Wer auf Mittelmaß steht lobt SMARTE Ziele aus

Immer wieder höre ich in Verbindung mit der Auslobung von Zielen, dass man darauf achten sollte, dass diese SMART sind. Es gibt unzählige Quellen im Netz. Diese hier möchte ich nur als Paradebeispiel für eine Begründung dafür heranziehen, da hier die Bedeutung dieser 5 Buchstaben auf Ziele sehr schön erklärt wird. Ziele sollten also

Spezifisch,

Messbar,

Angemessen,

Realistisch und

Terminiert

sein. Wenn Sie meine bisherigen Ideen und Gedanken zu Zielen kennen, können Sie sich wahrscheinlich vorstellen, dass ich an dieser Stelle ganz anderer Meinung bin.

Ziele sollten alles andere als SMART sein.

Das will ich am Beispiel Fußball ausführen. Inspiriert zu dieser Analogiebildung hat mich übrigens Lars Vollmer, der in seinem Artikel Komplexität – der Feind in meinem Unternehmen? am Beispiel Fußball die Auswüchse in der Wirtschaft in Bezug zur Komplexität verdeutlicht hat, dass nämlich Komplexität als Feind gesehen wird, den man durch immer mehr haarklein definierte und verfeinerte Prozesse den Gar austreiben muss.

Also dann wollen wir mal den Ball auf den Anstoßpunkt legen und loslegen.

Ziele sollen spezifisch sein?

Stellen Sie sich vor Jupp Heynckes würde seinen Spielern vor einem Bundesligaspiel folgende Devise mit auf den Weg geben: „Ihr gewinnt heute 2:0.“ Denn im Kontext der Spezifität von Zielen würde natürlich die Maßgabe: „Heute gewinnt ihr“ nicht ausreichen.

Was würden wir über Jupp Heynckes denken?

Ziele sollen messbar sein?

Stellen Sie sich vor Jupp Heynckes würde seinem Abwehrspieler Dante die folgenden Ziele mit in das Spiel geben: „Du schlägst heute 8 Diagonalpässe auf den rechten Flügel zu Thomas Müller, 7 Diagonalpässe zu Franck Ribery, gewinnst 100% Deiner Zweikämpfe, egal ob in der Luft oder am Boden, der Mittelstürmer darf heute kein Tor erzielen und Du vermeidest grundsätzlich Rückpässe zu Manuel Neuer.“. Bayern verliert, aber Dante freut sich. Ziele erreicht. Denn im Kontext der Messbarkeit von Zielen wäre die Aussage: „Halte die Gegenspieler weit weg vom Tor und verteidige dementsprechend sehr hochstehend. Des Weiteren unterstütze die beiden 6-er im Gegenpressing. Wir wollen heute ohne Gegentor gewinnen.“ nicht ausreichend.

Was würden wir über Jupp Heynckes denken?

Ziele sollen angemessen sein?

Stellen Sie sich vor Jupp Heynckes würde seinen Spielern die folgenden Ziele mit in das Spiel geben: „Heute spielen wir gegen xyz. Ich habe genau analysiert, dass wir für einen Sieg nicht mit 100% Engagement in die Zweikämpfe gehen müssen. Es reicht absolut aus wenn wir nur jeden Zweikampf gewinnen. In die Kopfbälle braucht ihr gar nicht zu gehen. Der Gegner ist extrem kopfballschwach und so vermeiden wir Verletzungen.“ Denn im Kontext der Angemessenheit von Zielen wäre es nicht vertretbar, wenn die Spieler des FC Bayern München beispielsweise in einem Pokalspiel gegen einen Viertligisten mit vollem Engagement zu Werke gehen. Hier stehen dann Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis.

Was würden wir über Jupp Heynckes denken?

Ziele sollen realistisch sein?

Stellen Sie sich vor Tomas Oral, der Trainer vom FC Ingolstadt 04, würde vor einem Pokalspiel gegen den FC Bayern München seinen Spielern Folgendes mit auf den Weg geben: „Verliert nicht zu hoch. Es ist ja logisch, dass wir keine Chance haben, aber es sollte kein Debakel werden.“ Denn im Kontext der realen Einschätzung von Zielen ist es wohl klar, dass der FC Ingolstadt 04 keine reale Siegchance gegen den FC Bayern hat.

Was würden wir über Tomas Oral denken?

Ziele sollen terminiert sein?

Stellen Sie sich vor Jupp Heynckes würde seinen Spielern vor einem Spiel folgende Devise mit auf den Weg geben: „Die beiden Tore zum Sieg solltet ihr in den Minuten 44 und 68 erzielen.“ Denn im Kontext der Terminierung von Zielen würde natürlich die Maßgabe: „Ihr sollt heute 2 Tore schießen.“ nicht ausreichen.

Was würden wir über Jupp Heynckes denken?

Hier noch eine kleine Anmerkung. Die Terminierung „nach 90 Minuten …“ ist hier nicht gemeint, da es keine Entscheidung in der Zielauslobung darstellt. Laut Spielregel dauert ein Spiel nun einmal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Das muss man nicht noch einmal explizit entscheiden. Die Aussage: „Nach 90 Minuten habt ihr 2 Tore erzielt.“ Verfehlt also die Eigenschaft der Terminierung von Zielen.

Grundsätzlich nimmt man sich mit SMARTEN Zielen die Möglichkeit auf die Indeterminiertheit der Zukunft und damit auf Überraschungen zu reagieren. Überraschungen bürgen aber Sprengkraft für Innovation und Kreativität. SMARTE Ziele stellen dementsprechend Mittelmaß sicher, nicht mehr und nicht weniger.

Glauben Sie immer noch, dass Ziele SMART sein müssen? Ich nicht.

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14 Responses to Wer auf Mittelmaß steht lobt SMARTE Ziele aus

  1. SMART ist ein Korsett. Es erzeugt eine enge Struktur.

    Wenn ich ein lebendiges oder gar spielerisches Projekt haben möchte, schnürt mir SMART die Luft ab.

    Wenn ich meinen Schreibtisch aufräumen will, kann SMART mir die Struktur und den Druck geben, den ich zum Überstehen dieses Projektes benötige.

    • Karl Leinstein says:

      Mir gefällt das Beispiel mit dem Schreibtisch aufräumen sehr gut !
      Aber letztlich muss das Team gemeinsam entscheiden wo es welche Werkzeuge und Unterlagen platziert, so dass man effektiv und flexibel
      am Projekt arbeiten kann.

  2. Hallo Ingo,

    das sehe ich ähnlich. SMART kann im “toten Bereich”, wo Kreativität und Innovation nicht entscheidend sind, Du führst hier das Aufräumen eines Schreibtisches an, förderlich sein. Im “lebendigen Bereich” schnürt es die Atemwege für Innovation und Kreativität ab.

    Beste Grüße,
    Conny

    • So lange ein Schreibtisch noch ein (nur) “kompliziertes” Problem darstellt, kann man das SMART erledigen. Ich habe aber schon Schreibtische gesehen, die waren komplexe Umgebungen 😉

      Tatsächlich muss man denen, die glauben, alles mit Wissen, Checklisten und Methoden auch nicht Angst damit machen, dass all das komplett sinnlos ist. Es gibt eben beide Welten. Manche Sachen lassen sich wunderbar in der Linie wegarbeiten, für andere braucht man Ideen, Neues, Kreativität, Flexibilität, Agilität und alles, was dazu gehört.

  3. Hartwig says:

    Hallo Conny!

    Im Original ist SMART glaube ich wesentlich sinnvoller als wie hier dar gestellt.
    Deine Analyse beruht auf einer im deutschsprachigen Raum durchaus sehr gängigen Variante von SMART. Im englischen Original von Doran gibt es doch einige wichtige Unterschiede.

    Ich möchte zwei Beispiele herausgreifen:

    Zu spezifisch schreibt er “target a specific area for improvement”. Es ging Doran, so glaube ich, also weniger darum, dass heute 2:0 zu gewinnen ist, sondern, dass zum Beispiel im heutigen Spiel die Bilanz bei den Zweikämpfen besser werden soll.

    Angemessen kommt im englischen Original überhaupt nicht vor. Für “A” verwendet er “assignable”. „specify who will do it“. In deinem Beispiel müsste also klar festgelegt werden wer bei den Zweikämpfen besser werden soll.

    Weitere Unterschiede zwischen Doran und der deutschen Literatur habe ich auf folgender Seite herausgearbeitet:
    http://werkzeugkoffer.wirtrainieren.de/smarte-ziele/

    Beste Grüße
    Hartwig

  4. Oft werden vom Ansatz her sinnvolle Management-Methoden schablonenhaft angewandt, obwohl man sie nicht verstanden hat und damit weder ihr sinnvolles Einsatzfeld kennt noch ihre Anwendung auf die aktuelle Situation zuschneidern kann. Dafür ist unsere Welt heute aber zu komplex.

  5. Ich hatte ja auf Twitter schon was zu deinem Artikel geschrieben, aber unabhängig davon, dass ich deine Bespiele für schlecht gewählt halte, möchte ich meine Gedanken dazu hier noch ein wenig ausführen.

    Der Grundtenor deines Artikels ist ja, dass SMART-Ziele zu eng sind, um mit der “Indeterminiertheit der Zukunft” oder vereinfacht gesagt Überraschungen umzugehen.

    Das Problem mit Überraschungen ist aber: wir müssen damit so oder so umgehen.

    Also stellt sich die Frage, ob wir *überhaupt* Ziele aufstellen sollten und wenn ja wofür. Diese Frage klingt fatalistisch, ergibt sich aber aus der Tatsache, dass die Überraschungen eben auch dazu führen können, dass Ziele nicht erreicht werden. Und das wirft wiederum die Frage auf, ob wir damit leben können, dass wir manche Ziele nicht vollständig und manche sogar gar nicht erreichen.

    Nun ist es ja aber auch so, dass nicht jedes Ziel im Widerspruch zur Umweltkomplexität stehen *muss*.

    Das ist im Regelfall dann der Fall, wenn die Zielerreichung überwiegend von Faktoren abhängt, die wir selbst kontrollieren können. Das oben angebrachte Beispiel mit dem Schreibtisch passt dazu, aber man wird sicherlich auch in “lebendigen” Projekten solche Ziele finden können.

    Die Frage bei solchen Zielen ist dann eher, ob wir überhaupt ins Handeln kommen.

    Für solche Ziele macht die SMART-Methode aber durchaus Sinn, denn es deckt sich mit den bisherigen (empirischen) Erkenntnissen aus der Volitionspsychologie.

    Demnach werden Ziele nämlich mit höherer Wahrscheinlichkeit erreicht, wenn:

    1. Wir dem Ziel eine relativ hohe Bedeutung oder Wichtigkeit beimessen.
    2. Wir das Ziel mit unseren Fähigkeiten und Mitteln für erreichbar halten (sprich: die mit dem Ziel verbundene Selbstwirksamkeitserwartung)
    3. Das Ziel trotzdem eher anspruchsvoll also nur mit gewissen Anstrengungen zu erreichen ist.
    4. Wir das Ziel relativ spezifisch beschrieben haben (also wenig Interpretationsspielraum hinsichtlich des Zielzustands besteht)

    Darüber hinaus soll ein Commitment gegenüber anderen Personen die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.

    Ich gehe stark davon aus, dass es kein Zufall ist, dass die SMART-Kriterien diese Faktoren widerspiegeln (Specific und Measurable: 4, Attractive: 1, Realistic: 2, Time-bound: 3) 😉

    Insofern halte ich es schon für sinnvoll SMART-Ziele zu definieren, aber ich muss mich eben genau fragen, wo das Sinn macht und wo nicht. Die Anwendung nach dem Gießkannenprinzip – also da Ziele zu definieren, wo ich die Dinge eigentlich eher auf mich zukommen lassen muss – halte ich tatsächlich auch nicht für sinnvoll.

    Gruß
    Patrick

    P.S. Zu dem Thema Volitionspsychologie hab ich in der Vergangenheit mal einen Artikel geschrieben. Das oben Geschriebene war gewissermaßen ein Abriss daraus: http://chaosverbesserer.de/blog/2018/08/08/wie-erreichen-wir-eigentlich-ziele/
    P.P.S. Wenn ich SMART-Ziele definiere sollte ich natürlich auch schauen, wer an der Zieldefinition beteiligt ist. Denn was für Jupp attraktiv und realistisch erscheinen mag, muss es ja nicht unbedingt für seine Spieler sein. Hier Gemeinsamkeiten zu finden ist aber notwendig, wenn man Erkenntnisse aus der Volitionspsychologie von der persönlichen Ebene auf eine Teamebene übertragen will.

    • Hallo Patrick,

      ganz lieben Dank für Deine ausführliche Replik, auf die ich kurz eingehen möchte.

      Der Grundtenor deines Artikels ist ja, dass SMART-Ziele zu eng sind, um mit der “Indeterminiertheit der Zukunft” oder vereinfacht gesagt Überraschungen umzugehen. Das Problem mit Überraschungen ist aber: wir müssen damit so oder so umgehen.

      Meine Intention des Beitrages war die Folgende. Oft wird dargelegt, dass es gut ist, Ziele zu definieren, um in Situationen, unabhängig davon, ob sie hohe oder niedrgie komplexe Anteile haben, erfolgreich zu sein. Und mit dem Smart-Konzept werden dann auch noch Kriterien angereicht, die solche Ziele haben sollten. Also nach dem Motto: Wenn die Ziele so definiert sind, dann ist es wahrscheinlicher erfolgreich zu sein, sprich diese Ziele auch zu erreichen.

      Und ja diese Kriterien sind zu eng, was bedeutet, je komplexer eine Situation ist, in der man sich bewegt, desto ungewisser ist auch die Zukunft und das führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit Potentiale nicht auszuschöpfen, weil man sich an das zu enge Korsett der zu erreichenden Ziele hält.

      Und na klar, können wir Unsicherheit oder Überraschungen nicht wirklich absorbieren, nur gefühlt, was allerdings der Umwelt vollkommen egal ist. In diesem Sinne sollte man sich also Gedanken machen, wie man diese Unsicherheit handhaben kann. Und in meinen Augen ist das Konzept hinter Smart dafür eher nicht passfähig.

      Nun ist es ja aber auch so, dass nicht jedes Ziel im Widerspruch zur Umweltkomplexität stehen *muss*.

      Da stimme ich Dir zu. Die Frage ist ja wie solch ein Ziel definiert ist. Wie oben beschrieben. Je höher die Umweltkomplexität ist, desto weniger scharf sollte ein Ziel a priori definiert sein, da damit der Raum an Überraschungen eingegrenzt wird. Also je höher die Umweltkomplexität ist, desto eher sollte man das Smartkonzept nicht anwenden. Ich gehe bei hoch komplexen Umfeldern immer so vor, dass ich eher einen Nordstern definiere. Ein Nordstern ist für mich etwas, der eine Richtung des Handelns vorgibt, aber keinen Zustand beschreibt, wo man wann in der Zukunft sein möchte. Oder wenn man einen Zukunftszustand beschreiben möchte, dann sollte dieser nie erreichbar definiert werden, und das sollte auch ganz bewusst so angenommen werden.

      Die Frage bei solchen Zielen ist dann eher, ob wir überhaupt ins Handeln kommen. Für solche Ziele macht die SMART-Methode aber durchaus Sinn, denn es deckt sich mit den bisherigen (empirischen) Erkenntnissen aus der Volitionspsychologie.

      Den ersten Satz unterschreibe ich voll und ganz. Den darauf folgenden eben nicht. Das habe ich oben ausgeführt. Ganz lieben Dank noch einmal für Deinen Link zum Thema Volitionspsychologie.

      In meinen Augen lässt sich also festhalten. Das Smart-Konzept ist umso passfähiger je weniger komplexe Anteile eine Situation hat, in der man sich bewegt und etwas erreichen möchte. Je weniger komplexe Anteile eine Situation aber hat, umso weniger Sinn macht das Ausloben von Zielen, da dann sowieso vieles inhärent der Situation vorbestimmt ist. Das wollte ich pragmatisch an dem Fußballbeispiel untermauern. Abgesehen davon, dass Beispiele immer hinken, verstehe ich immer noch nicht, warum diese schlecht gewählt sind.

      Und ich glaube wir sind gar nicht so weit in unseren Gedanken auseinander.

      BG, Conny

      • Hi Conny,

        ich glaube auch, dass wir mit unseren Gedanken nicht sehr weit auseinander sind.

        In jedem Fall sind wir uns einig, dass das Ausloben konkreter Ziele nicht immer sinnvoll ist und es in manchen Fällen wohl sinnvoller ist eine grobe ZielRICHTUNG zu definieren, eine Vision quasi oder wie du es nennen würdest: einen Nordstern.

        Was deine Beispiele angeht, denke ich, dass sie gut geeignet sind, um darzulegen, dass ein Ziel einzelne SMART-Kriterien erfüllen kann aber deshalb noch lange nicht SMART ist. Da deine Zielsetzung aber eine Andere ist, hätte ich mir andere Beispiele gewünscht. Beispielsweise solche, die tatsächlich alle SMART-Kriterien erfüllen, und trotzdem deinen Punkt illustrieren.

        Besser kann ich leider nicht erklären, was ich meine.

        Und natürlich merkt man deinen Beispielen an, dass du dich dem Stilmittel der Karikatur bedient hast 😉

        Denn statt als Ziel auszuloben ein bestimmtes Ergebnis in einem bestimmten Spiel zu erzielen – was irgendwie mehr nach Sportwette als nach realistischem Ziel klingt – könnte man sich ja vielleicht das Ziel setzen innerhalb der Saison eine bestimmte Anzahl Punkte zu erzielen oder so und so viele Spiele zu gewinnen.

        Last but not least noch etwas zur Zielsetzung in komplexen Situationen: Ich glaube, dass es manchmal mehr Sinn macht sich Ziele zu setzen, von denen man sich verspricht, besser für die möglichen Eventualitäten gewappnet zu sein als für die komplexe Situation selbst.

        Im Fußballbeispiel könnten das Trainingsziele sein.

        Natürlich weiß ich nicht, ob das Erreichen dieser Ziele auch *sicher*stellt, dass ich meinen Nordstern erreiche. Aber wenn ich nun mal mit Ungewissheit konfrontiert bin und mich deshalb nicht ganz konkret auf spezifische Situationen einstellen kann, ist das Beherrschen meiner Profession und ein Portfolio an unterschiedlichen Techniken und Werkzeugen noch das beste Mittel, das ich zur Verfügung habe.

        Gruß
        Patrick

    • Danke Patrick!

      Die Volitionspsychologie scheint mir einen tieferen Blick wert zu sein.

      Das Beispiel von Conny finde ich deswegen gut gewählt, weil es die Absurdität eines starr methodisch angewandten Werkzeugs in der dafür nicht vollständig passenden Situation sichtbar macht.

      Die Stolpersteine in der Praxis entstehen nach meiner Erfahrung immer wieder durch einen Transfer ohne Anpassung. Es ist so, als nähmen wir einen Buntstift und erwarten einen farbigen Strich auf einer Glasscheibe.
      Oder der Klassiker in unserer Welt: der permanente Boardmarker.

      Wir werden das Thema voraussichtlich im kommenden, 10. Kapitel von Franks Reise thematisieren. Im bisherigen Entwurf der Szene nimmt sich Frank Zeit zur Reflexion und ergründet, was ihn an Sportmetaphern so stört. Die immer nicht ganz passenden, jedoch auf den ersten Blick einleuchtenden Metaphern ziehen sich durch das ganze Buch.
      Das beginnt bereits mit der wirr-irritierenden Uber-Szene im ersten Kapitel.

      Wer mag, ist herzlich eingeladen, das Buch zu lesen und mit Kritik und Inspiration beizutragen:
      EN: https://leanpub.com/aoc/c/HH9pms05vOI4
      DE: https://leanpub.com/kdz/c/peBVsOMs3UUn

  6. @Patrick: Das hört sich sehr sinnig an!

    Mir fehlen in Connys Ausführungen darüber hinaus zwei Aspekte:

    1. Ob smart oder nicht, Ziele vertragen keinen Imperativ. Es kann also nicht ein Trainer einem Spieler ein Ziel befehlen/überstülpen. Ziele kann man wie Verantwortung nur übernehmen, nicht übertragen oder vorgeben. Ein übertragenes Ziel ist extrinsisch motiviert und steht im Zweifel im Konflikt mit dem dahinter stehenden intrinsischen Ziel, weiter in der Beziehung zum Zielgeber zu bleiben.

    2. Smarte Ziele machen nur Sinn, wo man eine angemessene Fähigkeit und Kontrolle hat. Ein Trainer würde nie solche Ziele ausloben wie beschrieben. Kein Spieler hat darüber die Kontrolle, wie viele Pässe er machen kann.
    In diesen Fällen, glaube ich, lohnt Aufmerksamkeitsgestaltung viel mehr: welche Priorität hat die Beschäftigung mit welchen Aspekte? Sollte ich mich mehr auf Sturm bei diesem Gegner konzentrieren oder auf Verteidigung? Womit wir beim Thema Strategie wären.

    Smarte Ziele lohnen also nur in Selbstverantwortung und simplen bis komplizierten Situationen. Für mehr waren sie auch nicht gedacht, würde ich sagen.

    • Danke Ralf für Deine Ausführungen, die ich alle unterschreibe.

      Smarte Ziele lohnen also nur in Selbstverantwortung und simplen bis komplizierten Situationen. Für mehr waren sie auch nicht gedacht, würde ich sagen.

      Den letzten Satz nehme ich oft anders war. Es mag ja sein, dass der Erfinder dieses Konzeptes genau das im Sinne hatte. Allerdings treffe ich das in der Praxis sehr oft nicht an. Da wird unabhängig des Komplexitätsgrades der Situation, in der man sich bewegt, SMART angewendet.

      BG, Conny

    • @Ralf und Conny:
      Ich möchte hier eine vermittelnde Position anbieten.

      Einleitung:
      Viele haben sich noch nicht mit dem Unterschied zwischen MBO (Management by Objectives) und OKR (Objectives and Key Results) beschäftigt und halten das eine für das andere … geht ja immer um ‘objectives’.

      “OKR auf den Punkt” formuliere ich im Gespräch gern so: welche Gegenstände (‘objectives’) drücken für uns den angestrebten Zielzustand aus und woran erkennen wir, dass wir ihn erreicht haben.
      “Schluß ist, wenn der Schiri pfeift” wäre ein solcher wahrnehmbarer Indikator.

      Jetzt kommt’s:
      Und in der Tat, mit “Aufmerksamkeitsgestaltung” erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung. Sobald der KR-Schwellwert überschritten ist, signalisiert das den Moment, in dem die Aufmerksamkeit auf den nächst wichtigeren Punkt verlagert werden kann.

      Niemand hat gesagt, dass SMARTe Ziele, ein SMARTes Ziel sein müssen und Dante seine Arbeit einstellen kann, sobald er “sein” Ziel erreicht hat.

      In komplexen Situationen gilt es, eine durch mehrere Schichten und Positionen bestimmte Situation zu erreichen und den Zustand zu halten, solange es erforderlich ist … “den Vorsprung über die Distanz erhalten” und solche Formulierungen.

      Was Conny hier mit “Mittelmaß” beschreibt ist ein ausbalancierter und deshalb halbwegs stabiler Zustand, der sich durch die Vielschichtigkeit von Einflussfaktoren jederzeit ändern kann.

      Die Kunst ist, den stabilen Zustand mittels ständiger Anpassung aufrecht zu erhalten und dadurch ein Fortkommen zu ermöglichen, solange das als erstrebenswert angesehen wird.

      Das immer wieder bemühte Fahrrad-Beispiel mag das verdeutlichen.
      Ein Fahrrad wird gesteuert und reguliert seine Stabilität über den fortwährend zugeführten Kraftimpuls selbst.

      Wer würde vom Fahrrad-Kurier Thorben verlangen, pro Tag 10.000 Pedal-Umdrehungen zu absolvieren?
      Was würden wir von dieser Führungskraft denken?

      Reality-Check:
      Ich erlebe in meinem Alltag in einer solchen Situation häufig Diskussionen darüber, ob bei einer anderen Gangwahl nicht 8.000 Umdrehungen ausreichen würden und ob Stefan mit 12.000 Umdrehungen nicht der bessere Kurier ist.
      Mich ermüdet soetwas zusehens.

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