{"id":1072,"date":"2012-02-10T11:31:57","date_gmt":"2012-02-10T10:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1072"},"modified":"2021-11-11T06:30:40","modified_gmt":"2021-11-11T05:30:40","slug":"managementliteratur-des-mainstreams-steht-dem-lernen-und-fortschritt-im-wege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=1072","title":{"rendered":"Managementliteratur des Mainstreams steht dem Lernen und Fortschritt im Wege"},"content":{"rendered":"<p>Der Titel dieses Posts klingt wahrscheinlich f\u00fcr einige Leser provokant und pauschal. Zweiteres m\u00f6chte ich mit der Argumentationskette, die ich in diesem Post ausf\u00fchre, ausr\u00e4umen. Provokant allerdings soll es bleiben, denn ich m\u00f6chte gerne auch gegenteiliges Feedback bekommen, um meine Gedanken und Ideen zu validieren.   <\/p>\n<p>Managementliteratur des Mainstreams ist voll von Tautologien und bringt damit den Lesern keine neuen Informationen. In B\u00fcchern des Mainstream-Managements werden Projekte und Aktivit\u00e4ten retrospektiv deskriptiv analysiert und daraus dann normativ Regeln aufgestellt. Genau hier liegt oft der Bruch, den ich aufzeigen m\u00f6chte. Der Leser findet in diesen Lekt\u00fcren ausschlie\u00dflich das best\u00e4tigt, was er bereits kennt, nur vielleicht in anderen sprachlichen Konstrukten. Der Grund daf\u00fcr ist, dass auf der einen Seite die Autoren sich einer inhaltlichen Diskussionen entziehen wollen und deshalb definitorische Pr\u00e4missen setzen, die damit zu keinen Begr\u00fcndungen f\u00fchren, sondern eben zu Tautologien. Angedeutet habe ich diese Ausage bereits in meinem Post <a href=\"http:\/\/blog-conny-dethloff.de\/?p=180\">Die Managementliteratur ist gespickt mit Plattit\u00fcden und inhaltsleerem Text<\/a>. Aber nun zu meiner Argumentationskette.<\/p>\n<p>Belegen m\u00f6chte ich meine im Titel dieses Posts postulierte Behauptung in zwei Schritten. Im ersten Schritt m\u00f6chte ich den schottischen Philosophen <strong><em>David Hume (1711-1776)<\/em><\/strong> zu Rate ziehen, genauer gesagt, den Fehlschluss vom Sein zum Sollen, den er in seinem Buch &#8220;A Treatise of Human Nature&#8221; ausf\u00fchrt. Dieser Fehlschluss ist auch als Humes Gesetz bekannt. Aufsetzend darauf werde ich in einem zweiten Schritt, die Ideen und Gedanken des englischen Philosophen <strong><em>George Edward Moore (1873-1958)<\/em><\/strong> nutzen. Moore hat in seinem Buch &#8220;Principia Ethica&#8221; den so genannten naturalistischen Fehlschluss hergeleitet. Beide Gesetze z\u00e4hlt man zum Bereich der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Metaethik\">Metaethik<\/a>. Aber das nur so nebenbei.  <\/p>\n<p><strong>Schritt 1: Sein-Sollen Fehlschluss (Erkenntnistheoretische Betrachtung)<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Hume\">David Hume<\/a> meint, dass man von Fakten nicht auf Normen schlie\u00dfen darf. Das geht schlichtweg nicht. Schematisch dargestellt, kann man nicht von &#8220;A ist B&#8221; auf &#8220;A ist gut&#8221; schlie\u00dfen. Dieser Schluss ist laut Hume nicht zul\u00e4ssig, weil die Pr\u00e4misse fehlt, die da hei\u00dfen k\u00f6nnte &#8220;B ist gut&#8221;. Also aus &#8220;B ist gut&#8221; und &#8220;A ist B&#8221; kann man ohne weiteres schlie\u00dfen &#8220;A ist gut&#8221;. Jetzt w\u00fcrde man formallogisch keinen Fehler machen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keine Aussage \u00fcber den Inhalt gemacht, sondern lediglich \u00fcber die Form. <\/p>\n<p>Eines m\u00f6chte ich noch einschieben. Ich werde stets die schematischen Darstellungen aus Gr\u00fcnden der leichteren Verst\u00e4ndlichkeit auf Beispiele reflektieren. Dabei m\u00f6chte ich mich stets nur auf einen Beispielkomplex beziehen, um die Durchg\u00e4ngigkeit und damit einhergehend die Verst\u00e4ndlichkeit zu erh\u00f6hen. Es geht um den Methodizismus, sprich das unbedingte Festhalten an Best Practices. Dieses Verhalten habe ich \u00fcbrigens in meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Best-Practice-ist-das-Ergebnis-verzweifelter-Trivialisierung.pdf\">Best Practice ist das Ergebnis verzweifelter Trivialisierung<\/a> reflektiert.<\/p>\n<p>Um zu einer inhaltlichen Betrachtung zu kommen, m\u00f6chte ich also ein Beispiel heranziehen. Sehr h\u00e4ufig h\u00f6re ich bzgl. des Anwendens von Methoden Aussagen wie &#8220;In der Methode xyz stehen f\u00fcr die Phase abc folgende Aktivit\u00e4ten an.&#8221; Das ist ein Fakt, wenn wir davon ausgehen wollen, dass dies auch wirklich so geschrieben steht. Das ist also die Form &#8220;A ist B&#8221;. Daraus wird aber viel zu oft geschlossen, dass genau deshalb diese Aktivit\u00e4ten auch jetzt in diesem Projekt durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen, also das &#8220;A gut ist&#8221;. Mit diesem Schluss begeht man also einen formallogischen Fehler. Es w\u00e4re notwendig, den Konstrukteur dieses Schlusses nach der Pr\u00e4misse zu fragen. Erst dann kann man in eine inhaltliche Diskussion gehen. Die Pr\u00e4misse k\u00f6nnte sein &#8220;Die Methode ist richtig, da sie bereits h\u00e4ufig in Projekten angewendet wurde&#8221;, also &#8220;B ist gut&#8221;. Pr\u00e4missen dieser Art sind aber inhaltlich stets angreifbar. Denn ich k\u00f6nnte entgegnen, dass dieses Projekt nun anders ist und die Methode nicht mehr passen w\u00fcrde. Wenn ich also die Pr\u00e4misse anzweifle, zweifle ich auch automatisch die Begr\u00fcndung f\u00fcr eine bestimmte durchzuf\u00fchrende Handlung an, dass n\u00e4mlich die Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das kann weh tun, weshalb h\u00e4ufig versucht wird, Diskussionen im Keim zu ersticken oder erst gar nicht aufkommen zu lassen, aber immer unter dem Deckmantel den Sein-Sollen Fehlschluss nicht zu machen. Damit kommen wir zum Schritt 2.        <\/p>\n<p><strong>Schritt 2: Naturalistischer Fehlschluss (Sprachanalytische Betrachtung)<\/strong><\/p>\n<p>Wie eben erw\u00e4hnt, erlebe ich h\u00e4ufig, dass in Diskussionen sehr oft statt Prinzipien Definitionen als Pr\u00e4missen gesetzt werden. Hier ziehen wir nun <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/George_Edward_Moore\">George Edward Moore<\/a> zu Rate. Prinzipien der Art &#8220;Die Methode ist richtig, da sie bereits h\u00e4ufig in Projekten angewendet wurde&#8221; (B ist gut) kann man inhaltlich angreifen. Dar\u00fcber l\u00e4sst sich diskutieren. Definitionen, die folgende Form haben &#8220;Gut bedeutet B&#8221; aber lassen sich inhaltlich nicht angreifen. \u00dcber Definitionen diskutiert man eben nicht. Diese stimmen stets. Auf das Beispiel bezogen k\u00f6nnte eine Definition als Pr\u00e4misse die folgende sein &#8220;Wir arbeiten streng nach der Methode und dort sind eben diese Aktivit\u00e4ten aufgef\u00fchrt&#8221;. Das Setzen von Definitionen als Pr\u00e4missen ist aber laut Moore nicht zul\u00e4ssig, da dann die Argumentationskette zu einer Tautologie verkommt. Sie wird quasi nichtsagend, liefert also keine Begr\u00fcndung f\u00fcr Handlungen. Nehmen wir also noch einmal die 3 Aussagen her.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wir arbeiten streng nach der Methode und dort sind eben diese Aktivit\u00e4ten aufgef\u00fchrt&#8221;<br \/>\n&#8220;In der Methode xyz stehen f\u00fcr die Phase abc folgende Aktivit\u00e4ten an.&#8221;<br \/>\n&#8220;Die Aktivit\u00e4ten m\u00fcssen durchgef\u00fchrt werden.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Sie jetzt Jemanden fragen &#8220;Warum m\u00fcssen die Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt werden?&#8221;, bekommen sie die Antwort &#8220;Weil sie laut Methode vorgegeben sind&#8221;. Das ist ein typischer Methodizismus. Sie bekommen quasi keine neue Information, also nichts was sie nicht auch schon wissen. Bei einem anderen Beispiel wird das wahrscheinlich deutlicher.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Junggesellen sind unverheiratete M\u00e4nner.&#8221;<br \/>\n&#8220;Joachim ist ein unverheirateter Mann.&#8221;<br \/>\n&#8220;Joachim ist ein Junggeselle.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die erste Aussage ist eine Definition. Wenn Sie fragen w\u00fcrden: &#8220;Warum ist Joachim ein Junggeselle&#8221; und Sie die Antwort erhalten &#8220;Weil er unverheiratet ist&#8221;, w\u00fcrden Sie sich wahrscheinlich recht herzlich bedanken. Sie erhalten keine neue Information. Anders ist es, wenn Sie Folgendes vor sich haben.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;M\u00e4nner, die sich nicht pflegen, bleiben h\u00e4ufig Junggeselle.&#8221;<br \/>\n&#8220;Joachim pflegt sich nicht.&#8221;<br \/>\n&#8220;Joachim ist ein Junggeselle.&#8221; <\/p><\/blockquote>\n<p>Stellen Sie nun wieder die Frage: &#8220;Warum ist Joachim ein Junggeselle&#8221;, bekommen Sie die Aussage: &#8220;Weil er sich nicht pflegt&#8221;. Damit erhalten Sie eine Information, die neu f\u00fcr Sie ist (Deshalb ist es ja erst eine Information f\u00fcr Sie). Nat\u00fcrlich baut die Argumentationskette &#8220;Joachim ist Junggeselle, weil er sich nicht pflegt&#8221; auf die postulierte Pr\u00e4misse auf &#8220;M\u00e4nner, die sich nicht pflegen, bleiben h\u00e4ufig Junggeselle.&#8221;, die nat\u00fcrlich diskutierbar ist, wodurch auch die Begr\u00fcndung, warum Joachim Junggeselle ist, diskutierbar ist. <\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskutierbarkeit der getroffenen Aussagen und Handlungsempfehlungen wollen aber viele Autoren von Managementb\u00fcchern vermeiden. Die Autoren entziehen sich dem formallogisch Fehlschluss vom Sein zum Sollen. Das ist fein. Sie begehen aber den naturalistischen Fehlschluss, da sie Definitionen als Pr\u00e4missen ihrer Handlungsbegr\u00fcndungen setzen. Das ist aber nicht immer so leicht ersichtlich f\u00fcr uns Menschen, da sich hier zwei Ebenen begegnen, die erkenntnistheoretische und die sprachlogische Ebene. Wenn beide Ebenen nah beieinander liegen, wie beim Beispiel des Junggesellen, ist der Fehlschluss leicht wahrnehmbar und wir fragen nach einer &#8220;richtigen&#8221; Begr\u00fcndung. Wenn dies aber nicht der Fall ist und deshalb der Unterschied nicht so intuitiv erkennbar ist, wie bei dem Beispiel mit dem Methodizismus, nehmen wir die Begr\u00fcndung oft so hin, obwohl sie keine ist, sondern eine Tautologie. <\/p>\n<p>Und genau so definiere ich auch Mainstream. Im Mainstream werden Definitionen als Pr\u00e4missen gesetzt. Man ist dadurch nicht angreifbar, tr\u00e4gt aber auch nichts zum Erkenntnisgewinn bei.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-1072\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"da59807ee9\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_1072_1\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(1072, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1072_2\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1072, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1072_3\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1072, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1072_4\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1072, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/><img decoding=\"async\" id=\"rating_1072_5\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(1072, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(5, 0, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\" \/> (<strong>3<\/strong> Bewertung(en), Durchschnitt: <strong>5.00<\/strong> von 5)<br \/><span class=\"post-ratings-text\" id=\"ratings_1072_text\"><\/span><\/span><span id=\"post-ratings-1072-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog-conny-dethloff.de\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\" \/>Loading...<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel dieses Posts klingt wahrscheinlich f\u00fcr einige Leser provokant und pauschal. 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