also erkenntnistheoretisch mit einem &#8220;idealen Beobachter&#8221; zu tun. Denn ein Beobachter wird niemals den &#8220;realen Projektstatus&#8221; wahrnehmen k\u00f6nnen, weil er stets seine Subjektivit\u00e4t in die Wahrnehmung mit einbringt. Aber das m\u00f6chte ich hier nur anmerken und nicht weiter ausf\u00fchren (Details zur Erkenntnistheorie finden Sie ebenfalls <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?tag=erkenntnistheorie\">in meinem Logbuch<\/a>). Wir sind trotz dieser Einschr\u00e4nkung schon weiter als im herk\u00f6mmlichen Projektmanagement, weil wir \u00fcberhaupt modellieren und dann auch noch die Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen integrieren.<\/p>\n<p>Basis f\u00fcr weitere \u00dcberlegungen ist dann stets der wahrgenommene Projektstatus, nicht der &#8220;reale&#8221;, kann ja auch nicht, denn nur von dem wahrgenommenen Status kann der Beobachter wissen. Das erkennen Sie daran, dass von dem Faktor &#8220;Wahrgenommener Projektstatus&#8221; der Wirkungspfeil in den Faktor &#8220;Gap&#8221; l\u00e4uft. Wenn Sie \u00e4hnliche \u00dcberlegungen zu den beiden anderen Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen vollf\u00fchren, erhalten Sie das Zwischenmodell auf Seite 6, welches wir nun weiter detaillieren.<\/p>\n<p><strong>Schritt 3: Integrieren von Wirkungsverz\u00f6gerungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Folien 6 und 7 enthalten die Modelle, in denen die beiden Wirkungsverz\u00f6gerungen<\/p>\n<ul>\n<li>Wirkungsverz\u00f6gerung der \u00c4nderung des Projektscopes (Folie 6)<\/li>\n<li>Wirkungsverz\u00f6gerung der Erh\u00f6hung der Anstrengung (Folie 7)<\/li>\n<\/ul>\n<p>integriert sind. \u00c4hnlich wie bei den Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen verh\u00e4lt es sich mit den Wirkungsverz\u00f6gerungen. Es macht Sinn diese zu modellieren, weil sie schlichtweg vorkommen. Bei den Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen kam der Input noch aus der Umwelt der Projektbeteiligten, den diese verarbeiten mussten und daf\u00fcr Zeit ben\u00f6tigten. Die Projektbeteiligten sind Beobachter. Die Wirkungsverz\u00f6gerungen sind das Komplement zu den Wahrnehmungsverz\u00f6gerungen. Die Projektbeteiligten werden zu Handelnden und agieren basierend auf ihren Wahrnehmungen. Die Wirkungen auf die Umwelt geschehen auch wieder mit Verz\u00f6gerungen, den Wirkungsverz\u00f6gerungen. In dem unter Schritt 1 bereits aufgef\u00fchrten Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=609\">Mit System Dynamics Dynamiken und Verz\u00f6gerungen von Handlungen verstehen<\/a> k\u00f6nnen Sie Details zu den Wirkungsverz\u00f6gerungen studieren. Dort sind sie unter Verz\u00f6gerung in Materialstr\u00f6men gef\u00fchrt. Auch hier m\u00f6chte ich nur die erste Wirkungsverz\u00f6gerung, bzgl. der \u00c4nderung des Scopes, ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nehmen Sie also bitte die Folie 6 zur Hand. Sie erkennen hier 6 neue Faktoren, die f\u00fcr die Modellierung der Wirkungsverz\u00f6gerung verwendet werden. Dabei sind 3 davon ausschlie\u00dfliche Zeitparameter, die man auch weglassen k\u00f6nnte. Sie dienen nur der Parametrisierung der Zeitkonstanten. Das sind die Faktoren &#8220;Anpassungszeit des Ziels&#8221;, &#8220;Operationalisierungszeit der Entscheidung&#8221; und &#8220;Entscheidungszeit&#8221;. Mittels der anderen 3 Faktoren &#8220;Entscheiden \u00fcber Anpassung des Scopes&#8221;, &#8220;Gef\u00e4llte Entscheidung \u00fcber Anpassung des Scopes&#8221; und &#8220;Wirksamkeit der Anpassung des Scopes&#8221; m\u00f6chte ich die Modellierung der Wirkungsverz\u00f6gerung erkl\u00e4ren. Die Projektbeteiligten werden wie bereits erw\u00e4hnt zu Handelnden. Sie ver\u00e4ndern, in diesem Fall verringern sie den Scope. Diese \u00c4nderung manifestiert sich aber nicht sofort in der Umwelt, quasi von jetzt auf gleich. Das tut es genauso wenig, wie eine Badewanne nicht sofort von einer Sekunde auf die n\u00e4chste mit Wasser gef\u00fcllt ist. Das schrittweise Manifestieren der Verringerung des Scopes wird durch den Bestandsfaktor &#8220;Wirksamkeit der \u00c4nderung des Scopes&#8221; modelliert. Nur was bereits wirksam geworden ist kann f\u00fcr weitere Aktivit\u00e4ten \u00fcberhaupt relevant sein. Diese wirksamen Teile stehen dann \u00fcber den Flussfaktor &#8220;Gef\u00e4llte Entscheidung \u00fcber Anpassung des Scopes&#8221; f\u00fcr weitere Wahrnehmungen und Handlungen zur Verf\u00fcgung. Das erkennt man in dem Modell daran, dass dieser Faktor Inputgeber f\u00fcr den Faktor &#8220;Anpassung des Scopes&#8221; ist. Diese Beziehung wird \u00fcber die Formel<\/p>\n<p><em>[Wirksamkeit der Anpassung des Scopes]\/[Operationalisierungszeit der Entscheidung]<\/em><\/p>\n<p>modelliert. Dabei gibt der Faktor &#8220;Operationalisierungszeit&#8221; die Dauer an, die f\u00fcr das Herstellen der Wirksamkeit ben\u00f6tigt wird. Wenn Sie \u00e4hnliche \u00dcberlegungen zu der zweiten Wirkungsverz\u00f6gerung durchf\u00fchren, erhalten Sie das finale Modell, welches auf Folie 7 oder oben in der zweiten Abbildung dargestellt ist. Dieses Modell ist nun Basis f\u00fcr die Simulation und Erkenntnisgewinnung.<\/p>\n<p><strong>Schritt 4: Simulation und Erkenntnisgewinnung<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Abbildung stellt das Simulationscockpit dar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Cockpit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1160\" title=\"VH im PM1_Sim Cockpit\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Cockpit.jpg\" width=\"1094\" height=\"230\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf der linken Seite sehen Sie die einstellbaren Parameter, die zur Erstellung von Szenarien zu nutzen sind. Auf der rechten Seite erkennen Sie das Diagramm, in welchem die Abh\u00e4ngigkeit von Projektstatus und Projektziel dargestellt ist. Ich m\u00f6chte Ihnen 2 Szenarien vorstellen, die der Beantwortung der Frage dienen, unter welchen Umst\u00e4nden, das Gap zwischen Projektziel und Projektstatus Null wird, sprich wann das Ziel erreicht wird und wann nicht. Wir modellieren \u00fcber 4 Jahre mit einer w\u00f6chentlichen Schrittweite, stets zum w\u00f6chentlichen Projektstatusmeeting.<\/p>\n<p>Im ersten Szenario m\u00f6chte ich nur den Parameter &#8220;Effizienz&#8221; variieren. Alle anderen Parameter bleiben konstant. In der folgenden Abbildung steht der linke Graph f\u00fcr eine Effizienz von 0.1 und der rechte f\u00fcr eine Effizienz von 0.4.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Erg-Effizienz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1164\" title=\"VH im PM1_Sim Erg Effizienz\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Erg-Effizienz.jpg\" width=\"934\" height=\"200\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was erkennen wir? Wenn die Effizienz der Arbeit eines Projektteams kleiner ist, n\u00e4hern sich Status und Ziel auf einem geringeren Level an, als wenn diese h\u00f6her ist. Das ist intuitiv. Es bedeutet aber auch, es macht schon definitiv Sinn, das Ziel zu korrigieren, wenn es nicht im Bereich des Machbaren liegt. Das habe ich in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=652\">Sind Ziele sinnlos<\/a> auch ausgef\u00fchrt. Wenn durch bestimmte Rahmenbedingungen im Projekt die Schaffenskraft des Teams &#8220;k\u00fcnstlich&#8221; verringert wird, erzeugt man nat\u00fcrlich auch eine Umgebung der verpassten M\u00f6glichkeiten. Das tats\u00e4chlich Erreichte und das Gew\u00fcnschte werden sich auf einem niedrigen Niveau einpendeln. Es wird sich an dem Ziel ausgerichtet und nicht mehr als notwendig getan. Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss. Rahmenbedingungen, die k\u00fcnstlich von den Teams geschaffen werden, sind beispielsweise zu viele kleine Teams, die viele Schnittstellen bedingen, die zu einer hohen extrinsisch bedingten Integrationsnotwendigkeit f\u00fchren. Hier kann man auch fehlende oder nicht klar formulierte Verantwortlichkeiten nennen, die von einem Arbeiten an der Sache ablenken.<\/p>\n<p>Im zweiten Szenario m\u00f6chte ich nur den Parameter &#8220;Entscheidungszeit&#8221; variieren und wiederum alle anderen Parameter konstant lassen. Damit variiere ich die Druckresistenz der Projektverantwortlichen, sprich, wie schnell sie das Ziel nach unten korrigieren. In der unteren Abbildung steht der linke Graph f\u00fcr eine Entscheidungszeit von 1 Woche und der rechte f\u00fcr eine von 15 Wochen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Erg-Entscheidungszeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1168\" title=\"VH im PM1_Sim Erg Entscheidungszeit\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VH-im-PM1_Sim-Erg-Entscheidungszeit.jpg\" width=\"931\" height=\"200\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der obigen Abbildung erkennen Sie das sich wie erwartet ein Flie\u00dfgleichgewicht zwischen Status und Ziel einstellt, das Ziel aber in der rechten Variante verfehlt wird. Wir erkennen, wenn die Entscheidungszeit f\u00fcr das \u00c4ndern des Scopes hoch ist, das Ziel zwar verfehlt wird, der erreichte Status aber trotzdem h\u00f6her ist als im anderen Fall. Das hat etwas von selbsterf\u00fcllende Prophezeiung. In diesem Szenario ist die Schaffenskraft des Teams konstant. Das niedrige Ziel, welches man in der linken Graphik schneller auslobt, ist unter den M\u00f6glichkeiten des Teams. Die Auslobung des niedrigen Ziels f\u00fchrt dazu, dass das Team die M\u00f6glichkeiten nicht aussch\u00f6pft. Erfolg ist in gewisser Weise definierbar. Werden die Ziele kurzfristig korrigiert, wird das Erreichbare mit nach unten gezogen. Am Ende des Projektes wurde das Ziel erreicht. In der rechten Graphik erkennt man, dass das Ziel nicht erreicht wurde, das Projekt aber trotzdem mehr Nutzen generiert hat. Das Nichterreichen des Ziels hat f\u00fcr die Verantwortlichen eine schlechte Au\u00dfenwirkung zur Folge, obwohl sie mehr Nutzen generiert haben. Das st\u00e4ndige Hochhalten der Ziele, die nicht erreichbar sind, kann Projektteams demotivieren, weil sie eben nicht nur eine schlechte Au\u00dfenwirkung haben, sondern auch mit dem st\u00e4ndigen Gef\u00fchl umgehen m\u00fcssen, ihre Ziele verfehlt zu haben. Das ist also ein zweischneidiges Schwert. Die Verantwortlichen des Projektes m\u00fcssen also ganz genau wissen, was dem Team zugemutet werden kann und was nicht. Weder zu hohe noch zu niedrige Ziele sind gut.<\/p>\n<p>Des Weiteren erkennen sie in diesem wie auch im ersten Szenario die f\u00fcr Verz\u00f6gerungen typischen Oszillationen. Dieses Ph\u00e4nomen habe ich im Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=609\">Mit System Dynamics Dynamiken und Verz\u00f6gerungen von Handlungen verstehen<\/a> beschrieben. Speichern sie sich das Modell gerne ab und kreieren ihre eigenen Szenarien. Vielleicht gewinnen Sie so noch weitere Erkenntnisse. Viel Spa\u00df dabei.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-1137\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"354a52d7e7\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1137_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1137, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1137_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1137, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1137_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1137, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1137_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1137, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1137_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1137, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>1<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_1137_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-1137-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe oft das zu statische Vorgehen nach den alt bekannten Methoden, wie beispielsweise PMI oder Prince2, im Rahmen von Projektmangement kritisiert. 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