Künstliche Intelligenz gibt es noch nicht

Oft lese ich von Künstlicher Intelligenz und das wir bald so weit sind, dass Maschinen schlauer sind als wir Menschen. Nein, und dieses Nein gerne in Schriftgröße 100 und ganz fett geschrieben.

Künstliche Intelligenz gibt es derzeit noch nicht. Alles was derzeit unter diesem Deckmantel entwickelt wurde ist allenthalben maschinelle Mustererkennung. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir sind derzeit meilenweit davon entfernt Lebendigkeit zu modellieren und künstlich zu erzeugen und damit auch Intelligenz. Und das liegt nicht an den mathematischen Verfahren oder Algorithmen, die wir einsetzen, um Lernverfahren für Maschinen zu programmieren.

Ich habe 1998-99 im Rahmen meiner Diplomarbeit ein Lernverfahren für ein Künstlich Neuronales Netz für eine Maschine zur Bilderkennung entwickelt und programmiert. Und seit dem hat sich zwar auf der quantitativen Ebene so Einiges getan. Die Maschinen können heute schneller rechnen und sie können mittlerweile auch mehrere Formate, wie zum Beispiel Sprache, als Inputdaten verarbeiten.

Auf der qualitativen Ebene hat sich allerdings nichts getan. Na klar wurden die Algorithmen weiter entwickelt. Aber das ist nicht der Punkt. Es liegt an der Art und Weise, wie unsere Maschinen funktionieren. Sie funktionieren seit Beginn an auf Basis der Axiome der klassischen (Aristotelischen) Logik.

  1. Axiom: Satz der Identität
    Alles ist mit sich identisch und verschieden von anderem! Beispiel: Sagt jemand von sich er sei Katholik, dann ist er nicht Protestant oder Moslem, etc.
  2. Axiom: Satz vom konträren Widerspruch
    Von zwei Sätzen, von denen einer das Gegenteil des anderen aussagt, muss einer falsch sein! Beispiel: Herr X ist Protestant. Herr X ist Katholik.
  3. Axiom: Satz vom ausgeschlossenen Dritten (TERTIUM NON DATUR – TND)
    Von zwei Sätzen, von denen einer das vollständige Gegenteil des anderen aussagt, muß einer richtig sein! Beispiel: Herr X ist Katholik, Herr X ist Nicht-Katholik.
  4. Axiom: Satz vom zureichenden Grunde
    Alles hat seinen Grund, warum es so ist, wie es ist!

Diese Axiome sorgen dafür, dass Autonomie, als Grundlage für Lebendigkeit, derzeit technologisch nicht umsetzbar ist. Mehr möchte dazu aber gar nicht schreiben, sondern auf den Beitrag Autonomie in Biologie und Technik verweisen, wo dieser Fakt gründlich untermauert ist. Viel Spaß beim Lesen.

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5 Responses to Künstliche Intelligenz gibt es noch nicht

  1. Erik M. says:

    Auch wenn eine Maschine (mit Software) uns Menschen u. a. im Denkvermögen unterlegen ist und somit auch noch mit dem “Turing-Test” so einige Probleme hat, ist die künstliche Intelligenz einiger Maschinen (mit Software) schon sehr beeindruckend (Schriftgröße bleibt bei ca. 12 😉

    • Ich will gar nicht abstreiten, dass Maschinen mittlerweile schon so Einiges können. Aber das hat alles nichts mit Intelligenz zu tun. Intelligenz setzt Autonomie und damit operationale Abgeschlossenheit voraus. Alle unsere heutigen Maschinen sind operational offen und damit nicht intelligent, ob künstlich oder eben nicht. Alles was Maschinen derzeit noch tun hat nichts mit Intelligenz zu tun.

      • Erik Mautsch says:

        Vllt. „entschärft“ das vorangestellte Wort die Intelligenz noch etwas, also „künstliche Intelligenz“. In der Mimikresonanz/Emotionsforschung, da gibt es auch wissenschaftliche Erkenntnisse bzgl. des „künstlichen Lächelns (soziales Lächeln)“. Künstliches Lächeln, weil es kein echtes Lächeln ist. Künstliche Intelligenz?✌️

        • Okay, das kann man so sehen. In meiner Beobachtung wird das so häufig nicht gesehen, wenn davon gesprochen wird, dass Maschinen bald intelligenter sind als wir. Da wird also ein Vergleich hergestellt, wo es derzeit kein Vergleich geben kann. Maschinen und Menschen bewegen sich in komplett unterschiedlichen Beschreibungsdomänen.

  2. Murat Durmus says:

    Die Abküzung KI sollte meiner Meinung nach für “Künftige Informatik” stehen. Das beschreibt das Ganze treffender und sorgt für weniger Missverständnisse bzw. dämmt ein wenig die Erwartungshaltung vieler Menschen und zudem würde man das Themengebiet nüchternen betrachten (wenig Raum für Hokus-Pokus).

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