Philosophie und Kybernetik als Katalysator für den Fortschritt

In meinem Post Kybernetik – die Versöhnung zwischen dem Rationalen und dem Humanen habe ich meine Sicht der Bedeutung der Kybernetik für den Fortschritt der menschlichen Entwicklung aufgezeigt. In der Reihe Denker des Abendlandes des Senders BRalpha erweitern der Physiker Harald Lesch und der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl meine Sicht, in dem sie die Bedeutung der Philosophie auf die gleiche Stufe heben.

Die angesprochene Sendereihe kann ich sehr empfehlen, da Lesch und Vossenkuhl sehr prägnant und eindrucksvoll den Zuschauer und Zuhörer auf eine denkerische Reise durch das Abendland mitnehmen.

Nun zurück zur Bedeutung der Philosophie. Lesch und Vossenkuhl zeichnen in der letzten Sendung der Reihe mit dem Titel “2500 Jahre Philosophie-Geschichte – eine Bilanz” ein Analogon, um die Bedeutung der Philosophie für den Fortschritt der menschlichen Entwicklung darzulegen. Sie malen in Gedanken ein Straßennetz mit Autobahnen, Bundestraßen, Kreisstraßen und Feldwegen.

Die Naturwissenschaften bewegen sich auf den Bundesstraßen bis hin zu den Feldwegen, in der Abbildung mit dünneren Strichen abgebildet. Das bedeutet, sie vertiefen sich in Details. Dabei simplifizieren sie, was auch essentiell für das Fortkommen in den jeweiligen Bereichen ist, egal ob wir von Physik, Chemie, Biologie etc. sprechen. Kybernetik und Philosophie haben die Aufgabe die detaillierten Erkenntnisse der Naturwissenschaften auf Stimmigkeit zu validieren. Sie bewegen sich auf den Autobahnen voran, in der Abbildung mit dickeren Strichen abgebildet. Sie sind also der entscheidende Integrator oder Katalysator. Lesch und Vossenkuhl sprechen von Innenrevisor. Die Naturwissenschaften erzeugen quasi den Speed, den die Kybernetik und die Philosophie auf die Straße übertragen. Wenn man sich allerdings anschaut, wie Erkenntnisse der Naturwissenschaften in die Praxis übernommen werden, egal ob ich von der unreflektierten Übernahme des Wissens nichtlebender auf lebender Materie rede oder der mathematischen Erkenntnisse in die Wirtschaft, ist hier noch ein enormer Nachholbedarf zu verzeichnen.

Der Grund dafür bzgl. der Philosophie sehen Lesch und Vossenkuhl darin, dass die Philosophen von dem Erfolg der Naturwissenschaftler ab dem 17. Jahrhundert so beeindruckt waren, dass sie diese nachahmen wollten. Dabei haben sie aber die Identität der Philosophie aufgegeben. Die Philosophie muss also wieder zurück zu ihren Wurzeln finden, um ihre Aufgabe als Katalysator wahrzunehmen. Auch die Kybernetik hat sich derzeit noch nicht wirklich als Integrator durchgesetzt. Ich denke der Grund ist hier ebenfalls darin zu suchen, dass die Kybernetiker sich zu sehr in Details verfangen und leider zu oft auf die Feldwege abbiegen.

Fortschritt geht also nur im Zusammenspiel von Naturwissenschaften und Philosophie sowie Kybernetik. Bewegt man sich nur auf den Autobahnen, kommt man nie ans Ziel. Bundesstraßen und Feldwege sind ebenso wichtig, um die letzten paar entscheidenden Kilometer zu schaffen. Details sind also notwendig. Klar. Bewegt man sich allerdings ausschließlich auf Bundestraßen und Feldwegen, ist der Fortschritt ebenfalls ausgeschlossen. Man kommt nicht nur zu langsam voran, sondern es wird auch die Sinnfrage der Erkenntnisse in den Teilbereichen nicht gestellt. Hier spielen dann Ethik und Moral eine entscheidende Rolle. Fragen, wie weit die Gentechnologie gehen darf oder die Forschungen im Rahmen der Künstlichen Intelligenz, können die Naturwissenschaften nicht beantworten. Hier benötigt man den Innenrevisor Philosophie und Kybernetik. Hätte der Bau der Atombombe verhindert werden können, wenn Kybernetik und Philosophie als Katalysator anerkannt gewesen wären?

Während ich diesen Post schreibe bemerke ich, dass ich auf meiner Reise des Verstehens ähnlich vorgehe, und das unbewusst. Ich befasse mich abwechselnd mit verschiedenen Detailthemen, sei es die Geldtheorie, die Zeit, die Sprache, das Denken, die Spieltheorie, Fraktale oder System Dynamics, um nur einige Themen zu nennen. Ich halte sehr oft inne und stelle die Frage nach den verbindenden Elementen zwischen den verschiedenen Themen. Dabei dienen mir die Kybernetik und die Philosophie als Katalysator.

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2 Responses to Philosophie und Kybernetik als Katalysator für den Fortschritt

  1. Annette Rasche says:

    Danke, ihre Reise des Verstehens war für mich hilfreich

    MfG

    A.Rasche

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