Der Kampf für das Gute ist der Nährboden für das Schlechte

Sehr häufig werde ich gefragt, worin die praktische Bedeutung der Polykontexturalen Logik von Gotthard Günther besteht. Ich habe die Polykontexturalität in einigen Post meines Logbuchs bereits reflektiert. In meinem Rucksack findet man auch einige Gedanken dazu. Eine sehr schöne Einführung findet man hier.

Ich möchte als Bedeutung für die Praxis ein Thema herausgreifen, welches ich in Diskussionen und Debatten immer wieder wahrnehme, das ist nämlich der Anspruch auf Wahrheit. Günther hat postuliert, dass es nicht nur entscheidend ist eine Aussage zu bewerten, sondern auch den Platz mit einzubeziehen, von welchem aus diese Aussage gemacht wird. Damit inkludiert er Kontexte und somit Subjektivitäten in die Betrachtung. Die zweiwertige Logik kennt stets nur einen Kontext, sie ist monokontextural. Der Platz, wo eine Aussage getätigt wird, wird nicht mit einbezogen. Da wir in unserem Denken von der monokontexturalen Logik geprägt sind, da sie in unseren Bildungseinrichtungen gelehrt wird, machen wir uns also über Kontexte in Diskussionen keine Gedanken, wundern uns aber warum wir häufig aneinander vorbeireden und nicht auf einen Nenner kommen. Das das nämlich so ist, ist vollkommen normal. Das möchte ich kurz skizzieren.

Plakativ lässt sich diese Problematik zurückführen auf

Wenn Sie sich eine Medaille um den Hals hängen lassen, haben sie stets beide Seiten der Medaille um den Hals, eine alleine geht nicht.

Die beiden Seiten einer Medaille kann man als Kontext verstehen. Debattieren Sie über ein bestimmtes Thema, wie beispielsweise die Gleichberechtigung, und äußern ihre Meinung dafür, dann bereiten Sie gleichzeitig den Nährboden für Diskriminierung. Die polykontexturale Logik erlaubt die Operation des Rejects. Es wird ein Thema quasi abgelehnt und nicht debattiert. Man unterhält sich einfach über etwas anderes, nicht über Gleichberechtigung. Damit gibt man der Diskriminierung erst gar keine Plattform. Die Polykontexturale Logik kann das, da sie mehrere Kontexturen zulässt. In dem Moment, wo man sich zu einem Thema äußert, ist man schon mittendrin.

Spiegeln kann man das auch von einem anderen Blickwinkel heraus. Wenn man beispielsweise seine Stärken verbessern möchte, muss man seine Schwächen annehmen. Stärken und Schwächen bilden eine Kontextur, wie die oben angesprochenen zwei Seiten einer Medaille. Wenn ich also meine Stärken verbessern möchte, muss ich mir meine Schwächen eingestehen, ich muss sie zulassen. Oder nehmen wir das Thema Fehler. Fehler und Fehlerfrei bilden ein Kontextur. Wenn ich Fehlerfreiheit haben möchte, muss ich Fehler zulassen wollen. Man hat stets Beides, nie eines alleine.

Sie kennen sicherlich den Ausspruch “Sag niemals nie.” Beispielsweise: “Ich möchte niemals so werden wie …”. In dem Moment, wo sie die Aussage tätigen, thematisieren Sie diese. Ein Reject ist nicht mehr möglich. Damit haben Sie wieder die zwei Seiten der Medaille. Und schwups, handeln sie genau so wie sie eigentlich garnicht handeln wollten. Übrigens ist die Aussage “Sag niemals nie” ein Paradoxon. In dem Moment, wo man den Satz ausspricht, handelt man bereits dagegen.

Wer also für das Gute kämpft, bereitet den Nährboden für das Schlechte. Was jetzt nicht bedeuten soll, nicht für das Gute kämpfen zu wollen. Man muss diesen Fakt nur akzeptieren. Man bekommt ihn nicht weg.

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