Struktur- und Organisationsdesign von Unternehmen basieren eher auf Angebot als auf Nachfrage

Im Beitrag Purpose? Habe ich: Am „Leben“ bleiben! habe ich aus meinen Beobachtungen heraus begründet, dass Unternehmen und auch andere Organisationen genau einen Zweck verfolgen müssen: Überleben sichern. Dieser Zweck ist strukturbedingt, worauf ich in diesem Beitrag näher eingehen möchte.

Wie im oben gelinkten Beitrag geschrieben, stehen bei “Geburt” eines Unternehmens Probleme, Wünsche oder Bedürfnisse des Marktes im Fokus. Das ist der Zweck. Ein Unternehmen, welches gegründet werden soll, um den Markt zu bedienen, ist Mittel. Aber bereits mit den ersten Schritten, die bei Gründung eines Unternehmens gegangen werden, verschiebt sich diese Relation notwendigerweise immer mehr, das Unternehmen an sich wird Zweck und der Markt wird Mittel.

Warum ist das so? Schaue ich mir an, auf welcher Basis Strukturen (Prozesse, Rollen, Regeln, Prinzipien, Methoden, Tools etc.) in Unternehmen gebaut werden, erkenne ich, dass diese Strukturen Antworten auf Fragen sind, die nach innen gerichtet sind. Das sind Fragen wie

  • Welche Produkte und Services bauen wir?
  • Wie bauen wir diese?
  • Wen benötigen wir dafür?
  • Wie lange dauert das Bauen?

Diese Fragen sind mit einer höheren Sicherheit beantwortbar, als Fragen, die sich am Markt ausrichten, wie zum Beispiel

  • Welche Probleme haben die Menschen, die wir lösen wollen?
  • Wie wollen wir diese Probleme lösen?
  • Wieviel Geld sind Menschen wohl bereit für diese Produkte und Services auszugeben?

Das ist klar, oder? Was ich mache, kann ich bestimmen, was andere machen eher nicht. Auf Nachfrage kann ich nur wetten, da sie nicht allein von mir abhängig ist, also nach außen und stets auf Zukunft gerichtet ist. Eine Wette auf Nachfrage gehe ich aber eher ein, wenn der Ausgang dieser meine Überlebenssicherung nicht übermäßig tangiert. Damit wird auf Nachfrage weniger gewettet, was die Nachfrage als strukturgebendes Element in Unternehmen immer mehr ins Hintertreffen geraten lässt.

Damit sind eher die Fragen struktur- und organisationsrelevant, die mit einer hohen Sicherheit beantwortbar sind, jedenfalls so lange die Antworten, die in Form von internen Strukturen in Unternehmen gefunden werden müssen, eine hohe Relevanz für die Überlebenssicherung der Menschen haben. Unternehmen sind deshalb eher auf Angebot und damit auf Sicherheit designed. Das muss auch so sein, da wirtschaftlicher Erfolg mit privater Lebensabsicherung der Menschen eng gekoppelt ist.

Damit nimmt man den Menschen in Unternehmen nicht nur die Möglichkeit, kundenfokussiert agieren zu können. Nein, es geht in meinen Beobachtungen noch weiter. Es werden damit Umgebungen geschaffen, in denen sich Menschen angehalten fühlen, sich hinter Rollen und Prozessen zu verstecken. Dazu komme ich gleich noch zu sprechen.

Möchte ich Unternehmen kundenfokussierter und menschenzugewandter designen, sollte das strukturgebende Element für das Bauen der internen Strukturen eine gute Balance zwischen Angebots- und Nachfrageseite abbilden. Basis dafür ist in meinen Augen die Entkopplung von wirtschaftlichem Erfolg und privater Überlebenssicherung von Menschen.

Wie könnte das gehen? Beispielsweise über ein bedingungsloses Grundgehalt, welches alle Menschen bekommen, um damit ihre lebensnotwendigen Besorgungen zu tätigen. Das ist der erste Teil des Gehaltes. Der zweite Teil des Gehaltes ergibt sich erfolgsabhängig, also entlang der Nachfrage. Je wertgenerierender meine Tätigkeiten sind, desto mehr Gehalt bekomme ich.

Gehälter sind derzeit sowieso nur zum Schein auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet (Nachfrage), sondern eher auf Basis interner Tätigkeiten (Angebot). Arbeite ich ab morgen nur noch 50% meiner möglichen Arbeitszeit, bekomme ich auch nur noch 50% meines jetzigen Gehaltes, unabhängig davon, wie viel Wert meine Tätigkeiten im Markt erzeugen. Auch Gehälter, als Teil von Strukturen in Unternehmen, sind nach innen gerichtet, also mehr angebots- und weniger nachfragegetrieben. Hier haben wir einen Schein künstlich aufgebaut, den es meines Erachtens zu lüften gilt, und zwar auf ganz formaler Ebene, in dem eine klare Entkopplung der Systeme “Wirtschaft” und “Familie” durchgeführt wird.

Durch diese Entkopplung können beide Systeme ihre Lebensfähigkeit ungehindert voneinander aufbauen. So kann das System “Wirtschaft” die eigentliche Aufgabe “Beseitigung von Knappheit” besser erfüllen. Durch zu enge Verdrahtung der Systeme wird den Unternehmen diese Fähigkeit genommen.

Damit werden Pfadabhängigkeiten in Unternehmen, die rein auf Angebot basieren, abgebaut und damit Flexibilität in Form von Wertgenerierung und Weiterentwicklung aufgebaut. In diesem Sinne können Unternehmen dann auch erst wieder gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Zum Thema Menschenzugewandtheit. Mit dem bedingungslosen Grundgehalt können Menschen sich wieder als Mensch einbringen und müssen sich nicht hinter Rollen verstecken. Es wird forciert, dass Menschen sich qua ihrer Talente und Kompetenzen einbringen wollen. Sie wetten auf Nachfrage und müssen sich nicht auf feste Strukturen bezüglich Angebot zurück ziehen. Im derzeitigen Setting ist die Forderung nach Menschsein fast unmenschlich, da Menschen strukturbedingt eine bestimmte Rolle (z.B. Produktmanager) spielen und vor allem bestehende Strukturen bedienen müssen und damit Erfüllungsgehilfe sind.

Mit der beschriebenen Zweiteilung des Gehalts schafft man in Unternehmen immer wieder neue Umgebungen, die man sonst nur genau einmal bei Geburt eines Unternehmens vorfindet. Menschen haben Sicherheit ob ihrer Existenz und wetten daher angstfreier auf Nachfrage. So formieren sich Teams in Unternehmen auf Basis einer guten Balance zwischen Angebot und Nachfrage und nicht ausschließlich auf Basis Angebot.

Hier wird eine mögliche Lösung in diese Richtung beschrieben. Danke Nico Czinczoll, für das Anreichen dieses Beitrages, der mir, zusammen mit unserem Telefonat am vergangenen Freitag, diese Thematik in diese hier beschriebene Richtung weiter denken ließ.

Zum Schluss noch das von mir hier in diesem Beitrag thematisierte Paradoxon, was wir strukturell schnell auflösen sollten, damit Unternehmen per Struktur und Organisation wertgenerierend für Gesellschaft sein können. So lange das Gehalt der Menschen in Unternehmen vollständig vom wirtschaftlichen Erfolg abhängt, wird wirtschaftlicher Erfolg und damit gesellschaftliche Weiterentwicklung eher verhindert als befeuert.

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2 Responses to Struktur- und Organisationsdesign von Unternehmen basieren eher auf Angebot als auf Nachfrage

  1. Einmal mehr spannende GedankenWege! Auf diesem Wege könnten sich vielerlei “Kollateral-Schäden” und auch die vielschichtigen “Kollateral-Nutzen” verschiedenster (hidden) Player erledigen, oder??

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